Die traditionsreiche Walzwerk Finow GmbH hat erneut Insolvenz angemeldet und wird wohl bald “Geschichte sein”. Das jedenfalls berichtet die Märkische Oderzeitung unter Berufung auf Aussagen des Geschäftsführers Patrick von Hertzberg.
Zur Rettung des Unternehmens verzichteten Gläubiger in der Vergangenheit auf Forderungen, Angestellte auf Lohn, es gab (zum Teil ziemlich rüde) Entlassungen und Landesbürgschaften. Inzwischen ist man aber offensichtlich bei “Nichts geht mehr” angelangt. Woran es gelegen hat? Nun, der “Chef” beruft sich auf die europäische Schuldenkrise, den harten Wettbewerb und die eingebrochene Nachfrage. Eine Mitverantwortung der Geschäftsführung scheint es (wie gewöhnlich) nicht gegeben zu haben.
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Die Landesbürgschaft für das angeschlagene Walzwerk Finow ist bislang überwiegend positiv bewertet worden. Vize-Landrat Carsten Bockhardt äußerte sich gegenüber der Märkischen Oderzeitung optimistisch, dankte der Landesregierung, der Barnimer Sparkasse und anderen Beteiligten. Die Entscheidung sei ein Signal, “dass Potsdam hinter dem Wachstumskern Eberswalde steht und Vertrauen in die Unternehmensführung und die Belegschaft des Walzwerkes hat“.
In diesem Punkt hat sich scheinbar seit Jahren nichts geändert. Unsere regionalen “Wirtschaftsexperten” lieben Patrick von Hertzberg. Verdient er diese “Engelsgeduld? Von außen betrachtet bleiben erhebliche Zweifel. Unter seiner Führung stolperte das Werk in den letzten Jahren von Abgrund zu Abgrund, potentielle Kunden wurden, berichtete jedenfalls die Presse, wieder und wieder vertröstet und die Belegschaft sank rapide. Für die Schulung der Entlassungen im Rahmen einer Transfergesellschaft wurden dann auch noch Räume angemietet, die sich seit 1999 im Besitz von Hertzberg-Gattin Karen befinden.
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Der Materialeinkauf scheint vorerst gesichert und das Insolvenzverfahren kann zum Jahresende vermutlich aufgehoben werden. Nachdem Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov heute offensichtlich einer Landesbürgschaft für das Walzwerk Finow zugestimmt hat (berichtet jedenfalls die Märkische Oderzeitung) sollte der Kampf um die verbliebenen 142 Arbeitsplätze zumindest “in die nächste Runde gehen”.
Ob es gelingt bleibt abzuwarten. Dann stellt sich auch die Frage, ob Patrick von Hertzberg, noch immer geschäftsführender Gesellschafter der GmbH, aus den “ewigen Krisen” produktiv gelernt hat.
Abgesehen von der rein finanziellen Ebene wird er für die “Mission Rettung” vor allem hochmotivierte Mitarbeiter brauchen.
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Nachdem am gestrigen Tag wohl noch der Schockzustand regierte haben sich inzwischen einige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften zu den Entlassungen im Finower Walzwerk geäussert.
Carsten Bockhardt, des Kreises wohl routiniertester “Kondolenzredner”, spricht (Quelle: Märkische Oderzeitung) von eime schweren “Schlag ins Kontor” und zeigt sich betroffen. Lutz Landmann, seines Zeichens erster Beigeordneter der Stadt Eberswalde, ist angesichts Stahl- und Polizeikrise ebenfalls beunruhigt und hadert mit Hiob.
Die IG-Metall schließt einen (Unternehmens)”Tod auf Raten” nicht mehr aus.
Auffällig ist allerdings, dass in der Stunde der Not und existensbedrohender Entwicklungen für die Arbeitnehmer offensichtlich niemand die Firmenpolitik und Qualität des Managements in Frage stellt.
Im Gegenteil, grade Geschäftsführer von Hertzberg (und der hat wohl von allen Beteiligten den sichersten Job) fluten “warme Wellen des Mitleids und der Symphatie” entgegen.
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