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Ein Amberbaum für Lichterfelde

Amberbaum_Lichterfelde_02.04.16Nach der Fällung der schönen Trauerweide vor der Lichterfelder Dorfkirche wurde nach einem geeigneten Ersatzbaum gesucht. Mein Vorschlag, einen Amerikanischen Amberbaum (Liquidambar styraciflua L.) anzupflanzen, hatte beim Ortsbeirat Lichterfelde und bei der Gemeindevertretung Schorfheide erfreulicherweise Zustimmung gefunden.
Lieferant des mehr als 4 m hohen Gehölzes war die Baumschule Lorberg aus Tremmen bei Ketzin. Am Freitag wurde der Amberbaum auf fachmännische Weise dort gepflanzt, wo kürzlich noch die Trauerweide stand.
Die Pflanzaktion der Firma Ohlendorf aus Altenhof wurde begleitet durch zwei Mitarbeiterinnen der Gemeinde Schorfheide (Baumbeauftragte Frau Böhlke, Pressesprecherin Frau Wähner), zwei Vertretern des Lichterfelder Ortsbeirates (Ortsvorsteher Gabriel und Herr Tschacher), Journalisten der Märkischen Oderzeitung und des Eberswalder Blitzes sowie Lichterfelder Bürgern.

Nach der Baumauswahl haben mich einige Leute berechtigterweise gefragt, weshalb man sich für einen Exoten – und nicht für eine einheimische Baumart entschieden hat. Die Gründe dafür möchte ich an dieser Stelle nochmal erläutern. Für den besonderen Platz im Ortskern Lichterfeldes sollte ein optisch attraktiver Baum gefunden werden. Die Herbstlaubfärbung des Amberbaumes reicht, abhängig von der jeweiligen Witterung, von Gelbtönen über Orange zu Rot bis ins Violette. Die Borke ist korkartig, auch die Äste und Zweige tragen interessante Korkleisten. Weiterhin sind die spektakulären ahornähnlichen Blätter des Amberbaumes und die pyramidenförmige Krone sehr schön. Zudem kommt der Baum nach gelungenem Anwachsen gut mit den klimatischen Verhältnissen Brandenburgs zurecht, ist nahezu resistent gegenüber Schädlingen und widerstandsfähig gegenüber Luftschadstoffen.

Die erneute Anpflanzung einer Trauerweide wäre keine gute Idee gewesen, weil es sich bei dieser um keine geschützte Baumart handelt und die Lebensdauer vergleichsweise deutlich geringer ist. Das Weidenholz ist anfälliger gegenüber Pilzbefall. Aus verkehrstechnischer Sicht wäre eine Weide an diesem Standort deshalb nicht besonders geeignet, an einen Dorfweiher würde sie besser hinpassen. Linden sind schon viel in Dorfkernen gepflanzt worden. Eine Eiche wäre sicherlich auch keine schlechte Wahl gewesen, doch die wächst i.d.R. langsamer und es würde entsprechend länger dauern, bis der derzeit „leere“ Platz wieder einigermaßen ausgefüllt ist.
Denjenigen, die sich mit einem „Exoten“ nicht anfreunden können, möchte ich entgegenhalten, dass auch Baumarten wie Rosskastanie, Robinie und Ginkgo nicht zu den einheimischen Bäumen gehören, mittlerweile jedoch Normalität im Stadtbild und in Parks, insbesondere die ersten beiden Baumarten sogar bestandsbildend in der freien Landschaft (z.B. in Alleen), sind.
Gut begründet sollte es also erlaubt sein, innerhalb geschlossener Ortschaften hin und wieder mal eine ausländische Baumart anzupflanzen.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

1 Kommentar » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Heute berichtet der Eberswalder Blitz in seiner aktuellen Ausgabe von der Pflanzung des Amberbaumes.
    Ein sehr schön geschriebener Artikel. Leider hatte ich wohl eine Information missverständlich an den Journalisten widergegeben: Der Amberbaum ist keine gute Bienenweide, wenngleich dieser auch Bienen in gewissem Maße Pollen und Nektar liefert. Die Fremdbestäubung erfolgt aber überwiegend durch Wind.
    Demgegenüber gilt der Bienenbaum (Tetradium daniellii) als sehr gutes Bienennährgehölz mit einem hohen Nektar- und Pollenwert.

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