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Heckenmassaker in Lichterfelde zerstört wertvollen Lebensraum

Heckenmassaker Lichterfelde

Heckenmassaker Lichterfelde

Heute wurde auf mehreren hundert Metern eine Hecke in Lichterfelde ratzekahl abgeholzt. Mit einem „Heckenpflegeschnitt“ hat das nichts mehr zu tun.
Folgenden Brandbrief habe ich soeben an die Gemeinde Schorfheide und die Untere Naturschutzbehörde Barnim geschrieben. Zudem sind die regionalen Medien eingebunden worden.

Sehr geehrte Frau Brandt,
sehr geehrte Frau Opfermann,

ich bin schockiert!!!!
Ich möchte Sie darüber informieren, dass heute an der Joachimsthaler Chaussee, Ortsausgang Lichterfelde Richtung Buckow (s. anhängige Fotos) auf der rechten Seite zwischen Straße und Radweg auf mehreren hundert Metern die ca. 20 m breite Hecke vollständig abgeholzt wurde. Es stehen nur noch Stumpen. Durch diese Radikalmaßnahme ist ein massiver ökologischer Schaden entstanden, den ich hiermit bei der Unteren Naturschutzbehörde Barnim zur Anzeige bringe.

Für viele Vogelarten und das Niederwild (Rebhühner, Fasane, Feldhase) ist damit, und zudem noch so kurz vor der Vegetationsperiode/ Brutsaison, ein wertvoller Lebens- und Rückzugsraum zerstört worden.
Es wird viele Jahre dauern, bis dieser Schaden annähernd wieder ausgeglichen werden kann.
Weiterhin hat der Erholungswert der Landschaft in diesem Bereich durch diese hirnrissige Maßnahme (anders kann man es nicht ausdrücken) stark gelitten. Die Hecke war auch ein wichtiger Windschutz und hat das naheliegende Feld vor übermäßiger Bodenerosion geschützt.

Ich weiß nicht, was man sich dabei gedacht hat…
Habe den Eindruck, dass in der Barnimer Region immer rücksichtsloser mit den letzten Resten einer wertvollen Kulturlandschaft umgegangen wird.

Meine Fragen an Sie:
1. Wer hat dies angeordnet?
2. Wer hat dies ausgeführt?
3. Aus welchen Gründen wurde dies veranlasst?
4. Weshalb sind wir als Gemeindevertreter Schorfheide über diese Maßnahme nicht rechtzeitig im Vorfeld informiert worden? Es ist leider nicht das erste Mal, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden!

Ich bitte Sie hiermit um zeitnahe Auskunft.
Ein Teil der Hecke im hinteren Bereich Richtung Buckow ist noch unangetastet. Gleichzeitig fordere ich Sie hiermit auf, schnellstmöglichst morgen früh einzuschreiten, damit die Abholzung nicht noch weiter geht.

Im Übrigen werde ich die Polizei einschalten, weil Gefahr im Verzug ist.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Nun berichtet die MOZ über das Lichterfelder Heckenmassaker:

    Wenn die Wurzeln der Pappeln die Teerdecke des Radwegs angehoben und diesen somit teilweise geschädigt haben, weshalb hat man dann Stumpen stehen gelassen, die wieder austreiben und Wurzeln bilden und die dann den Radweg erneut zerstören, so dass man wieder fällen muss? Weshalb hat man die Pappeln nicht vollständig gerodet? Das geht mir nicht in den Kopf.
    Nicht nachvollziehbar für mich ist auch, weshalb man nicht die Pappeln rausnehmen konnte, ohne die Strauchvegetation anzutasten, die > 80 % der Gesamtvegetation ausgemacht hatte? Wer hat diese Unsinnsplanung so beschlossen und welcher Einfallspinsel hat sie so ausgeführt? Wie viel hat der Unsinn dem Gemeindehaushalt Schorfheide insgesamt gekostet? Wer bekam das Holz?
    Das alles und einiges mehr werden meine Fragen für die nächste Bauausschusssitzung sein.

    Die Verursacher werden gefunden und es wird Konsequenzen geben!
    Nun aber gilt es nach vorne zu schauen: Nach dem entstandenen Schaden sehe ich keine andere Möglichkeit, als dass dieser wieder vernünftig ausgeglichen wird. Das muss mit einer Bepflanzung des gesamten Streifens durch Wildsträucher passieren. Wir haben jetzt eine feldseitige Freifläche, die nun qualifiziert bepflanzt werden kann. Ich bin gern bereit, mich hier fachlich einzubringen, um Vorschläge für die Strauchartenauswahl zu treffen. Zwischen Sträuchern sollten auch einige klein- bis mittelwüchsige Baumarten (z. B. Feldahorn, Hainbuche) angepflanzt werden.
    Ich bin mir sicher, dass wir dann, nach vielen Jahren, wieder eine sehr schöne und wertvolle Hecke hinbekommen werden, die Naturschützer/ Wanderer/Radfahrer/ Jäger gleichermaßen gefallen wird.

  2. Es gibt brisante Neuigkeiten im vorliegenden Fall, die einem Skandal gleichkommen! Meine Informationsquelle möchte ich aus Schutzgründen nicht nennen:

    1. Die vollständige Heckenabholzung, welche die Gemeinde Schorfheide in Auftrag gegeben hat, war in dieser Form nicht mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Beantragt von der Gemeinde und genehmigt wurde nur die Fällung der Pappeln. Zudem wurde die UNB im Vorfeld von der Gemeinde Schorfheide nur darüber informiert, dass Pflegeschnitte an der Feldhecke im Zuge der Pappelfällungen vorgenommen werden. Jetzt ist die UNB völlig überrumpelt, dass keine Pflegeschnitte durchgeführt wurden, sondern die Hecke gänzlich beseitigt worden ist.

    2. Auftragnehmer bzw. Ausführender der Abholzungen ist ein Unternehmen, welches u. a. Energieholz verwertet (ach, da tuen sich ja interessante Zusammenhänge auf…).

    3. Aufgrund der doch erheblichen Diskrepanzen haben UNB Barnim und Gemeinde Schorfheide für den 05.04.16 ein gemeinsames Krisengespräch vereinbart. An diesem Tag ist zufälligerweise auch die nächste Bauausschusssitzung.

    Gemäß meines Informanten war heute in der MOZ ein Artikel, mit dem die Gemeinde Schorfheide versucht, ihre Schandtat ins positive Licht zu rücken und sie als ökologisch sinnvoll verteidigt („neuer Lebensraum für bestimmte Vogelarten geschaffen“, u.s.w.).
    In meinen Augen eine bodenlose Frechheit des Versuches einer Reinwaschung, welches ich im Bauausschuss thematisieren werde. Warum gibt die Gemeinde nicht einfach zu, dass sie Bockmist gebaut hat?

  3. Jetzt liegt mir der besagte MOZ-Artikel (Nach Heckenschnitt zum Appell:
    vor, den ich und mit folgendem Leserbrief kommentiert habe:

    Einforderung von Konsequenzen für das Heckenmassaker
    Zunächst das Gute: Nach dem Fingerzeig der Unteren Naturschutzbehörde Barnim (UNB) räumt die Gemeinde Schorfheide endlich Fehler im Umgang mit der Lichterfelder Feldhecke ein, die nun nicht mehr existiert. In den E-Mails von Bauamtsleiterin Frau Brandt an mich war von einem Schuldeingeständnis noch keine Rede.
    Auch den gemeinsam vereinbarten Beratungstermin (Landesbetrieb Straßenwesen, Gemeinde Schorfheide UNB Barnim) sehe ich als konstruktiv an, gesetzt den Fall, dass etwas Vernünftiges dabei rumkommt. Und dies wäre: Es muss an die Öffentlichkeit, welche Maßnahmen die Gemeinde bei der UNB beantragt und welche sie von der Kreisbehörde genehmigt bekommen hat. Weiterhin muss der Inhalt des Auftrages der Gemeinde an die ausführende Firma publik gemacht werden, mit dem Ziel: Wer ist schuld am Heckenmassaker, die Gemeinde oder die ausführende Firma? Hat sich die Firma eigenmächtig bereichert oder schlicht auftragsgemäß gehandelt?
    Im Nachgang der Auswertung muss es Konsequenzen für die Verantwortlichen geben, die ich hiermit einfordere. Es kann nicht sein, dass derartige Fehler unsanktioniert bleiben: Jemand muss dafür geradestehen – und bezahlen! Wenn das beauftragte Unternehmen Energieholz Schorfheide GmbH aus Groß-Schönebeck über den bestehenden Auftrag, der Pappelfällungen, hinaus gehandelt haben sollte, darf die Gemeinde Schorfheide zukünftig keine derartigen Aufträge mehr an diese Firma vergeben. Die Firma hat dann gezeigt, dass sie offensichtlich nicht in der Lage oder willens ist, mit Teilen der wertvollen Kulturlandschaft ordnungsgemäß umzugehen. Im Sinne der Gewinnmaximierung hat sie eine rücksichtslose Totalplünderung vorgenommen, um möglichst viel Energieholz zu ernten. Wenn die Firma Energieholz Schorfheide gesetzeswidrig gehandelt hat, sind die kommunalen Behörden sogar in der Pflicht, sie anzuzeigen. Sie hat dann für den verursachten Schaden finanziell aufzukommen. Als Gemeindevertreter werde ich den Fall „mit Argusaugen“ begleiten.
    Weiterhin reicht es nicht aus, die Kahlfläche sich selbst zu überlassen. Vielmehr fordere ich einen qualifizierten Heckenaufbau mit der Anpflanzung von unterschiedlichen Strauch- und Kleinbaumarten mit dem Ziel der Schaffung einer Artenvielfalt ein. Machen wir nun das Beste aus der Situation! An diesem Punkt möchte ich mich bezüglich der Pflanzenartenauswahl ehrenamtlich beratend einbringen, das ist mein Angebot! Eine solche Bepflanzung muss noch im Frühjahr dieses Jahres passieren, es darf keinen Zeitverzug geben. Mit dem Weglassen von Pappeln gehe ich konform. Gleichzeitig muss eine umfassende ökologische Schulung der mit Grünflächen- und Baumschutzarbeiten betrauten Mitarbeiter/innen der Behörden erfolgen.
    Den Bürgermeister, Herrn Schoknecht, sehe ich in der Pflicht, die Dinge wieder geradezurücken. Als Chef der Gemeindeverwaltung hat er den Hut auf und ist für die Handlungen seiner Mitarbeiter/innen verantwortlich.

    Die Teilentschuldigung der Gemeinde Schorfheide und der damit missglückte Versuch einer Rechtfertigung, dem Fall nun Positives abverlangen zu wollen, halte ich für unangebracht, ist fast schon dreist. Hier mal nichts zu sagen, wäre diplomatischer gewesen.