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„Erst mal alles plattmachen“ – Die Eberswalder Bau- und Baumschutzpolitik

Die Rosskastanie in der Walther-Rathenau-Straße im Herbst 2008

Die Rosskastanie in der Walther-Rathenau-Straße im Herbst 2008

Jahrelang wurde um die prächtige Rosskastanie in der Walther-Rathenau-Straße im Eberswalder Stadtzentrum gezittert. Bereits im Jahr 2008 schrieb ich im Barnim-Blog über diesen Fall.
Jetzt ist es leider so weit: Der alte Baum soll noch im Februar verschwinden! Gemäß einer Berichterstattung der Märkischen Oderzeitung muss sie nun einem Neubau der WBG Wohnungsbaugenossenschaft Eberswalde-Finow eG weichen.

Es ist bekannt, dass in der Stadt Eberswalde nicht baumerhaltend geplant wird. Sei es durch Bauaktivitäten der kommunalen WHG Wohnungsbau- und Hausverwaltungs-GmbH, oder jetzt der WBG Wohnungsbaugenossenschaft Eberswalde-Finow eG.
Die alte prächtige Rosskastanie in der Walter Rathenau-Straße war bereits an ihrem Platz, als hinter ihr noch ein Haus stand und wo nun eine Baulücke klafft. Sie gehört zum Stadtbild.
Wenn die Akteure der WBG ein bisschen Achtung vor alten Bäumen hätten, so würden sie baumerhaltend planen und Ihren Neubau so ausrichten, dass die Kastanie erhalten werden könnte. Leider sehe ich keine Bereitschaft und den Willen dazu. Offensichtlich schätzt die WBG prächtige alte Stadtbäume als wertlos ein. Bedauerlicherweise ist veraltetes, nicht nachhaltiges Denken immer noch allgegenwärtig.
Proteste seitens der Stadtpolitik gegen die Fällung dieses Baumes konnte ich bisher leider nicht vernehmen. Wird von den Eberswalder Stadtverordneten alles so sang- und klanglos hingenommen?
Es ist ein Jammer, wie viele alte prächtige Bäume in den letzten Jahren aus dem Eberswalder Stadtbild verschwunden sind.
Ein mir bekannter Professor vom Fach und nun im Ruhestand, gleichzeitig eine hochgeschätzte Eberswalder Persönlichkeit, antwortete mir zu dem Fall: Er bedauerte, dass die Stadt Eberswalde kein Konzept und auch keinen Willen habe, eine Waldstadt, die sie einmal war, zu erhalten, was schade und traurig zugleich sei.


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Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

2 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Eberswalde ist eines der besten Beispiele, wie man das Bild einer Stadt, am besten, verunstalten kann.

  2. Da stimme ich Ihnen zu, Herr Frank.
    Dabei gibt es doch inzwischen so viele Beispiele einer ökologischen und lebenswerten Stadtplanung. Eberswalde bräuchte gar nicht das Rad neu erfinden und Planer beauftragen, sondern könnte sich so viele Anregungen von woanders holen.
    Stattdessen findet man Betonklötze auf dem mit viel Geld häßlich neu gestalteten Eberswalder Kirchhang und Steinkasten-Gambionen mit Metallgittern an der ebenfalls mit viel Geld neu gestalteten Finowkanalpromenade, die nur wenige Besucher zum Flanieren einlädt, ansonsten immer noch eine „tote Ecke“ ist. Einfalls- und Geschmacklosigkeit, die sich weiter ausbreitet.