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Dramatische Wochen für den Finowkanal

19.12.2010 -0334
Wenige Bürger unserer Region wissen, dass sich in diesen Wochen das Schicksal unseres historischen Kanals entscheidet – des ältesten heute noch schiffbaren Kanals in ganz Nordeuropa. Bürgermeister und Gemeindevertreter der neun Anrainerkommunen haben die Wahl, ob sie das Angebot des Bundes annehmen, den Finowkanal mitsamt einer „Mitgift“ in Höhe von 75 Millionen Euro in kommunale Regie zu übernehmen.

Seit dem überraschend hohen Angebot des Bundes arbeiten die Akteure intensiv an den Berechnungsgrundlagen, die am 11. Januar den Gemeindevertretungen vorgelegt wurden. Bis Mitte des Jahres muss die Entscheidung gefallen sein.
Gelingt die Übernahme nicht, werden nach und nach die Schleusen geschlossen. Mit der ersten gesperrten Schleuse ist es ein für alle Mal vorbei mit Booten auf dem Kanal; kein Passagierschiff wird mehr in Eberswalde anlegen, kein Wassertourist zum Einkaufen, zur Erkundung unserer schönen Umgebung, der Denkmale der Industriekultur oder für einen Stadtbummel anhalten. P1010005Niemand investiert in Wohnungen und Marinas an einem toten Kanal. Neue Jobs durch touristische Dienstleistungen? Fehlanzeige. Jegliche wirtschaftliche Entwicklung erfordert eine zuverlässige Zukunft für den Kanal. Ohne dauerhaften Schleusenbetrieb geht hier nichts.
England hat es vor vier Jahren für seine 3000km touristischer Binnenwasserwege geschafft. Sollten wir nicht in der Lage sein, unsere 30km Historie für die Nachwelt zu erhalten?DSC03079
Längst diskutieren die Zweifler ihre Argumente lauter als die Unterstützer. Bedenken über Folgekosten ertönen stärker als die Begeisterung über das Angebot des Bundes, das in dieser Höhe bis vor Kurzem noch unvorstellbar war und in der Bundesrepublik einmalig ist. Es ist von keiner Diskussion über die Chancen zu hören, die doch in unseren Nachbarländer einschließlich Polen so offensichtlich zu beobachten sind.IMAGE
Mit der bevorstehenden Kreisreform sind im Juni alle Messen gesungen. Heute werden die Weichen gestellt. Was wird überwiegen – Mutlosigkeit und Angst vor dem Neuen? Oder Tatkraft und „Wir schaffen das“?
Inzwischen sind es sechs regionale Vereine, deren Mitgliedschaften sich ein letztes Mal mit einem dringenden Appell an alle Stadtverordnete, Gemeindevertreter, Unternehmer und Bürger der Region wenden, diese Chance auf eine wirtschaftliche Entwicklung und Zuzug nicht zu versäumen.

Kann es wirklich sein, dass die wohlhabendste Generation seit Bestehen des Kanals unserem historischen Erbe das Ende bereitet?
Uns bleibt dann nur noch die Fahrt nach Bromberg (Bydgoszcz), der Stadt an unserem Schwesterkanal, die ihr historisches Erbe für einen boomenden Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen weiß.

Appell der sechs Vereine/Kleine Eberswalder Erklärung zum Download

Fotos: Sandra Riewe, Hartmut Ginnow-Merkert
Die Nachtaufnahme von Sandra Riewe zeigt einen Blick auf den Bromberger Fischmarkt mit dem Kultur-Maßkahn „Lemara“ und den zwei Solarfähren, die die Stadt betreibt.

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9 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ich habe den Kanal jetzt 2X mit meinem kleinen Sportboot befahren,es war jedes Mal ein
    sehr schönes Erlebnis,das ich immer wieder gerne wiederholen würde. Das Erlebnis ist Einmalig !

    • Kommen Sie gern wieder. Für 2016 soll der Betrieb noch gesichert sein. Die Schleusensaison beginnt Ende April.

  2. Warum zum Teufel hat eigentlich niemand mehr Mut zur Lücke, wenn ihm ein Sahneschnittchen angeboten wird?
    Weil man nen Businessplan für die nächsten 100 Jahre erstellen muss mit Prognosen und Wenn und Aber, Ersatzplänen, Notfallfinanzierungen, Sozialpläne für weiß-der-Geier-was-Szenarien.
    Hat irgendwer ne Kristallkugel im Schrank stehen und weiß 100% was die Zukunft bringt?
    Da lässt man lieber die bereits angesiedelten Gewerbetreibenden in absehbarer Zukunft den Bach runtergehen, als mal mutig nach vorn zu schauen…
    Ich lebe seit mehr als 20 Jahren in Finowfurt und erfreue mich an der stetig steigenden Angeboten, die diesen Ort so lebenswert machen. Dazu gehört auch ein Spaziergang entlang des Finowkanal ins Dorf…
    Liebe Politiker und Verantwortlichen, greift einfach mal mit beiden Händen zu und schaut in 5 Jahren, was daraus geworden ist….
    Zerredet und zerplant nicht schon alles vorher mit der typisch deutschen Bedenkenträgerei
    Ihr werdet sowieso gescholten, egal ob ihr etwas gut oder schlecht macht, weil Andere wissen es IMMER besser, sie tun bloß nix. Meckern ist ja auch viel einfacher…

  3. Auch Backe – was ist hier richtig, was ist falsch? Bund und Land als Wasserstraßenbetreiber haben hier den Handschuh geworfen. Warum nur ist die Angebotsfrist so kurz? Stürzen uns die Hoffnungen, die sich mit der Öffnung des langen Trödels bei Zerpenschleuse auftaten, dennoch in eine Sackgasse? Die Schleusensaison beginnt Ende April. Aber wie lange noch, wenn Kommunen von heute die Größe der Aufgabe nicht übernehmen wollen?

    • Die Frist ist u.a. deswegen so kurz, weil das Angebot des Bundes erst gegen Ende letzten Jahres errechnet worden war und weil im Juni 2016 im Vorfeld einer vorgesehenen Kreisreform eine Haushaltssperre erlassen werden soll. Dann kann der Kreis keine Mittel mehr für den Finowkanal bereitstellen, wodurch die Finanzierung noch schwieriger wird. Daher der extrem kurze Zeitrahmen, in dem man sich nun entscheiden soll. So ungefähr habe ich die Lage verstaanden.

  4. Die Gegend ist teilweise schon so trostlos und Wirtschaftsschwach. In meinen Augen wäre es absolut falsch so eine Chance zu vergeben. Woanders werden Milliarden in den Sand gesetzt und hier gibt es sogar noch Geld dazu. Für die Region wäre das einstellen des Schleusenbetriebs eine Katastrophe

  5. Ja, ein Trauerspiel jagt das Andere. Es geht nicht nur unserer Region so, überall ist das Geld knapp. Die Landesregierung Brandenburg gibt lieber Geld für „Gesinnungsprojekte“ aus, anstatt der heimatlichen Kultur und der regionalen Entwicklung jede mögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Das trifft selbstverständlich auch für den Landkreis Barnim und die Stadt Eberswalde zu. Es ist manchmal nicht nachvollziehbar, nach welcher Philosophie Entscheidungen getroffen werden. Mit dem Finowkanal geht es um die Philosophie einer sinnvollen regionalen Entwicklung, wo der Tourismus und die landschaftliche Entwicklung eine große Rolle spielen. Der Traum der Industrieansiedlung ist ausgeträumt, die Gewerbeparks laufen auf Verschleiß. Das Finowkanalprojekt ist ein wichtiges Bestandteil und ein Erfordernis für eine zukünftige regionale Entwicklung, Wir müssen uns entscheiden, und das ziemlich schnell, was für uns, unsere Heimat, unser angestammtes Heimatgefühl und unsere Zukunft wichtig ist. Wir können uns aber auch für andere, zur Zeit wichtigere, Staatsprojekte entscheiden, die da heißen Geld für Migration und Flüchtlinge, Geld für Integration, Geld für Unterkünfte und sozialen Wohnungsbau, Geld für Lehrer, Geld für Islamlehre, Geld für Genderforschung, Geld für dringend notwendige Aufnahmeeinrichtungen und Personal, Geld für Polizei und Staatsschutz, Geld für Terrorismusbekämpfung, Geld für die Bekämpfung von Rechts bzw. Andersdenkende, Geld für Windräder sowie Wald- und Umweltzerstörung, Geld für die Türkei, Geld für Griechenland und Geld für internationale Hilfsorganisationen, Geld für Rücknahme abgelehnter Asylbewerber und und und – man kann es nicht mehr aufzählen. Aber keine Bange, für all diese Notwendigkeiten fällt das Geld in Deutschland ja vom Himmel (denken insbesondere viele junge Menschen, aber auch intelligente Studenten). Was dort als Kostenlawine auf uns, oder besser auf die arbeitenden und steuerzahlenden Menschen zurollt, wird noch so Manchen aus den Tagträumen reißen. Traurig ist nur, dass die menschen, die das alles nach dem Kriege mit ihrer Hände Arbeit wieder aufgebaut haben, die sich keinen Auslandsurlaub leisten konnten, die noch eine 6-Tage-Arbeitswoche hatten etc. und die jetzt im Renten – bzw. Seniorenalter angekommen sind, wieder kurz vor dem Nichts stehen. Denn, das Geld hat keinen Wert mehr dank Europolitik, die Ersparnisse für ein sorgenfreies Alter reichen nicht mehr, die Altersarmut zieht überall ein. Um wieder zum Thema zurückzukommen, dass ist der Grund, warum es für viele wichtige regionale Projekte kein Geld und keine Förderungen gibt. Das ist die Wahrheit, das ist der ehrliche Stand der Dinge und dieser Zukunft müssen wir ins Auge sehen und vielleicht anfangen langsam das Gehirn wieder einzuschalten. Herr Kohl und Frau Merkel haben es auf Grund ihrer herausragenden politischen Arbeit (Wiedervereinigung oder besser Einverleibung, Europapolitik, DM für Euro und Flüchtlingspolitik) geschafft, in die Geschichtsbücher zu kommen. Ausbaden jedoch muss es wie immer der Bürger, die Kleinen, die Alten, die Kinder und die Schwachen. Ich würde mir sehr wünschen, dass sich die Politik und ihre Verwaltung endlich wieder der Aufgabe widmet, wofür sie gewählt und berufen wurde, dem Wohl des Volkes, dem Wohl der Bürger, dem Wohl der Familie und seinen Kindern, dem Wohl der Heimat und dem Schutz ihrer Existenz zu dienen. Da sich das aber nicht abzeichnet und ein Gesinnungswandel nicht zu erkennen ist, wird es höchste Zeit, aufzustehen und neue Wege zu gehen. Aller guten Dinge sind Drei sagt man, nach Faschismus kam Sozialismus bzw. Kapitalismus, nun ist vielleicht eine neue Gesellschaftsform dran, wo der Mensch, die Familie, die Kinder und vor allem unsere Natur und unsere Erde wieder im Mittelpunkt stehen.