web analytics

Elektromobilität

Twizy_temp
Als Eigner eines kleinen Elektromobils erreichte mich neulich die Anfrage eines Fernsehsenders, was ich denn von der Idee halte, Busspuren für E-Mobile frei zu geben.
Spontan fielen mir nicht allzu viele Busspuren im Barnim ein, auf denen ich mit Stolz geschwellter Brust an den armen fossilen Autofahrern vorbei ziehen dürfte. Doch war diese Frage lediglich ein Ausdruck der in Deutschland völlig verquasten Diskussion über die Elektromobilität überhaupt.
Ich erinnere mich, wie ich mit meinem kleinen E-Mobil kurz nach dessen Erwerb an einer Verkehrsampel in Finow hielt. Ein älterer Herr erläuterte dem kleinen Kind an seiner Hand: „Haha, der fährt dreimal um den Block, dann ist die Batterie leer!“
Nun, ich darf vermelden, dass ich in zwei Jahren etwas mehr als 12.000km gefahren bin, ohne wegen der Batteriekapazität in Not geraten zu sein. Natürlich muss man planen, so wie man nicht ohne Butterbrot und Trinkflasche auf eine Wanderung geht. Doch angesichts der ohnehin geringen Fahrdistanzen, die man in Deutschland täglich zurücklegt, könnten zumindest einige der fossilen Zweitwagenbesitzer eines ihrer Vehikel durch ein E-Mobil ersetzten und sich zudem den Fahrspaß gönnen, den man mit anderen Arten der Fortbewegung vergebens sucht.
Nein, wenn es um Kaufanreize für E-Mobile geht, dann ist die Frage nach den Busspuren unsinnig. Die durchschnittliche Fahrstrecke deutscher Autofahrer pro Tag beträgt etwa 40 – 50km. Mein kleines E-Mobil hat eine Reichweite von 80km, bei schonender Fahrweise auch bis zu 100. Das reicht für alles, was ich an individueller Fortbewegung brauche. Aufgetankt wird am Solardach daheim. Null Tankstelle. Null Ölwechsel. Null Emission.
Wenn ich noch täglich zur Arbeit fahren müsste, wäre mir am meisten mit einem Parkplatz bei meiner Arbeitsstelle geholfen, vielleicht schön nah beim Haupteingang, unter einem Solardach und mit Gratis-Sonnenstrom vom Arbeitgeber.
In Eberswalde hätte ich gern einen kleinen Extra-Platz in Marktnähe, gratis natürlich. Mehr brauche ich nicht. Ich brauche auch keine Ladesäule. Die Ladesäule am Parkhaus des Landkreises ist ohnehin meist von fossilen Sparfüchsen zugeparkt, und ihr Anschluss entspricht nicht den aktuellen Standards. Das Nachladen ist daheim billiger. Überhaupt steigen die Reichweiten der E-Mobile rasant. Reichweiten von 200km, 300 und auch 600km und mehr sind keine Fiktion mehr. Jede neue Technologie fing irgendwo mal an. Benzin gab’s anfangs in der Apotheke.
Mit etwas staatlicher Förderung, wie sie in vielen anderen Ländern längst Realität ist, würde man auch in Deutschland der E-Mobilität auf die Sprünge helfen. Ein paar kleine Privilegien, die nichts kosten, könnten ihren Beitrag liefern. Das neue „E“ auf den Nummernschildern ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.Tesla
Größere Beiträge liefern inzwischen einige Unternehmen. Tesla, ein amerikanisches Unternehmen, bietet seinen Kunden lebenslang gratis Strom und unterhält längst ein Netzwerk von bald 600 Superchargern in Europa, darunter knapp 50 in Deutschland, etliche davon strategisch platziert entlang der Autobahnen. Das Aufladen geschieht innerhalb von Minuten. Renault offeriert einen Nachlass in Höhe von 5000 Euro auf den ZOE.
Die peinliche Abhängigkeit unserer Regierung von der fossilen Autolobby verhindert einen zügigen Umstieg auf die neuen Technologien und wirkt so mit am Verlust einer weiteren bedeutenden Industrie mitsamt Tausenden von Arbeitsplätzen. Die neuen Autos von Apple und Google werden die Marktanteile der konventionellen deutschen Automobilfirmen schmälern. China ist längst in der Lage, eigene Qualitätsfabrikate zu liefern.
Der Tesla S ist die meistverkaufte Luxuslimousine in den USA und liegt weit vor den Modellen von Mercedes, BMW, Lexus, Audi und Porsche. In Dänemark war der Tesla S das meistverkaufte Auto im Dezember 2015 (Wikipedia).
„Rückstand durch Technik“ scheint die erklärte Maxime im kuscheligen Verbund der deutschen Autoindustrie mit dem bayrisch gelenkten Verkehrsministeriums zu sein. Die nächsten Mahnwachen finden in Süddeutschland und Wolfsburg statt.

Elektromobilität auf Facebook teilen
Elektromobilität auf Twitter teilen
Elektromobilität auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

9 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. „Reichweiten von 200km, 300 und auch 600km und mehr sind keine Fiktion mehr.“ Wo? Welches Fahrzeug?

  2. Die Automobil-Konzerne machen zusammen gerade Zig-Milliarden-Gewinne, wollen aber viel, viel Geld vom Steuerzahler haben, um E-Autos auf den Markt zu bringen:

    Das finde ich richtig.

  3. Sehr geehrter Herr Prof. Dr . Ginnow -Merkert,

    ich gestatte mir darauf aufmerksam zu machen das die Eberswalder Stadtverordneten mit großer Mehrheit in ihrer letzten Sitzung am 17. Dezember 2015 den Aktionsplan “ Elektromobilität Eberswalde“ Stand 10.11. 2015/ BV /022/2015 verabschiedet haben.

    Im federführenden Fachausschuß Bau, Planung und Umwelt( ABPU) wurde die Beschlußvorlage am 1. Dezember 2015 regelrecht „durchgepfiffen !

    Entsprechend unserer Fraktionsinitiative ( Alternatives Wählerbündnis Eberswalde) in Übereinstimmung mit der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversamlung Eberswalde ist die Beschlußvorlage doch noch im Ausschuß für Energiewirtschaft(AEW) am 8. Dezember 2015 tagesordnungsrelevant geworden.
    Auch in diesem Ausschuß einschließlich in der Sitzung der StVV hielt sich die fachliche Debatte in einem überschaubaren Rahmen.

    Mir freundlichen und optimistischen Grüßen insbesondere für ein friedvolles Jahr 2016 verbleibt

    -Carsten Zinn-

    • Lieber Herr Zinn,

      ich hatte mit den Leuten der Berliner E-Mobilitätsagenturen schon früher fachlich zu tun und habe dazu so meine eigenen, in der Stadt nicht all zu populären Ansichten.
      Bitte lassen Sie den „Dr.“ in der Anrede weg; ich hab‘ nur den Prof.-Titel.

      Herzliche Grüße,
      Hartmut Ginnow-Merkert

  4. Zur Ergänzung:

    Die Ladestation von Park & Charge bietet noch nicht den Anschluss-Standard „Mennekes 2“. Die Lösung, einen Renault ZOE über ein Schukokabel zu laden, scheint laut einem Eintrag im Portal des Kartendienstes von Falk nicht zu funktionieren:
    „Achtung! Zoe bringt bei jedem Versuch mit dem Schukoladekabel zu laden, die Displaymeldung „Batterieladung unmöglich. Hotline geht keiner ran.“
    Meine Anfrage hierzu an Team Park & Charge brachte die Antwort: „Die P+C-Stationen unterliegen stets der Unterhaltung und ggf. Fehlerbeseitigung durch den Betreiber vor Ort selbst. Park+Charge e.V. kann auf gelegentliche Missstände bei Betreibern nur einwirken, nicht selbst beheben.“
    Also fragte ich die Kreisverwaltung des Landkreises Barnim, die mich wiederum an Park & Charge verwies: „…wir stellen für die Ladesäule am Paul-Wunderlich-Haus nur den benötigten Strom zur Verfügung. Welche Maßnahmen zukünftig für die Ladesäule geplant sind, kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Dazu müssten Sie sich an den Park + Charge e.V. wenden.“
    Von Team Park & Charge erhielt ich eine lange Belehrung, die aber kein Licht auf die Situation warf.
    Eine Frage an das Ordnungsamt der Stadt Eberswalde ergab, dass man seitens des Landkreises noch keinen Auftrag habe, die für E-Mobile reservierten Parknischen auf fossile Parksünder zu überwachen.
    Förderung von E-Mobilität sieht anders aus.