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Gartentipp: Wohin mit dem vielen Laub?

Es ist Herbst und viele Leute grauen sich vor dem Laubfall. Sie wissen nicht, wo sie damit hin sollen. Im Landkreis Barnim ist man noch gut dran, da gibt es Grünannahmestellen (wenngleich betreut durch mies bezahlte Ein-Euro-Job-Kräfte, was ja auch nicht sein sollte …).
Das Blattwerk von Bäumen und Sträuchern wird völlig zu Unrecht als lästiger Abfall gesehen, denn ganz im Gegenteil ist es auf vielfältige Weise ein wertvoller Rohstoff. Nachfolgend aus eigener Erfahrung ein paar Tipps zur sinnvollen Verwendung des Herbstlaubes, wie sie selbst in kleineren Gärten praktiziert werden kann:

Tipp 1: Im letzten Herbst habe ich auf unserem Gartenland Laub zusammen mit Kaninchenmist reihenweise untergegraben. Dabei waren selbst schwer zersetzbare Blätter von Eiche und Walnuss dabei. Sozusagen als Testlauf. Nach einer reichen Kohl- und Zwiebelernte habe ich heute wieder umgegraben und zu meinem Erstaunen konnte ich kein einziges Blatt mehr im Boden finden. Noch nicht einmal Blattskelette oder andere Blattfragmente! Die Bodenstruktur war wunderbar krümelig (Mullhumus) und es fanden sich erstaunlich viele große Regenwürmer. Das war im letzten Jahr so noch nicht der Fall. Nun kann man sicherlich davon ausgehen, dass der höhere Anteil an Nährstoffen im Kaninchenmist (insbesondere Stickstoff und Phosphor) die Umsetzung der schwerer zersetzbaren organischen Substanz des Laubes beschleunigt hat. Doch ich bin mir sicher: Selbst wenn ich keinen Mist verwendet hätte, so wären die Blätter des letzten Jahres auch zu einem überwiegenden Teil in Humus umgewandelt worden, es hätte vielleicht nur ein wenig länger gedauert.

Tipp 2: Hier wurde das Konzept des Total-Mulch-Gartens des von mir hochgeachteten, doch leider nie kennengelernten Kurt Kretschmann umgesetzt. Der Teil des Laubes, welches nicht untergegraben wurde, findet Verwendung unter Beerensträuchern (Johannes-, Stachel-, Brom- und Himbeere, Aronia, Obstbäume etc.). Wie eine kuschelig-wärmende Decke (natürlich auch durch freiwerdende Wärme infolge der Umsetzung) schützt es die Wurzeln der Sträucher vor dem Frost. Das Laub ist ein riesiger komplexer Lebensraum für Millionen von Kleinstlebewesen, und natürlich auch für Würmer und Kerbtiere. Bis zum Frühjahr wird es von diesen Tierchen vollständig zersetzt. Übrig bleiben wertvoller Humus und freigesetzte Nährstoffe, die den Beerensträuchern zu Gute kommen und im Folgejahr dann eine reiche Ernte hervorbringen. Doch die Laubdecke von Mutter Natur wirkt nicht nur temperaturausgleichend, sondern schützt gleichzeitig vor Austrocknung des Oberbodens. Auch im Sommer mulche ich unter Sträuchern, dann jedoch mit anderer organischer Substanz (Gras- und Wiesenschnitt, gejätetes Unkraut, gehäckselte Baum-und Strauchzweige und was noch so im Garten anfällt). Ein gut bedeckter Boden spart nicht nur Gießwasser, sondern auch die lästige Mehrarbeit des Unkrautjätens. Besonders erfreut es mich, wenn die Amseln, aber auch der Igel, das Laub unter den Sträuchern aufwühlen und dort nach Nahrung suchen. Hier finden sie immer, Sommer wie Winter, einen reich gedeckten Tisch. Man kann sagen, dass ein naturnäherer Garten quasi ein zusätzliches Vogelfutterhaus ist.
Weiterhin bedecke ich vor dem Wintereinbruch empfindliche Pflanzen (z. B. Rosen, Weinstöcke, wärmeliebende Stauden) mit einem Laubhügel.

Tipp 3: Laub als Tierunterkunft. Jeder, der einen nicht zu kleinen Garten hat, sollte sich in einer stillen ungenutzten Ecke unbedingt einen dauerhaften Laub-Reisig-Haufen anlegen! Dabei wird im Jahresverlauf immer so viel an organischer Substanz draufgelegt, wie etwa die gleiche Menge zersetzt wird. So bleibt der Haufen etwa auf gleicher, gewünschter Höhe und Größe. Solch ein Laub-Reisig-Haufen ist ein ungemein wertvoller Beitrag für den Naturschutz. Darin finden nicht nur Igel ein Winterquartier, sondern auch Lurche und Reptilien. Er ist gleichzeitig Lebensraum zahlreicher so genannter „Nützlinge“ wie Hundertfüßer oder Ohrenkneifer, die uns Menschen tatkräftig unterstützen, aufkommende Schädlingskalamitäten (z. B. Blattläuse) im Zaume zu halten. In der grünen Jahreszeit sind Laub-Reisig-Haufen Schlaf- und Nistplätze verschiedener Vogelarten (Rotkehlchen, Zaunkönig etc.).

Diese drei kurz umrissenen Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, was man mit Laub so alles machen kann. Vielleicht kommen noch ein paar Kommentare, so dass diesbezüglich eine gute Diskussion zu Stande kommt.
Letztendlich wollte ich nur zeigen, dass man eigentlich „ganz schön blöd sein muss“, das Laub einfach abzugeben, weil es so viele gute Funktionen im Garten erfüllt. Ach so, hätte ich beinahe vergessen: Es spart auch teuren Kunstdünger!
Als blühender Verfechter der geschlossenen Stoffkreisläufe und der guten Erfahrungen werde ich an dem vorgestellten Konzept auf jeden Fall festhalten…

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

1 Kommentar » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Den Ausführungen von Dr. Steiner kann ich mich nur als Betreiberin einer Igelstation von Herzen anschließen.
    solche Kompostierung sorgt nicht nur für reges Bodenleben, auch Tiere profitieren sehr davon . Z. B. der Insektenfresser Igel, der notgedrungen Kulturfolger werden mußte u. es als nachtaktives Tier in unserem Umfeld nicht leicht hat – zu viele eingebürgerte Pflanzen, die der heimischen Insektenwelt weder Nahrung noch Kinderstube bieten.
    Sorgfältige Kompostierung schafft nicht nur für Igel Winterschlafplätze u. natürliches Futter – der Boden u. damit die Pflanzenwelt u. letztendlich wir alle profitieren von einem natürlichen Kreislauf
    Danke Dr. Steiner.