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Ortsprägende Trauerweide in Lichterfelde steht kurz vor der Fällung

Trauerweide_LichterfeldeDie prächtige alte Trauerweide vor der Dorfkirche in Lichterfelde (Gemeinde Schorfheide) dürfte sehr bald Geschichte sein. Im Zuge der saisonalen Baumschauen wurde ihr Stamm mir einer Fällungsnummer, einer hellgrünen „3“, besprüht. Dies geschah heimlich, still und leise in einer Nacht- und Nebelaktion.
Ich finde es beschämend, dass die Bürgerinnen und Bürger von Lichterfelde von den Verwaltungen (Gemeinde, Landkreis) nicht informiert worden sind, dass dieser Baum verschwinden soll. Auch die regionale Politik wurde darüber nicht in Kenntnis gesetzt. Beispielsweise wurde der Fall im Bauausschuss der Gemeinde Schorfheide nicht thematisiert (als Gemeindevertreter und Mitglied des Bauausschusses hätte ich es erfahren müssen, da ich i.d.R. nah an Informationsquellen bin).

Wenn es um einen x-beliebigen Baum gehen würde, dann würde ich nicht so viel Furore machen. Doch diese Trauerweide hat aufgrund ihres Alters, ihrer Schönheit und Mächtigkeit ortsprägenden Charakter und ist charakteristisch für den Dorfkern von Lichterfelde.
Vor einiger Zeit (2013?) wurde die Weide durch Sturm oder Blitzschlag bei Abtrennung eines großen Astes beschädigt. Anschließend ist am Baum ein zur Erhöhung der Standfestigkeit und Bruchsicherheit stabilisierender Kronenschnitt vorgenommen worden. Der Baum hat diesen Pflegeschnitt gut verkraftet und ist wieder schön ausgetrieben.
Weshalb der Baum nun gefällt werden soll, erschließt sich mir nicht. In einem Schreiben an das Bauamt der Gemeinde Schorfheide (Frau Brandt) sowie an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Barnim (Herr Blankenburg) bat ich um eine schnellstmögliche Auskunft über den Sachverhalt und forderte einen Fällungsstopp. Weiterhin bat ich (als Vertreter zweier Naturschutzverbände: GRÜNE LIGA Brandenburg und Naturfreunde Oberbarnim-Oderland) um die Zusendung des Baumgutachtens, auf dessen Grundlage das Schicksal der Trauerweide besiegelt werden soll. Die Behörden haben auf mein Schreiben bislang nicht reagiert.
In dem Schreiben bat ich zudem darum, etwaige Maßnahmen, entsprechend des vorliegenden Gesundheitszustandes des Baumes, vorsichtig abzuwägen. Beispielsweise könnte in drei bis vier Metern Höhe ein Kopfschnitt vorgenommen werden. Trauerweiden sind sehr regenerativ und treiben nach 1-2 Jahren wieder recht gut aus. Auf diese Weise würde das schöne Exemplar – mit Abstrichen – dem Dorfkern erhalten bleiben. Eine Fällung hingegen sollte nur das allerletzte Mittel sein, wenn der Baum in Gänze morsch und nicht mehr zu retten ist. Dass dies bei der Trauerweide der Fall ist, kann ich mir aber nicht vorstellen.
Nicht zuletzt ist zu berücksichtigen, dass die Fällung eines Baumes immer Geld kostet und für diesen Ersatzpflanzungen geleistet werden müssen. Bei solch einem mächtigen Exemplar wie diese Trauerweide könnten es schon mal 3 Ersatzbäume (je 150 EUR) sein. Hinzu kommen Pflegemaßnahmen (Bewässerung, Erziehungsschnitt), damit der Baum in den ersten Jahren sicher anwächst und gedeiht. Unnötige Baumfällungen tragen jedenfalls nicht dazu bei, die erforderliche Sparsamkeit bei Verwendung der kommunalen Finanzen zu wahren.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

2 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Am 28.10.15 habe ich zum Sachstand der Trauerweide folgende E-Mail von der Bauamtsleiterin der Gemeinde Schorfheide, Frau Brandt, erhalten, die ich hier so wiedergebe. Sie schreibt:

    Um eine fachgerechte Entscheidung zur Vitalität der Hängeweide zu erhalten, hatte sich die Gemeinde während der Baumschau am 07.10.2015 mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Barnim, Herrn Blankenburg, abgestimmt.
    Folgende Hinweise wurden von ihm gegeben.

    1. Entsprechend der Barnimer Baumschutzverordnung – BarBaumSchV vom 19.02.2014 veröffentlicht im Amtsblatt für den Landkreis Barnim Heft Nr.4/2014 ab Seite 7 sind Bäume der Gattungen Salix ( Weide ) innerhalb des besiedelten Bereichs nicht geschützt.
    2. Der Straßenbaulastträger, in diesem Fall die Gemeinde Schorfheide, entscheidet daher selbst über die notwendigen Maßnahmen und holt sich bei Bedarf fachlichen Rat.
    Folgendes ist festzustellen. Der bereits bekannte Befall mit Trametes hoehnelii (Spitzwarzige Tramete) hat sich weiter ausgebreitet. Zusätzlich wurde am 07.10.2015 ein sehr starker Befall mit Laetiporus sulphureus (Schwefelporling) festgestellt. Die Trametes hoehnelii verursacht eine Weißfäule und der Laetiporus sulphureus erzeugt eine intensive Braunfäule.
    Die Klopfprobe am Stamm ergab, dass bereits über die Hälfte des Holzes durch den Pilzbefall zersetzt ist. Des weiteren weist der Stamm, der sich in Richtung L 238 neigt, am Stammfuß ein ausgeprägtes Faserknicken auf. Aus fachlicher Sicht kann die Weide daher nicht erhalten werden und stellt in absehbarer Zeit eine Gefahr dar, indem sie auf die Landesstraße stürzt.
    Die bereits in den vergangenen Jahren durchgeführten Maßnahmen dienten bisher dem Erhalt des Baumes. Die Gemeinde ist jedoch verkehrssicherungspflichtig. Daher kann für diesen Standort keine andere Empfehlung des Landkreises Barnim als eine Fällung getroffen gegeben werden.
    3. Es wird angeregt, dass an gleicher Stelle, mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wie z.B. Bodenaustausch, ein ebenfalls wieder ortsbildprägender Baum gepflanzt werden soll.

    Am 09.10.2015 wurde der Ortsvorsteher von Lichterfelde, Herr Gabriel, umfassend über des Sachstand und die notwendige Fällung mit Fotos des Schadstellen des Baumes, informiert. Die Fällung soll Anfang 2016 erfolgen. In der Sitzung des Ortsbeirates am 15.10.2015 wurde dieser Sachstand bereits an die Öffentlichkeit weiter gegeben. Als Empfehlung zur Neupflanzung wurde eine Hängebuche vorgeschlagen und der Ortbeirat um Stellungnahme dazu gebeten.
    Ich werde am 03.11.2015 im Bauausschuss zum Sachverhalt informieren. Anbei erhalten Sie zwei Bilder von den Schäden der Weide und das Bild der vorgeschlagenen Hängebuche.

    ———
    Auf diese Mail habe ich Frau Brandt Folgendes geantwortet und meine Einschätzung dazu in einen großen E-Mail-Vertreiler gegeben:

    Vorab erst einmal: Mir liegt es fern, die fachliche Expertise von Herrn Blankenburg in Frage zu stellen. Doch sind die von ihm angewendeten Methoden für die Beurteilung der Baumvitalität und –statik nicht aussagekräftig genug. Mein Vorwurf ist, dass von Herrn Blankenburg im Rahmen von Baumschauen ein methodischer Minimalaufwand betrieben wird, der unzureichend ist. Vor diesem Hintergrund habe ich Informationen, dass jährliche Fällquoten erreicht werden müssen. Herrn Blankenburg ist aber die Schuld nicht allein zu geben, es ist vielmehr eine Anordnung der Unteren Naturschutzbehörde, sozusagen ein Fehler im System, in deren Auftrag er zu handeln hat. Baumschauen werden mit einem minimalen Kostenaufwand, sprich mit einfachen und schnellen Methoden, durchgeführt. Dabei steht nicht der Erhalt alter, i. d. R. ökologisch wertvoller Bäume im Vordergrund, sondern deren Fällung.

    1. Behauptung der Baumschau: „Die Trauerweide ist mit Trametes hoehnelii (Spitzwarzige Tramete) befallen.“
    Bei der Spitzwarzigen Tramete handelt es sich um einen Baumpilz, der relativ selten vorkommt. Ob es sich in diesem Fall wirklich um diesen handelt, kann nur ein ausgewiesener Pilzfachmann sicher feststellen. Hierfür müssten die Fruchtkörper des Pilzes eingehend im Labor untersucht werden.

    2. Behauptung: „Die Klopfprobe am Stamm ergab, dass bereits über die Hälfte des Holzes durch den Pilzbefall zersetzt ist.“
    Die Klopfprobe gilt als eine Methode, mit der man Höhlungen im Stamm detektieren kann. Sie ist aber nicht geeignet, Rückschlüsse auf die Restwandstärke eines Baumstammes zu ziehen und schon gar nicht um die Restwandstärke zu quantifizieren. Hierfür müssten andere, weitergehende Methoden (z.B. Bohrungen zur Feststellung der Restwandstärke) zur Anwendung kommen.

    3. Behauptung: „Des Weiteren weist der Stamm, der sich in Richtung L 238 neigt, am Stammfuß ein ausgeprägtes Faserknicken auf. Aus fachlicher Sicht kann die Weide daher nicht erhalten werden und stellt in absehbarer Zeit eine Gefahr dar, indem sie auf die Landesstraße stürzt.“
    Meine Begutachtung vor Ort hat ergeben, dass es sich nicht um ein Faserknicken handelt, sondern um eine ungefährliche Rindenstauchung. Im Übrigen liegt für diesen Baum wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten diese charakteristische Neigung vor, die einen individuellen habitustypischen Charakter hat. Die vorgebrachten Rückschlüsse, dass der Baum in Folge dessen auf die Straße fallen könnte, sind hinsichtlich der Baumstatik nicht haltbar.

    Zu kritisieren ist auch die geplante Wahl des Ersatzbaumes Hängebuche im Nachgang der Fällung der Trauerweide. Als Schattbaumart reagiert die Rotbuche als freistehender und somit der Sonne ausgesetzter Baum empfindlich auf zu starke Sonneneinstrahlung und kann sich wegen ihrer dünnen glatten Borke einen regelrechten Sonnenbrand am Stamm zuziehen. Durch derartige hohe Temperaturschwankungen können Risse in der Borke entstehen, aus denen die Buche blutet. Weiterhin können in den Rissen schädliche Baumpilze einwachsen, welches sich nach Jahren negativ auf die Vitalität des Baumes auswirken kann.
    Hinzu kommt, dass es sich bei der Hängebuche eher um einen düsteren melancholischen Baum handelt, der sich deshalb nicht besonders für die Ortsbildgestaltung eignet, während eine Trauerweide aufgrund ihrer hellen Laubfarbe im Gegensatz dazu eine lichte und freundliche Stimmung verbreitet. Somit ist eine Hängebuche als Friedhofsbaum geeigneter.