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Die Barnimer Everglades

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Es ist ja nicht so, dass wir Barnimer da nicht mithalten könnten!

Wenn das Havelland seine Kanugewässer als „Amazonas der Mark“ bezeichnet und die Uckermark ihre „Toscana des Nordens“ feiert, können wir mit Recht den Titel „Everglades des Barnim“ für uns beanspruchen.

Tatsächlich erinnert eine Kanutour auf dem „Langer Trödel“* genannten Abschnitt des Finowkanals stark an die stillen, überwachsenen Wasserläufe des Everglades-Nationalparks im Süden Floridas.

Natürlich fehlen die Krokodile und Palmen, und von der Größe her gibt es ebenfalls Unterschiede. Doch ist eine Kanufahrt auf dem Langen Trödel ein wunderschönes Naturerlebnis, das zu genießen man gewiss nicht mehr lange in dieser Form und Ausprägung die Gelegenheit hat.

Ganz im Gegensatz zum Landkreis Barnim hat der Landkreis Oder-Havel nicht getrödelt, als es um die Realisierung seiner wassertouristischen Entwicklungschancen ging. Für 14 Millionen Euro, zu denen sogar der Landkreis Barnim sein Scherflein beisteuert, wird der seit dem Bau des Schifffahrtkanals stillgelegte Teil des Finowkanals saniert, wird in Liebenwalde ein neuer Hafen angelegt, werden Hub- und Klappbrücken gebaut, und sogar eine alte Schleuse wird wieder hergestellt.

Schon jetzt nimmt man in Zerpenschleuse die wirtschaftlichen Impulse einer aktiven Wassertourismuspolitik wahr. Entlang des Kanalufers existieren Kanuverleihe und ein neues Antik-Café. Die Anziehungskraft des Finowkanals ist hier deutlich erkennbar: an den Kennzeichen der vielen auswärtigen Autos, mit denen die Besucher zu ihrer Rad- oder Kanutour anreisen.

Clevere Kanuverleiher bieten gleich die Verpflegung mit an; lecker duftet es nach frisch geräucherter Forelle; ganz in der Nähe wirbt ein Bio-Hofladen für seine Produkte.

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Wer dieses einmalig schöne Biotop noch auf romantische Weise erkunden will, sollte sich beeilen. Denn zum Nutzen der Region wird der Kanal wieder für Motorschiffe befahrbar gemacht. Dann ist es von der Marina in Liebenwalde und der Hauptverbindungsroute zwischen Berlin und Müritz nur ein Katzensprung zum Schiffshebewerk, zur Oder und nach Stettin, und Sie müssen sich das schöne Gewässer mit den Charteryachten und anderen Booten aus der weiteren Umgebung teilen.

Warum nur, so fragt man sich, lässt der Landkreis Barnim zur gleichen Zeit seinen Anteil des Finowkanals verfallen, nutzt niemand ernsthaft die einmaligen wassertouristischen Chancen entlang des Finowkanals, werden Denkmäler wie die Reste der ersten Rundfunk- und Versuchsanstalt Deutschlands am Finowkanal planiert, lässt man die „Anneliese“ nach Peenemünde abwandern, vergrätzt Investoren mit der Planungsunsicherheit im Zusammenhang mit einer unklaren Zukunft für den Finowkanal und seine 12 Schleusen? Was nützt die tolle neue Stadtpromenade, wenn nach der drohenden Schließung der Schleusen niemand mehr den Finowkanal durchgängig befahren kann?

Und wie kann es sein, dass im Westen des Barnim mit viel Geld alte Schiffahrtswege wieder befahrbar gemacht werden, während der Landkreis seinen – unseren! – Abschnitt des Finowkanals ignoriert?

Solchen Fragen sollten sich der Landkreis und die Anrainer des Finowkanals ernsthaft stellen, und zwar bevor mit der Schließung der ersten baufälligen Schleuse der östliche Abschnitt des Finowkanals endgültig zur Sackgasse wird.

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*Der Name „Langer Trödel“ leitet sich möglicherweise daraus ab, dass man auf diesem Teilstück des Finowkanals „lange treideln“ konnte, ohne dabei durch Schleusen unterbrochen zu werden. Seit dem Bau des Oder-Havel-Kanals im Jahr 1912 ist der Finowkanal bei Zerpenschleuse unterbrochen, und so konnte sich die Natur hier wieder ungestört ausbreiten. Befahrbar ist der Lange Trödel heute nur mit Kanu oder Paddelboot.

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4 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Der Finow-Kanal ist sicher entwicklungsfähig und die Chancen, die damit verbuden sind, sollten nicht verschlafen werden.

    Zu empfehlen ist auch eine Kanutour auf dem Oder-Hafel-Kanal vom Schiffshebewerk nach Oderberg. Da lernt man Liepe mal von der Wasserseits aus kennen. Ein schöner Ort. Der Kanuverleih Oderberg bietet diese Tour an.

    Auch eine Kanutour von Bad Freienwalde nach Oderberg auf dem „Freienwalder Landgraben“ ist ein schönes Erlebnis. Da kann man schon einen ganzen Nachmittag im Kanu verbringen. Wie das geht, kann man bei Kanuverleih Oderberg erfragen: Tel.: 01745315452

  2. …ach ja, und dann war da ja auch noch die „Märkische Schweiz“! Haben wir eigentlich keine eigene Identität hier???

  3. Ein wirklich interessanter Beitrag, wie ich meine und es macht Lust auf einen Urlaub.
    Ich für meinen Teil werde es wohl für das bald startende, neue Jahr mal einplanen.

    • Vielleicht vorher Bescheid sagen und mal treffen? Es gibt so viel spannende Orte am Finowkanal.
      Beste (Weihnachts-)grüße,
      Hartmut Ginnow-Merkert