web analytics

Eberswalde-Finow: eine vertane Chance

Messingwerkhafen

Ein touristisches Kleinod – die Messingwerksiedlung in Eberswalde-Finow – verdient alle Aufmerksamkeit der auf dem Finowkanal und dem begleitenden Oder-Havel-Radweg reisenden touristischen Gäste.

Namen wie der von Walter Gropius sind auch dem aus weitester Ferne anreisenden Besucher ein Begriff. Die im „Hirsch Kupfer- und Messingwerk“ entwickelten Fertighäuser wurden von Finow aus in die Welt exportiert und boten nicht zuletzt den jüdischen Flüchtlingen der Nazizeit eine erschwingliche Unterkunft in ihrem neuen Heimatstaat. Etliche der unter Denkmalschutz stehenden „Kupferhäuser“ sind heute noch in der Messingwerksiedlung zu bewundern.

Neben seiner für 7 Milllionen Euro restaurierten Messingwerksiedlung bietet Finow mit Wasserturm und Goldschatzfund reichlich touristisches Material zum Verweilen und Bestaunen.

Doch was leistet Eberswalde, um die vorbeiziehenden Rad- und Wassertouristen auf die Kleinode seiner Finower Vorstadt aufmerksam zu machen?

Im Bericht Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Eberswalde-Finow* aus dem Jahr 2011 erfährt man:

„Unter Einbeziehung von vorhandenen denkmalgeschützten Gebäuden […] kann der Messingwerkhafen zum Eingangsportal für den konzipierten Industriekulturpfad entlang des Finow-Kanals werden und es können weitere zukünftige Entwicklungen des touristischen Angebotes angestoßen werden.

Durch die Sanierung und Einbeziehung der „Teufelsbrücke“ am Messingwerkhafen in die öffentliche Wegeführung entlang des Kanals (Treidelweg), kann hier ein einmaliges Zeugnis der Verkehrsgeschichte gesichert und in Wert gesetzt werden.“

Doch sprechen die rostende Teufelsbrücke und das vernachlässigte „Trafohaus“ am Messingwerkhafen eine andere Sprache. Seit Jahren rotten diese denkmalgeschützten Bauwerke vor sich hin. Graffiti, ein Plumpsklo und neuerdings ein Bauwagen illustrieren die stadtplanerischen Prioritäten der Stadt Eberswalde für diesen Ortsteil. Sind die Ausgaben für den Kirchenhang und die Stadtpromenade in der Kreisstadt so hoch, dass für den Finower Ortsteil nichts übrig bleibt?

Nun ist es nicht so, dass sich niemand dieses eigentlich romantischen Ensembles hätte annehmen wollen. Eine erste Interessengruppe war bereits mit der hervorragend passenden Idee eines Radlerstopps an die Stadtverwaltung herangetreten. Ein Kaffee, ein Snack; das E-Bike nachladen. Eine Besichtigung der Messingwerksiedlung, der Wasserturm. Doch: „Sanitäre Anlagen fehlen, und Geld gibt es nicht“, lautete die Antwort der Stadt. Zuletzt scheiterte der Solarbootverein Berlin-Brandenburg an der Eberswalder Verwaltungsbürokratie mit seinem Vorschlag, hier ein Solarboot-Jugendprojekt anzusiedeln und ein Zentrum für Solar-Hausbootbau und -Verleih einzurichten. Für Investitionen gebe es kein Geld von der Stadt; sanitäre Einbauten müssten her. Allein als Lagerraum dürfe das Gebäude genutzt werden. Es gebe strenge Denkmalschutzauflagen.

Teufelsbrücke

Teufelsbrücke 2

Nägel

Auf die eigentlich nicht ernst gemeinte Frage, ob womöglich auch die Graffiti unter Denkmalschutz stehen, folgte die durchaus ernst gemeinte Antwort, die Graffitis dürften sehr wohl entfernt werden. Aber nur mit Wasser und Seife. Denn sonst könnte der denkmalgeschützte Backstein angegriffen werden!

Wie lange will sich die Stadt Eberswalde dieses touristische (Abschreckungs-) Potenzial noch leisten?

* http://eberswalde.de/fileadmin/bereich-eberswalde/user/ewschwarz/STEK_Finow/Bericht_klein.pdf

Eberswalde-Finow: eine vertane Chance auf Facebook teilen
Eberswalde-Finow: eine vertane Chance auf Twitter teilen
Eberswalde-Finow: eine vertane Chance auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

Kommentare sind geschlossen.