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Neulich in Panketal…

Flinkster

Bildquelle: Rainer Fornell, Bürgermeister (Panketal)

Da hatte der Bürgermeister zum Rathausfest eingeladen. Als besondere Attraktion war das neue Carsharing-Angebot von Flinkster angekündigt. Weitsichtiger als die übrigen Amtskollegen unserer Region hatte der Bürgermeister eine intelligente Lösung zur Doppelnutzung eines Elektro-Smart durch die Gemeinde und parallel dazu auch durch „normale“ Carsharing-Kunden mit Flinkster herbeigeführt. So können nun ökologisch motivierte Berliner per S-Bahn nach Zepernick reisen und von dort aus umweltschonend die Umgebung erkunden.

„Wunderbar“, dachte ich, „das schaue ich mir mal an.“ Und vielleicht treffe ich dort sogar auch ein paar von den Grünen, die ja bundesweit die Elektromobilität einfordern. Endlich mal ein paar intelligente Gespräche! Und Panketal soll ja auch ein grünes Nest sein, sozusagen.

Da ich eh‘ einmal die Reichweite meines Elektroflitzers testen wollte und bereits vom Bürgermeister eine Steckdose zugesichert bekommen hatte, begab ich mich auf die Fahrt nach Zepernick.

„Wo sind denn jetzt die Grünen“, dachte ich, als ich an den Ständen der SPD und der Linken vorbei das ziemlich überschaubare Angebot inspiziert hatte. Doch vergebens. Selbst beim roten E-Smart, der leider etwas verschämt im Abseits ohne Publikum auskommen musste, befand sich kein Grüner. Somit gab es für einen praktizierenden Öko-Idealisten in Panketal nicht mehr viel zu erleben.

„Sicher haben sie Wichtiges zu tun. Eine Umweltaktion beispielweise. Klar doch, als Grüner ist man ständig unterwegs, auch samstags, um die Bürger von der Bedeutung des Klimawandels und den notwenigen Maßnahmen zur Abhilfe zu überzeugen! Da können die nicht einfach einen ganzen Tag bei so einem Provinzfest verdödeln, so wichtig wie sie für die Umwelt sind!“

Doch muss die Stunde für das Nachladen des Akkus für die Heimfahrt nach Finowfurt irgendwie überbrückt werden. Hierzu bietet sich das Café beim Rathaus als idealer Platz zum Verweilen an.

Was macht ein Cafébesucher, der auf seinen Kaffee und Anderes wartet, mangels Gesprächspartner? Richtig, er liest die Zeitung. Als hätte die MOZ meine unbeantwortete Frage nach der Präsenz der Grünen geahnt, finde ich nicht nur einen Beitrag der Redakteurin Sabine Rakitin. Sondern auch die Antwort auf meine Frage.

„Seit nunmehr drei Jahren“, schreibt die Redakteurin, „geht durch einen der drei Regionalverbände von Bündnis90/Die Grünen, nämlich den Niederbarnimer, ein tiefer Riss.“ Und sie berichtet weiter über die Kreis-Vorstandswahl am Dienstag der vergangenen Woche: „Jochen Bohna attackierte Thomas Dhyr, der erneut als Beisitzer kandidierte, verbal bei jeder Gelegenheit. Die Luft war zum Zerreißen gespannt.“ Und an anderer Stelle: „Dabei geht es zunehmend weniger um inhaltliche Fragen als vielmehr um persönliche Befindlichkeiten. Mit anderen Worten: Die Kontrahenten sind sich nicht grün.“

Oh, das versteht man natürlich. Hackordnung geht vor Umwelt!!

Irgendwie dachte ich nun wieder an die Geschichten, mit denen sich die Grünen in unserer Region in letzter Zeit in profiliert hatten. Da war ja die Kreistagsabgeordnete Ute Krakau mit ihrer vehementen und trotz „Bauchschmerzen“ immerhin stattgefundener Unterstützung des Holzkraftwerkes in Eberswalde, für das man die abgehackten Bäume aus 160 km Umkreis per Diesel-Laster nach Eberswalde schaffen wollte.
Da war doch auch noch ein einzulösendes Versprechen, nämlich eine gewisse Sache im Zusammenhang mit der Stasi, die die Grünen vor bald einem Jahr, am 6. Juni 2012, rigoros transparent zu machen versprochen hatten – nachzulesen unter http://www.gruene-barnim.de/?p=3321. Trotz aller Nachforschungen gelang es mir nicht, in der Website der Grünen das zugesagte Dokument zu finden. „Schnellstmöglich“ dauert manchmal ganz schön lange.

Als Grünen-Anhänger aus der Zeit eines Turnschuh tragenden Joschka Fischer frage ich mich, was diese Akteure (sollte man nicht besser „Passeure“ sagen?) der Grünen eigentlich noch mit dem Urgedanken einer grünen Partei verbindet. Außer einem „Flussbadetag“ im toxisch belasteten Finowkanal fällt mir kein Ereignis ein, zu dem die Grünen in letzter Zeit eine konstruktive Position bezogen hätten.

Wenn diese Grünen bei den nächsten Wahlen wieder über die Fünfprozenthürde kommen sollten, dann ist dies gewiss nicht das Verdienst der hier agierenden bzw. nicht agierenden „Grünen“.

Doch schließlich war wieder genug Energie im Akku, sodass es für die Heimreise reichte. Dem Bürgermeister von Panketal sei Dank, dass er als Nicht-Grüner durch die Installation einer Carsharingstation mit Elektro-Smart mehr für die Umwelt getan hat als alle theoretisierenden und sich um Befindlichkeiten zankenden Pseudo-Grünen.

P.S.: Die Namen von Thomas Dyhr und Jochen Bona werden hiermit richtig gestellt.

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4 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Hartmut,

    genug gemeckert.

    Das Panketal politisch besonders grün sein soll ist mir neu. Von 29 Abgeordneten 2 Grüne, find ich nicht besonders viel. Da gibts vier Fraktionen die stärker sind. Aber vielleicht ist das aus Barnimer Sicht schon viel.

    Und ob die E-Mobilität von Flinkster mit dem Smart so grün ist, bezweifle ich auch.
    • Wo kommt der Strom her?
    • Warum nur ein Zweisitzer?
    • Warum nicht den ÖPNV oder das Fahrrad nehmen?

    Grüße

  2. Lieber Andreas,

    ich mecker‘ nicht um des Meckerns Willen. Ich versuche immer, auch Konkretes Handeln im Ausgleich zur Kritik zu halten. Es wäre doch wunderbar, wenn aus einem Blog wie diesem positive Entwicklungen hervorgehen könnten.
    Deine Fragen zur Elektromobilität geistern natürlich seit 30 Jahren (oder mehr) durch die verschiedenen Diskussionsforen und nehmen weitaus mehr Platz ein, als hier vorhanden ist. Aber in aller Kürze:

    • der Strom für meinen Twizy kommt von Lichtblick, einem der zertifizierten Ökostrom-Provider. Einen kleinen Teil produziere ich selbst aus dem Überschuss, den mein Solarboot erzeugt, wenn es nicht auf dem Wasser ist. Im Grunde kann jeder gratis Auto fahren, der selbst eine PV-Anlage auf dem Dach hat. Also nicht jeder, aber schon Viele.
    Mit Ökostrom brauche ich 1.20€ auf 100km, null CO2.

    • Die meisten meiner Fahrten im Umkreis meines Wohnortes mache ich alleine. Gelegentlich hole ich eine Person vom Bahnhof ab. Die passt auch in meinen Twizy. Den E-Smart mieten gelegentlich meine Tochter und ihr Freund, wenn sie von Berlin aus in den Barnim fahren. Wo Panketal den Strom bezieht, weiß ich nicht. Wir haben auch noch ein fossiles Fahrzeug (mit vier Sitzen), das ich aber nur noch selten benutze.

    • ÖPNV jederzeit, außer dort, wo kein ÖPNV existiert oder wo der Bus nur einmal am Tag und nicht an Wochenenden fährt. Fahrrad immer, wenn ich nicht am selben Tag von einem Termin zu einem anderen fahren muss und die Orte dazu 40 km auseinander liegen. Manchmal muss ich auch Sachen transportieren oder einen Kasten Bier holen…

    Gruß,
    Hartmut Ginnow-Merkert

  3. Hallo Hartmut,

    mir ging es eigentlich weniger um Deine Elektromobilität, als mehr um die Variante Flinkster am S-Bahnhof Zepernick. Hatte mich da nicht klar genug ausgedrückt.

    Ob Du einen Zwei- oder Viersitzer brauchst ist natürlich Deine private Entscheidung und von persönlichen Faktoren abhängig. Außerdem bin ch auch stark davon ausgegangen, dass wenn Du ein E-Auto hast, dass Du dann auch grünen Strom beziehst [meiner kommt von naturstom].

    Aber wie schaut das aus mit der Energie von der Bahn/Flinkster? Die ist doch im Zweifelsfall auch nur über Zertifikatetausch grün angestrichen, oder?
    Und als Mietwagen hat ein Viersitzer einfach eine größere Zielgruppe als ein Zweisitzer.
    Und schließlich ist direkt vor dem S-Bahnhof eine Bushaltestelle, von der aus mindestens alle 20 Minuten ein Bus fährt.
    Natürlich sind die Busfahrer unfreundlich und lassen einen lieber im Regen stehen, als die Tür 2 Minuten vorher zu öffnen. Aber das ist ein anderes Thema.

    Viele Grüße

    Andreas

  4. Liebe Öko-Idealisten im Oberbarnim,
    vor meinem Himmelfahrtsausflug zum Hoffest in einem denkmalgeschützten Bauernhof in Alt-Zepernick bin ich mal wieder auf dem Barnimblog gelandet. Die Einschätzung über die Barnimer Grünen treffen unsere 15 Idealisten in der Gesamtfraktion Panketal (Gemeindevertreter, sachkundige Einwohner und Beraterteam) zunehmend mit Sorge. Denn ohne die fast zweistelligen Kreistagwahlergebnisse in Panketal hätten die Barnimer Grünen tatsächlich die „Fünfprozenthürde“ zu den beiden letzten Kreistagwahlen der Jahre 2003 und 2008 nicht erreicht.

    Leider haben wir zum Rathausfest im April aufgrund des drohenden Regens unseren Stand unter dem schützenden Dach der Fahrradständer postieren müssen – abseits von den beiden anderen Parteiständen.
    Weitere Infos über unsere Grüne Arbeit in Panketal und vom Rathausfest mit unserem Flyer und Rathausquiz kann man in unserer Fraktionswebseite http://www.gruenespanketal.de nachlesen.
    Auch zu unseren monatlichen Bürgerstammtischen – beim Italiener gegenüber dem S-Bahnhof und Rathaus an jedem Freitag vor der Sitzung der Gemeindevertretung Panketal – sind alle Bürgerinnen und Bürger willkommen.
    Grüne Grüsse aus dem Niederbarnim in Panketal in den Oberbarnim
    von Jochen Bona