web analytics

Der Namensvorschlag Amadeu-Antonio-Haus für das Bürgerbildungszentrum Eberswalde findet keine breite Akzeptanz

Der kürzlich eingebrachte Namensvorschlag „Amadeu-Antonio-Haus“ für das Bürgerbildungszentrum Eberswalde findet in der Bevölkerung – vorsichtig formuliert – keine breite Akzeptanz.
Man könnte sogar behaupten, dass er bei den Bürgerinnen und Bürgern auf außerordentlichen Widerwillen stößt. Im MOZ-Artikel „Kulturausschuss gegen Amadeu-Antonio-Haus“ kam es in den Kommentaren zu kontroversen und emotionalen Meinungsäußerungen. Jüngst konnte der Namensvorschlag im zuständigen Fachausschuss der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheitsfähigkeit nicht erlangen. Ungeachtet dieser Fakten wollen die Einreicher des Namensvorschlages (Verwaltung, FDP) diesen in der nächsten Stadtverordnetenversammlung auf parlamentarischem Wege schnell durchdrücken, obwohl dafür wahrscheinlich – wenn überhaupt – nur eine hauchdünne Mehrheit der Befürworter zustande kommen wird.

Da frage ich mich: Was macht es für einen Sinn, dem Bürgerbildungszentrum, welches ein Haus der Bürger werden soll, einen Namen aufzuhelfen, der diesbezüglich als Namensgebung von breiten Teilen der Bevölkerung nicht akzeptiert wird? Wie sollen sich die Bürgerinnen und Bürger dann mit dem Haus identifizieren, es in ihr Herz schließen, wenn eine solche Benennung zu einer rein verwaltungstechnisch-parlamentarischen sowie zu einem Instrument eines politischen motivierten Opportunismus verkommt, der Bürgerwille jedoch kein Gehör findet?
Sollte mit wenig Sensibilität in der Sache ein Amadeu-Antonio-Haus geschaffen werden, so wäre damit zu rechnen, dass dieser Namensvorschlag, anstatt die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und für die Sache der Bürgerbildung zu gewinnen oder gar zu begeistern, tiefe Gräben schaffen wird. Das aber wäre kontraproduktiv. Vor diesem Hintergrund täten die Einreicher gut daran, ihren Beschlussvorschlag zurück zu ziehen und das Erinnerungskonzept für den im Jahr 1990 in Eberswalde durch rassistisch motivierte Gewalt zu Tode gekommenen angolanischen Vertragsarbeiter Amadeu Antonio Kiowa zu überarbeiten bzw. neu zu gestalten.

In diesem Zusammenhang möchte ich an Folgendes erinnern: Im Februar dieses Jahres wurde von den Eberswalder Grünen der Vorschlag unterbreitet, das Bürgerbildungszentrum nach dem Erfinder der Sendung mit der Maus, Dieter Saldecki, einem gebürtigen Eberswalder, zu benennen. Darüber gab es dann eine intensive Debatte. Nicht zuletzt weil Prof. Saldecki für die Bildung von Kinder und Jugendlichen weltweit große Verdienste erbracht hat, fand der Namensvorschlag „Dieter-Saldecki-Haus“ unter den Eberswalderinnen und Eberswaldern eine unerwartet große Zustimmung und gewann mit großem Abstand die von der Märkischen Oderzeitung initiierte Online-Umfrage. Allerdings war ein „Dieter-Saldecki-Haus“ der Rathausspitze, aus welchen Gründen auch immer, nicht genehm und sie setzte alles daran, dies zu verhindern. Und nun stehen wir vor der derzeitigen ungewissen Situation…

Der Namensvorschlag Amadeu-Antonio-Haus für das Bürgerbildungszentrum Eberswalde findet keine breite Akzeptanz auf Facebook teilen
Der Namensvorschlag Amadeu-Antonio-Haus für das Bürgerbildungszentrum Eberswalde findet keine breite Akzeptanz auf Twitter teilen
Der Namensvorschlag Amadeu-Antonio-Haus für das Bürgerbildungszentrum Eberswalde findet keine breite Akzeptanz auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

2 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Die Namensgebung Amadeu-Antonio-Haus ist durch ).
    Arg daneben lag ich mit der Prognose, dass in der Stadtverordnetenversammlung keine oder nur eine hauchdünne Mehrheit dafür zustande kommen wird. Vorab erst einmal: Es gab sage und schreibe 20 Stadtverordnete, die für das Erinnerungskonzept gestimmt haben und sich zum Steigbügelhalter der boginskischen Bürgermeisterpolitik gemacht haben, 6 waren dagegen und 6 enthielten sich der Stimme. Da es eine namentliche Abstimmung gab, die von der Fraktion LINKSREBELL./Allianz freier Wähler beantragt wurde, werde ich die Namen demnächst hier veröffentlichen, wer wie abgestimmt hat.

  2. Nachfolgend wie versprochen nun die Ergebnisse der namentlichen Abstimmung. 12 Eberswalder Stadtverordnete, die sich dem Willen des Bürgermeisters nicht gebeugt haben. Mögen die Ergebnisse zumindest ein Mosaikstein für die Wählerentscheidung bei der nächsten Kommunalwahl sein. Schade nur um die „verschenkten“ Stimmen der 6 Enthaltungen, hier hätte mehr Farbe bekannt werden können.

    ———————————
    Mit NEIN haben gestimmt:
    ———————————
    Ringo Wrase (SPD)
    Dr. Hans Mai (fraktionslos)
    Andreas Wutskowsky (Freie Wähler)
    Dr. Günter Spangenberg (LINKSREBELL./Allianz freier Wähler
    Carsten Zinn (LINKSREBELL./Allianz freier Wähler
    Ingo Naumann (fraktionslos)

    ———————————
    Enthalten haben sich:
    ———————————
    Frank Banaskiewicz (FDP/ Bürgerfraktion für den Barnim)
    Dr. Cristel Brauns (SPD)
    Hardy Lux (SPD)
    Sabine Büschel (DIE LINKE)
    Torsten Duckert (DIE LINKE)
    Hans Pieper (DIE LINKE)

    ———————————
    Nicht anwesend waren:
    ———————————
    Uwe Grohs (CDU)
    Martin Hoeck (FDP/Bürgerfraktion für den Barnim)
    André Klawitter (DIE LINKE)
    Dr. Ilona Pischel (DIE LINKE)
    Günter Schumacher (Bündnis für ein demokratisches Eberswalde)