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Fremd ist der Fremde nur in der Fremde*

„Zuwanderung ist auch in Brandenburg längst zur gesellschaftlichen Realität geworden“ beginnt der Bericht der Integrationsbeauftragten der Brandenburger Landesregierung.

„Nicht erst heute“, möchte man da ergänzen. Brandenburg-Preußen sowie die Hauptstadt Berlin sind nur denkbar durch den Zustrom vieler Menschen aus aller Herren Länder. Ob zu Zeiten Friedrich des Großen und seiner Vorgänger die Menschen aus Frankreich, aus Schwaben, Österreich oder dem damaligen Holland kamen: Seit Hunderten von Jahren kommen Menschen zu uns und sind zunächst – Fremde. Blumenkohl oder Strümpfe, Döner oder Tomaten: Ohne Zuwanderer müssten wir heute auf vieles verzichten. Auch die preußische Literatur wäre ärmer ohne einen Theodor Fontane, einem direkten Nachkommen zugewanderter Hugenotten, Glaubensflüchtlingen aus Frankreich.

Zugewanderte in Brandenburg brachten und bringen ihre Kompetenz, ihre Kultur und ihre Fähigkeiten mit. Sie können auch heute für die Zukunft Brandenburgs eine wichtige Rolle übernehmen – wenn man sie lässt.„Angesichts der demographischen Herausforderung und des spürbaren Fachkräftemangels ist Brandenburg auf Zuwanderung angewiesen. Toleranz, kulturelle Offenheit und die Aktivierung aller Talente sind daher nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern eine entscheidende Bedingung für eine positive Zukunft.“ schreibt die Integrationsbeauftragte des Landes weiter.

Integrationspolitik für diese Menschen kann aber nicht nur Hilfe und Betreuung sein. Es darf nicht übersehen werden, dass einige mit der Integration betraute Behörden Migrantinnen und Migranten als unmündige Menschen, ja teilweise wie Kinder behandeln. Dabei erleben die Zuwanderer und Flüchtlinge oft genug, dass ihnen Bürokraten Angst machen und ihnen suggerieren wollen, dass – wenn sie sich auch nur zaghaft gegen eine überbordende Bürokratie wehren – sich ihr Widerstand direkt gegen Deutschland richtet. Aber möchte man Deutschland wirklich mit Bürokratie gleichsetzen? Gerade hier treffen sich die Interessen der „eingeborenen“ Bevölkerung und der Zuwanderer zuerst.

Migrantinnen und Migranten wollen mitreden und mitgestalten im Land. Sie wollen gefragt werden, sie wollen ihre Meinung sagen und sie wollen vor allem gehört werden.

Für diese Anliegen setzt sich die Allianz Unabhängiger

Allianz Unabhängiger MigrantInnen

MigrantInnen im Barnim ein. Ziel dieser Bürgerbewegung ist, dass die Migrantinnen und Migranten selber für sich entscheiden dürfen. Dabei hat sich die Allianz die Lösung der dringendsten Probleme auf die Agenda gesetzt, zu denen u.a. verschleppte Einbürgerungsverfahren, der Verlust des Aufenthaltsstatus oder sehr strenge Hürden für Besucherregelungen (vor allem für Bürger jüdischen Glaubens aus Russland) gehören. Es geht auch um mehr Mitbestimmung in Kultur- und Sozialpolitik auf Landes- und kommunaler Ebene.

Dass die Allianz Unabhängiger MigrantInnen mit diesen Zielen einen Nerv getroffen hat, zeigte sich bei der am 6. September beendeten Briefwahl zum Beirat für Migration und Integration im Landkreis Barnim. Dabei erzielte sie 45,4 Prozent. Mit 1.631 Stimmen wurde sie mit Abstand stärkste Liste. Im zukünftigen Beirat, der die Interessen von rund 4.000 Migrantinnen und Migranten im Landkreis Barnim vertritt, wird die Allianz mit 4 von 8 Sitzen vertreten sein.

Der Beirat für Migration und Integration im Landkreis Barnim verfügt über Sitze in drei verschiedenen Kreistagsausschüssen. Hier wird er zukünftig die Stimme der Migrantinnen und Migranten lauter erheben. Dabei wird es auch vor allem um die Steigerung der Akzeptanz für Menschen mit ausländischem Pass in der deutschen Bevölkerung, die Schaffung passgenauer Arbeitsplätze, auf denen spezielle Fähigkeiten der Migranten gefragt sind, die Anerkennung von Berufsabschlüssen aus den Heimatländern, um die Erleichterung der Besucherregelung, die Schaffung kultureller Zentren zur Förderung des inter- und intrakulturellen Dialogs zwischen den MigrantInnen und der deutschen Bevölkerung sowie der Unterstützung bei der Überwindung sprachlicher und bürokratischer Barrieren gehen.

Die Mandate der Allianz Unabhängiger MigrantInnen im Barnimer Beirat für Migration und Integration werden durch Péter Vida, der zugleich Stadtverordneter für Die Unabhängigen und Kreistagsabgeordneter sowie Landesvorsitzender der BVB / FREIE WÄHLER ist, sowie Zygmund Stanisław Grascha, Elena Spangenberg und Nikola Vučinić als den Bewerbern mit den meisten Stimmen ausgeübt werden.

Rege Diskussionen

Das Wahlergebnis ist ein großer Vertrauensbeweis für die Allianz Unabhängiger MigrantInnen. Sie ist gegenwärtig der größte Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationsgeschichte in unserem Landkreis und strahlt damit natürlich auch auf andere Brandenburger Landkreise aus.

An dem Bündnis beteiligen sich Frauen und Männer aus 16 verschiedenen Ländern. Zusammen stehen diese Bürgerinnen und Bürger für gelebte Vielfalt und multikulturelles Engagement und treten für die Unterstützung und Förderung von Menschen mit Migrationsgeschichte ein. Ein kultursensibles und von Respekt geprägtes Miteinander, die Verbesserung der sozialen Situation der Menschen mit ausländischem Pass ist wichtig. Zugleich fordert die Allianz unabhängiger MigrantInnen eine sofortige Verbesserung der Lebens- und Wohnbedingungen in Asylbewerberheimen.

Kandidatennominierung

Eine der ersten Maßnahmen nach der Konstituierung des neugewählten Beirates für Migration und Integration wird die Unterstützung der von Abschiebung bedrohter Menschen sein. Es ist das erklärte Ziel, die Betroffenen davor zu bewahren. Des Weiteren steht eine stärkere Unterstützung der Jüdischen Gemeinde Barnim oben auf der Agenda.

Die Ergebnisse der Allianz Unabhängiger MigrantInnen im Einzelnen:

Péter Vida aus Ungarn: 521 Stimmen

Elena Spangenberg aus Russland: 177 Stimmen

Fadi Al Grayeb aus Libanon: 36 Stimmen

Zygmunt Stanisław Grascha aus Polen: 229 Stimmen

Loan Duong aus Vietnam: 86 Stimmen

Mustafa Mourad aus Irak: 94 Stimmen

Nathalie Dongmo aus Kamerun: 24 Stimmen

Nikola Vučinić aus Montenegro: 111 Stimmen

Halil Yilmaz aus der Türkei: 81 Stimmen

Ella Samodunskaja aus der Ukraine: 101 Stimmen

Abdelkader Mohammad Ahmad Al-Hadj aus Sudan: 53 Stimmen

Ahmed Menad aus Algerien: 28 Stimmen

Yury Vdovenko aus Russland: 70 Stimmen

Darüber hinaus gehören der Allianz Unabhängiger MigrantInnen eine Vielzahl weiterer Menschen an, die aufgrund der gesetzlichen Kandidatenbegrenzung auf maximal 13 nicht auf der Liste antreten konnten, aber maßgeblich an der Programmgestaltung mitgewirkt haben.

* Übrigens: Die Überschrift gibt ein bedenkenswertes Zitat von Karl Valentin wieder.

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Veröffentlicht von

Dr. Valentin ist ursprünglich Schönower, lebte aber 31 Jahre in Berlin, bevor er 1996 wieder in sein Heimatdorf zog und sich seitdem über die Kommunalpolitik wundert. Er ist promovierter Diplom-Ingenieur und betreibt eine kleine Firma mit dem Schwerpunkt Im- und Export von Medizintechnik für den operierenden Augen- und HNO-Arzt. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Sein allergrößtes Hobby ist zur Zeit sein privater Blog, über den er sich in fast jeder freien Minute Gedanken zur Themenauswahl macht. Im Urlaub und an den Wochenenden im Sommer findet man ihn meist mit dem Canadier auf den Brandenburger und Mecklenburger Gewässern. Wenn er in seiner restlichen Freizeit nicht mit seiner Frau und dem Hund lange Spaziergänge unternimmt, liest er sehr gern und hört fast alle Arten von Musik – von heavy metal bis Bach.

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