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Bürgermeisterwahl Wandlitz 2011: Das Barnim-Blog fragt, Dr. Jana Radant antwortet

 

So, abgesehen vom amtierenden Bürgermeister Udo Tiepelmann sind die KandidatInnen-Infos aus der Gemeinde Wandlitz jetzt komplett. Die nächste in unsere munteren Frage-Antwort-Runde ist jedenfalls Dr. Jana Radant (Unabhängige Wählerinitiative “Mit den Bürger – Für die Bürger“).
Die parteilose Bewerberin wurde in Stralsund geboren, studierte Philosophie an der Berliner Humboldt-Universität, ist Vorstandsvorsitzende des „Bürgervereins Wandlitz e.V.“ und Mitglied im Verein „wandlitzerneuerbar e.V.“.

1. Welche vorrangigen Aufgaben hat eigentlich eine Bürgermeisterin/ein Bürgermeister? Skizzieren Sie eine kurze Tätigkeitsbeschreibung aus eigener Sicht.

Dr. Jana Radant:
Der Bürgermeister repräsentiert die Gemeinde nach innen und außen. Er ist verantwortlich für die Gestaltung der Tagesaufgaben aber auch für die Erarbeitung der strategischen und konzeptionellen Ausrichtung der Gemeinde und das im Sinne und im Interesse seiner Bürger. Daher sollte er seine Ziele in enger Diskussion mit den Anwohnern seiner Gemeinde erarbeiten.

2. Das Wort „Bürgerbeteiligung“ wird, so  von Politikern oder Verwaltungschefs geäußert, in der Bevölkerung oft als „leere Worthülse“ empfunden. Was haben Sie im „Repertoire“ um diesen Zustand zu ändern?
Dr. Jana Radant:
Bürgerbeteiligung ist die „wirkliche“ Beteiligung der Bürger in alle Belange der Gemeinde. Dazu wollen wir unter anderem die Hauptsatzung der Gemeinde ändern und die Durchfüh-rung von Einwohnerversammlungen bei der Entscheidung grundlegender Fragen (z. B. Baumschutzsatzung, Energie- und Tourismuskonzept oder Gestaltung des Konzeptes „Wandlitz barrierefrei) zum „Muß“ machen. Einwohnerfragestunden soll es nicht nur in der Gemeindevertretung sondern auch in den Ortsbeiräten und Ausschüssen der Gemeinde geben. Die Zugangsvoraussetzungen für einen Einwohnerantrag, für Bürgerbegehren und Entscheide werden deutlich gesenkt.

In Vereinen, Arbeitsgemeinschaften und Bürgerinitiativen werden Grundfragen unserer Gemeinde unter Heranziehung entsprechender Fachleute inhaltlich qualifiziert, breit und offen diskutiert. Ein Verwaltungsmitarbeiter nimmt Anregungen und Beschwerden der Bürger auf. Diese werden Gegenstand der Dienstberatung des Bürgermeisters. Damit ist ein deutliches Mehr an praktischer Demokratie in der Gemeinde möglich!

3. Finden Sie ihr (zukünftiges  bzw. derzeitiges) Bürgermeistergehalt angemessen?
Dr. Jana Radant:
Wie hoch wäre das?

4. Vervollständigen Sie folgenden Satz: „Wenn es bei uns regnet…“
Dr. Jana Radant:
Wenn es regnet, sollte das Regenwasser nach Möglichkeit in unserer Region bleiben und nicht in Oder und Havel eingeleitet werden.

5. Wie steht es um den Haushalt ihrer Stadt/Gemeinde? Finden Sie einen bildhaften Vergleich.
Dr. Jana Radant:
Es scheint alles möglich, aber durch fehlendes konzeptionelles Herangehen, rinnen finanzielle Mittel uns wie Sand durch die Hände.  Es wird derzeit mit vollen Händen ausgegeben, ohne ausreichend zu berücksichtigen, das Geld fürs „Alter“ (Veränderungen in der Altersstruktur der Gemeinde, sinkende Einnahmen aus der Einkommenssteuer und Verringerung der Schlüsselzuweisungen vom Land) zurückgelegt werden muss.

6. Energieversorgung/Energiegewinnung gehört zu den dringlichsten  Themen unserer Zeit. Wie bringen Sie ihre Kommune auf den neuesten Stand und was ist für Sie ein absolutes „No-Go“?
Dr. Jana Radant:
Wichtig ist die Erarbeitung eines tragfähigen Energiekonzeptes für die Gemeinde und dessen konsequente Umsetzung. In diesem Zusammenhang geht es vor allem auch um die deutliche Senkung des Energieverbrauches der Gemeinde, den Einsatz erneuerbarer Energien und die Schaffung geschlossene Stoffkreisläufe vor Ort.

Ein „No-Go“ gibt es für uns für massive Eingriffe in unsere Naturlandschaft. Wir wollen unsere schöne Natur mit ihrer Wald- und Seenlandschaft schützen und bewahren.

7.  Wären Sie in ihrer Stadt/Gemeinde gern noch einmal Kind (bitte begründen!)?
Dr. Jana Radant:
Generell ja, auf Grund der schönen Natur. Aber das Fehlen von sicheren Schulwegen (Fuß- und Fahrradwege verbinden derzeit nicht alle Ortsteile miteinander), wenige qualitativ gut ausgestattet Spielplätze, zu wenig Kindergartenplätze und zu wenig soziales Miteinander der Generationen fordern dazu auf, Wandlitz familienfreundlicher zu verändern.

8. Welche privaten Gegenstände werden Sie in ihr zukünftiges Büro mitnehmen bzw. welche (bei Amtsinhabern) befinden sich schon dort?
Dr. Jana Radant:
Ein Bild des Malers Jens Steinberg „Warten auf den blauen Tag“ .

9. Welche ihrer beruflichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Vorerfahrungen können sie im Amt der Bürgermeisterin/des Bürgermeisters am ehesten einbringen?
Dr. Jana Radant:
Durch meine verschiedenen beruflichen Tätigkeiten im wissenschaftlichen (promovierte Philosophin) aber auch kaufmännischen Bereich (Kauffrau für Grundstücks- & Wohnungswirtschaft, geschäftsführende Gesellschafterin einer GmbH) kann ich auf einen breiten Erfahrungsschatz zurück greifen. Mich prägt eine große Neugierde für gesellschaftliche Zusammenhänge. Aktives Gestalten ist mir wichtig und werden durch meine Flexibilität und ein ausgeprägten Organisationstalent gestützt. Konzeptionelles Arbeiten, gemeinsam mit Fachleuten, ist für mich selbstverständlich.
Dafür notwendige Weiterbildungen gehören schon seit vielen Jahren begleitend zu meinem Leben. Aber mein größtes Plus für die Tätigkeit als Bürgermeisterin ist sicher meine soziale Kompetenz, die sich durch Freundlichkeit und Einfühlungsvermögen, durch die Fähigkeit zu menschliche Nähe aber auch Offenheit und Ehrlichkeit und großes Verantwortungsbewusstsein auszeichnet.

10. Kunst, Kultur und Vereine sind weit mehr als das „Salz in der Suppe des öffentlichen Le-bens“. Stimmen Sie dieser Aussage grundsätzlich zu und was haben die Leute mit Ihnen auf dem Chefsessel diesbezüglich zu erwarten?
Dr. Jana Radant:
Ohne Kunst, Kultur und Vereine fehlt das soziale Miteinander. Dieses ist aber Voraussetzung für eine liebenswerte und lebenswerte Entwicklung unserer Gemeinde. Ich denke es gibt hier großen Nachholbedarf. Die Bewohner unserer Gemeinde haben viele Ideen und Potentiale, die gehoben und umgesetzt werden können. Wandlitz kann reicher werden durch Kunst, Kultur und Vereine. Ihre Förderung stellt für mich ein wesentlicher Schwerpunkt der Gemeindeentwicklung dar.

11. Sehen sie sozialverträgliche Lösungsmöglichkeiten bezüglich der vielerorts diskutierten und gefürchteten „Altanschließerproblematik“ oder sollen das die Gerichte klären?
Dr. Jana Radant:
Zu dieser Problematik sind im Land bereits acht Verfahren anhängig, davon eins beim Ober-verfassungsgericht. Auf Grundlage der zu erwartenden Urteile werde ich Wege und Mittel suchen, um eine finanzielle Belastung für die Betroffenen auszuschließen oder wenigsten gering zu halten.

12.  Warum sind eigentlich genau Sie die „erste Wahl“ für den Job und was haben Sie ihren Mitbewerberinnen und Mitbewerbern  (nach derzeitigem Kenntnisstand) voraus?
Dr. Jana Radant:
Alle anderen Kandidaten sind bereits seit vielen Jahren Gemeindevertreter und oder auch Kreistagsabgeordnete. Damit hatten sie schon lange die Möglichkeit, die Gemeinde anders, bürgernäher zu gestalten. Welche konzeptionellen Anregungen wurden von ihnen zur Gestaltung der Gemeinde angeregt? Gab es einen persönlichen Einsatz für ein Tourismuskonzept, für konkrete Wirtschaftsförderung oder für Wandlitz „barrierefrei“.

Jetzt verlangen alle Bewerber – außer der Amtsinhaber – mehr Bürgernähe. Was wurde von ihnen dazu beigetragen, als sie als Gemeindevertreter Gestaltungsmöglichkeiten dazu hatten?
Bürgernähe muss gelebt werden, im täglichen Miteinander. Bürgernähe heißt, sich für die Menschen vor Ort einzusetzen, sich ihrer Sorgen anzunehmen. Bürgernähe ist die Diskussion mit den Bürgern zum Baumschutz, zur Energieentwicklung der Gemeinde, zum Ausbau der Kinderbetreuung und Jugendeinrichtungen, zu Wandlitz „barrierefrei“.

Zu all diesen Themen sind wir mit unserer parteiunabhängigen Wählerinitiative in den vergangenen Monaten mit den Bürgern unserer Gemeinde in allen Ortsteilen ins Gespräch gekommen. Wir gründeten aus unserem inhaltlichen Einsatz heraus Bürgerinitiativen und Arbeitsgruppen! Unser Kandidatengespräch im Schloss Lanke besuchten nicht nur ca. 400 Wandlitzer, die Veranstaltung brachte auch mehr als 1.000 EUR an Spendengeldern für die Sanierung der Friedhofskappelle von Lanke. Wir gestalteten ein Kinder- und Rockfest. Das ist soziales Miteinander und gelebte Bürgernähe, das ist Wandlitz „Mit den Bürgern – Für die Bürger!“, Wandlitz bürgernah.

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7 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Frau Dr. Radant gibt gute und qualifizierte Antworten auf die gestellten Fragen, ihre hier dargelegten Ansichten kann ich nur unterstützen.
    Für die Kandidatur wünsche ich ihr viel Erfolg!

    Eine Steilvorlage für mich bietet sich hinsichtlich ihrer Antwort zur Frage 6: „Ein „No-Go“ gibt es für uns für massive Eingriffe in unsere Naturlandschaft. Wir wollen unsere schöne Natur mit ihrer Wald- und Seenlandschaft schützen und bewahren.“

    Der Landkreis beabsichtigt, das überdimensionierte, nun insolvente Holzkraftwerk (HoKaWe) in Eberswalde zu übernehmen. Es hat einen solch großen Bedarf, dass sein Betrieb zu einer, allerorts beobachteten Übernutzung der heimischen Wälder führt. Dies ist für mich ein solches „No-Go“ bei der Nutzung erneuerbarer Energien und kontraproduktiv für den Umweltschutz.
    Da Frau Dr. Radant Mitglied im Verein “wandlitzerneuerbar e.V.“ ist und ich davon ausgehe, dass sie damit diesbezüglich fachlich fundierte Kenntnisse besitzt, würde mich ihre Ansicht zum weiteren Betrieb des HoKaWe interessieren. Frau Dr. Radant, wie sehen Sie den Betrieb des Holzkraftwerkes unter dem Gesichtspunkt der geschlossenen Stoffkreisläufe? Meines Erachtens wird in diesem Werk mehr Holz verbrannt als zeitgleich in den heimischen Wäldern, in denen es entnommen worden ist, nachwachsen kann. Das würde einem CO2-neutralem Betrieb widersprechen. Müsste sich das HoKaWe einer seriösen Ökobilanzierung unterziehen?

  2. Als ich vor bei der Aufstellung der Bürgermeisterkandidaten von CDU und Linken in Wandlitz herum unkte, dass man da wohl auf Anordnung der Spitzen unserer Barnimer Nationalen Front etwas Demokratie spielen wolle, haben mich selbst meine Mitstreiter etwas seltsam angesehen. Sowohl Bergner von den Linken als auch Liebehenschel von der CDU wurden nicht müde, in den Slogan „Tiepelmann muss weg!“ einzustimmen. Dass man den Wählern dann im Wahlkampf den Himmel auf Erden versprach, durfte ich mir im „Goldenen Löwen“ selbst anhören. Wahrheiten waren nicht gefragt in diesem Wahlkampf, statt dessen dominierten die Schönschwätzer mit ungeahnten Versprechungen auf das Wandlitzer Paradies und viele Wähler ließen sich wieder einmal täuschen. Schade, aber wenigstens die Ära von Feldwebel Tiepelmann schien vorbei zu sein.

    Nun ist die Katze allerdings aus dem Sack. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Demokraten der Nationalen Front unter Führung des SPD in Wandlitz fast alle von ihren vollmundigen Ansagen vor der Bürgermeisterwahl abgerückt. Nun ist es auf einmal nicht mehr klar, ob die Zweitplazierte Jana Radant auf die Stimmen von Linken und CDU bei der Stichwahl zählen kann. Und weitere acht Jahre Tiepelmann sind plötzlich gar nicht mehr so schrecklich!

    Die fadenscheinigsten Argumente werden dafür als Begründung bemüht und vor allem die Genossen der Linken, die ja mit der SPD im Land koagulieren (ich weiß, dass es koalieren heißt, aber koagulieren trifft es wohl deutlich besser), schielen im vorauseilenden Gehorsam ängstlich auf die Zuckungen der Bartspitzen des Genossen Stalin bzw. seiner Nachfolger in Land und Kreis.

    Noch hält sich der arg bedrängte Liebehenschel von der CDU, aber seine Parteifreunde werden ihm schon unmissverständlich klar machen, dass es im Interesse des von SPD/CDU/FDP/Linken propagierten Barnimer Wegs (Gibt’s du mir, geb‘ ich dir) ist, wenn er seine Wähler zugunsten Tiepelmanns verrät. Übrigens: Wer kann diesen Wählern jetzt eigentlich noch erklären, warum sie Bergner oder Liebehenschel wählen oder überhaupt zur Wahl gehen sollten?

  3. Pingback: Bürgermeisterwahl Wandlitz 2011 – Reaktionen von Frank Bergner und Ausblick auf die Stichwahl am 25. September – Von Stefan Stahlbaum

  4. Frau Dr. Radant, vielleicht schaffen Sie es noch, die von mir gestellten Fragen in Kürze zu beantworten, wenngleich ich darum weiß, dass Sie für die Stichwahl sicherlich noch viel zu tun und vorbereiten haben.
    Klare Positionierungen und ein ehrliches Miteinander mit dem „Wahlvolk“ sind, so denk ich, nie verkehrt.

  5. @Frau Dr. Radant
    Naja, keine Antwort auf meine an Sie gestellten Fragen in Kommentar #2 zum Holzkraftwerk Eberswalde ist in gewisser Weise auch eine Antwort, die Raum für Interpretationen lässt..
    Sie müssen auch nicht Farbe bekennen, könnte Ihnen bei den Stichwahlen womöglich schaden, wenn Sie sich allzu sehr festlegen.
    Insofern haben Sie scheinbar schon ganz gut die unter den Bürgern vielgescholtene Politikertaktiererei drauf…