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Straße bauen und Bäume erhalten? – Neue Diskussionen um die „Rüdnitz-Allee“

Das Barnim-Blog und der Kampf um die Allee zwischen Rüdnitz und Danewitz sind untrennbar miteinander verbunden, denn das Eine ging im Grunde aus dem Anderen hervor.  Ich krieg`s kaum noch zusammen, wieviel Zeit in dieses Projekt geflossen ist, wieviel Mühe, Aufbegehren, Hoffen, Bangen und auch Geld. Der Widerstand begann klein, verbreitete sich aber schnell auf viele Schultern und irgendwann war das Recht auf Seiten der Bäume.

Mit dem Artikel „Barnims Alleen geht es meist gut“ erinnert auch die Märkische Oderzeitung an die damaligen Ereignisse.

„Vor fünf Jahren wurde die Allee über den Barnim hinaus bekannt. Mehr als 700 alte Bäume säumen die fünf Kilometer Asphalt zwischen Rüdnitz und Danewitz. Allesamt wollte der Kreis damals fällen lassen, die Straße mit EU-Geldern neu bauen. Den Rüdnitzer Alleenstreit mit Unterschriftenaktionen, Baumbesetzungen und Riesenmedienecho beendete ein Gericht. Heute gilt er als Musterbeispiel für Naturschutz.“


Ein paar ruhige Jahre später nimmt die Diskussion um Straßenbau und Baumerhalt wieder Fahrt auf. Grundlage hierfür  ist, schreibt die MOZ, ein aktuelles Gutachten, dass der Kreistag bereits vor 2 Jahren in Auftrag gegeben hatte. Bauen ohne abzuholzen ist demnach möglich, aber schwer finanzierbar. Ersteres konnten die  Naturschützer schon im Jahr 2007 nachweisen, aber Landrat Bodo Ihrke und sein Vize Carsten Bockhardt verschlossen Augen und Ohren. Immerhin galt es ja ein paar Millionen Fördermittel zu „verbraten“.

Nach Meinung von Solveig Opfermann, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, müssen jetzt die Kreistagsabgeordneten zur Zukunft der K 6005 und ihres Alleenbestandes Stellung beziehen.

„Nach einem Kreistagsbeschluss muss der Barnim für den Bau der Straße auf Förderungen zurückgreifen. „Um Fördermittel zu bekommen, wäre aber ein gewisser politischer Druck nötig.“ Brandenburgs Gesetzesvorgaben geben laut Gutachten keine Förderung her. Die gibt es nur für einen grundhaften Ausbau. Doch der hätte Schäden an den Bäumen zur Folge, bei allen drei möglichen Varianten. Schonendere Möglichkeiten gäbe es auch. „Die Vorzugsvariante wäre, die Straße nur zu ertüchtigen, nicht auszubauen“, sagt die Leiterin der Naturschutzbehörde Opfermann. Das wiederum trägt nicht, wie von der öffentlichen Hand gefordert, zu mehr Sicherheit und einem besseren Verkehrsfluss bei.“

Eine Arbeitsgruppe des Umweltausschusses soll jetzt eine Vorlage erarbeiten. Die Allee ist, allen tendenziösen Totsagungen zum Trotz, noch da und könnte das Bild des „grünen Barnims“ viele, weitere Jahre prägen. Aber auch die Menschen die sie einst vor der Kettensäge bewahrt haben gibt es noch. Und wir werden auch diesmal ganz genau hinschauen.

Foto:  Karl-Heinz Wenzlaff

Straße bauen und Bäume erhalten? - Neue Diskussionen um die
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1 Kommentar » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Zum Artikel in der MOZ habe ich folgenden Kommentar geschrieben:

    Eine ergänzende Darstellung und Betrachtung

    Im Jahr 2006 wollte der Landkreis Barnim die Dorfverbindungsstraße zwischen Rüdnitz und Danewitz (K 6005) bis zur Landesstraße L 29 mit EU-Mitteln (Interreg III) sanieren und verbreitern lassen. Für den Luxusausbau stand eine Millionensumme zur Verfügung. Eine ordentliche Fahrbahnsanierung hätte zwar ausgereicht, doch weshalb sollte man kleckern, wenn genug Geld da ist? Gelder, die eigentlich für den Ausbau von Straßen im grenzüberschreitenden Verkehr bestimmt waren. Ich hatte mich seinerzeit gefragt, ob Danewitz in Polen liegt?
    Der kreislichen Planung stand leider eine Allee von über 700 stattlichen Ahornbäumen im Wege. Doch kein Problem: In Prof. Rudolph aus Panketal fand man einen Gutachter, der den Bäumen eine schlechte Vitalität attestierte. Rudolph malte in der Öffentlichkeit Horrorszenarien einer schnell sterbenden Allee mit geringer Restlebensdauer, sprach von brüchigen, nicht mehr verkehrssicheren Bäumen und verunsicherte damit die Bevölkerung ganz im Sinne der damaligen kreislichen Vorgehensweise.
    Die Realität zeichnet ein anderes Bild: Im Vergleich zu anderen Barnimer Alleen befindet sich die Rüdnitzer Allee weiterhin in einem überdurchschnittlich vitalen Zustand und wird noch viele Jahre vor sich haben. Die Belaubung ist dicht und die Bildung von Totholz im Kronenbereich relativ gering.

    Während Mitte 2000 der Alleenschutz im Landkreis Barnim keinen hohen Stellenwert genoss und man für den Bau von Straßen ohne Wimpernzucken und ohne schlechten Gewissen Hunderte von Straßenbäumen zu opfern bereit war, kann in der Kreisverwaltung- und -politik mittlerweile und erfreulicherweise ein langsames Umdenken erkannt werden. Nicht zuletzt durch das hartnäckige Engagement von Alleenschützern.
    Nicht beipflichten möchte ich der Leiterin der Naturschutzbehörde Solveig Opfermann in folgendem Punkt: Eine Ertüchtigung der K 6005 wäre vollkommen ausreichend, sie muss nicht verbreitert werden. Eine breite Straße wird schnell zur Rennstrecke und trägt nicht zu mehr Sicherheit bei, sondern würde die Unfallwahrscheinlichkeit eher erhöhen. Bei den wenigen hundert Fahrzeugen pro Tag kann ein guter Verkehrsfluss auch unter der derzeitigen Fahrbahnbreite gewährleistet werden. Zudem ist die Zeitersparnis der Fahrzeiten zwischen Rüdnitz und der L 29 durch eine Fahrbahnverbreiterung zu vernachlässigen; sie würde sich im Sekundenbereich bewegen. Weiterhin möchte ich Frau Opfermann zu bedenken geben, dass eine mehrere kilometerlange verbreitete Straße auch immer einen höheren Erhaltungsaufwand bedeutet. Für den Landkreis Barnim insbesondere vor dem Hintergrund rückläufiger kommunaler Mittel eine finanzielle Mehrbelastung, die nicht sein muss.

    Seit 5 Jahren ist die Kreispolitik nicht in der Lage eine Lösungsmöglichkeit für die alleenschonende und kostengünstige Sanierung der holprigen und schlaglochreichen K 6005 zu finden. Die Bürgerinnen und Bürger von Rüdnitz und Danewitz, die tagtäglich die Straße nutzen müssen, warten händeringend auf eine Straßensanierung, werden jedoch mit ihrem Problem allein gelassen.
    Weiterhin wäre die Baumschutz-Arbeitsgruppe im Umweltausschuss gut beraten, der Kreispolitik zu empfehlen, Baumlücken zeitnah aufzupflanzen, um die Rüdnitzer Allee dauerhaft zu erhalten. Die jungen Bäume würden vorhandene Lücken in wenigen Jahren schließen und ein harmonisches Alleenbild schaffen. Mit Streusalz ist nicht nur im Hinblick auf den Baumschutz sondern aus vielfältigen Gründen des Umweltschutzes vernünftig umzugehen.

    Als Initiative zur Rettung der Allee Rüdnitz-Danewitz haben wir uns seinerzeit hinsichtlich der K 6005 für eine alternative Lösung der Straßensanierung eingesetzt und werden bei zukünftigen kreislichen Planungen auch weiterhin wachsam sein.