web analytics

Bürgermeisterwahl Barnim 2011 – Das Barnim-Blog fragt, Burkhard Horn antwortet

Werneuchen ist die einzige Barnimer Stadt in der in diesem Jahr Bürgermeisterwahlen stattfinden. Burkhard Horn (Die LINKE) ist hier Verwaltungschef und er will es bleiben. Ob das funktioniert wird der 11. September 2011 zeigen. Seine Antworten auf unseren Fragenkatalog könnt ihr euch aber schon jetzt ansehen.

1. Welche vorrangigen Aufgaben hat eigentlich eine Bürgermeisterin/ein Bürgermeister.? Skizzieren Sie eine kurze Tätigkeitsbeschreibung aus eigener Sicht.

Burkhard Horn:
Der grundsätzliche Unterschied zwischen einem Bürgermeister und einem Amtsdirektor, beide sind Hauptverwaltungsbeamte, besteht darin, das der Bürgermeister durch die Bevölkerung und der Amtsdirektor durch den Amtsausschuss gewählt wird. Der Amtsdirektor ist letztendlich eher mit einem Geschäftsführer, der nur für die Führung der Verwaltung zuständig ist, zu vergleichen. Der Bürgermeister hingegen ist stimmberechtigtes Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung und kann hier auch die durch die Bürgerinnen und Bürger an ihn herangetragenen Probleme befördern. Hier sehe ich meine vorrangige Aufgabe, als Bindeglied zwischen Bürgerschaft, Parlament und Verwaltung zu wirken. Dies ist bei allen Entscheidungen, Entscheidungsvorbereitungen, Gesprächen, Verhandlungen usw. zu berücksichtigen und kommt manchmal dem sprichwörtlichen Versuch der Quadratur des Kreises gleich.

2. Das Wort „Bürgerbeteiligung“ wird, so von Politikern oder Verwaltungschefs geäußert, in der Bevölkerung oft als „leere Worthülse“ empfunden. Was haben Sie im „Repertoire“ um diesen Zustand zu ändern?
Burkhard Horn:Bürgerbeteiligung ist unbestritten wichtig und notwendig. Einerseits bereichert die Bürgerbeteiligung den Entscheidungsprozess und andererseits die Akzeptanz von Entscheidungen. Leider habe ich häufig die Erfahrung machen müssen, dass bei der Erarbeitung von Entscheidungen die Bürgerbeteiligung relativ zurückhaltend ist. Jedoch nach getroffener Entscheidung häufig beklagt wird, man hätte die Bürger zu wenig beteiligt. Nun, auch dies ist sicher ein Spagat. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Bürgerinnen und Bürger mehr in sie betreffende Entscheidungsprozesse einbringen müssen. Nur so sind ihre Interessen stärker zu berücksichtigen. Dass setzt aber auch voraus, dass ich mich als Bürger mehr informieren und kümmern muss. Wir leben in einer Gesellschaft, die von jedem von uns mehr Verantwortung und Eigenständigkeit erwartet. Man bekommt nichts vorserviert. Meine Erfahrungen haben gezeigt, da wo in den zurückliegenden Jahren Bürgerinitiativen in Werneuchen entstanden sind, z. B. beim Genmais, bei Photovoltaikanlagen, bei Einstellung von Bahnstrecken und anderes mehr, haben deren Belange immer einen Einfluss auf die Entscheidungen in den politischen Gremien. Das begrüße ich sehr und habe zu Bürgerinitiativen stets ein aufgeschlossenes Verhältnis.

3. Finden Sie ihr (zukünftiges bzw. derzeitiges) Bürgermeistergehalt angemessen?
Burkhard Horn:
Allgemein sagt man, über Geld spricht man nicht. Aber bitte schön, wenn es denn sein muss. Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Geld verdient, wie dies gegenwärtig der Fall ist. Ich war von 1991 bis 2003 aktives Mitglied in einer Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzender. Hier habe ich mich stets für die Einhaltung der Tarifverträge und „angemessene“ Lohn- und Gehaltssteigerungen eingesetzt. Ich halte es daher für korrekt, dass mein jetziges Gehalt in Übereinstimmung mit dem geltenden Tarifvertrag steht. Ich könnte persönlich auch mit weniger Geld auskommen. Aber Lohnverzicht ist auch keine Alternative zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme. Setzte ich meine tägliche- oder wöchentliche Arbeitszeit ins Verhältnis zum Gehalt, finde ich dieses durchaus angemessen.

4. Vervollständigen Sie folgenden Satz: „Wenn es bei uns regnet…“
Burkhard Horn:
Nun, da ich eher die kalten und feuchten Jahreszeiten liebe, der Sommer ist mir meistens zu heiß, fällt mir die Antwort leicht. „Wenn es bei uns regnet atme ich tief durch“. Wir haben viel zu wenig Muße für den Blick auf die Kraft der Natur, die man bei Wind, Regen, Blitz und Donner am deutlichsten spüren kann.

5. Wie steht es um den Haushalt ihrer Stadt/Gemeinde? Finden Sie einen bildhaften Vergleich.
Burkhard Horn:
Die kurze Version lautet: Gut – jedoch sind unsere Wünsche größer als das Fassungsvermögen des Geldbeutels. Zu Beginn meiner Amtszeit hatte die Stadt Werneuchen einen unausgeglichenen Haushalt und ein Haushaltssicherungskonzept. Damals formulierte ich das sinngemäß so: Das Schiff Werneuchen sitzt auf einer Sandbank fest. In den folgenden Jahren wurde die Situation besser und ich sagte: langsam haben wir eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Heute kann ich mit Stolz auch schon auf das Überstehen einiger heftiger Stürme auf hoher See zurückblicken. So ist es uns gelungen trotz Wirtschafts- und Finanzkrise nicht ins Schlingern zu kommen.

6. Energieversorgung/Energiegewinnung gehört zu den dringlichsten Themen unserer Zeit. Wie bringen Sie ihre Kommune auf den neuesten Stand und was ist für Sie ein absolutes „No-Go“?
Burkhard Horn:
Die durch den Landkreis veröffentlichen Berichte weisen in ihrer Statistik aus, das in Werneuchen bereits 2009 rund 425 % mehr Strom produziert als verbraucht wurde bzw. wird. Die für damals ausgewiesenen Reserven, wie die Nutzung von Dachflächen von öffentlichen Gebäuden mit Photovoltaikanlagen oder die energetische Sanierung von Kindereinrichtungen und Turnhallen, haben wir inzwischen zu einem Großteil realisiert. Das es einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung für die Errichtung eines Energieparks auf einer Fläche von ca. 220 ha bei Weesow und Willmersdorf gibt, dürfte bereits bekannt sein. Eine weitere Anlage befindet sich auf dem ehemaligen Flugplatz auf einer Fläche von rund 40 ha in der Umsetzung. Unsere Stellungnahme zum Entwurf der regionalen Planungsgemeinschaft Barnim – Uckermark zielt nicht auf die Ablehnung von neuen Flächen für die Windnutzung sondern auf kleinteilige Änderungswünsche unserer Bürgerinnen und Bürger ab. Was für mich in der Energiediskussion ein absolutes „No – Go“ darstellt ist die Art und Weise des Umgangs der verschiedenen Interessenparteien. Ich weiß, dass das ausweichend klingt. Jedoch halte ich Diskussionen, die darauf bauen Angst zu schüren für keine Diskussionen. Wer Feuer anmacht muss sich nicht wundern, dass es auch heiß werden kann.

7. Wären Sie in ihrer Stadt/Gemeinde gern noch einmal Kind (bitte begründen!)?
Burkhard Horn:
Ja! Ich habe eine gute und schöne Kindheit in Werneuchen verbracht. Ich bin hier geboren und aufgewachsen und kenne fasst jeden Baum, Strauch oder Schleichweg. Ich habe stets in der Nähe gearbeitet, in Bernau, Berlin und in Werneuchen selbst. Ich liebe die Landschaft und habe mich hier immer wohl gefühlt. Für mich gibt es hierfür keine Alternative – ich kann sagen: ohne Wenn und Aber.

8. Welche privaten Gegenstände werden Sie in ihr zukünftiges Büro mitnehmen bzw. welche (bei Amtsinhabern) befinden sich schon dort?
Burkhard Horn:
Auf meinem Schreibtisch stehen zwei aus Holz geschnitzte Löwen. Einen asiatischer, den mir mein jüngerer Sohn zum Amtsantritt schenkte und ein afrikanischer, den mir eine Kollegin aus dem Urlaub mitbrachte. Zu Hause habe ich weitere Löwenfiguren, so dass diese beiden Löwen auf dem Schreibtisch die Verbindung herstellen.

9. Welche ihrer beruflichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Vorerfahrungen können sie im Amt der Bürgermeisterin/des Bürgermeisters am ehesten einbringen?
Burkhard Horn:
Ich war mein ganzes Leben lang ein politisch denkender und interessierter Mensch. Bereits als Lehrling und später als Elektriker übte ich ehrenamtliche Funktionen in der Freien Deutschen Jugend (FDJ), der einzigen Jugendorganisation der DDR, aus. 13 Jahre, bis 1989 war ich hauptamtlicher Funktionär der FDJ. Danach als Produktionsarbeiter eines ortsansässigen Lebensmittelproduzenten Betriebsratsvorsitzender und Abgeordneter in der Stadtverordnetenversammlung Werneuchen sowie auch im Kreistag Barnim. Seit 2002 bin ich zunächst ehrenamtlicher Bürgermeister von Werneuchen gewesen und seit 2003 hauptamtlicher Bürgermeister. Ich würde heute sagen, mein ganzes bisheriges Leben war ein sammeln von neuen Erfahrungen und Erkenntnissen. Eine wichtige Erfahrung dabei ist, heute lernst du etwas, was du gestern noch nicht wusstest aber morgen vielleicht schon nicht mehr brauchst.

10. Kunst, Kultur und Vereine sind weit mehr als das „Salz in der Suppe des öffentlichen Lebens“. Stimmen Sie dieser Aussage grundsätzlich zu und was haben die Leute mit Ihnen auf dem Chefsessel diesbezüglich zu erwarten?
Burkhard Horn:
Diese Aussage findet meine Zustimmung. Die Stadt Werneuchen hat die Arbeit der Verein immer, auch mit finanziellen Mittelnm, gefördert. In der Zeit als wir keinen ausgeglichenen Haushalt hatten, habe ich etwa 80 % meiner damaligen Bürgermeister – Aufwandsentschädigung an die Vereine weitergereicht, weil die Stadt ihren Sparwillen auch dadurch zum Ausdruck bringen musste, dass sie keine „freiwilligen“ Leistungen vornimmt. In der Zeit, in der ich hauptamtlicher Bürgermeister bin, konnten wir die Mittel für die Arbeit der Vereine, Seniorenarbeit und Jugendarbeit und anderes mehr leicht erhöhen. Ich bin der Auffassung, dass wir diese Arbeit auch weiterhin fördern müssen. Auch wenn wir die ehrenamtliche Arbeit nie mit Geld aufwiegen können, so hat sie unsere Anerkennung und unseren Respekt verdient.

11. Sehen sie sozialverträgliche Lösungsmöglichkeiten bezüglich der vielerorts diskutierten und gefürchteten „Altanschließerproblematik“ oder sollen das die Gerichte klären?
Burkhard Horn:
Nun könnte ich es mir leicht machen und sagen: davon sind wir nicht sonderlich betroffen. In Werneuchen ist lediglich die Wohnungsbaugesellschaft Werneuchen mbH, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Stadt Werneuchen davon berührt. Hier wurde bereits Vorsorge getroffen, so dass für die Mieter keine Auswirkungen zu erwarten sind. Sicher wäre hier eine politische Entscheidung durch den Landtag zu Gunsten der Altanschließer begrüßenswert gewesen. Ansonsten vertrete ich in dieser Angelegenheit den Standpunk, dass man sich durchaus auch einmal juristisch auseinandersetzten muss. „Sozialverträgliche“ Lösungen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben sind immer möglich, wie z. B. beim Straußenausbau.

12. Warum sind eigentlich genau Sie die „erste Wahl“ für den Job und was haben Sie ihren Mitbewerberinnen und Mitbewerbern (nach derzeitigem Kenntnisstand) voraus?
Burkhard Horn:
Ich halte nichts davon, mich über meinen Mitbewerber zu äußern. Das habe ich noch bei keiner Wahl getan. Jeder führt seinen Wahlkampf für sich. Wahlkampf heißt nicht, die anderen Bewerber zu diskreditieren. Auch hier ist gegenseitiger Respekt gefragt. Ich denke, dass ich nachgewiesen habe, dass ich mich stets für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt habe, auch wenn ich nicht jeden Wunsch erfüllen kann – das kann übrigens keiner. Ich denke, es ist den meisten Werneuchener bekannt, dass ich weder Zeit noch Mühe scheue und stets für unseren Heimatort da bin. Ich bin Stolz, dass es in meiner bisherigen Amtszeit eine weitere positive Entwicklung für Werneuchen gab – dass hatte mir nicht jeder zugetraut. Es läuft nicht immer alles so, wie man es sich vorstellt oder wünscht, eines ist jedoch sicher, ich lassen kein Problem liegen und drücke mich nicht vor unangenehmen Situationen.

Das Barnim-Blog dankt Burkhard Horn für Text und Foto.

Bürgermeisterwahl Barnim 2011 -  Das Barnim-Blog fragt, Burkhard Horn antwortet auf Facebook teilen
Bürgermeisterwahl Barnim 2011 -  Das Barnim-Blog fragt, Burkhard Horn antwortet auf Twitter teilen
Bürgermeisterwahl Barnim 2011 -  Das Barnim-Blog fragt, Burkhard Horn antwortet auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel: