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Ein Barnimer auf Reisen – Kapitel 3: Wahlkampf in Berlin 2011

Kaum bin ich mal knapp 2 Wochen verreist verwandelt sich die Bundeshauptstadt in ein Schildermeer. Wahlkampf 2011 in Berlin – Das scheint (egal auf welcher Ebene) mal wieder eine „schicke Materialschlacht“ zu werden. Leider ist mir an der Ostsee meine Kamera abhanden gekommen, so dass ich nicht mit entsprechenden Fotos dienen kann. Sei´s drum! Was ich heute auf meinem (Rad)Weg von Panketal nach Berlin-Weißensee so gesehen, gedacht und gefühlt haben bedarf nicht zwingend der Bebilderung.

Dem noch immer teilüberschwemmten Gebiet hinter der Stadtgrenze entronnen fühle ich mich in Buch gleich willkommen. Grün und grün und schon wieder grün. Ich sehe in das Gesicht von Peter Brenn und bin einstweilen gut aufgehoben. Hier und da hängen  einige Christdemokraten („Grade richtig“?). Beim „Buntmachen“ ihres Materials haben meine Berliner Kollegen sich diesmal wirklich Mühe gegeben. Die Töne sind mehrheitlich warm, gemütlich und schmeicheln dem Augen. Würde ich die wahlkampffreien Zeiten nicht so genießen könnte ich mir Jens-Holger-Kirchner fast für`s  Wohnzimmer vorstellen. Die „handgemalte“ Serie ist ebenfalls nett anzuschauen, erinnerte mich aber fatal an eine frühere Retro-Kampagne für Persil („Da weiss man was man hat…“).

Die grüne Dominanz hält ungefähr bis Blankenburg-Kirche, dann kommt ein harter Abturn. Rene Stadtkewitz und seine bizarren Vorstellungen von „Freiheit“ hatten sich kurz zuvor nur vereinzelt hinter Bäumen versteckt. Ab Höhe Krugstege stehen seine Parolen im unschuldigen Tageslicht. In dieser Gesellschaft scheint sich auch die „Bürgerbewegung pro Deutschland“ („Wählen gehen für Thilos Thesen“) sehr wohl zu fühlen.

Hurra, endlich die FDP, könnte man nach einer relativ langen Strecke permanenter „Dunkelbestrahlung“ fast ausrufen, denn die Liberalen legen erst nach dem Heinersdorfer Wasserturm so richtig los. Ich hab´s aber gelassen, denn die „neue Wahlfreiheit“ kommt nicht rüber und „kleine Scherze“ zum Thema Integration („“Wir meinen, dass es eine nette Geste ist, in Paris nach Croissants statt nach Schrippen zu fragen.) machen das Ganze auch nicht besser.

Die Sozialdemokraten hängen irgendwie (welch tiefe Symbolik) überall dazwischen, haben die Spaßwahlkampf-Experimente von 2009 (Europa-Wahlen) aber wieder sein lassen und präsentieren sich seriös bis fade. Wer genauer hinschaut sieht aber durchaus einen „plakativen Willen zur Erneuerung“. Nur noch das Logo ist rot hinterlegt. Annsonsten charchiert die Farbpalette zwischen blau, türkis und sogar (Oh mein Gott!) lila. Alle Achtung Genossen, solche radikalen Experimente hätte ich euch gar nicht zugetraut.

Klaus Wowereit kommt „ein bisschen in die Jahre“ und präsentiert sich konsequent in schwarz-weiss.  Konkurrent Frank Henkel will ebenso farblos wirken, hätte aber für diesen Zweck die technische Bearbeitung seines Portraits (im Gegensatz zum Regierenden) meines Erachtens nicht wirklich nötig gehabt. Wäre das hier die Oscar-Verleihung und ich säße in der Jury käme für Henkels Parteifreund Dirk Stettner immerhin eine Nominierung in der Kategorie „Bester Make Up-Artist“ in Betracht.
Renate Künast wirkt übrigens auch an der Laterne einfach wie Renate Künast und das (mit Verlaub, Herr Wowereit) „ist auch gut so“.

Was sonst noch zu sehen ist? Tja, vereinzelte Graue Panther-Plakate verkünden zum Teil Unwiderlegbares („Kinder werden Rentner“) und die Piratenpartei kämpft mit lustigen Gesichtern.
Die LINKE habe ich keineswegs vergessen, sie ist (zumindest im Berliner Norden) nur noch nicht zu sehen (Harald Wolf  & Co werden aber sicher noch nachlegen). Ein Großplakat stand immerhin irgendwo in Alt-Blankenburg herum. Die Aussage („Mieter vor Wild-West schützen“) klingt dann  auch „ein bisschen retro“.

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6 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Hallo Andreas,

    geh doch mal auf die Inhalte der Plakate ein. Ich seh die im Wedding rumhängen:
    SPD: Ohne Inhalt nur Gesichter und namen
    CDU: Handfeste Argumente wie „Genau richtig!“
    Grüne: Wollen den Atomstrom abschaffen. Und das vermutlich für ganz Deutschland allein durch einen Berliner OB *gg* und natürlich die S-Bahn reparieren (endlich ein Thema zur Regionalwahl)
    Piratenpartei: Die sind die einzigen, welche konkrete Ziele auf Ihren Plakaten haben.
    Linke, FDP und Rechte hab ich noch nciht gesehen.

    Mal sehen was noch kommt. Bestimmt keine Inhalte.

  2. Wie sagte mein Vorschreiber: „…geh doch mal auf die Inhalte der Plakate ein“ Ich kann es ja mal versuchen. „Henkels Parteifreund Dirk Stettner“ wird sich bestimmt für die Nominierung in der Kategorie “Bester Make Up-Artist” bedanken. Ich finde, er hat sich große Mühe gegeben. Sechs verschiedene Aussagen auf seinen Plakaten – immer Kiezbezogen und wirklich treffen. Beispiel Buschallee, Falkenberger und Hansastrasse.
    • mehr Einkaufsmöglichkeiten
    • mehr Fachärzte ansiedeln
    • Kitaplätze schaffen
    • unsere Schulen sanieren
    • mehr Grün auf die Buschallee
    Er hat sich mit gut vorbereitet. Klar kostet das alles Geld und das haben wir nicht? Doch sagt er auch. „Man muss es richtig verteilen.“ und fordert zum Dialog, wo wir sparen können, um diese Ziele zu ermöglichen.

  3. Zitat:
    „• mehr Einkaufsmöglichkeiten
    • mehr Fachärzte ansiedeln
    • Kitaplätze schaffen
    • unsere Schulen sanieren
    • mehr Grün auf die Buschallee“
    Das kann natürlich jede Partei sein. Mich würde mal interessieren, welche Partei einen dieser Punkte nicht möchte…
    Das muss noch nicht mal mit einem Kiez zu tun haben, diese Sprüche gehen in ganz Deutschland von der Bundestagswahl bis zur Regionalwahl in NRW oder Bayern.

  4. Das kann natürlich jede Partei sein? Nein! Rot-Rot hat in Berlin das Regieren, seit Ihrer Wahl vorüber 10 Jahren, scheinbar eingestellt. Seit mehr als 10 Jahren „arbeiten“ in Berlin rückwärtsgewandte Machtpolitiker ohne Gestaltungswillen und Ideen und sind damit im Grunde amtsunwürdig. Im Kiez direkt gibt es das nicht (Einkaufsmöglichkeiten, Fachärzte, Kitaplätze, Schulen sanieren, mehr Grün) ich wohne hier! Die die hier leben bekommen mit wer hier etwas im und für den Kiez macht! Wo wohnen Sie?

  5. @Andreas L.:
    Die Inhalte (einige Parolen und Sprüche waren ja bei mir schon dabei) zu analysieren war nicht der Anspruch des Beitrages (aber das kann gern in den Kommentaren dazukommen). Wie ich eingangs schrieb bin ich Rad gefahren, hab mir den Schilderwald angeschaut und meine (mehr oder weniger) spontanen Gedanken beschrieben.
    @Andreas N:
    Mehr Grün für die Buschallee ist ein bisschen vage formuliert denn da reichte ja auf weiten Strecken ein einziger Baum oder Busch. Trotzdem kein schlechter Ansatz. Ich denke und hoffe ja, dass Berlin nach der Wahl ohnehin sehr viel grüner sein wird. Besonders politisch.

  6. Dieser juristische Beitrag zu den Wahlkampfregeln ist echt süß. Besonders die Zusammenfassung. Ich zitiere:
    „Hässliche Bilder und Nonsenssprüche sind rechtlich geschützt; Herunterfallen darf das Plakat auf keinen Fall. Gemalte Schnurrbärte sind verboten.“