web analytics

Arme, arme „Scientology“? – Über Kapitalismuskritik-Kritik, „herkömmliche deutsche Gutmenschen“ und unterversorgte Linksradikalen-Verfolger

Den Panke-Spiegel, eine „Unabhängige Zeitschrift für Kommunales & Kultur“, habe ich erst 1-2 Mal gekauft. Aber heute war mal wieder S-Bahn-Tag, ich brauche Abwechslung und vertrage die gewöhnliche Mischung aus Märkischer Oderzeitung und „Berliner“ nicht immer.

„Warum „Scientology“ hier keine Chance hat“ atmet vielleicht nicht übermäßig viel Lokalkolorit, liest sich für mich aber erstmal wie eine Mischung aus guter Nachricht und guter Frage.
Autor Christian Rogler schreibt zunächst was er in seinem Beitrag eigentlich machen wollte (nämlich „Kontroverses kontrovers darstellen“) und warum das  nicht möglich war (die via Facebook angefragte Dianetik-Beraterin hat nicht geantwortet). Danach folgen einige Erläuterungen zum Selbstbild der  Vereinigung.

Was dann kommt berührt gelegentlich durchaus die Frage, warum in unserem Land kaum jemand „den Thetan in sich wecken lassen“ will, ist aber überwiegend eine Art  Mentalitätsanalyse der „gefühlsduseligen deutschen Gutmenschengesellschaft“ deren Inhalte  aus meiner Sicht mal ein bisschen wütend und dann wieder ein bisschen beleidigt daherkommen.
Ob die „Grenze zwischen legitimer Aufklärung (…) und gezielter Angstmache“ im Falle der „Church of Scientology“ fließend oder vielleicht bereits überschritten ist, lässt Rogler einen Spalt offen. Er  vergisst aber nicht zu erwähnen, dass  die in den USA gewährten Freiheiten nicht zum Untergang des Staates, noch zu einer religiösen Vormachtstellung geführt haben.

Das „Kernproblem“ ist dann relativ schnell und kompakt erklärt.  Der Ökologismus als „neuheidnische Ersatzreligion“ verwandelt Menschen  reihenweise in „ferngesteuerte Zombies“.
In einem Land ,“wo man mit dem Neid auf  „die Reichen“, Kapitalismuskritik und Umverteilungsparolen problemlos jede Wahl gewinnen kann“ (öhm, wird Deutschland nicht derzeit von CDU und FDP regiert?) hätten es „auf Erfolg im Wirtschaftsleben“ ausgerichtete Pragmatiker eben schwer. Hinzu käme noch der weit verbreitete Antiamerikanismus.

Als ein Indiz für die fast völlige Bedeutungslosigkeit der deutschen „Scientology-Filliale“ sieht der Autor die Auflösung der Hamburger-Arbeitsgruppe im Jahr 2010 (dazu hat man freilich auch schon andere Erklärungsmodelle gehört bzw. gelesen). Dass der Verfassungschutz (wurde mit der Aufgabenübernahme betraut)

„sinnvollerweise in Kürze (..) die Beobachtungen(..) stoppt und die dafür frei werdenden  Mittel stattdessen in die Bekämpfung tatsächlich gefährlicher Gruppierungen, etwa im Bereich des Linksextremismus oder militanten Islamismus“, umgeschichtet würden(…)“

schließt er aus.

Eigentlich, so das gefühlte Fazit, sollte „Scientology“ aus Gründen des Selbsterhalts „den Laden komplett dicht machen“. Ob das nun gut oder schlecht ist, stand hier nie zur Debatte. Viel wichtiger war  tatsächlich die Benennung der „Schuldigen“.

Arme, arme
Arme, arme
Arme, arme

Ähnliche Artikel:

Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

Kommentare sind geschlossen.