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Neuer Märkischer Tag oder Zeitung? – Die MOZ und „Übergänge im Bereich der brandenburgischen Medienlandschaft“

Am 01.07.2011 diskutiert die Enquete-Kommission(5/1) des Brandenburgischen Landtages ein Gutachten zum Thema „„Personelle und institutionelle Übergange im Bereich der brandenburgischen Medienlandschaft“. Was aus den SED-Bezirkszeitungen wurde ist eigentlich ein spannendes Thema und birgt Einiges an (nicht nur) medialer Wendegeschichte in sich.
Die Märkische Oderzeitung hat die Arbeit von Ariane Mohl offensichtlich schon gelesen und reichlich (gebremsten) „Schaum vorm Mund“. Nicht das man der Autorin grundsätzlich falsche Fakten unterstellt – Nein, die Schlüsse sind`s, die Bauchschmerzen bereiten.

„Die Medienlandschaft wird (bis heute) bestimmt von drei ehemaligen SED-Bezirkszeitungen, die bereits zu DDR-Zeiten tonangebend waren“ schreibt Frau Mohl z.B. und sieht als Grundproblem die  fast „flächendeckende Übernahme“ der alten Redakteure. Auch die neuen West-Besitzer der Zeitungen hätten eigentlich gar nicht wissen wollen „was die ungeliebte Tochter in der ehemaligen DDR so treibt“.

Die MOZ fühlt sich offensichtlich verkannt, sieht nicht gewürdigt, dass auch „Parteiredakteure“ „die friedliche Revolution von 1989 als Befreiung und berufliche Herausforderung betrachtet haben“ und das Blatt seine  „neue publizistische Haltung“ doch schon 1990 mit der Einsetzung dieses regionalen und doch überparteilichen Namens gezeigt hat.
Stasi-Redakteure? – Ja die hat es gegeben. 12 Mitarbeiter verließen ihren Arbeitsplatz vor der Jahrtausenwende unfreiwillig. Abgesehen davon „bekrittelt“ Frau Mohl aber wohl  auch die handwerklichen Fähigkeiten der EX-DDR-Journalisten. Weil sie nicht gelernt hätten „kritische Nachfragen zu stellen und die Mächtigen zu kontrollieren (…) 
hätten sich viele der alten Redakteure auch nach 1990 lediglich mit der Wiedergabe von Äußerungen begnügt.“

Mit dem Kauf des Oranienburger Generalanzeigers durch die Märkische Oderzeitung, stellt die „Gutachterin“ abschließend fest,  (…) habe sich „nun auch die letzte neu gegründete Tageszeitung in Brandenburg der Übermacht der ehemaligen SED-­Bezirkspresse beugen müssen“.

„Kein differenzierter Umgang mit der Geschichte“, findet unser aller Lokalzeitung. Die Grundstrukturen der gewendeten Brandenburgischen Medienlandschaft müsste Ariane Mohl als ehemalige Mitarbeiterin der Märkischen Allgemeinen Zeitung (früher Märkische Volksstimme) aber  eigentlich ganz gut kennen.

Neuer Märkischer Tag oder Zeitung? - Die MOZ und
Neuer Märkischer Tag oder Zeitung? - Die MOZ und
Neuer Märkischer Tag oder Zeitung? - Die MOZ und

Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Mein Eindruck: Geschichtsbetrachtung aus einer recht einseitigen Position, von Menschen, die nicht dabei waren. Was zeichnete die Wende aus? U.a. , dass fast alle (auch große Teile der Stasi – wie ich von meinem Nachbarn weiß) einfach die Schnauze voll hatten. Das war bei den Journalisten sicher nicht anders. Außerdem negiert Frau Mohl konsequent die Möglichkeit, dass Menschen lernfähig sein können. Auch Journalisten;-) Dazu dürften 21 Jahre mehr als ausreichend sein. Fazit: Die Dame will sich auf Deibel komm raus profilieren.
    Außerdem: Was bringt der ganze Quatsch eigentlich noch? Mich plagen andere Probleme, z.B. die Altanschließergebühren, schläfrige Kommunalpolitiker, Krieg und Tote in AFG und die Geldausgabeni der Neoliberalen um Merkel und Co.

  2. @Frank: Also ich finde ja, dass in „Stolpes DDR-Reservat“ Brandenburg noch so Einiges zu diskutieren ist, weil eben sehr lange darauf verzichtet wurde. Wenn nun jemand von außen einen klaren, unbeeinflussten Blick auf die Sache wirft kann das sogar sehr nützlich sein.
    Im übrigen hast auch Du z.B. vor einem guten Jahr mit recht klaren Worten die unklare Übergangssituation des Blattes (incl. Vergangenheitsleugnung) kritisiert. Deinen Kommentar findest Du unter diesem Link.

    Und bevor ich es vergesse: Schönen Urlaub!

  3. Was will uns der Autor eigentlich sagen? Lediglich ein Link auf die MOZ-Seite wäre inhaltsschwangerer als der obige Artikel.

  4. @Stefan: Danke für den Link. Schade – unser kommunales Wurst- und Käseblatt hat sich im vergangenen Jahr (seit meinem damaligen Kommentar) so entwickelt, dass ich es eigentlich ganz gut missen könnte. Tja, die Welt dreht sich, Ansichten und Qualitäten ändern sich. Ob die MOZ überleben wird? Eigenartig ist, dass für mich gerade die jungen, DDR-unbelasteten Reporter diejenigen sind, die versuchen, politische Minderheiten teilweise richtig boshaft lächerlich zu machen und den heute Mächtigen nach dem Munde schreiben. Hängt das mit den finanziellen Zwängen zusammen oder orientiert man sich am Beispiel der Karriere eines Herrn Thunemann, des größten Barnimer Wirtschaftslenkers aller Zeiten? (das war Ironie)

  5. @ stefan stahlbaum
    Hab leider keine Frage in ihrem Artikel nicht gefunden. Vielleicht wollten sie ja auch nur Fragen beantworten, die keiner gestellt hat. Sei´s drum.

  6. Es muss natürlich „eine“ lauten. War nicht mal ein freud´scher Versprecher.

  7. @Andre Stahl: Ich schrieb von Fragen AuFWERFEN (grins), gestellt haben Sie die Frage (nämlich was Ihnen der Autor damit sagen will): Haben sie übrigens `ne Meinung zum Thema ? (ist aber nicht Bedingung)

  8. Dass das Gutachten kein wissenschaftlicher Höhepunkt ist, hat die Autorin selbst zugegeben (abgeschrieben hat sie aber wohl nicht ;-) ). Allerdings führt die Autorin dazu aus, dass die Zeitungen gemauert und ihr die notwendigen Informationen verweigert haben. Genau damit wird aber das Problem deutlich: Statt sich mit den Vorwürfen konstruktiv auseinanderzusetzen und durch Zahlen, Daten und Fakten das Vertrauen der Leser in „ihre“ Heimatzeitung zu stärken, wird nur gegen die Autorin gestänkert. MOZ&Co. lassen hier eine Chance ungenutzt, stärker zu werden und Leser zu binden. So bleibt der Eindruck, dass die Vorwürfe zutreffen. Und wenn man sich die überwiegend verständnisvolle Berichterstattung für die StaSi-IMs ansieht, hat man schon machmal das Gefühl, dass der eine oder andere MOZ-Journalist die Zeit der konkurenzlosen Berichterstattung und zahlreicher Journalistenprivilegien vor 1990 doch ein wenig vermisst.

  9. “Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.” meinte Paul Sethe (* 12. Dezember 1901 in Bochum; † 21. Juni 1967 in Hamburg). Er war ein deutscher Publizist, Journalist und Geisteswissenschaftler. Sethe war einer der fünf Gründungsherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zwischen 1949 und 1955. und schrieb später u.a. für die „Zeit“ und den „Stern“. Den obigen Satz äußerte er in einem Leserbrief an den „Spiegel“ und führte weiter aus: „Da die Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften immer größeres Kapital erfordert, wird der Kreis der Personen, die Presseorgane herausgeben, immer kleiner. Damit wird unsere Abhängigkeit immer größer und immer gefährlicher.“ Er wisse, dass es im deutschen Pressewesen Oasen gebe, „in denen noch die Luft der Freiheit weht, […] aber wie viele von meinen Kollegen können das von sich sagen?“.

    Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Vor allem nicht in Bezug auf die unsinnige Diskussion in Brandenburger Enquete-Kommissionen. Man beachte: Der Mann ist 1967 gestorben. Seitdem ist es nur noch schlimmer geworden.Inzwischen sind es nur noch 10 Medienkonzerne, die bestimmen, was der Leser zu lesen kriegt.

    (Quelle: Wikipedia zu Paul Sethe)

    These:
    Die einzige Zeit, in der die ostdeutsche Presse wirklich frei war, war ein kurzer Zeitraum vom 9. November 1989 bis 2. Oktober 1990.
    Danach waren sofort die alten Zwänge – durch die neuen Eigentümer – da.

    Frage: Was will Frau Mohl eigentlich? Eine Flurbereinigung beim Personal, verbunden mit mehr Aufträgen für freie Journalisten? Oder wirklich mehr Pressefreiheit?

    Feststellung:
    Wenn ich kein Material habe oder es nicht bekomme, weil die Zeitungen mauern (welche Zeitungen) gehe ich mit genau diesem Fakt an die Öffentlichkeit und nicht mit unausgegorenen Behauptungen. Die Frau versteht offenkundig ihr Handwerk nicht oder hat bei „Blöd“ gelernt.

    Letzte Bemerkung:
    Ich bleibe dabei – es gibt wichtigere, reale und aktuelle Probleme in Brandenburg. Den Vorwurf, dass die MOZ (andere Lokalpresse lese ich nicht) sich zu wenig mit diesen aktuellen Problemen beschäftigt und den Mächtigen fast immer nach dem Munde redet, kann man nicht oft genug wiederholen. D a s ist das eigentliche Problem. Deshalb verliert diese Zeitung Leser, nicht wegen Stolpes Stasi-Kontakten, über die angeblich nicht berichtet wurde. Und wenn man Stolpe etwas ankreiden muss, dann das, dass er uns im Kronprinzenverfahren mit diesem Schwiegermutterschwarm, der Tranfunzel Plattzeck gesegnet hat, den wir wegen der Trägheit der Brandenburger und/oder der Hofberichterstattung der Lokalpresse nicht los werden.