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Für Freunde der energiepolitischen Steinzeit: Gregor Beyer (FDP) zur Zukunft von Braunkohleverstromung und CCS

„Schneller Reichtum schadet dem Verstand“, sagt Dagobert Duck gelegentlich, wenn er die finanziellen Irrflüge seines Milliardärskollegen Klaas Klever beurteilt. Ob das auch für politische Karrieresprünge gilt ist nicht überliefert. Die Geschichte des Gregor Beyer würde eine vertiefende Betrachtung in dieser Richtung eventuell lohnen.

Vor 2 Jahren noch führte der ehemalige Geschäftsführer der „Blumberger Mühle“ und Ex-Angestellte am Institut für Ökologie und Naturschutz (Eberswalde) das beschauliche Leben eines Provinz-Liberalen, als er im Herbst 2009 in den Landtag nachrückte. Ab September 2010 fungierte er als kommissarischer Generalsekretär der FDP Brandenburg, ist seit April diesen Jahres Landesvorsitzender seiner Partei und inzwischen auch Beisitzer der 1. Abteilung im Bundesvorstand.

Seine Umweltschutz-Ambitionen hat „die Zeit“ offensichtlich schnell und gründlich abgeschliffen. Seit Längerem ist bekannt, dass Beyer z.B. ein „Freund und Förderer“ der umstrittenen CCS-Technologie ist. Wie sich im Diskussionsverlauf zum unsäglichen Platzeckschen „Positionspapier“ unlängst zeigte, hat die Braunkohlelobby in Beyer augenscheinlich noch immer einen“ starken“ Partner.

Wo sich selbst bekannte SPD`ler wie der frühere Infrastrukturminister Reinhold Dellmann einiger Maßen angewidert abwenden (so jedenfalls klang dessen Reaktion für mich) setzt Beyer noch Einen drauf. Gegenüber den „Postdamer Neuesten Nachrichten“ bezeichnete der Diplom-Forstingenieur das Geschreibsel als „richtigen Schritt“.

„Es sei jedem klar, dass CCS – wenn überhaupt – erst spät einsetzbar und der Ausbau erneuerbarer Energien nur schrittweise vorangehe. Deshalb sei die Verstromung von Braunkohle auch ohne CCS längerfristig notwendig.“

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9 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ts ts ts. Ich bin ebenso erstaunt. Auf ihrem bundesparteitag hatte die FDPein Papier beschlossen in dem es heißt, dass die Länderklausel für das CCS-Gesetz unbedingt gekippt werden muss.
    Das ist eine Forderung, die dazu führen würde, dass dieses Gesetz 1) wegen des Widerstandes der Länder nicht verabschiedet würde und 2) das Brandenburger Projekt CCS mit EU-Fördermitteln sterben müsste. (Es sei denn die EU würde die Frist weiter nach hinten verschieben……Dann müsste sich Deutschland wieder einigen….wird aber nicht kommen).

    Tja – ob die FDP-Fraktion dem Beschluss folgt und dies im Bundestag umsetzt…..Am 6. Juni ist jedenfalls schon mal die Anhörung im Umweltausschuss. Ich gehe hin und lausche und berichte im Anschluss.

  2. @Sabine:
    Im Grunde sagt doch die Position Beyers im Verbindung mit dem“Platzeck-Papier“ das die CCS-Diskussion eigentlich durch ist und sich das Volk als nicht dusselig genug erweist das Placebo anzunehmen. Eine weiße Fahne aller „Landeslügenbolde und Verschleierungsfachwirte“ sehe ich aber (leider) nicht Der Umgang mit den Realitäten schein ganz selbstverständlich:
    Jut, wenn se sich nich verarschen lassen wollen verbrennen wir unsere Kohle eben ohne Verpressung weiter.“

  3. @Herr Stahlbaum: Kommentare im Bar-Blog scharf am Rande der Beleidigung machen die Aussagen nicht richtiger und sind eigentlich schade -insbesondere dann, wenn sie in ihrem folgenden Kommentar sogar zu erkennen geben, dass sie offensichtlich verstanden haben was ich gesagt habe. Wir werden in einigen Jahren -wenn wir mit Sicherheit Kohle nicht mehr energetisch nutzen- wissen, ob Wunschträume oder Realitäten eingetreten sind. Bis dahin gilt für mich wie seit jeher: „Tagsüber den Verstand und in der Nacht die Träume zu nutzen und dabei dem Andersdenkenden den Respekt zu erweisen, den er unter Demokraten verdient!“

  4. @Gregor Beyer:
    Zunächst willkommen auf dem Barnim-Blog. Ich denke, ich habe Sie bzw. die Quelle korrekt zitiert und mache mir Gedanken dazu. Das hat für mich nichts mit Respektlosigkeit zu tun. Eine Detailfrage hätte ich dann aber doch noch. In ihrem Kommentar schreiben sie von „einigen Jahren“ in denen Kohle nicht mehr energetisch genutzt wird – Die PNN schreiben von einer „längerfristigen Nutzung“. Könnten Sie das eventuell in eine etwas genauere Schätzung packen.

    Was die Leistungfähigkeit erneuerbarer Energien angeht müssen wir uns meines Erachtens nicht auf „Wunschdenken“ zurückziehen. Letztlich hat die einzuschlagende Richtung viel mit dem politischen Willen zu tun und da sehe ich Brandenburg momentan noch auf einem „Schlingerkurs“ (um es mal besonders nett auszudrücken).

  5. @Herr Stahlbaum: Selbstverständlich haben sie korrekt zitiert und das Zitate nun mal immer Verkürzungen sind und selten in dem Gesamtkontext betrachtet werden, in den sie in einer komplexen Welt eigentlich gehören, daran hat sich jeder gewöhnt der politisch tätig ist –das ist mir auch bestens aus meiner Zeit als hauptamtlicher Mitarbeiter eines Naturschutzverbandes bekannt :-)
    Meine Aussage bezog sich daher auch nicht auf das Zitat, sondern auf den biographischen Kontext und die Art und Weise, in den sie es gestellt haben. Aber wie sie ja selbst sagen, wäre das einer vertiefenden Betrachtung wert.
    Ihre Frage beantworte ich ihnen gerne, wenngleich momentan kaum eine exakte Aussage möglich ist und die Beantwortung auch nur dann gelingen kann, wenn sie definieren, welchen Energiemix sie für Brandenburg wollen und welche tatsächlich beschleunigenden Schritte sie bereit sind auch gegen Widerstände zu gehen. Ich unterstelle, dass wir beide uns einig sind, dass die Kernkraft mit Priorität 1 vom Netz gehen muss und dass die thermische Nutzung von Kohle für sich genommen schon fragwürdig ist, weil wir damit eine Rohstoffbasis aufzehren, deren Bedarf wir bis Heute nicht abschließend überblicken. Gleichzeitig und schon wieder stark verkürzend findet dies vor dem Hintergrund satt, dass Brandenburg auch zukünftig ein Energieexportland bleiben muss –allein schon wegen Berlin- und vor den Parametern von Versorgungs- und weitgehender Preisstabilität (letzteres vor allem aus Akzeptanzgründen!). In einem solchen Rahmen wird der Verzicht auf Kohle zur Mitte diesen Jahrhunderts theoretisch möglich, praktisch jedoch nur dann, wenn wir tatsächlich zu Beschleunigungen kommen und nicht wie die Landesregierung nun seit rund anderthalb Jahren über die Überarbeitung der Energiestrategie 2020 lediglich reden.
    Was den tatsächlichen Willen anbelangt gebe ich ihnen recht –allerdings verstehe ich dann nicht, warum beispielsweise gerade in dieser Woche Ihre Parteifreunde im Landtag den Antrag meiner Fraktion abgelehnt haben die „Solarreaktorforschung“ zur fördern. Wer einen schnelleren Wechsel in Richtung erneuerbare Energien will der muss was für tun –richtig! Dabei sind die erneuerbaren selbst übrigens gar nicht das primäre Problem –das Hauptproblem sind die Leitungsnetze. In Sachen Erdverkabelungsgesetz sind wir uns ja sogar einig, aber was wenn wird über die Planungs- und Genehmigungsfristen reden? Sind Sie bereit ein „Planungsbeschleunigungsgesetz“ mitzutragen? Wenn ich mich recht an die kürzliche Debatte um den „Windenergieerlass“ erinnere, sind es ihre Parteifreunde eher nicht!
    Wie dem auch sei, wir sollten den Menschen keine Wunschträume vormachen die den gesellschaftlichen Realitäten nicht Stand halten. Der Weg in das erneuerbare Zeitalter geht über die Brücke der Akzeptanz –und das ist eine architektonisch hochkomplizierte Brücke, deren Statik es zu erhalten gilt, indem man den Pfad des real Machbaren wählt.
    Noch einen schönen Sonntag :-)

  6. Also, mein Freund Lutz sagte bei dieser Art Geschwiemel von „einerseits“ und „andererseits“ und “ wenn nicht, dann vielleicht morgen“ immer: „Und daher der Name Bratkartoffel“. Will sagen, nur immer schön unkonkret, langatmig und am eigentlichen Problem vorbei. Damit das tumbe Volk nur Bahnhof und „die FDP ist der Lokführer“ versteht. Will er nun Kohlendioxid verpressen oder nicht ? Was will er überhaupt? Beschleunigungsgesetze! Das könnte euch so passen ! Noch mehr Umweltfrevel und noch schneller. ‚Nen Mix? Woraus? Ansonsten „Gähn“ zu diesen „hochpolitischen“ Auslassungen. Woran liegt es, dass ich bei der FDP immer den Eindruck habe, die wollen mich Normalverdiener über den Löffel ziehen? Aber was soll’s: Die Besserverdiener gehen mit ihren Parteipolitikern ja sowieso in den Westen, wenn hier das erste CO2 austritt und die Gegend so richtig unbewohnbar wird. (Ironie aus)

  7. @ Herr Beyer : Worum geht es Ihnen denn jetzt? Wollen Sie CCS versuchen oder wollen Sie nicht? Wollen Sie (z.B. im Barnim) „testen“ oder nicht? Wie wollen Sie dann mit den immer wieder beschriebenen Risiken der CCS umgehen? Auch der „Test“ bedeutet Injektion unter Echt-Bedingungen. Wollen Sie bzw. Ihre Partei für die Folgen geradestehen und sich dann vollends wie TEPCO in die endgültige Insolvenz verabschieden mit „war nicht so gemeint“?

    Wie wäre es denn neben der von Ihnen ja mittlerweile wohl auch befürworteten Förderung von erneuerbaren Energien mit politischen Forderungen und Konzepten nach nachhaltigem Energiesparen? Sieht das der von Ihnen bzw. Ihrer FDP vertretene Liberalismus auch vor? Wie ist es z.B. konkret und kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen wie z.B. mit einem Tempolimit auf Autobahnen (oder wollen Sie zusammen mit dem ADAC immer noch Freie Fahrt für Freie Bürger?), Anreizen zur Vermeidung des Autoverkehrs schlechthin, Verzicht auf Straßengroßprojekte, konkrete Energiesparförderung durch Hausdämmung usw. usw.?

    Oder wollen oder sollen wir uns immer größere Autos und noch mehr Wirtschaftswachstum mit der Tonnenideologie von vorgestern leisten?

    Da Sie ja jetzt im Bundesvorstand Ihrer Partei sind, legen Sie (zusammen mit Rösler) den Schalter doch mal grundlegend um wie es Scheel 1969 schon mal gemacht hat und reihen Sie sich mit ein in die Reihe derer, die gesamtgesellschaftlich Freiheit und ökologische Vernunft walten lassen. Der Verzicht auf CCS wär doch ein schöner erster Schritt.

    Leider sehe ich in Ihren Reihen keinen wie seinerzeit K.H. Flach.

    Freiheit läßt sich doch wirklich nur leben, wenn es noch die entsprechenden Grundlagen dafür gibt.

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