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„Zurück in die Zukunft“ – Dagmar Enkelmann schlägt Übernahme der Lieken-Bäckerei in Bernau durch die Belegschaft vor

In Zeiten drohender Gefahr lohnt es sich durchaus das Spektrum der Lösungsvorschläge möglichst weit zu fassen. Was die umkämpfte Schließung der Lieken-Großbäckerei in Bernau angeht hat Dagmar Enkelmann jetzt die Prüfung einer Übernahme des Werkes durch die Belegschaft angeregt.

Die Gelder, erklärte Frau Enkelmann gegenüber der Märkischen Oderzeitung,

„mit denen der Konzern möglicherweise die Schließung finanzieren will, wären als Startkapital in eine neue Zukunft viel besser aufgehoben“(…). Der konkrete Weg, wie der Betrieb in Eigenregie kommt, könnte, (…), vielfältig sein. So sei eine Übernahme durch die ganze Belegschaft oder nur durch einige, ein so genanntes Management-Buy-Out (MBO), möglich. Denkbar wäre auch die Gründung einer Genossenschaft oder die befristete Beteiligung der öffentlichen Hand.“

Was sagt ihr?


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9 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Auf den ersten Blick kommt mir das vor wie ein Griff in die sozialistische Mottenkiste. Klingt so ähnlich wie Volkseigener Betrieb oder die legendäre Arbeiterselbstverwaltung im damaligen Jugoslawien unter Tito. Aber mal im Ernst Frau Enkelmann. Ist da nur die rote Brause in Ihrem Kopf oder sind mit dem Gedanken auch realistische Ansätze verbunden? Und woher kommen die?
    Gibt es Teile der Belegschaft, die bereit wären, ihr Geld zu investieren? Gibt es Leute aus dem Management, die bereit wären, zu investieren? Dass die öffentliche Hand eine Brotfabrik betreibt, halte ich für abstrus, das Modell ist ja nun wirklich hinlänglich gescheitert.
    Also Frau Enkelmann, Karten auf den Tisch. Wer soll und will mit welchen Mitteln und mit welchem Risiko einsteigen? Wenn Ihre Vorstellungen ernst gemeint sind, nennen Sie Ross und Reiter und machen Sie „Butter bei die Fische“. Sonst klingt Ihr Vorschlag nur gut, ein realistisches Szenario sieht anders aus. Hoffentlich können Sie Ihre guten Ideen auch umsetzen. Sonst sind die Menschen von den tatsächlichen Ergebnissen nur ernüchtert und die Politikverdrossenheit wird noch gesteigert.

  2. @Klaus Labod: Ganz anders: Frau Enkelmann peitscht ein Enteignungsgesetz durch den Bundestag und weckt gleichzeitig den HO und den Konsum wieder auf. Denn Produktion in Volkes Hand ist zwar gut, aber wie soll das Volk an die leckereren Backwaren kommen? Auch die Staatliche Plankommission der DDR hätte dann wieder etwas zu tun, denn die könnte die Brote in der gesamten Bundesrepublik verteilen.
    Spaß beiseite: Die Vorschläge sind so albern, dass sich eine sachliche Auseinandersetzung damit einfach nicht lohnt. Propaganda für eine Bundestagsabgeordnete der Linken, die aufgrund der Politik ihrer Genossen in Brandenburg um ihre Wählerstimmen bei der nächsten Bundestagswahl fürchtet.

  3. @all: Also ich denke es gab durchaus schon ein paar Genossenschaftsprojekte die auch dem hartnäckigsten Sozialismus-Allergiker nicht sofort die Pickel ins Gesicht trieben. Die Frage nach dem zu tragenden Risiko, der Risikobereitschaft bzw. der allgemein konkreten Umsetzung dieser und anderer Ideen ist natürlich berechtigt. So ist`s erstmal Symbolpolitik. Ob da wohl noch mehr zu erwarten ist…?

  4. @Stefan: 1. Was ist mit den Handelsketten, den potentiellen Kunden? Nach der Wende scheiterten gerade die Ost-Lebensmittelbetriebe, weil sie einfach nicht gelistet wurden. Die Situation bei einem Management-buyout wäre auch heute vergleichbar. Also, wie bringt man die Ware an den Kunden?
    2. Während man die in der Regel lange dauernden Vertragsverhandlungen mit den Handelsketten führt, laufen alle Kosten weiter. Wer soll das schultern? Bill Gates ?
    3. Selbst Lohn-oder Gehaltsverzicht lösen doch das Problem der Listungen (und der dabei leider zu zahlenden Bestechungssummen an den Handel) nicht. Fazit von 1 bis 3: Man kann produzieren, was und wieviel man will – die Ware muss in den Laden, in die Regale!
    Weiter: 4. Wie bringt man Barilla dazu, einen von den Kapazitäten her eventuell bald bundesweit agierenden potentiellen Konkurenten einfach so zu verkaufen?
    5.Wie ist überhaupt der Zustand des Betriebes ? Wie ich Konzerne kenne, reifen Entscheidungen eben nicht von heute auf morgen, d.h. ich vermute, hier wurde stark auf Verschleiß gefahren (mir ist auch dunkel ein Leserbrief in der MOZ in Erinnerung, der genau das aussagte)

    Das sind allein die Fragen,. die mir in den ersten 5 Minuten Nachdenken ainfallen. Wollte ich gar nicht machen, aber Deine Träume sind gar so süß. ;-)
    Ich wünsche den Beschäftigten von Lieken Bernau von ganzem Herzen eine Lösung in ihrem Sinne, aber ich habe den leisen Verdacht, dass hier einfach nur Trittbrettfahrer auf dem Rücken der Großbäckerei-Mitarbeiter ihr Süppchen kochen und mit albernen Parolen lediglich um Wählerstimmen werben. Und das Süppchen ist sehr dünn…
    Ansonsten wünsche ich trotz allem Frohe Ostern für alle Mitarbeiter der Großbäckerei Bernau, für Dich sowie Herrn Labod und Eure Familien.

  5. @Frank:
    Soviel „missionarischer Eifer“ wär jetzt gar nicht nötig gewesen (wie Du meinem durchaus realistischen Text eigentlich entnehmen können müsstest). Frau Enkelmann wird unsere Fragen sicher bald beantworten…(hihi)
    Frohe Ostern!

  6. Ich kenne die Verhältnisse in der Großbäckerei nicht, meine aber dennoch, dass die Überlegungen, die die Abgeodrnete Enkelmann angestoßen hat, nicht so ganz abwegig sind. Bevor es zu Massenentlassungen kommt, die die Beschäftigten ins Aus manövrieren, ist es schon sinnvoll, darüber nachzudenken, ob es Wege gibt, die sie in die Lage versetzen selbst aktiv zu werden und das Schicksal nicht einfach hinzunehmen.
    Allein mit den Geldern aus dem Sozialplan wird man den Betrieb nicht weiterführen können. Aber ein Betrieb, der in der Region verankert ist, müßte doch eine Existenzchance bekommen.

    Die Arbeitsagentur finanziert lieber Arbeitslosigkeit als eine gesellschaftliche Initiative, die zeigen könnte, dass eine Belegschaft den Laden übnernehmen und erfolgreich weiterführen könnte.

    Eine Übernahmen durch die Belegschaft setzt aber voraus, dass in die Belegschaft dies auch möchte, also sich auch organisiert und entsprechende Willensbekundúngen formuliert.
    Da habe ich bisher noch nichts gehört, aber vielleicht kommt da ja noch etwas. Zu wünschenwäre es.

  7. Dr. Valentin hat die Probleme deutlich aufgezeigt, die auch ich sehe. vor allem die Verkaufsbereitschaft an einen zukünftigen Konkurrenten ist eine Hürde, die nicht von Pappe ist.
    Man erinnere sich vielleicht mal an die Geschäftspolitik der Deutschen Bahn, die ihre Lokomotiven lieber verschrottet haben soll, als sie ihren Konkurrenten in der Anfangsphase zu verkaufen.
    Wenn der Markt offen und profitabel wäre, hätte der Eigner das Geschäft selber nicht aus der Hand gegeben. Wenn der Markt aber enger wird, kann man einen Konkurrenten nicht gebrauchen und wird ihn nicht noch päppeln.
    Vor diesem Hintergrund sehe ich den Vorstoß von Frau Enkelmann zwar als durchaus bemüht und ehrenwert, allerdings wenig erfolgsträchtig an, soweit sie nicht noch ein as im ärmel hat, das sie bisher nicht zeigte.

  8. Bei der MOZ wurde in einem Kommentar angefragt, ob man nicht besser über Rettungskonzepte für die LINKEN nachdenken sollte…tststs…das ist aber frech…

  9. Pingback: Arbeitnehmerfreizügigkeit und gesetzlicher Mindestlohn – Margitta Mächtig spricht zum 1. Mai 2011 – Von Stefan Stahlbaum