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„Die Bundeswehrreform -Ihre Chance“ oder, Auf der Suche nach dem letzten Aufgebot

Gestern bin ich vor dem Fernseher eingenickt, nach ein paar Minuten aber wieder hochgeschreckt. „Die Bundeswehrreform – Ihre Chance“ dröhnte es aus meinem betagten Röhrengerät.
Aaaaaah ja – Das dieser Arbeitgeber der ganz speziellen Art sich vor Kräftemangel fürchtet hatte ich schon gehört. Jetzt gilt es neue Personalmärkte zu erschließen, denn  Jobs als Kanonenfutter und „Toiletten mit dem Kopf Reiniger“ (beliebter Partyspaß nach überstandenem Manöver) sind auf dem freien (also zwangsmaßnahmefreien) Markt vermutlich nicht allzu beliebt.

Aber keine Sorge, die zu Guttenbergsche Strategieschmiede hat bereits an alles gedacht.Ab März gibt es „Kampagne satt“ in den gängigen Karriereblättern wie BILD und BILD am Sonntag.
Etliche Forenbenutzer feiern bereits dieses „Zielgruppen orientierte Marketing“ („Mit BILD in den Heldentod!“), denn das der Soldatennachwuchs zukünftig im Kreise der Geringqualifizierten gesucht werden soll enthüllte die „Financial Times“ ja schon vor ca. 10 Tagen.

Eine durch und duch großartige Idee mit besten Chancen das verbliebene Arbeitslosenproblem nachhaltig zu lösen, Schulverweigerer zu „therapieren“ und die Statistiken den Arbeitsagenturen ,eingedenk des erhöhten Renteneintrittsalters, vor Verschlimmerung zu schützen (Aktion spannender Sterben?).

Und die Bewerber mit erweitertem Hauptschulabschluss schreiben derweil an der neuen Dissertation des Bundesverteidigungministers. Das zwangsläufig zu erwartene „summa cum laude “ kann da ja im Kreis der Kameraden gemütlich versoffen werden.
Aber Vorsicht: Wer kopiert (und sich erwischen lässt) wird erschossen!

Das schreiben andere Blogs zum Thema:
Der Spiegelfechter – Guttenberg bedankt sich bei BILD
Quotenqueen – Auf dem Weg zur „Unterschichtarmee“


Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

13 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Auch die MOZ preist heute auf ihrer Jugendseite (!!!) die Bundeswehr als krisenfesten Arbeitgeber und Ausbilder. Wahrscheinlich mangels Alternativen. Ich dagegen empfehle nicht die MOZ, sondern die Lektüre von Remarques „Im Westen nichts Neues“ und dort die Stellen, in denen die treudeutschdoofen Gymnasiallehrer und andere Stammtischhalter den Schülern den Dienst für’s Vaterland einreden. Wenn ich mich recht erinnere, kommen zwei aus der Abiturklasse zurück von Verdun. Auch diese Abschnitte vor Verdun sind übrigens sehr abtörnend, was die Mordslust betrifft. Wenn nämlich jemand zurück schießt, wird es richtig spannend! Wehrpflicht hin oder her, aber eine Fremdenlegion und eine Armee aus der Schicht der Unterprivilegierten?

  2. @FranK:
    Ich erinnere mich dunkel vor Jahren mal ein Exemplar von „Im Westen nichts Neues“ an einen jungen Mann verschenkt zu haben, der sich grade im Entscheidungsprozess Bundeswehr oder Zivildienst befand. Ich glaube das war hilfreich.

    Ob der „Bundeswehr-Stand“ bei den diesjährigen Bernauer Ausbildungs- und Studientagen wohl größer ausfällt?

  3. Die ARD berichtet grade taufrisch, dass Herr zu Guttenberg bei der Bundeswehr-Reform wohl deutlich nachbessern muss. Das Kanzleramt bewertet seine (???/weiß man bei ihm ja nie) Vorlage offenbar als „“nur sehr rudimentäre und unausgewogene Grundlage für Entscheidungen zur Reform der Bundeswehr“.

  4. Eigentlich bin ich ja angesichts der sich gewandelt habenden Bundeswehr von einer Verteidigungsarmee zur nunmehrigen Kriegstruppe der Auffassung, dass die Wehrpflicht in Deutschland jetzt keine Rechtfertigung mehr hat, daher habe ich das politische Wirken von KTzG wie viele andere Menschen auch eher positiv gesehen.Wenn sich jedoch jetzt herausstellt, dass meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden, dass wir mangels ausreichender und tragfähiger Konzeption unseres sich mittlerweile aus den bekannten Gründen als unfähig erwiesenen Ministers damit rechnen müssen, von den geworbenen Bildzeitungslesern “verteidigt“ zu werden, sollten wir nicht die Abkehr von der Wehrpflicht in Zweifel ziehen, sondern nun endlich einem Verteidigungsminister das Vertrauen schenken können, der es versteht, nicht nur virtuos die Kopierfunktion des PC zu beherrschen, sondern es auch versteht, eine Armee aufzustellen, die dem bisherigen theoretischen Anspruch des “Staatsbürgers in Uniform“ im Ansatz gerecht werden kann.

  5. @ Stephan, Du hast recht, es fällt schon sehr schwer einen fähigen Minister zu benennen. Aber unter den früheren Bedingungen war die Wehrpflicht uU noch verständlich (keinesfalls gerechtfetigt, weil inhuman)
    ,knüpfte diese doch immerhin,jedenfalls theoretisch, an die egalitäre Verpflichtung des „ganzen Volkes“ an. Unter diesen Bedingungen gab es nach meinen Wertvorstellungen immerhin einen (trotz des Durchzockens der “Nachrüstung in 1982 als Kanzler) namens Helmut Schmidt.
    Puh, ist mir jetzt aber echt nicht leicht gefallen.

  6. Langsam nervt die Berichterstattung über Herrn zu Guttenbergs Doktortitel. Ich frage mich ernsthaft, ob der Fehler nicht bei der Hochschule/Uni lag: Wurden die Quellennachweise der Doktorarbeit etwa nicht geprüft?

    Ich kannte mal jemanden, einen Dozenten, mit dem ich mich während des Studiums herumplagen musste (er war grottenschlecht und auch noch Parteisekretär), der seine Doktorarbeit in den 80er Jahren sinngemäß über „Trivialliteratur in der DDR“ geschrieben hat, was damals wie heute eigentlich niemanden interessierte. Diese wimmelte nur so von marxistisch-leninistischen Thesen und der Beschlüsse des 8.Parteitages der SED- alles abgeschrieben. Wenn er nicht gestorben ist, trägt er den Dr.Titel noch heute und niemand fragt, woher er den hat.

    Eigentlich fand ich Guttenberg ganz gut, denn durch die Aussetzung der Wehrpflicht muss mein Sohn nun nicht mehr in den Krieg ziehen.
    Leider hat der Minister auch hier etwas losgetreten, was er möglicherweise im Vorfeld nicht bedacht hat.
    Abiturienten bewerben sich nun scharenweise für ein Studium, die Nachfrage bestimmt das Angebot und in vielen Studienrichtungen ist der n.c. unheimlich hoch.
    Außerdem kommt hinzu, dass Gymnasiasten mit der 12.Klasse abschließen (gymnasiale Oberstufe 13. Klasse). Heißt, es gibt mehr Bewerber, als die Hochschulen und Unis aufnehmen können.

    Die Bundeswehr lockt nun auch mit Studienangeboten, um wenigsten noch einige Abiturienten abzubekommen. Ich kann es nachvollziehen, wenn der jugendliche Abiturient, der gerne Geschichtswissenschaften studieren würde, dessen Leistungen aber für die Uni nicht ausreichen und er sich also an die Bundeswehr verkauft.

    Guttenberg hat sehr medienträchtig etwas bewirkt, aber leider nicht durchdacht, auch aus dem Grunde, weil er mit Antritt seines Ministeramtes absolut keine Ahnung von der Bundeswehr hatte.

    Gesetzt dem Fall, eine Partei würde mir, als ausgebildete Pädagogin, den Job als Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz anbieten – ich würde ablehnen. Denn davon habe ich absolut keine Ahnung.

    Ich bin gespannt, wer unser nächster Verteidigungsminister wird. Vielleicht ein ehemaliger Bäckergeselle?

  7. @Klaus Labod: Ich denke, diejenigen hinter Gutti wissen ganz genau, was da losgetreten wurde. Warum muss die Bundeswehr eine Kriegsarmee sein oder werden? Weil unsere Neocons es so wollen? Ich denke, hier gilt es anzusetzen und genau diesen Wandlungsprozess in Frage zu stellen bzw. immer wieder zu benennen, warum der so vorangetrieben wird. Auch weil die Grünen zusammen mit der SPD den ersten deutschen Angriffskrieg seit 1945 losgetreten haben. Fadenscheinige Begründungen für den Afghanistan-Einsatz werden vor der Geschichte keinen Bestand haben.

  8. @all:
    Auch wenn ich jetzt selbst nicht sehr diszipliniert war wäre es ganz schön, wenn wir noch ab und an das Thema Bundeswehrreform streifen würden. Da (und hier mischt sich thematisch wieder alles) steht u.a. die Frage im Raum, wie das einer schultern soll, den Einige wegen wohlmöglich pathologischer Realitätsverdrängung gern in psychologischer Obhut wüssten.

  9. Stell dir vor, es gibt keine Wehrpflicht und keiner geht zur Armee. Warum sollte er auch?
    Wer sich informieren will, wie schön das Soldatenleben ist, nicht in der Kaserne, sondern „draußen“ im Ernstfall, dem empfehle ich neben Remarque noch Ernst Toller, „Eine Jugend in Deutschland“, oder Victor Klemperer, „Curriculum Vitae“. Das ist sehr eindrucksvoll.
    Der K.T. meint ja, dass seine Tochter stolz sein sollte und kann auf das, was die bundesdeutschen Soldaten in Afghanistan tun. Der Mann weiß nicht, was seine Leute dort wirklich tun. Kein Wunder, in den Feldpostbriefen wird er es kaum finden, denn die Landser, wissen, dass die mitgelesen werden.
    Wie sieht es mit den e-mails aus, dem Telefon?
    Warum gibt es keine Anfragen im Bundestag?
    Wie steht es um die Brutalisierung der Soldaten?
    Da gibt es Aufnäher: „There are some Problems. But one solution: HK (Heckler Koch)
    oder die netten T-Shirts, die dann den Soldaten verboten wurden, da stand drauf: Thou shall not steel oil. (Genesis)
    Ja, das waren gute Christen, die den Afghanen die 10 Gebote einbleuten. Man stiehlt kein Öl, wenn man es mit der Allianz gegen den Terrorismus zu tun hat.
    Deshalb mußten im Kundusfluss 150 oder mehr Afghanen sterben. Darunter viele Kinder, die das Öl abzapfen wollten von dem Havaristen.
    Aber der für das Bombardement verantwortliche Offizier (und sein BND-Einflüsterer) gingen straffrei aus.
    „Ein kleiner Massenmord an Rande“, ist man versucht zu formulieren, wenn es nicht so zynisch wäre.
    Ja sagt K.T., was wollen Sie denn, die Schuld, ist doch beglichen, „ohne Anerkennung einer Schuld“. Die Familienhäupter haben das Blutgeld bekommen. Wir sind quitt. Soll seine Tochter auch auf die Unterhändler, die das Geschäft für uns und unsere Staatskasse so günstig abgewickelt haben, stolz sein?
    Ist das die Erziehung zum Frieden?
    Ein vorbildlicher Vorgesetzter, Promovend, Familienvater, Fachman für erfolgreiche PR usw.

    Wir können uns glücklich preisen, dass wir diesem Mann nicht auch noch unsere Söhne ausliefern müssen.
    Jedem /Jeder „Freiwilligen“ sei gesagt, es gibt Alternativen. Du mußt nicht zur Armee gehen, du kannst einen ehrlichen Beruf ergreifen, einen ohne „Taschenkarte“. Die Bundeswehr ist nicht die Studienstiftung des Deutschen Volkes, selbst wenn sie zwei Universitäten und ein Militärgeschichtliches Forschungsinstitut betreibt (das seinerzeit in Freiburg gute Arbeit geleistet hat). Das ist nur die andere Seite des Mordgeschäfts.
    Ach so, Du bist abenteuerlustig? Komm mit, wir gehen in die Berge – nicht in Afghanistan, nein um die Ecke, beim Wilden Kaiser oder im Elbesandsteingebirge! Da gibt es Touren, da kannst Du zeigen, was in Dir steckt, ob Du schwindelfrei bist, kamerdschaftlich und wetterfest, das stockt Dir der Atem. Aber das ist eben ein reines Abenteuer. Und noch ein Rat für alle Bergsteiger: Man kann umkehren, wenn es zu lausig wird. Das kann man selbst entscheiden. In der Armee kannst DU nichts entscheiden, da mußt die gehorchen. Auch wenn es sinnlos ist und über deine Kräfte geht. Siehe Gorch Fock. Siebenmal in die Wanten! Ahoi!