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„Straße der Besten“ oder: Wenn Direktoren kreativ werden….

In den weitläufigen Lagerräumen meines Gehirns ist der Begriff  „Straße der Besten“ unter „Kindheitserinnerungen mit gruseliger Grundtendenz“ einsortiert. Ich meine ich war klein und da waren dann plötzlich diese überlebensgroßen Pappkameraden (nicht alle lächelten!) die in unserer Bucher-Kaufhalle regelmäßig den Bereich zwischen Ausgang, Flaschenannahme und „Warenparadies“ verstopften.

Heute bin ich natürlich schlauer und weiss, dass wir in meiner, deiner bzw. unserer DDR so und/oder so ähnlich die besonders verdienstvollen Arbeiter ehrten . Laut Wikipedia wurde  dieses „Praxis auch an einigen Schulen angewandt“. Ingolf H. seines Zeichens Praetorius-Direktor will an diese schöne Tradition so`n bisschen anknüpfen und ein öffentliches Schülerranking in die Bernauer Vitrine stellen.

Die Begeisterung, ergaben jedenfalls Recherchen der Märkischen Oderzeitung, hält sich allerdings in Grenzen. Auch wenn H. den altehrwürdigen Ehrennamen mit „PPG-Walk of Fame“ (Zitat: „„Die Schüler stehen auf amerikanische Bezeichnungen.“) aufzupeppen gedenkt überwiegen offensichtlich die Kritiker und Zweifler.
Ich frage mich eher grundsätzlich, ob sich hier nicht ein besonders „kreativer  Direktor“ ein Denkmal für sein herausragendes Geschick in Sachen Leistungssteigerung erschaffen will.

Im Netz ist die Adresse www.strassederbesten.de übrigens längst belegt. Es handelt sich um einen Online-Friedhof.


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Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

4 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ein herausragendes Geschick für ein verbessertes Bildungsangebot – ja auch für leistungsstarke Schüler!!! – am PPG würde mir erheblich besser gefallen. Wie sieht es dann aus? Kein Spanisch letztes Jahr für die 9.ten Klassen (außer die, die sowieso Spanisch hatten). Ob ein Französischleistungskurs nächstes Jahr zustande kommt ganz großes ?. Wenn an so einem Riesengymnasium die Schüler nicht oder nur eingeschränkt nach ihren Begabungen gefördert werden können macht mich dies traurig. Natürlich wäre es unfair dies dem Direktor der Schule anzulasten, da die Bildungspolitik in Potsdam gemacht wird. Von der derzeitigen SPD/Linke Regierung erwarte ich hier allerdings nicht viel – außer Unterdrückung und Nichtförderung von privaten Initiativen. Da kann man bei privaten Kitas beginnen & privaten Schulen aufhören. – Nein ich meine nicht die Schulen, wo Töchter und Söhne von Millionären hingehen. – Dabei ist Bildung viel zu wichtig als diese nur dem Staat zu überlassen.
    Ich hoffe hier auf einen grünen Stammtisch, wo es – was ja meist der Fall ist – nicht um Ideologie, sondern um Bildungsziele & -inhalte, Schaffung eines Klimas für leistungs- & anstrengungsbereites Lernen und Schule als Lebenswelt diskutiert wird. Pokale brauchen wir wirklich nicht.
    Keiner soll auf der Strecke bleiben – weder benachteiligte Kinder aus sozial schwachen Familien, noch Kinder, die leistungsbereit, leistungsstark oder gar hochbegabt sind.
    In Finnland werden nur die Besten der Besten Lehrer – in unserem Land studieren viele junge Erwachsene für das Lehramt, weil ihnen nichts besseres einfällt. Das muss anders werden!

  2. Von der Straße der Besten zum Walk of Fame, das ist nicht die Ossifizierung der BRD, ein absurder Gedanke, wir befindenuns in Brandenburg!, sondern soziologisch betrachtet ein Beleg für die Konvergenztheorie, die in den letzten beiden Dekaden etwas in Vergessenheit geraten ist, bei all der Abgrenzungsmanie (auf beiden Seiten), aber durchaus eine gewisse Erklärungskraft für mache Phänomene im geeinten Vaterland hat.
    Bildungspolitisch, da stimme ich Thomas Kremling zu, ist das weniger positiv zu werten, da kommt es schon auf das tatsächliche Bildungsangebot der Schule an und nicht auf die Rituale der Selbstdarstellung.
    Statt der Straße der Besten sollte man vielleicht auf die Selbstverpflichtung zurückkommen, diesmal aber nicht individualistisch gefasst, sondern streng institutionell.
    Wie wäre es z.B. wenn die Schule öffentllich erklärte, dass sie dauerhaft ein Angebot an Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Latein) auf Leistungskursniveau garantiere, dass sie ein Profil „romanische Sprachen“ anstebe, in dem Spanisch und Italienisch auf Grundkursniveau einen festen Platz haben. Wenn das in den Schuldokumenten (Leitbild, Schulprofil) verankert und von oben genehmigt ist, dann kann man auch bei der Lehrerzuteilung Forderungen stellen. Wenn alles das durchgesetzt ist, dann kann sich die Schulleitung im Sekretariat eine Schautafel stiften: Straße der Besten auf dem Weg zum Walk of Fame

  3. Was mich bei dieser Idee masslos stört ist die einseitige Fixierung auf schulische Leistungen.
    Das kenne ich noch aus meiner Grundschulzeit… Diese leistungsmäßige Selektion wurde von uns damals eher als demotivierend empfunden. Wenn man erklärtermaßen in der leistungsmäßigen Spitzengruppe war, brauchte man und konnte nichts mehr zu tun, weil der Lehrer sich um die Schwächeren kümern musste und keine Zeit für die Förderung der Besseren hatte…
    Wo ist dagegen die Anerkennung für außerschulisches gesellschaftliches Engagement – z.B. in der evangelischen Jugend oder Amnesty International… oder auch Engagement in einer parteilichen Nachwuchsorganisation?
    Wo ist die Anerkennung für außerschulisch erworbene Meriten – z.B. Musikwettbewerben… oder was es sonst so alles gibt?
    Ich empfinde die Einseitigkeit der Betrachtung der Schüler auf schulischen Leistungen als einengend und demotivierend – und das gerade in einem Lebensabschnitt, welcher der Orientierung, des Ausprobierens und der Charakterbildung dienen soll.
    Gut finde ich dagegen Hartmut Lindners Vorschlag des Herausstellens der institutionellen Bemühungen der Schule, zu einer der Besten im Lande zu werden.

  4. Ist das toll, Straße der Besten.

    „Im Internet kursiert ein Text, so schön und wahr, dass ich ihn drucke, ohne den Urheber zu kennen.
    Eine Generationengeschichte
    Wenn du nach 1978 geboren wurdest, dass hat nichts mit ihr zu tun…verschwinde!
    Kinder von heute werden in Watte gepackt…
    Wenn du als Kind in den fünfziger, sechziger oder siebziger Jahren lebtest, ist es zurück bildend kaum zu glauben, dass wir solange überleben konnten! Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen. Auf dem Fahrrad zog wir nie einen Helm auf, wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen.
    Wir bauten Wagen aus Seifen- Kisten und entdeckten in der ersten Fahrt hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar. Wir verließen morgens das Haus zum spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten
    erst zuhause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren, und wir hatten nicht mal ein Handy dabei! Wir haben uns gestritten, brachen Knochen und Zähne, und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte
    Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach „Aufsichtspflicht“. Kannst dich noch an „Unfälle“ erinnern?
    Wir kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte den Erwachsenen nicht. Wir aßen Kekse, Brot mit Butter dick, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen. Wir hatten nicht: PlayStation,
    Nintendo 64, X. Box, Videospiele, 64 Fernseherkanäle, Filme auf Video surround-sound, eigenen Fernseher, Computer, Internet Chat Roms. Wir hatten Freunde. Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und
    klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns… Wie war das nur möglich? Wir dachten uns Spiele aus mit Holzschnitten und Tennisbälle.
    Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: die würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter, und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.
    Beim Straßen Fußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschung klar zu kommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere.
    Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung. Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen.
    Und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraus hauen.
    Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas! Unsere Generation hatte eine Fülle von innovativen Problemlösungen und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht.
    Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen.
    Und, du gehörst auch dazu. Herzlichen Glückwunsch!“

    Sarrazin hat in seinem Buch nicht mit allem Recht, aber in großen Teilen schon. Leistung wird uns als Gesellschaft voranbringen, Gleichmacherei und Toleranz gegenüber Nicht-Leistung nicht. Es kommt eben auf die gezielte Förderung jedes Einzelnen an. Also muss die Schule selbst ein Angebot schafffen, dass ihresgleichen sucht.