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Weihnachts-Interviews Teil 9 – Heute: Axel Vogel (Eberswalde)

Geboren 1956 in Bochum, 1980 Gründungsmitglied der Grünen in Bayern, 1985-1987  Bundespolitik in Bonn und seit 1991 in Brandenburg beheimatet. Der geografische Lebenslauf des Axel Vogel ist augenscheinlich stark mit dem Buchstaben B verbunden.  Er wohnt mit Lebensgefährtin + Pflegetochter in Eberswalde und ist Fraktionsvorsitzender der Bündnisgrünen im Brandenburger Landtag. Zum Thema Weihnachten hat er uns Folgendes notiert:

Ist Weihnachten für Sie ein christliches Fest, eine Familienfeier, ein Segen für den Handel, irgendwas dazwischen oder noch ganz was Anderes?
Axel Vogel:

Nachdem die Anerkennung des christliche Charakter des Festes auch in meiner Verwandtschaft im Laufe der Jahre  ziemlich verloren ging ist Weihnachten in erster Linie Familienfeier; aufgrund der inzwischen erfolgten Verteilung meiner Familienangehörigen quer durch Deutschland zudem so ziemlich die einzige Gelegenheit alle einmal auf einem Platz treffen zu können.

Wie wird ihr Weihnachtsbaum aussehen und woher holen sie ihn?
Axel Vogel:

Grün, benadelt und von mir persönlich im Brandenburger Wald geschlagen (und anschließend bei der Revierförsterin bezahlt)

Ihr Festtagsmenü am Heiligen Abend?

Axel Vogel:
Festtagsmenüs gibt es erst am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag. Am Heiligen Abend gibt es kalte Küche (Salate, Feine Käse und Wurstsorten), am 1.Weihnachtsfeiertag traditionell Wild.

Was ist ihr größter, immaterieller Weihnachtswunsch?
Axel Vogel:
Dass die großen monotheistischen Weltreligionen ihrer besonderen Verantwortung für Frieden und Verständigung gerecht werden und ihre Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt stellen statt das Trennende hervorzuheben.

Werden Sie in die Kirche gehen?
Axel Vogel:

Eher unwahrscheinlich – aber wir werden bei meiner Schwiegermutter Weihnachtslieder singen

Könnten Sie einen Prominenten zu ihrem persönlichen Weihnachtsmann erklären – Wer würde das sein und warum?
Axel Vogel:

Ich glaube nicht an den Weihnachtsmann, auch wenn ein Prominenter unter dem Rauschebart steckt.

Welcher Ort im Barnim ist, gerade zur Weihnachtszeit, ihrer Meinung nach besonders zauberhaft?
Axel Vogel:

Das Lesezelt der Bürgerstiftung auf dem Eberswalder Weihnachtsmarkt

Was ist für Sie DAS Weihnachtslied schlechthin?
Axel Vogel:

Ganz klassisch: Stille Nacht, Heilige Nacht; am besten gefällt mir aber: „Tochter Zion, freue Dich“

Haben Wende und/oder Wiedervereinigung die Kultur des Weihnachtsfestes verändert?
Axel Vogel:

Lebkuchen,Schokoladenikoläuse gibt es bereits im Oktober und werden im gleitenden Übergang von Ostereiern und Osterhasen  abgelöst; die „geflügelte Jahresendfigur und der Kerzendrehturm“ stehen dafür auf der Roten Liste der vom Aussterben gefährdeten Worte;

An welches Weihnachtsgeschenk aus Ihrer Kindheit erinnern sie sich noch heute?
Axel Vogel:

Ein rotes Feuerwehrauto aus Blech mit Ausziehleiter.

Wir danken Axel Vogel für Text und Foto!

Morgen im Weihnachts-Interview: Dagmar Enkelmann (Bernau)

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12 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Die Klischees über das Leben in der DDR sind allmächtig, weil sie immer wieder wiederholt werden. So existiert die „Jahresendfigur“ wahrscheinlich nur in den bayerischen Schulstunden über die DDR und ein „Kerzendrehturm“ wurde ebenda bei den Grünen erfunden. Na ja, sollte wohl spaßig sein – wir waren eben alle etwas komisch in der DDR. Haha.

  2. Moin Frank,

    ich will mich nicht an einzelnen Begriffen festbeissen, kann mich aber gut daran erinnern, dass unsere ehemaligen Ideologen schon sehr bemüht waren „unliebsame Begriffe“ (auch und besonders religiöser Natur) aus dem Volksmund zu tilgen.Wirklich erfolgreich waren sie damit allerdings nicht.
    Rückblickend war die DDR aus meiner Sicht schon in vielerlei Hinsicht ein „komischer Staat“. Nur wirklich lustig war es halt nicht immer.

  3. Also Stefan, mal ehrlich, die beiden Begriffe „Jahresendfigur“ und „Kerzendrehturm“ habe ich wohl erst nach der Wende kennengelernt. Kein Mensch im Osten hat diese Begriffe verwendet. Da muss ich wirklich Dr. Valentin Recht geben. Diese Stereotypen sind absurd und sie in so einem Weihnachtsinterview zu verwenden kann nur einem Nicht-ehemaligen-DDR-Brüger (um nicht das genau so bescheuerte Wort „Wessi“ zu benutzen) einfallen.
    Klar war die DDR ein komischer Staat, aber der jetzige ist genau so „komisch“, nur anders.

  4. @Dorothea:Also ich kenne zumindest den Begriff der „geflügelten Jahresendfigur“ noch aus meiner Kindheit. Wurde hinter vorgehaltener Hand belächelt und nicht in den aktiven Wortschatz übernommen. Sollte es sich also um ein Gerücht handeln dann immerhin um ein „volkseigenes“. Relevant für das „realexistierende Weihnachtsfest“ in der DDR war all das allerdings wirklich nicht

  5. Ich vermisse bei den jetzt lebenden Politikern – nicht nur bei den Grünen- die Auseinandersetzung mit der heutigen Realität. Z.B. auch mit dem unsäglichen Denglish (weder richtiges Englisch noch Deutsch), mit dem man uns täglich verblödet und das schlimmer ist als eine angebliche „Weihnachtsendfigur“. Was ist mit dem heutigen blöden Bürokratendeutsch, z.B. „Ermessensfehlgebrauch“, „sachwidrige Erwägungen“ , „Umwidmungen“ oder ähnlichem Bürochinesisch. Oder mal weiter in Richtung Politik: Was ist mit der Rolle der Grünen beim Einsatz der BW in Afghanistan ? Oder mit der Bildungsmisere oder dem stetig fortschreitenden Sozialabbau der neoliberalen Bundesregierung, der auch in die Bundesländer durchschlägt. Was ist mit der seit zwanzig Jahren anhaltenden Abwanderung gutausgebildeter junger Menschen aus Ostdeutschland, auch aus dem Barnim? Das wären auch richtige Aufgaben für Herrn Vogel aus Bayern. Stattdessen muss jeden Tag der seit zwanzig Jahren tote Kadaver der Ex-DDR noch einmal totgeschlagen werden. Am Sonnabend las ich im Tagesspiegel, dass es im Ostteil Berlins erst ab dem 4.Dezember 1990 Schülerlotsen gab! Dank der Wiedervereinigung ! Wahrscheinlich haben wir auch das Essen mit Messer und Gabel erst nach der Wiedervereinigung gelernt. Wenn die gezielte Verblödung so weitergeht, werden wir in 10 Jahren glauben müssen, dass es im Osten Deutschlands vor dem 3. Oktober 1990 staatlich verordneten Kannibalismus gab. Mir reicht es!
    @Dorothea Martin: Danke für Ihre Worte. Aus den oben genannten Gründen kann ich vor allem Ihren letzten Satz nur unterstreichen.

  6. @Frank:
    Von an sich albernen (aber meines Erachtens durchaus gelenkten) Wortverstümmelungen mal ganz abgesehen bleibt für mich der simple Kern, dass es damals u.a. mit der Religionsfreiheit (nicht nur an Weihnachten) nicht „allzu weit her war“.
    Ich denke da an Chorleiterinnen, die von „irgendwo her“ die „dringende Empfehlung“ erhielten jahrhundertealte Lieder umzustricken oder wegzulassen weil „heilig“ oder „Gott“ darin vorkam, an Schülern die auf Grund von aktiver Kirchenzugehörigkeit angeblich nicht für den höheren Bildungsweg qualifiziert waren oder keine Urkunde für herausragende Leistungen verdient hatten und an Mütter und Väter, die aus ähnlichen Gründen nicht im Elternaktiv mitarbeiten durften.

    Natürlich ist das anderswo nicht besser oder noch schlimmer, aber muss man besagte Dinge deshalb unbedingt relativieren?

  7. @Stefan Stahlbaum: Wer macht denn das? Übrigens: Hier heißt es „zu Weihnachten“. „An Weihnachten“ ist süddeutsch und auch schon wieder ein Ausdruck der Dominanz westdeutscher Weltsicht ;-) Im übrigen sind die Lebenserfahrungen der Menschen durchaus unterschiedlich. Ich kann mich an Christen erinnern, die im Elternaktiv mitarbeiteten, aber ich habe das Elternaktiv auch niemals als Instrument der politischen Indoktrinierung erlebt. Das mag zu den Zeiten, in denen Du die DDR verlassen hast, ganz anders gewesen sein. Uns jedenfalls ging es um gute Schullleistungen aller Schüler. Und nur darum.

  8. Sehr geehrter Herr Valentin, liebe Dorothea

    soweit ich weiß, waren die „gefügelte Jahresendfigur“ und der „Kerzendrehturm“ Erfindungen des Satiremagazins Eulenspiegel und fanden von dort aus den Weg in den Wortschatz der Ostdeutschen – oder eben auch nicht. Offenbar wurden diese Begriffe vor allem in Haushalten benutzt, in denen eine erhöhte Dosis Humor verabreicht wurde. Ich persönlich hätte die Zone, die ich, liebe Dorothea, übrigens nicht als besonders komisch hatte kennen lernen dürfen, anders auch nicht ertragen und benutze diese Worte bis heute. Der Eulenspiegel wollte übrigens mit diesen Wortschöpfungen das Beamtendeutsch aufs Korn nehmen, ein gewiss zeit- wie systemloses und ebenso lobenswertes Anliegen.

    Umso verwunderlicher ist es, wenn zwanzig Jahre nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit eine wohl eher mit einem Schmunzeln gemachte Äußerung in einem persönlichen Weihnachtsinterviev, die auch von mir als „gelerntem Ossi“ hätte sein können, dazu führt, dass Herr Valentin, zumal Namensvetter des großen Komödianten und Sprach-Anarchisten Carl Valentin, derart humorlos und trocken wie ein Hansakeks die Ossi-Wessi-Nummer gibt und sich selbst als Ossi-Bärchen am Nasenring durch die Manege zieht. Können wir mal irgendwann damit aufhören! Axel Vogel lebt jetzt länger in Brandenburg als meisten Brandeburger und hat sich vermutlich internsiver und freier von Klischees mit der DDR-Geschichte und dem Prozess der Wiedervereinigung auseinandergesetzt als die meisten unter uns.

    Was ich dann gar nicht mehr lustig finde: Wenn Herr Valentin davon spricht, dass die DDR hier noch einmal totgeschlagen werden soll. Was ist denn das für ein Wortschatz? Das ist genau das Klischeehafte, was Sie Herrn Vogel vorwerfen. In der DDR haben wir eine friedliche Revolution im Namen der Freiheit gemacht, schon vergessen? Apropos: Heute Verleihung des Friedensnobelpreises, nicht zur Zeremonie erscheinen: Liu Xiaobo, China, Russland, Serbien, Kuba, Saudi-Arabien. Und die DDR.

    Ich wünsche allen eine friedliche Weihnachtszeit.

  9. @Michael Ahlers: Über Herrn Vogel sind wir anscheindend völlig gegensätzlicher Ansicht. Ich halte ihn für eine absolute Fehlbesetzung. Sonst wäre er auch nicht in Brandenburg. Ansonsten: Haben Sie meine Meinung (mehr oder auch weniger ist es nicht) richtig gelesen ? Schreiben Sie nicht genau das, was ich auch meinte – nur mit anderen Worten. Dass die DDR tot ist und sich Politiker endlich auf das Heute besinnen sollen ? Tja, und was das Fehlen von Humor und meine Trockenheit als Dauerbackware betrifft: Ich bin nicht mit Karl Valentin verwandt und bei Politikern ist mir schon lange das Lachen vergangen. Es reicht ja, wenn die meisten aus dieser Kaste sich über uns, das Volk, vor Lachen ausschütten. Was wir 1989/90 eigentlich abschaffen wollten…

  10. Ach ja, noch was vergessen: Bei Geld hört ja bekanntlich immer aller Spaß auf und deshalb werde ich solange die „Ossi-Wessi-Nummer“ geben, bis wir Brandenburger mit Ost-Geburtsort endlich 100 Prozent der Westrenten und – löhne bekommen. Wird wahrscheinlich in 40 Jahren soweit sein. Hahaha.

  11. @Frank:
    Nun mal nicht so bescheiden. Wäre „DDR-Relativierung in Theorie und Praxis“ ein Studiengang hättest Du aus meiner Sicht ziemlich gute Chancen auf einen Lehrstuhl.
    Unterhaltsam finde ich Dich aber trotzdem.

    Äußerst amüsierte Grüße von

    Stefan