web analytics

Im Urlaub entdeckt – Pension „Am Wietzetal“ in der Lüneburger Heide – unbedingt empfehlenswert

Ich suchte ganz schnell ein Hotel irgendwo in der Lüneburger Heide, für drei Tage Ende August. Nur die Pension „Am Wietzetal“ in Reinigen, gleich hinter Wietzendorf, hatte noch ein Doppelzimmer frei. Relativ preiswert.
Die Pension, oder auch Hotel genannt, stellte sich als wahrer Glücksfall heraus.  Gegen 14 Uhr bezogen wir unser Zimmer, begleitet von der freundlichen Juniorchefin, die uns mit Namen ansprach, bevor wir uns vorstellen konnten und sofort die Federbetten in allergiefreie austauschte.
Der Seniorchef gab uns Fahrräder und einen Tipp, wo wir langfahren können. Wir radelten ein paar Kilometer, fanden einen versteckten See und ein Moor. Sehr urig und wundervoll. Allerdings sahen wir ständig Schilder mit der Aufschrift: Betreten verboten. Militärische Sicherheitszone. Und Durchfahrtsverbotsschilder mit einem Panzer in der Mitte, darunter: no tracks. Zurück in der Unterkunft bekamen wir die Erklärung: Unsere Pension liegt genau zwischen zwei Truppenübungsplätzen, den größten in Deutschland und vielleicht in Europa überhaupt. Aber, früher war es schlimmer, als die Holländer, Engländer und Amerikaner gemeinsam mit der Bundeswehr noch den Ernstfall probten. Heute ist es so, dass manchmal zwar über die Pension, quasi von einem Übungsplatz zu anderen herübergeschossen wird, aber ansonsten lange nicht mehr so extrem oft. Wie beruhigend.

Am Abend, wir hatten es uns neben vielen anderen Gästen auf der Terrasse der Pension bequem gemacht und mussten unbedingt was essen, denn wir hatten außer dem Frühstück am frühen Nachmittag nur ein lumpiges Stück Mandelbienenstichkuchen zu uns genommen,  fragte uns der Seniorwirt: „Was ist, macht ihr mit bei Brammers Schnitzeljagd?“ und legte uns eine besondere Karte auf den Tisch. Zugegeben, ich war ziemlich fußlahm von der Wanderung durch den Otterpark, eines großen Museumsdorfes und einer Heidewanderung. „Wie lange dauert die denn?“ Der Wirt sah mich mit großen Augen an: „Je nachdem, wie schnell du bist. Kannst dir Zeit lassen bis 23 Uhr.“
Brammers Schnitzeljagd geht wie folgt: Eine Karte mit sechs verschiedenen Schnitzelgerichten. Ich bestelle ein Gericht, muss es ganz aufessen und bekomme dann das nächste meiner Wahl. Salat gibt es dazu am Büfett, soviel ich will. Alles für 9,90 €. Und die Schnitzel sowie Beilagen sind klein, keine Angst. Wir machten mit. Zunächst wählte ich ein Putenschnitzel auf Rahmspinat, dazu gab es drei Kroketten. Mein Mann nahm Försterschnitzel. Meine Fleischportion war nicht klein, sondern eher mittelgroß. Nach der zweiten Schnitzelportion, irgendwas mit Brokkoli und Käsesoße, einem Glas Schwarzbier, sowie selbst zusammengestellten Salat, gab ich auf. Mein Mann arbeitete sich weiter vor. Er schaffte sechs Portionen und einen großen Salatteller. Soviel habe ich meinen Mann noch nie essen sehen. Das Schlimmste an den Brammerschen Schnitzelgerichten ist, dass sie wirklich lecker sind. Wir haben es hier mit einer Küche zu tun, deren Koch richtig kochen kann. Oder wie es mein Mann so schön formuliert: „Hier hast du das Gefühl, dass nicht nur das Gemüse, sondern auch das Fleisch frisch geerntet ist.“ Während mein Mann also die Schnitzeljagd mit viel Erfolg bestritt, nötigte mir der vergnügte Wirt noch zwei Gläser vorzüglichen Rotweines auf, mit der Option, mich persönlich ins Zimmer zu begleiten, falls ich den Weg nicht alleine finden sollte. Möchten wir noch einen Absacker namens Ratzeputz? Hat bloß 108 Prozent… Nein Danke, geht ausnahmsweise auch ohne. Satt und müde fielen wir ins Bett.

Die Zimmer sind einfach, aber sehr sauber. Die Bäder klein, aber ebenfalls sehr sauber und mit diesen kleine netten Sachen ausgestattet: Duschgel, Nagelfeile, Nähgarn-Set, Schuhputzschwamm. Im Flur, von dem die Zimmer abgehen, stehen Regale mit vielen und sogar sehr guten Büchern drin! Die Bücher kann man mit ins Zimmer nehmen.
Das Frühstück ist eine wahre Freude: Etliche Wurst- und Käsesorten, 4 Sorten Marmelade, davon drei selbstgemachte (für mich der Renner: Erdbeer mit Kürbis und Rosmarin), Honig, Schokoaufstrich, einige Sorten Kornflakes, Blaubeerquark, Mandarinenjoghurt, Orangensaft…Frische Brötchen mit und ohne Körner, gekochtes Ei…frisches Obst.
Der Kaffee kommt in großen Thermokannen auf den Tisch, hier wird nicht geknausert und er ist gut und stark.
Und immer wieder diese kleinen Highlights: Ich bin Frühaufsteher. Frühstück gibt es aber erst um 8.30 Uhr. Seit zwei Stunden sehne ich mich nach einer Tasse Kaffee. Ich schleiche mich morgens, eine halbe Stunde vor der offiziellen Frühstückszeit nach draußen auf die Terrasse und will, Scheiß-Laster, eine Zigarette rauchen.  Da kommt doch der Juniorchef, welcher gleichzeitig der Super-Koch ist, mit einer Tasse Kaffee: „Einen wundeschönen Guten Morgen. Trinkst du den Kaffee schwarz oder darf ich dir Milch und Zucker bringen?“

Als wir am Abend nach einem langen Wandertag wieder im Zimmer sind, stelle ich fest, dass ein Hausgeist aktiv gewesen ist. Wir hatten zwar die Betten gemacht, aber die Kopfkissen stehen nun akkurat mit Knick in der Mitte und mein Nachthemd ist sauber gefaltet. Im Bad gibt es keine Wasserflecken mehr und meine achtlos dahin gestellten Schuhe stehen in Reih und Glied.
Mein Mann und ich haben uns, Truppenübungsplatz hin oder her, in dieses Hotel/diese Pension regelrecht verliebt. Wir haben schon einige Hotels und Pensionen aller möglichen Preisklassen erlebt, gute und schlechte. Hier hatten wir wirklich das Gefühl, willkommen zu sein. Zunächst glaubten wir nur, in eine einfache, saubere Pension gelangt zu sein, bevor wir dann feststellten, dass die Details das besondere ausmachten: Die Fröhlichkeit und Emsigkeit der Betreiber, den Gästen ein Wohlfühl-Gefühl zu vermitteln, welches nicht gespielt ist sondern gelebt wird, die offene und herzliche Art, den Gästen zu begegnen und ihren Wünschen entgegenzukommen, die geschmackvolle und liebevolle Küche und nicht zuletzt diese urige Aufgeschlossenheit, vermischt mit dem ins plattdeutsche gehenden Dialekt und der dazugehörigen Unaufgeregtheit, das alles macht eine Gastlichkeit aus, die ihresgleichen sucht.
Die Pension „Am Wietzetal“ steht also ab jetzt, von allen von uns besuchten Hotels und Pensionen deutschlandweit, unangefochten auf Platz eins und gilt, so lege ich das jetzt mal fest, als außerordentlich empfehlenswert.

Im Urlaub entdeckt - Pension
Im Urlaub entdeckt - Pension
Im Urlaub entdeckt - Pension

Kommentare sind geschlossen.