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Familie Roggenbuck aus Eberswalde sucht dringend eine größere Wohnung: Wer kann helfen?

Iris Roggenbuck lebt mit ihren fünf zwischen 8 und 18 Jahre alten Kindern in Eberswalde (Schöpfurter Straße, Stadteil Westend) in einer maroden, möglicherweise schimmelbefallenen Vier-Raum-Wohnung. Die qualfolge Enge ist schon im Alltag kaum auszuhalten, geschweige denn, wenn alle Mitglieder der Familie an Feiertagen zusammen sitzen. Sohn David haben die Umstände bereits krank gemacht. Der größte Wunsch der Großfamilie ist mehr Platz zum Leben.
Wer kann helfen, dass die Familie Roggenbuck bis zum Weihnachtsfest Aussicht auf eine größere Wohnung erhält?

Es ist nicht allein die Größe der Wohnung, an der Iris Roggenbuck fast verzweifelt. Schließlich stehen der erwerbslosen Köchin und ihren fünf Kinder immerhin 120 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung. Als kinderreiche Bezieherin von Hartz IV hätte sie laut Sozialgesetzbuch Anspruch auf 130 Quadratmeter. Die zehn Quadratmeter mehr wären nicht die Welt, weiß sie. Ein zusätzliches Zimmer aber würde ausreichen – davon ist die 38-Jährige überzeugt – ihr Hauptproblem auf einen Schlag zu lösen.

In ihrer Not hatte sich Frau Roggenbuck bereits im September an mich als Stadtverordneter gewandt. Seinerzeit empfahl ich ihr, sich mit ihrem Problem zuerst an die WHG zu wenden. Die stadteigene Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft, die für die Bürgerinnen und Bürger eine gewisse soziale Verantwortung trägt, könnte beispielsweise zwei 3-Raum-Wohnungen zu einer 6-Raum-Wohnung zusammenlegen. Mit diesem Wohnungsangebot sollte sie beim Jobcenter Barnim dann einen Antrag auf Wohnwechsel stellen.

Zwischenzeitlich hatte sich Frau Roggenbuck dann mit ihrem Wohnraumproblem an die WHG gewandt. Weshalb die Verhandlungen erfolglos verlaufen sind und die WHG ihre Bereitschaft verweigert hat, erschließt sich mir im Detail bislang nicht.

Vor etwa zwei Wochen nahm Frau Roggenbuck erneut Kontakt mit mir auf. Sie lud Silvia Zacharias und mich zu sich nach Hause ein und wir haben uns die Wohnraumsituation zeigen lassen. Im Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport der Stadtverordnetenversammlung Eberswalde am 10.11.2010 trug sie die Angelegenheit vor. Schließlich wandte sie sich an die Märkische Oderzeitung, den Eberswalder Blitz und das ODF.

Dankenswerterweise nahm sich MOZ-Redakteur Sven Klamann der brisanten Thematik an und verfasste einen Beitrag mit dem Titel „Hürdenreiche Wohnungssuche“, der am 16.11.2010 zum Leitartikel im Barnim Echo wurde. Bis dato gingen auf der Homepage der MOZ zu diesem sehr gut gelungenen Artikel sage und schreibe 22 Kommentare ein. Die Meinungen sind ganz unterschiedlich, teilweise solidarisierend mit der Familie, aber auch ablehnend. Auf jeden Fall lohnt es sich zu lesen, welche Auffassung die Leute hierzu vertreten.

Zwei Kommentare allerdings waren derartig hasserfüllt und der Familie gegenüber diskriminierend, dass sie glücklicherweise schnell von der Administration der MOZ-Onlineredaktion gelöscht wurden. Rechtzeitig vor dem Löschen habe ich diese noch kopiert und werde sie in diesem Forum dennoch veröffentlichen, um zu zeigen, welche Auffassungen mit Schubladendenken manche Leute vertreten. Der anonyme Kommentator, der sich als „Der Vermieter“ ausgab, schrieb Folgendes:

Schmarotzer der Nation
Solch faules Pack sollte zur Arbeit gezwungen und nicht schon wieder
auf Mitleid machen, so das womöglich der Staat noch´n Haus spendiert..
So sieht das moderne Pennertum aus..

Ein anderer, der sich Toni Langkau nennt, schrieb:
Wer arbeiten will, findet auch welche
Wer arbeiten will, der findet auch welche! Ich kenne genug Ex-Hart4ler, die heute wieder einer geregelten Arbeit nachgehen. Teilweise sind sie, auch mit Kindern, in den Westen gegangen, teilweise sogar wieder in Wohnortnähe arbeiten.
Wer aber seit 16 Jahren mit dem „Arsch zu Hause sitzt“ ist in meinen Augen nur stink faul! Solchen Leuten sollte man gänzlich die Leistungen streichen!
Eine befreundetet Familie schafft es im übrigen einmal pro Jahr, trotz Hartz4 in den Sommerurlaub zu fahren, mit zwei Kindern. Wer also jammert, dass Geld reiche nicht. Sorry! Ich kann von meinem Sauerverdienten, mit zwei Kindern und zwei Arbeitern nicht in den Urlaub fahren. Soviel zur Gerechtigkeit in diesem Land!
Wenn ich eins hasse, sind es sozialschmarotzer!!!

Wenn ich so etwas lese, frage ich mich, ob die Menschen seit dem Untergang des Nationalsozialismus etwas gelernt haben. In Deutschland scheint es noch immer einen Bodensatz zu geben, der eine ähnliche dumpfe Geisteshaltung vertritt, bestimmte Bevölkerungsteile zu diffamieren sowie Hass und Missgunst gegenüber diesen zu schüren.
Aus geistigen Brandstiftern können schnell tätliche Brandstifter werden. Deshalb sage ich: Wehret den Anfängen!

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Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. In der MOZ erschien am Freitag ein Artikel, der die aktuelle, noch unbefriedigende Sachlage gut wiedergibt (Großfamilie kämpft um Umzug: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/276873
    Die WHG hat der Familie Roggenbuck ein Wohnungsangebot im Barndenburgischen Viertel unterbreitet. Dies wurde vom Jobcenter Barnim aber nicht akzeptiert.
    Es ist also nicht erkennbar, dass das Jobcenter seinen Ermessensspielraum ausschöpft und der Familie damit entgegenkommt
    Jetzt heißt es also weiter dicke Bretter der Bürokratie bohren.
    Als Nächstes wäre es erforderlich, dass Frau Roggenbuck erneut bei der WHG vorstellig wird und die neue Problematik bezüglich des Jobcenters schildert.
    Auf kurzem kommunikativen Wege könnten dann das Jobcenter und WHG über eine Problemlösung verhandeln und schließlich ein Ergebnis herbeiführen, bei dem alle Beteiligten ihr Gesicht wahren. Es kann nicht sein, dass der Ball zwischen den Institutionen zu Lasten der Familie hin- und hergespielt wird.

    Und es kann doch wohl nicht so schwer sein, der Familie zeitnah eine adäquate Wohnung zu verschaffen?

    Ich empfinde es mittlerweile enttäuschend, was in meiner Wahlheimatstadt alles „so leicht nicht funktioniert“. Für Eberswalde ist das ein Armutszeugnis.
    Wenn in den nächsten Tagen keine Besserung in Sicht ist, bin ich geneigt, das Thema höher aufzuhängen und es im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung anzusprechen.

  2. Wir haben es endlich geschafft: Die Familie Roggenbuck erhält eine neue Wohnung. Das ist ein großer Erfolg!
    Heute war Umzugstag. Nachzulesen im MOZ-Artikel „Großfamilie im Umzugsglück“.

    An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Carsten Zinn bedanken, der die Verhandlungen mit der WHG und dem Jobcenter Barnim engagiert geführt und die Sache vorangebracht hat. Dies hätte ich als Berufstätiger, der in Berlin arbeitet, kaum zeitlich leisten können.
    Der WHG und dem Jobcenter Barnim sei für ihre Kompromissbereitschaft und dem Pragmatismus gedankt.
    Mein Dank aussprechen möchte ich auch dem Dezernenten der Stadt Eberswalde Lutz Landmann, dem die kinderreiche Familie Roggenbuck am Herzen lag.
    Und nicht gilt zuletzt mein großer Dank dem MOZ-Redakteur Sven Klamann, der mit seinen beiden guten Artikeln eine große Öffentlichkeit erreichen konnte.

  3. Pingback: Familie Roggenbuck aus Eberswalde bei RTL II-Frauentausch