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Kleiner Leitfaden über Igel: Infos zu Umgang, Fütterung, Unterbringung, Pflege und Schutz (Teil II)

Die Igelexpertin Karin Oehl hat mir freundlicherweise wieder einen Text zur Verfügung gestellt, wie man mit Igel im Herbst richtig umgeht.

Igel im Herbst (von Karin Oehl)
Im Herbst richten viele Leute, erinnert durch die vielen Medienberichte, ihre Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf die Igel, die als Kulturfolger in unserem Lebensraum zu finden sind und denen man helfen will. Dabei sehen sie schwerpunktmäßig die Grammzahl der Tiere als Maßstab für die Hilfsbedürftigkeit. Das ist so nicht richtig. Wir haben von Ende Mai bis in den September hinein je nach klimatischer Lage, Wurfzeit. Kein Tier wird mit 600 g geboren. Das heißt – dass ein Tier auch nicht nach Kalendermonat aufgenommen werden muß, sondern diese in den Köpfen spukende Grammangabe ist nur relevant, wenn Igel nach Frosteinbruch noch mit einem Körpergewicht von um die 500 g. draußen herumlaufen. Diese Igel haben nicht die nötigen Fettreserven für den Winterschlaf. Dies immer wieder beschriebene Untergewicht ist meist krankheitsbedingt und behandlungsbedürftig, wenn die Überwinterung gelingen soll.

Unabhängig vom Gewicht und Jahreszeit kann ein Igel mager, weil krank oder verletzt sein. Das erfordert sofortige sachkundige Hilfe in einer Igelstation oder beim Tierarzt. Laut Tierschutzgesetz ist es erlaubt, diese besonders geschützen Tiere nur im Notfall ins Haus zu nehmen, bis sie in der Lage sind, sich draußen selbst zu erhalten. Dazu bedarf es Sachkunde und tierärztlicher Hilfe. Igel darf man hereinnehmen, wenn sie krank, verletzt sind oder verwaiste Babys. Der sachkundige Umgang mit ihnen (Tierärztliche Behandlung, Unterbringung, Ernährung) ist zwingend zu gewährleisten. Hilfreich sind die Seiten von www.pro-Igel.de. Wichtiger als die Grammzahlen im Kopf zu haben, ist es einen gesunden von einem kranken Igel zu unterscheiden.

Gesunde Igel sind nachtaktive Insektenfresser (keine Nager, keine
Äpfelchenfresser!):
* Körperform ist tropfenförmig, vorne spitze, hinten rund
* Igel haben halbkugelförmige knopfartig hervorstehende schwarze Augen
* Nase ist feucht, manchmal tropft sie
* Gesunde Igel rennen auffallend schnell weg, wenn man ihnen zu nahe
kommt
* oder sie rollen sich zu einer festen Kugel zusammen und erst wieder
aus, wenn die Gefahr vorbei ist
* Stacheln werden kreuz und quer aufgestellt
* Körper ist warm
* Kot gesunder Igel ist ein festes dunkles Würstchen

Kranke und damit hilfsbedürftige Igel werden meist am Tag und ohne Deckung liegend gefunden:
* Körperform ist walzenförmig, oft ist ein Halsansatz zu sehen
(Nackenfalte)
* Augen werden nur schlitzförmig oder gar nicht geöffnet
* Nase ist trocken
* Körpertemperatur kann sehr kühl sein
* Kranke Igel rollen sich kaum ein, schnell wieder aus
* Gang ist häufig wackelig, oder die Tiere liegen und stehen nicht
auf., wirken zahm und zutraulich
* Stacheln werden kaum oder gar nicht aufgestellt
* Kot ist weich bis flüssig, grünschleimig, gelegentlich mit
Blutbeimengungen
* Häufig versammeln sich viele Fliegen um kranke und verletzte Tiere,
sie legen ihre Eier darauf ab. Aus denen schlüpfen bald die Maden, die an dem Igel fressen

Verletzte und kranke Igel brauchen ganzjährig unverzügliche und sachkundige Hilfe. Unterkunft und Nahrung allein hilft hier nicht!
Achtung! Wer ein krankes Tier anfasst, sollte darauf achten, dass er sich nicht infiziert (Eitererreger, Salmonellen etc.) Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife schützt meist ausreichend. Igel brauchen zunächst im Haus eine Unterkunft von ca 1,5 qm Größe, die mit Zeitungen ausgelegt ist – kein Heu, kein Laub, kein Katzenstreu. Sie brauchen ein Schlafhaus mit einem Schlupfloch von ca 10 x 10 cm Größe, das auch mit Zeitungen und etwas Knüllpapier ausgelegt ist. Die Reinigung und das Auswechseln der Zeitungen ist täglich mindestens 1x erforderlich. Ebenso brauchen sie 2 standfeste Gefäße für Wasser und Futter (glasierte Blumenuntersetzer aus Ton.) Das Futter sollte so bemessen sein, dass pro Woche eine Gewichtszunahme von 50 g bis zu einem Gesamtgewicht von ca. 800 g erfolgt. (mindestens 1 x mal
wöchentlich ist das Gewicht zu kontrollieren, besser zunächst täglich.
(Pflegeprotokoll führen!)

Als Futter ist geeignet:
* Katzenfutter mit einigen Tropfen Maiskeimöl und etwas Kleie (es ist
sonst zu fett- und ballaststoffarm, was weiche übel riechende Stühle
verursacht)
* Gekochtes Hühnerfleisch, grob zerkleinert mit etwas Kleie
* Hühnerflügel und Hälse können mit Knochen gereicht werden, das dient der Zahnpflege
* Rührei, mit wenigen Tropfen Öl in der Pfanne gestockt, ist auch
geeignet oder Rinderhack – in der Pfanne angebraten mit Öl und Kleie gemischt
* Igel lieben Abwechslung, die auch wegen der Nährstoffversorgung
erforderlich ist.
* Bitte keine Nüsse. Obst, Rosinen und was man sonst so hört, geben.

Gesunde Tiere mit einem Gewicht von ca. 800 g kann man in einem kalten Raum zum Winterschlaf veranlassen.
Vorraussetzung ist – der Igel ist gesund und Medikamentengaben sind mindestens eine Woche nicht mehr erfolgt – die Wirkstoffe also verstoffwechselt.

Alle richtigen Informationen sind auch unter
www.pro-Igel.de im Internet abrufbar und auszudrucken.

Ein Wort zum Schluss:
Igelstationen sind sind nicht flächendeckend vorhanden. Bei Bedarf
vermittelt pro Igel in der Nähe eine geeignete Station in Wohnortnähe.
Igelstationen sind in der Regel Privatinitiativen und keine institutionellen
Abgabestellen für Igel. Die Kapazität in Privathäusern ist begrenzt, sowohl vom Raumangebot wie auch der möglichen Arbeits- aber auch finanziellen Belastung her. Gerade im Herbst werden diese Stationen weit über ihre Möglichkeiten oft frequentiert.
Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt Verantwortung!

Igelstationen freuen sich über Finder, die ihr gesund gepflegtes Tier nach enstprechender Beratung selbst über den Winter bringen und sich an den entstehenden Kosten angemessen und nach persönlicher Möglichkeit beteiligen. Igelstationen haben keine Gebührenordnung aber alljährlich im Herbst hohe Kosten zu tragen – nicht nur für Futter. Auch Medikamente und Tierarztgebühren belasten das private Budget.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

1 Kommentar » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ich finde es sehr traurig, dass die Tierheime sich gar nicht für Igel interessieren. Als absoluter Igel-Laie habe ich vor ca. einem Monat einen kranken Igel gefunden – die Tierheime wollten leider nichts davon wissen.

    Habe dann den Igel ca. 45 km zur nächsten Igelstation in die Schorfheide gefahren. Leider war ihm nicht mehr zu retten. Bisswunden, Maden etc.

    Vielleicht lässt sich ja da für die Zukunft doch noch was machen, dass die Tierheime auch Igel wieder aufpeppen und aussetzen können.