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Ein Familienhund soll her – was ist zu bedenken?

Haus, Garten, Kinder – was jetzt noch fehlt, ist ein Hund. So denken manche Eltern und suchen nun nach einer Rasse, welche in die Familie passt.

Jede Hunderasse hat natürlich gewisse Grund-Charaktereigenschaften, die sich allerdings erst durch den Menschen als Besitzer wirklich ausprägen. Es gibt Rottweiler, die zum Schoßhund erzogen werden können und Collies, die beißwütig werden.

Nach der Begutachtung der Welpen ist klar, dass die einfach nur niedlich sind und schnell ist die Entscheidung getroffen: Den nehmen wir.
Aber, Welpen wachsen und benötigen viel Zeit, Aufmerksamkeit, Konsequenz und Liebe.

Der kleine Retriever wird größer und springt gerne an seinen Menschen hoch, 4jährige Kinder reißt er dabei glatt um. Der freut sich doch nur! Nein, „er pöbelt“, wie der Hundepsychologe Martin Rütter sagen würde. Und damit hat er Recht.
Heranwachsende Hunde probieren grundsätzlich alles aus, weil sie neugierig sind, einen unheimlichen Bewegungsdrang haben und ihnen manchmal einfach nur langweilig ist. Da machen sie nicht Halt vor den teuren Lederschuhen, den frisch eingegrabenen Geranienzwiebeln oder dem neuen Fußball des Sohnes.

Stellen sie zuerst nicht die Frage nach den Eigenschaften einer Rasse, sondern zunächst: Wie viel Hundeverstand haben sie? Wie viel Zeit haben sie durchschnittlich am Tag für den Hund (inklusive Besuch des Hundeplatzes)? Wer hütet den Hund, wenn sie im Urlaub sind? Welche Folgekosten können sie sich leisten (Impfungen, Tierarztkosten bei Krankheit, Versicherung, etc.). Was ist mit den Nachbarn – tolerieren die eigentlich Hundegebell oder kann es Stress geben? Ist ihnen bewusst, dass sie den Hund mindestens 10 Jahre lang haben werden?

Verpflichten sie auf gar keinen ihr Kind nach dem Motto: „Wenn du uns versprichst, dich um den Hund zu kümmern, dann holen wir uns einen…“ Das geht nach hinten los. Kinder können die Ausmaße, sich um ein Tier regelmäßig zu kümmern, gar nicht begreifen. Mit einem heranwachsenden Hund, egal welcher Rasse und Größe, ist ein Kind hundertprozentig überfordert.

Und ein weiteres Problem: Die Allergien. Mittlerweile hat fast jeder eine solche und, wenn der Hund in der Wohnung leben soll, ist es wichtig, vorher alle Familienmitglieder einem entsprechenden Test zu unterziehen. Nichts ist schlimmer, als den Familienhund nach drei Jahren abgeben zu müssen, weil beim Kind eine Allergie auf Hundehaare diagnostiziert wird.

Ich würde jeder Familie, in der nicht mindestens ein Elternteil bereits einen Hund besessen hat, von der Anschaffung eines Hundes abraten. Und wenn sie dennoch darauf bestehen, wenden sie sich an ein Tierheim und gehen dort regelmäßig mit einem Hund spazieren. Kontaktieren sie Leute vom nahegelegenen Hundeplatz. Sehen sie sich an, was da so abgeht. Konfrontieren sie ihr 4jähriges Kind mit einem großen Hund, wie reagiert das Kind?

Ein Hund ist Mitglied in seinem Rudel, welches wir Familie nennen. Das Rudel gibt ihm Sicherheit und Geborgenheit. Dieser Familienhund darf niemals ausgegrenzt und weggesperrt werden, weil er durch gewisse Verhaltensweisen lästig wird. Wenn sie sich gezwungen fühlen, das zu tun, haben sie versagt.

Daher meine Bitte: Überlegen sie ganz genau, ob sie sich einen Hund „anschaffen“ wollen. Wenn sie irgendwelche Zweifel haben, lassen sie es sein.

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3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ich finde diesen Beitrag großartig. Ein Punkt kommt mir jedoch zu kurz. Es gibt viele Menschen, die bevorzugen einen großen Hund.
    Über die Gründe dafür möchte ich hier nicht spekulieren, aber auf ein ganz gewaltiges Problem hinweisen, das häufig unterschätzt wird.

    Einen ausgewachsenen Rottweiler-, oder Deutschen Schäferhund-Rüden, oder womöglich sogar eine ausgewachsene Deutsche Dogge an der Leine zu halten ist auch für einen Erwachsenen nicht vergnügungssteuerpflichtig. Die Aufzählung ist nicht abschließend, es gibt noch mehr Rassen dieser Güte.
    Diese lieben Tierchen haben eine enorme Kraft und vor allem auch die bessere Physik auf ihrer Seite.

    Da kann auch einem kräftigen Herren der Schöpfung am anderen Ende der Leine schon der Arm lang werden… von der Frage der Beherrschung des Tiers reden wir daher besser gar nicht erst, wenn
    das Tier zu allem Überfluss auch nicht horcht.
    So kommt es zu bösen Situationen, in denen auch Fremdschäden nicht auszuschließen sind – erst recht dann, wenn die Herren und Damen der Schöpfung vom anderen Ende der Leine wie häufig beobachtet gleich ganz auf die Leine verzichten, weil sie das Tier ohnehin nicht halten können.
    Es gibt auch alternativ die immer wieder gesehene Groteske, dass solche Hunde mit einer fadendünnen und meterlangen Leine spazierengeführt werden.

    Und noch schlimmer finde ich es dann, dass es allen Ernstes Hundehalter gibt, welche die 10jährige Tochter oder den 10jährigen Sohn mit solch einem „Haustierchen“ Gassigehen schicken. Dann stellt man sich schon die Frage, wo das Tier mit dem Kind hingeht…

    Hundehaltung hat viel mit Verantwortungsbewusstsein und Verständnis für die Wesens- und Denkungsart des Tieres zu tun. Von daher stünde ich der Einführung eines obligatorischen Hundeführerscheins vor Anschaffung eines Tieres durchaus positiv gegenüber.
    Wenn der „liebe Hund“ mangels Erziehung und aufgrund falscher Haltung ein Kind schwer verletzt oder gar totgebissen hat, ist es zu spät über die Frage der Befähigung des Hundehalters nachzudenken.

    PS.: bevor jetzt losgeschimpft wird, dass die Hundehasser wieder unterwegs seien … Ich bin kein Hundehasser!
    Wir haben selber ein nicht ganz unkompliziert gewesenes und mittlerweile 10 Jahre altes Labrador-Mix-Weibchen, dessen Welpen-Erziehung uns viele Jahre, Aufwand, Mühe, Geld für Hundeschulen, Konsequenz und Zeit kostete.

  2. Hallo
    Ich bin selbst Allergiker und weiß ganz genau, wie lästig es sein kann, wenn einem ständig die Nase juckt und die Augen brennen. Heute gibt es ja viele Möglichkeiten, um Allergien durch Sensibilisierung zu behandeln und auch neue allergiefreundliche Entwicklungen wie spezielle Staubsauger Filtertüten, Allergikerbettwäsche, Sprays usw. mit denen die Symptome etwas gelindert werden können.
    Dennoch mussten wir unsere geliebten Hunde weg geben, als die Allergie bei mir diagnostiziert wurde :-(

    Gruß,
    Bernd

  3. Hallo Bernd,

    auch ich habe Allergien gegen fast alles. Meine Hunde habe ich dennoch nicht weggeben müssen, weil sie draußen leben auf unserem riesigem Grundstück. Heißt also, sie kommen nicht ins Haus.
    Das ist auch nicht notwendig, denn meine Schäfer- und Berner Sennenhunde sind definitiv Draußen-Hunde und leiden noch nicht einmal bei 20 Grad Minus in ihrer isolierten Hütte.
    Ich konnte also einen Kompromiss finden.

    Beste Grüße

    Gabi