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Was nicht zur Anzeige gelangte: „Marder mordet…“

Der Polizeibericht über eine Ringelnatter, die einen Fisch im Gartenteich meuchelte, verblasst gegenüber dem Geschehen, welches eines Tages, in der Zeit von 14 bis 16 Uhr auf einem Grundstück in Werneuchen passierte: Noch gegen 13.30 Uhr hatte der Grundstücksbesitzer seine 36 Tauben gefüttert, die frei fliegen und ansonsten in einem Taubenschlag wohnen. Auch die muntere kleine Hühnerschar war intakt und labte sich an den Weizenkörnern. Dann fuhr der Besitzer fort und als er um 16.05 Uhr zurück war, kannte sein Entsetzen keine Grenzen. Zehn junge und zwei erwachsene Tauben lagen tot im Schlag. Die restlichen hatten sich auf das Scheunendach zurückgezogen und wirkten völlig verstört. Doch damit nicht genug, denn auch der stolze Hahn (von der Rasse her ein Barnevelder) lag tot auf dem Hühnerhof. Die Spuren waren eindeutig: Bisse in die Kehle.
Und der Mörder war gesehen worden: Als er mitten am Tag auf dem Nachbargrundstück herumlief und einen  Tag später bei dem geschädigten Taubenbesitzer den wilden Wein an der Scheune hochkletterte, über den Hof lief und den beiden Hunden mit gewitzten Sprüngen auf den Kirschbaum und das angrenzende Schuppendach entkam. Das ungewöhnliche Aussehen haben alle Zeugen bestätigt: Ein Steinmarder, groß und kräftig, mit Stummelschwanz (vielleicht war er mal in eine Falle gelangt) und angegrauten Gesichtshaaren.
Es wurde eine Security bestellt, die aus dem Sohn des Besitzers, seinem Schwiegervater und ihm selbst bestand. Abwechselnd wurde Wache geschoben. Denn außerdem waren gerade sieben Barnevelder Küken geschlüpft, als Halbwaisen sozusagen, mit denen die Glucke (übrigens eine Adoptivmutter, aber das ist eine andere Geschichte) auf dem Hühnerhof herumstolzierte und die sollten auf gar keinen Fall Marderfutter werden.
Ein alter, kampferprobter Marder ist ja nicht blöd. Natürlich kam er nicht wieder oder er wartet einfach solange, bis die Security aufgibt.
Der Besitzer hat da so seine eigene Logik und sagt: „Früher wohnte oft ein Steinmarder unter dem Dach. Das war kein Problem, denn im eigenen Revier hat er nie Tauben und Hühner gejagt, die waren in Sicherheit. Ein Marder hält sein Revier im Übrigen auch ratten- und mäusefrei. Aber, wir haben das Dach neu gedeckt, da gibt es keine Unterschlupfmöglichkeiten mehr und unser Hausmarder ist seither verschwunden. Die fremden, durch die Gegend ziehenden Marder, die vielleicht ihren Unterschlupf verloren haben (er verweist auf die gerade stattfindende Sanierung eines alten, Hauses drei Grundstücke weiter) suchen sich ein neues Revier und finden es natürlich reizend, wenn ihnen auf ihren Wanderungen die Nahrung direkt vorgesetzt wird.“
Eine Lebendfalle wurde nun installiert. Aber: „Der alte Haudegen wird da nicht hineingeraten. Der ist viel zu clever.“ Nacheinander wurden damit zwei Igel und Nachbars Katze gefangen. Der Grundstücksbesitzer schätzt alle Tiere in der Natur. Er kann verschmerzen, dass manchmal eine Taube dem Habicht zum Opfer fällt, aber dass 12 Tauben ermordet worden sind und auch der stolze Barnevelder Hahn, macht ihn wirklich wütend. Denn: „Der Hahn hat einfach nur seine Hühnerschar verteidigt und dabei sein Leben gelassen.“ Das sei eine wirkliche Tragödie. Der Fuchs tötet ein Huhn und schleppt es fort, um es in Ruhe zu fressen oder als Nahrungsreserve einzubuddeln, der Habicht ist in dieser Hinsicht auch sehr pragmatisch, er jagt Tauben oder Hühner und frisst sie auch sofort, aber der Steinmarder mordet alles, was sich bewegt. Das sei Verschwendung und schwer nachvollziehbar.
Die Security ist auseinandergefallen, denn der pensionierte Schwiegervater muss zurück nachhause, weil andere Aufgaben auf ihn warten, der Besitzer arbeitet in Schichten und der Sohn muss die Schulbank drücken.
Anbei ein Foto der glücklichen Henne mit ihren glücklichen Küken.

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