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Vom Naturfreund zum Freileitungsfreund – letzte Nummer des „Freileitungsfreunds“

“Wissens, des ist alles fauler Zauber: die Liebe zur Natur und so. Ich kenn mich aus, mir könnens nix erzählen. Wissens, ich hatte ein Haus in der Jachenau, einem echten Biotop mit echten Wilderern und einem literarischen Stammbaum, denn immerhin ging hier Ludwig Thoma, der baierische Mundartdichter, falls Sie den mit seinen Lausbubengeschichten kennen, hier auf die Jagd. Also ein echtes Naturidyll, historisch gewachsen.

Zum Aushalten war des net. Schnaken gibt’s überall, aber dass nachts der Uhu oder ein Kauz Sie nicht einschlafen laßt und die Wildschweine ihren Garten durchwühlen, vom zerbrochenen Zaun, den Sie sofort reparieren müssen, ganz zu schweigen, das war einfach zuviel. Des hab ich nicht mehr gepackt. Ich hab mich neu orientiert, neu orientieren müssen. Ich hab mich informiert, bei meinen Freunden, den Freileitungsgegnern, die haben herausgefunden, dass in Niedersachsen der Uhu ausgestorben ist, wegen der Freileitungen.

Schad um den Uhu, sag ich, aber die Nachtruhe ist mir heilig und wenn der nicht mehr schreit, ist sie garantiert. Auf nach Niedersachsen! Da stehen jetzt die Freileitungen unter Naturschutz! Bestandsschutz, habe ich gemeint, denn der Arm der Freileitungsgegner reicht dort bis in die Staatskanzlei.”

Zum Ausklang Leider muß der Freileitungsfreund mit dieser, der dritten Nummer sein Erscheinen einstellen. Die Subskribenten haben ihn enttäuscht und schwer im Stich gelassen.

Unser Hauptsponsor, ich will seinen Namen nicht nennen, hat erklärt, dass er sich bei der Häufung der Wahlen durch diverse Wahlkampfspenden verausgabt habe, so dass er den Druck unseres Blättchens nicht mehr finanzieren könne, die erforderliche Zahl der Abonnenten konnte nicht erreicht werden, Freileitungen sind, das muss der Freileitungsfreund schmerzlich konzedieren derzeit nicht populär. Es gibt zu wenige Freileitungsfreunde, um eine eigene Zeitschrift zu publizieren.

Deshalb verabschiedet sich der Freileitungsfreund mit einem leiser werden Summen der Koronarentladungen

Vom Naturfreund zum Freileitungsfreund - letzte Nummer des
Vom Naturfreund zum Freileitungsfreund - letzte Nummer des
Vom Naturfreund zum Freileitungsfreund - letzte Nummer des

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Veröffentlicht von

Hartmut Lindner lebt als (Un)Ruheständler in Berlin und Senftenhütte. Bis 2006 arbeitete er als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politische Weltkunde in Berlin. 1993 kam er als Wochenendler nach Senftenhütte, einem idyllischen Ort auf dem Endmoränenbogen. Er engagiert sich in der Bürgerinitiative Biosphäre unter Strom - keine Freileitung durchs Reservat und lokalen Initiativen, vor allem dem Keramikhütte e.V. in Senftenhütte und ist seit Jahren begeisterter Leser der Barnimer Bürgerpost.

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