web analytics

Was kostet die teilweise Erdverkabelung der „Uckermarkleitung“?

Am 27.9. endet die Einwendungsfrist im Planfeststellungsverfahren für die 380-kV-Freileitung von Bertikow nach Neuenhagen. Für eine abschließende Bilanz ist es noch zu früh, aber man kann schon jetzt sagen, dass die Arbeit der Bürgerinitiative „Biosphäre unter Strom – keine Freileitung durchs Reservat“ bei der Mobilisierung des Trassenprotests recht erfolgreich war, denn im Gebiet des Biosphärenreservats wurden mehrere hundert Einwendungen gesammelt und an das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe geschickt. Bündelweise laufen die Einwendungen beim Bergamt in Cottbus ein. Spitzenreiter ist Schmargendorf mit mehr als 170 Einwendungen, gefolgt von Senftenhütte mit über einhundert Einwendungen.  Aber auch in Kerkow, Zuchenberg,  Klein Ziethen und Serwest wurden viele Einwendungen gesammelt und nach Cottbus geschickt.

Inzwischen sind auch die ersten Stellungnahmen der Kommunen bekannt geworden. Vorreiter ist Eberswalde mit einer klaren Absage an die Freileitungspläne, gefolgt von Chorin, wo es gestern den  Gemeindevertretern in einer außerordentlichen Sitzung gelungen ist, dem Bauamt auf die Sprünge zu helfen und die Ablehnung der Freileitungspläne besser  zu fundieren.

Auch aus Angermünde und den anderen Trassenanliegern sind vergleichbare Stellungnahmen zu erwarten. Wir erinnern uns,  Angermünde war die erste Gemeinde, die sich im Juni 2008 offen gegen die Freileitungspläne  ausgesprochen hat.

Für die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange liegen inzwischen die von der Bürgerinitiative organisierten Gutachten von Prof.  Jarass , Dr. Oberfeld, Dr. Henne und Dr. Flade vor, die die verschiedenen Aspekte der Freileitung beleuchten: Prof. Jarras hat die Notwendigkeit der Freileitung in Frage gestellt und die Alternativen ausgelotet, Dr. Oberfeld ein umweltmedizinisches Gutachten erstellt, Dr. Henne, der ehemalige brandenburgische Umweltminister und Leiter der Biosphärereservatsverwaltung hat sich mit den Auswirkungen der Freileitung auf das Landschaftsbild befasst und Dr. Flade das Gefährdungspotential der Freileitung für die im Trassengebiet reichhaltige Vogelwelt dargestellt. Die kommunalen Stellungnahmen können also  wissenschaftlich gut fundiert werden, zumal eine nähere Auseinandersetzung mit den  Planungsunterlagen zu dem Ergebnis führt, dass die Vattenfallleute, die für das Vorhaben verantwortlich sind, ausgesprochen schlampig gearbeitet haben. Sie haben nicht einmal versucht die Notwendigkeit der beantragten Freileitung nachzuweisen, sie fühlten sich, mit dem Energieleitungsausbaugesetz im Rücken auf der sicheren Seite und jeden Begründungszwangs enthoben. Auch Alternativen wurden nicht ernsthaft geprüft, sondern einfach verworfen.  Vielleicht spekulierte Vattenfall  auf die inzwischen jahrzehntelange positive Zusammenarbeit mit dem Bergamt in Cottbus, das ja in Sachen Braunkohletagebau dem Antragsteller stets entgegengekommen ist. Warum sollte es diesmal anders sein?

Durch die Initiative der Grünen und der FDP in Sachen Brandenburgisches Erdkabelgesetz ist die Frage der Teilverkabelung wieder aufgeworfen worden. Das könnte für 50 Hertz Transmission die Rettung sein. Teilverkabelung in den sensiblen Bereichen, um einen großen Teil der Trassenplanung zu retten, die so, wie sie vorliegt nicht genehmigungsfähig ist.

Was könnte das kosten?

Wir machen also 50Hertz Transmission die Rechnung auf. Dabei gehen wir nicht von den Behauptungen von Vattenfall Transmission aus, die von dem 10 bis 15fachen Kosten einer Freileitung sprechen, sondern von den einzigen  seriösen Unterlagen, die e-on im Jahr 2007  für 5  Trassenprojekt in Niedersachsen vorgelegt hat (www.praesentationeonnetzausbauniedersachsen 221.pdf.)

Aus dieser Schätzung geht hervor, dass ein Kilometer Erdverkabelung rund 3 Mio. Euro Mehrkosten verursacht. Bei der Querung Eberswaldes (ca. 2,5 km) würden sich die Mehrkosten auf 7,5 Mio belaufen. Bei der Querung des Biosphärenreservats (ca. 25km) wären es 75 Mio Euro.  Die Sache könnte aber deutlich billiger werden, wenn sich 50Hertz Transmission dem Urteil von Prof. Jarass anschließt, dass die beantragte Leitung überdimensioniert ist, dann könnten die Kosten der Erdverkabelung deutlich gesenkt werden.

Im Bereich der 110-kV-Trassen ist man bereits bei einem Kostenfaktor von 1.6 für ein Erdkabel angelangt.

Abspecken und erdverkabeln! Das ist der Rat, den man den Leuten von 50 Herz Transmission in dieser Situation nur geben kann, denn mit der 380-kV-Freileitung kommen sie nicht durch. Nicht durch das Biosphärenreservat und nicht durch Eberswalde.

Was kostet die teilweise Erdverkabelung der „Uckermarkleitung“? auf Facebook teilen
Was kostet die teilweise Erdverkabelung der „Uckermarkleitung“? auf Twitter teilen
Was kostet die teilweise Erdverkabelung der „Uckermarkleitung“? auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

7 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Bei allem Begründungsfleiß der Gegner hege ich angesichts dieser Landesregierung trotzdem die Befürchtung, dass behördlicherseits über Einwendungen hinweg entschieden wird, um den Herren von VATTENFALL zu Diensten zu sein und dieses Projekt zu Lasten der betroffenen Bürger und Natur durchzupeitschen.

  2. Diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Wenn die Freileitung vom Bergamt genehmigt werden sollte, bleibt nur der Klageweg. Die Bürgerinitiative ist gerüstet. Ihr steht ein gerade in umstrittenen Großprojekten erfahrener Anwalt (RA Heinz) zur Seite. Auch die potentiellen Kläger stehen bereit.
    Die fundierten Gutachten und die exzellenten Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange werden dann das Bundesverwaltungsgericht beschäftigen.
    Der Trassenprotest wird einen langen Atem brauchen, aber die Luft wird ihm nicht ausgehen.

  3. „…dass ein Kilometer Erdverkabelung rund 3 Mio. Euro Mehrkosten verursacht.“

    Hey Leute, für die Hälfte von dem Geld verbuddele ich das Kabel für Euch in die Erde – wenns sein muss sogar mit ’nem Klappspaten.

    „Die Sache könnte aber deutlich billiger werden, wenn sich 50Hertz Transmission dem Urteil von Prof. Jarass anschließt, dass die beantragte Leitung überdimensioniert ist, dann könnten die Kosten der Erdverkabelung deutlich gesenkt werden.“

    Hä? Das gibts bei mir zum Festpreis, egal wie dick das Kabel ist oder wieviele Kabel in das Loch sollen.

    Vielleicht merkt Ihr das, habe mich noch nicht so richtig mit dem Thema beschäftigt. Aber irgendwie klingen die Summen mal wieder so, als ob niemand auf den Preis achten muss, aber eine Firma mächtig Kohle damit machen kann.
    Was bitte ist an dem Verlegen von Kabel so teuer, dass 3 Mio Euro pro Kilometer grade mal die Mehrkosten sind?
    Bagger hin – Loch buddeln – vielleicht noch irgendwelche Leerrohre rein – und wieder zu. Wie lange dauert das für einen Kilometer, damit 3 Mio Euro MEHRkosten entstehen. Oder wird da vorher ein goldener Käfig drumherum gebaut?

    Egal ob das Kabel oben oder unten verlegt wird – Der Steuerzahler wird wieder mächtig abgezockt!

  4. Hallo Andreas!

    Reiche doch mal ein entsprechendes Angebot bei 50 Hertz Transmission ein.
    Achte bei Vertragsabschluß aber genau auf die vereinbarten Gewährleistungen!Der Einsatz des Klappspatens mag umweltschonend sein, aber eine Kabelrolle (800 m) hat ein Gewicht von 40 Tonnen! Also überheb Dich bitte nicht.
    Je nach der erforderlichen Durchleitungskapazität sind bis zu 12 Kabel erforderlich, die parallel verlegt werden.
    Aber die Kalkulation basiert auf den Zahlen von E.on – das sind übrigens die einzigen mir bekannten Kalkulationen, die Anspruch auf Seriosität erheben können. Wenn es nach Vattenfall ginge, würden Kosten von 12 Mio Euro pro km Erdkabel anfallen. Das ist dann wirklich Abzocke. Besser gesagt Abschreckung.

  5. Jetzt bekommen die großen Stromkonzerne von der Bundesregierung durch die Laufzeitverlängerung der AKW mal eben so 50 Milliarden Euro (50.000.000.000) geschenkt. Nun sollen sie zwar dafür 25 Mrd. Euro Steuern zahlen, bleiben noch 25 Mrd. übrig. Davon könnte man 8.333 km Erdkabel legen (die 3 Millionen €/km Kosten vorausgesetzt). Das ist etwa fünfmal die Strecke Berlin-Moskau oder 4,6 x Berlin – Athen. Was soll also das Gebarme von Vattenfall und Co.?

  6. Jaja, ist ja schon klar, war ja auch nicht ganz ernst gemeint, trotzdem find ich solche Summen immer sehr eigenartig. Wenn ich mir vorstelle, wieviel Leute, wieviel Tage mit wieviel Bagger für 3 Mio Euro da buddeln könnten…
    Und es sind ja nur die MEHRkosten gegenüber der Freileitung…

    @Thomas
    Warum wird eigentlich Berlin nicht umgesiedelt, um an die Braunkohle unter der Stadt zu kommen? Passiert doch mit anderen Ortschaften in der Lausitz auch.
    Und Braunkohle ist doch CO2-frei, wenn wir es nur gut verstecken – in der Erde oder im Bundeskanzleramt…

    Schönes Wochenende und bleibt dran.