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Europäischer Flussbadetag 2010: Der symbolische Sprung in den Finowkanal – Eine kritische Betrachtung

Der Barnimer Kreisverband von Bündnis `90/Die Grünen und das Planungsbüro Flusskontakt rufen zum BIG JUMP in den Finowkanal auf. Die Veranstaltung findet am 11.07.2010 zwischen 14 bis 18 Uhr im Uferbereich des Parks am Messingwerk im Eberswalder Stadtteil Finow statt.
Der BIG JUMP ist ein europaweiter Flussbadetag bei dem die Menschen den Wunsch nach sauberen und lebendigen Fließgewässer bekräftigen. Eine klare Absage an die stinkenden, vielerorts nur noch für Energienutzung, Schifffahrt und Industrie tauglichen Abwasserkanälen soll erteilt werden. Von der Zielrichtung her erhält das eigentliche Anliegen des Flussbadetages daher meine volle Unterstützung.
Probleme habe ich jedoch mit dem Aufruf zum Baden im stark umweltbelasteten Finowkanal.

Leider ist durch eine unglückliche, wenig differenzierte Darstellung der Gesamtsituation der Öffentlichkeit suggeriert worden, dass es sich beim Finowkanal um ein sauberes Gewässer handelt. Unterstützend vermittelt das Plakat eines Säuglings, der von kristallklarem Wasser umgeben ist, ein Bild, welches wir am Finowkanal ganz und gar nicht vorfinden können. Tatsächlich ist der Finowkanal in die Güteklasse III (stark verschmutzt) eingeordnet. Auch das brandenburgische Umweltministerium weist nicht zuletzt auf eine hohe Belastung durch kommunale Abwässer hin.

Bekannt sind die Bilder von temporär auftretenden Schaumteppichen, die sich in Wasserfällen unterhalb der Schleusen bilden und welche hartnäckig auf dem Kanal treiben, bis sie sich endgültig auflösen. Bis dato kennen wir weder Ursprung noch Ursache dieser Gebilde. Auch nicht, wie sie sich chemisch zusammensetzen und aus welchen Bereichen des Finowkanals sie entstammen. Wir kennen Einleiter nicht, weil diesbezüglich noch keine Kartierungen erfolgt sind. Auch besteht die Gefahr, dass Klär- und Sickerwassergruben nach Wolkengüssen überlaufen und sich in den Finowkanal ergießen oder diese gar auf illegale Weise entleert werden. Eine Belastung mit Fäkalien und gesundheitsgefährdenden Kolibakterien kann zu keinem Zeitpunkt ausgeschlossen werden. Verstärkend hinzu kommt die potenzielle Gefahr der Aufnahme von verunreinigten Wasser über die Atemwege während des Badens.

Wirklich beruhigen oder gar überzeugen können mich deshalb die Aussagen des Gesundheitsamtes der Kreisverwaltung Barnim gegenüber der MOZ nicht, die auf Grundlage ihrer offensichtlich einmaligen Messung die Wasserqualität für „gut“ befinden und ein Baden im Finowkanal für unbedenklich halten.
Ein politisches Problem ist, dass mit dem Aufruf zum Baden die eigentliche Verschmutzung des Finowkanals elegant ausgeblendet wird. Es könnte im Interesse der Behörden sein, das Umweltproblem der Gewässerverschmutzung herunter zu spielen. Damit wird künftiger Handlungsbedarf ausgeschlossen.

Fazit: Das Baden im Finowkanal, nicht nur in den stark mit Schwermetallen belasteten Bereichen der ehemaligen Chemischen Fabrik und der Papierfabrik Wolfswinkel, sondern auch oberhalb der Heegermühler Schleuse im Bereich Messingwerksiedlung, halte ich für bedenklich. Ich würde nicht dazu animieren, in diese ekelhafte Brühe mit einem Sammelsurium an Schadstoffen zu steigen. Der Sprung ins kühle Nass wird zum Eintauchen in eine Blackbox.

Abschließend ist hinzuzufügen, dass die Intension des BIG JUMP von den Veranstaltern scheinbar verkannt wurde. Tatsächlich sollen zum Baden solche Fließgewässer ausgewählt werden, die in der Vergangenheit durch eine hohen Belastung gekennzeichnet waren, sich hinsichtlich der Wasserqualität derartig gebessert haben und hier ein Baden aus gesundheitlichen Sicht nun unbedenklich erscheint. Für den Finowkanal ist eine solche positive Entwicklung nicht erkennbar.

Zurück zur Veranstaltung BIG JUMP: Unabhängig davon werde ich am Sonntag daran teilnehmen, doch sicherlich nicht als aktiver Badegast…

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik.
Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB).
Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht.
Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

7 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Das heißt also, Du meinst das die Kreisverwaltung und/oder Bündnis90/Die Grünen eine Gefährdung der Gäste wissentlich oder fahrlässig in Kauf nehmen? Ist das die Grundaussage? Ich für meinen Teil bade regelmäßig in der Nähe und konnte bislang an doriger Stelle keine „ekelhafte Brühe“ erkennen.

  2. Ich finde die Art spannend, in welcher Form der Verfasser hier vorgeht.
    Bei der Planung der Veranstaltung war Dr. Andreas Steiner – wie mir von Teilnehmern dieser Besprechung berichtet wurde – anwesend und hat das Vorhaben aktiv befürwortet. Bedenken seinerseits wurden zu keiner Zeit vorgetragen.
    Seine Behauptungen über die Wasserqualität hier im Blog sind schlicht falsch und durch Messergebnisse widerlegt.
    Der mit seinem Behauptungen verbundene Tenor, Bündnis 90/ Die Grünen würden grob fahrlässig die Gesundheit der Veranstaltungsteilnehmer gefährden ist schlicht ein unfassbarer Akt übler Nachrede.
    Dr. Andreas Steiner – das, was Sie hier an … absonderten, ist sowohl menschlich, als auch inhaltlich eine glatte 6.
    Schade drum – bisher hatte ich einen anderen Eindruck von Ihnen, aber man lernt ja nie aus.

  3. Grundsätzlich bin ich auch immer skeptisch, wenn Menschen in einem Kanal (statt in natürlichen Gewässern) baden, schwimmen und sogar tauchen gehen. Aber ich bin mir sicher, hier wurden auch Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um die Sicherheit aller zu gewährleisten.

  4. Ich kann versichern, daß alles denkbar Erforderliche unternommen wurde, um eine Gesundheitsgefährdung der Teilnehmer auszuschließen.
    Hätten in irgend einer Art und Weise die Untersuchungsergebnisse der Proben Anlaß zu einer Besorgnis gegeben, wäre zu dieser Veranstaltung nicht aufgerufen worden.

  5. @Thomas Dyhr
    Es ist schon erstaunlich, wie persönlich Du Deine Angriffe gegen meine Person in diesem Forum artikulierst. Damit disqualifizierst Du Dich aber selbst. Du warst nicht im Vorfeld der Planungen dabei und gibst das nur wieder, was Dir berichtet wurde.
    Und wie schön Du mir die Worte im Mund verdrehst. „Grob fahrlässig“ habe ich gar nicht geschrieben. Jedoch ist die Veranstaltung hinsichtlich der Planung meines Erachtens ziemlich dumm gelaufen. Hinzu kommt, dass Urlaubszeit und andere Termine dazu führten, dass ich keinerlei Einfluss mehr auf die Inhalte der Veranstaltung nehmen konnte.
    Das Vorhaben mit der Zielsetzung selbst, und das habe ich in meinem Artikel auch geschrieben, habe ich stets befürwortet. Doch die Tatsache, wie undifferenziert mit dem Tatbestand der Verschmutzung des Finowkanals von allen Initiatoren nun umgegangen wird, schockiert mich und nötigt im Interesse einer ausgewogenen Berichterstattung diesen Offenen Brief. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf.
    Wasserqualität „gut“, das prägt sich in den Köpfen der Menschen ein. Und dann wird auch nicht mehr unterschieden, an welcher Stelle im Finowkanal Baden gegangen wird, denn es ist ja alles schick und schön. Keine Gefahr also, wenn man das nicht jeden Tag tut.
    Die regionalen Bündnisgrünen haben mit dieser Vorgehensweise – und so muss ich das leider feststellen – dem Umweltschutz wahrlich einen Bärendienst geleistet. Bisherige Bemühungen, politischen Druck zu machen, damit der Finokanal in ferner Zukunft wirklich mal zu einem sauberen Gewässer werden kann, sind mit Hohn und Spott abgekanzelt worden. Schaumteppiche und Aufruf zum Badevergnügen: Das passt hervorragend zusammen! Wer will die Grünen dann noch Ernst nehmen? Wir machen uns nur lächerlich.

    Lieber Thomas, die Schaumteppiche bilden sich nicht aus reinem Wasser. Ich würde mich an Deiner Stelle deshalb fachlich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen.

  6. @Dr.Steiner: Also Selbstkritik ist tatsächlich nicht so Deine Stärke, oder? In Deinem Artikel schwingt eben doch der Vorwurf der „Fahrlässigkeit“ was die Gefährdung der Badenden angeht mit. Aber Wenn Du es gern wieder mal als Angriff auf Deine Person ummünzen möchtest, ok. Klar, wenn Du Urlaubsbedingt nicht verhindert gewesen wärst, hättest Du mehr Einflus auf die Inhalte genommen. Aber so waren die „Grünen“ leider mit dem Elend geschlagen, es allein zu organisieren. Klar, dass das nicht läuft. ;-)

  7. Es gibt ein Stück von Ibsen, „Ein Volksfeind“, das könnte manchem die Augen öffnen. (Eine alte Geschichte, die immer wieder aktuell ist.)

    Ich schlage aber vor, dass die kommunalen Granden ostentativ das kristallklare Wasser des Finowkanals durch die eigene Kehle rinnen lassen, wie das seinerzeit der Bademeister Töpfer am Rhein getan hat, um die Erfolge seiner Umweltpolitik zu demonstrieren.