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Zwischen „abknallen“ und managen: Die Biber-Konferenz in Lebus

Wo sich der Mensch oft hilflos zeigt haben andere Lebewesen erfolgreiche,pragmatische Lösungen zu bieten. So der Biber – Im Kampf gegen den sinkenden Grundwasserspiegel neigt er selten zu ausufernden, politischen Diskussionen sondern baut schlicht Dämme.

Da er in jüngster Vergangenheit, übrigens erstmalig, Schäden an Deichen mitverursacht hat fordern jetzt Einige seinen Kopf. Allen voran Märkisch-Oderlands Kreischef Gernot Schmidt (SPD) der zur „Nagerproblematik“ eine ebenfalls schlichte Lösung parat hält: Abknallen! Schmidt fordert eine Abschussquote für die streng geschützten Tiere. Der Naturschutz habe „sein Ziel längst erreicht“ und die Popuplation sei verdoppelt. Es sei daher „kein Wunder, dass Landwirte den Maisfresser hassten“.

Auf der heutigen Konferenz des Landesumweltamtes mit Abgesandten aus Oder-Spree, Märkisch-Oderland, Barnim und der Uckermark zu einer Biber-Konferenz sind allerdings auch weniger stammtischparolenartige Äußerungen zum „Biber-Management“ zu erwarten. LUA-Chef Matthias Freude erklärte gegenüber der „Berliner Morgenpost“, dass er verschiedene Maßnahmen befürworte. Es werde sich heraussstellen,

„dass unsere Positionen gar nicht so weit auseinander liegen!“ Der Umweltamts-Präsident legt Wert auf die Feststellung, dass die jetzt entdeckten Deichschäden durch Biber neu seien – weder an der Elbe noch an der Oder sei das bislang vorgekommen. Als Ursache vermutet Freude den ungewöhnlich frühen Zeitpunkt der Flut, die vor allem den noch kaum schwimmfähigen Nachwuchs erwischt habe. In Panik hätten die Eltern trockene Plätze gesucht – und auf Deiche zurückgegriffen.“

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10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Mag sein, dass Herr Schmidt mit der Äußerung „Abknallen“ nicht den richtigen Ton getroffen hat, was er jedoch sagen wollte, war richtig.
    Wir leben nun mal in einer Kulturlandschaft und nicht am Rande einen von der Menschenhand unberührten Urwald. In einem solchen, würde sich die Natur selbst regulieren und das für den Außenstehenden Betrachter sehr oft radikal und erbarmungslos.
    Der Biber ist nur eine Art, die noch vor einigen Jahren unter strengem Schutz gestellt wurde.
    Ich kann mich noch gut entsinnen, dass Förster einen Kolkrabenhorst als streng gehütetes Geheimnis betrachteten, das wir nur aus sehr großer Entfernung die Kormorane in der Nähe von Stralsund bei der Brut beobachten durften. Dies ist noch gar nicht so lange her und wenn wir heute mit offenen Augen durch die Natur ziehen, werden wir sehen, dass es in fast jedem kleinen Tümpel Biber gibt, ja das selbst er schon vor der Stadt Eberswalde keinen halt macht. Was ich damit sagen will, ist, das dass Schutzziel den Biber zu erhalten mit Erfolg geglückt ist, dass aber auch seine Feinde, die im natürlichen Raum ihn in ökologische Grenzen halten, nicht vorhanden sind. Natürlich kann man anfangen ihn zu fangen und in andere Gebiete auszusetzen, aber was würde dann geschehen, über kurz oder lang würden auch die Probleme mit ihm delegiert werden.
    Wir haben unsere Umwelt verändert und dies ist (leider) auch nicht mehr rückführbar. Also gilt es doch einen vernünftigen Umgang zu tätigen. Ich denke, dass dieses Problem in den richtigen Händen ist und Lösungen geschaffen werden, die für alle tragbar sind.

  2. Soweit ich das richtig verstanden habe bringt das „Abknallen“ außer viel Lärm und großer Metzelei unter dem Strich im Effekt gar nichts, weil die Biber ein ausgesprochenes Revierverhalten zeigen und in Ermangelung des „abgeknallten“ wehrhaften Revierinhabers die entstehenden Freiräume nur noch kleinzelliger – d.h. durch noch mehr Biber – ausfüllen.
    Damit wird das Problem verschärft, statt gelöst.
    Die Lösung liegt wohl eher darin, daß sich der Mensch die Ergebnisse der Verhaltensforschung zu Nutze machen sollte und seine Bautätigkeit von Deichen und sonstigen Anlagen rücksichtsvoll mit der natürlichen Lebensumstände der betroffenen Natur abstimmen sollte.
    Entsprechende Forschungsergebnisse gibt es bereits. Man muß nur auf diese zurück greifen.
    Dann gibt es weniger Kollisionen mit unschönen Folgen.

  3. Heute steht in der MOZ die Lösung des Biber-Problem.
    Sie sollen mit Keschern eingefangen werden und dann in Käfigen gehalten werden bis sie wieder im Deichvorland ausgestzt werden können. Ich denke diese Qual sollte man den Tieren ersparen. Sie werden in solche Stresssituation ausgesetzt, die nur eine Verzögerung des Todes sein wird. Ich kann mir das schon vorstellen, wie in gleichmäßigen Abständen Käfige am Oderrand (ähnlich einer Nerzfarm) aufgestellt sind, wo die Tiere hoffen, dass das Wasser wieder sinkt.
    Das sind also Maßnahmen, die mit dem Verhalten der Tiere abgestimmt sind??

  4. In stetem Wechsel werden zu den folgende Tierarten dramatische Geschichten in den Medien präsentiert und schließlich eine Bejagung gefordert, die natürlich mit dem gegenwärtigen Schutzstatus der betroffenen Arten nicht vereinbar ist:

    1. Der Biber, der mit seiner Bautätigkeit die Deiche und unsere trockenen Keller gefährdet, der ohne Rücksicht die schönsten Obstbäume umlegt und auch vor einer meterdicken Pappel keinen Respekt hat.
    Das geht vielleicht zwei, drei Wochen lang durch die Medien, dann sagt der Chefredakteur, laßt euch was Neues einfallen, die Bibergeschichten langweilen die Leute!

    2. Der Kormoran, der ein wahrer Vielfraß ist und schon manchen See leergefischt hat. Bei dieser guten Ernährungsgrundlage hat er sich derart vermehrt, dass er zur Retttung der heimischen Fischerei konsequent bejagt werden müßte…

    Das geht so zwei, drei Wochen lang, dann sagt der Chefredakteur…

    3. Der Wolf, der seit dem Fall des eisernen Vorhangs und der Befriedung der Truppenübungsplätze aus dem Osten in die Lausitz eingewandert ist und auch schon auf der Wildbrücke der Uckermark fotografiert wurde, also der böse Wolf reißt unsere Lämmer, da hilft nur konsequente Bejagung…

    Und so geht es in stetem Wechsel weiter.
    Irgendwann werden die Naturschutzbehörden diesem Trommelfeuer nicht mehr standhalten und dann wird zur fröhlichen Jagd geblasen.

    Mal sehen, was dann der Stoff der Medien ist – dramatische Jagdunfälle vielleicht…

    und später wird man spannende Geschichten bringen von den schlauen Bibern, die dem Jagddruck getrotzt haben, den klugen Kormoranen, die den Jägern ausgewichen sind und dem halbverhungerten Wolf, der in Schönebeck gesund gepflegt wird…

    Ach so, das hätte ich beinah vergessen – die Waschbärplage und der Marder, der unser höchstes Gut, den Bremsschlauch im PKW gefährdet, da hilft nur konsequentes Bejagen…

    Das geht so zwei, drei Wochen lang, dann sagt der Chefredakteur: „Bringen Sie doch mal was über den Biber, da haben wir schon lange nichts gebracht, also neulich am Finowkanal, die Erlen, die hat er umgelegt, gehen Sie mal raus, schauen Sie sich das und schreiben Sie darüber…

  5. Hallo Herr Lindner,

    ließ sich recht amüsant ihr Beitrag. Jedoch eine Ohrfeige, für alle die, die den Schaden hatten oder haben.
    Ich denke, wenn man das Thema nur dem Sommerloch in der Zeitung schulde, hat man es bei weitem verfehlt. Sicher ist, und das habe ich auch so erwähnt, dass man mit der Problematik die rund um unsere Natur geht, sehr sorgsam umgehen muß. Aber die Fakten spreche auch dafür, dass wir nun keinen Urwald mehr haben, wo das Gleichgewicht der Natur vorhanden ist. Vielleicht haben Sie mich auch falsch verstanden, aber ich bin bestimmt jemand, dem die Natur sehr am Herzen liegt und wie ich schon berichtet, das seit der frühsten Jugend. Und wahrscheinlich gerade deshalb, kann ich solchen Schwachsinn nicht nachvoll ziehen, das der geglückte Schutz vorm aussterben bedrohter Tierarten, so eine Art „Heiligen Kuh“ sind und ganz egal wie, nie wieder als Problem gesehen werden darf.
    Das Sie den Wolf ansprachen ist richtig, denn auch dafür gibt es langfristig keine Lösung, wie man damit umgeht. Ich erinnere nur daran, dass gerade Alttiere, die aus dem Rudel verbannt werden, oft sehr eigen Wege gehn. Oder das Problem der Vermischung von Haushunden und Wölfen, wo schon jemand richtig sagten, dass das dann eine Mischung von Schwarzenegger und Einstein wäre.

  6. Der Biber fühlt sich im Zoo sowiso viel wohler als in freier Natur. Im Tierpark gibt es regelmäßig Nahrung, es gibt sauberes Wasser und auf dem Betonfußboden können die Biberkinder wunderbar spielen. Selbst in Gefangenschaft behält der Biber seinen Bauinstinkt bei und errichtet auf dem nackten Stein sinnlose Staudämme. Er versucht den Zoo-Pool anzustauen … Zur Freude der Besucher. Und im Zoo stört er auch nicht die Bauern.

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