web analytics

Kleiner Leitfaden über Igel: Infos zu Umgang, Fütterung, Unterbringung, Pflege und Schutz

Ein Gastbeitrag von Karin Oehl
Jetzt rennen sie wieder – eigentlich in der Dämmerung und nachts, sowie im Morgengrauen – die Igel. Schon wieder finden wir angefahrene oder überfahrene Igel an den Straßenrändern, aber auch durch Gartengeräte verletzte Tiere. Sie sind aus dem Winterschlaf erwacht und sind damit beschäftigt, ihre verlorenen Fettreserven wieder aufzufüllen und natürlich – eine/n Partnerin/Partner zu finden. Leider ist unser Umfeld, in dem die Igel als Kulturfolger leben müssen, weil ihre angestammten Lebensräume weitestgehend zerstört und verändert, sowie von Straßen durchzogen sind, kein Paradies mehr für Igel. Bei angemessener Fahrweise müssten nicht so viele Igel ihr Leben auf der Straße lassen Manchmal sind sie nur verletzt und benommen und sterben hinterher, weil niemand hilft.

Nehmen wir einen verletzten Igel auf, braucht er tierärztliche Hilfe, denn die Verletzungen infizieren sich, eitern, Fliegen setzen sich darauf und legen ihre Eier ab. Die Maden fressen zwar das infizierte Gewebe und die Absonderungen, aber alles was frisst, scheidet auch aus und das wieder ist für die Igel gefährlich – giftig. Also – Igel umgehend vom Tierarzt behandeln lassen oder in einer qualifizierten Igelstation. Pflegen kann man das Tier auch Zuhause. Dazu bekommt es eine große Kiste – wenn es geht mindestens 1 1/2 qm groß, die mit Zeitung ausgelegt ist. Dazu braucht der Igel ein kleines Schlafhaus mit einem etwa 10 x 10 cm großen Einschlupfloch, ausgelegt mit Zeitung und angefüllt mit Knüllpapier oder Haushaltsrollenpapier.

Blumenuntersätzer aus Ton, glasiert, eignen sich hervorragend als Trink- und Fressschälchen. Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Als Futter eignen sich gekochte Hühnerflügel und gekochtes Geflügelfleisch mit etwas Kleie. In der Pfanne gestocktes frisches Tartar, Katzenfutter mit ein paar Tropfen Maiskeimöl und etwas Kleie als Ballaststoff. Kann das Tier nicht selbstständig fressen, wird die Nahrung so stark zerkleinert, dass sie mit einer Spritze aufgezogen werden kann und man nimmt das Tierchen in Rückenlage in die Hand und sucht mit dem Konus der Spritze das Mäulchen und gibt die Nahrung sehr langsam hinein. Bitte darauf achten, ob der Igel schluckt.

Die Nahrung wird bei sehr geschwächten Tieren früh morgens und abends gereicht. Bei gut fressenden Igeln wird nur abends Futter angeboten. Die Anweisungen der Tierärzte oder Igelstation sind zu beachten bezüglich Medikamenteneingabe, Bäder, etc. wenn der Igel nicht ständig transportiert und damit gestresst werden soll. Häufig findet man jetzt auch am Tag Igel, die ungeschützt in der Sonne liegen oder auf wackeligen Beinchen umherlaufen. Am Tag gefundene Igel sollten uns immer aufmerksam machen, denn der Igel ist von Natur aus ein dämmerungs- und nachtaktives Tier. Selten ist der Grund für die Sichtung am Tage eine Störung im Schlafnest. Meist ist es eine bakterielle Erkrankung in Folge einer starken Verwurmung. Die Igel wirken mager, walzenförmig, ihre Augen sind keine hervorstehenden halbkugelförmigen schwarzen Knöpfchen, sie sind eher schlitzförmig oder gar nicht geöffnet und tief liegend. Es kann sein, dass der Igel am Tag sehr unruhig herumläuft. Seine Hinterlassenschaft ist kein braunes festes Würstchen, sondern grünschleimig, manchmal blutig.

Achtung: Igel leben am Boden, also im Dreck, Krankheitserreger, die den Igel schwächen können auf Menschen übertragen werden, z. B. Eitererreger u. Salmonellen etc. Mit ausreichender Hygiene – Händewaschen mit Seife und Nutzung von Handschuhen im Umgang mit den Tieren, sowie Sauberhaltung der Gehege und Näpfe besteht für den Menschen keine Gefahr!

Für die Unterbringung der Igel gilt das Gleiche wie für verletzte Igel, auch was über die Fütterung gesagt wurde. Aber: Ein scheinbar unterernährter Igel ist einfach in der Regel krank. Krankheit mit Futter und Unterbringung heilen zu wollen ist illusorisch. Die Tiere werden so einfach mit Liebe zu Tode gequält. Kranke Tiere brauchen tierärztliche Behandlung das heißt – zunächst einmal die Infektion behandeln, den Igel stabilisieren. Eine Kotuntersuchung zur Bestimmung der Parasitenarten ist zwingend erforderlich. Erst wenn der Igel stabil ist und frisst, darf entwurmt werden. Wurmmedikamente sollen den Wurm im Inneren des Igels umbringen und belasten auch den Igel. Ein kranker schwacher Igel kann daran sterben.

Noch ein Hinweis: Kranke und verletzte Tiere brauchen nicht nur im Herbst unsere Hilfe, sondern ganzjährig. Die berühmten 600 g im Herbst beziehen sich nur auf Tiere, die eventuell spät geboren sind und bei Frosteinbruch noch mit einem Gewicht von unter 600 g herumlaufen. Auch sie sind in der Regel nicht einfach unterernährt, sondern verwurmt und krank, weil sie nicht mehr die geeignete Nahrung in ausreichender Menge fanden und letztendlich nur noch Würmer und Schnecken aufnahmen, die Zwischenwirte ihrer Innenparasiten.
Wenn Igelbabys gefunden werden (zu erwarten zwischen Juni und September): Fühlt sich das Tierchen kühl an – auf ein Tuch legen, handwarme Wärmflasche darunter, zudecken. Mit einer Pipette oder Spritze ohne Nadel handwarmen Fencheltee tropfenweise ins Mäulchen geben: Darauf achten, dass das Tierchen schluckt. Schnellstens Kontakt mit einer qualifizierten Igelstation aufnehmen. Kein Versuch mit irgendeiner Milch – das führt zu Ernährungsstörungen, die tödlich ausgehen. Igel sind Säugetiere, das heißt – sie brauchen in der frühen Zeit ihres Lebens die Milch ihrer Mutter. Wenn die Mutter aber unauffindbar ist, müssen sie mit einer Milch ernährt werden, die der Muttermilch ähnlich gemacht wird. Dann muss man wissen, wie alt etwa das Tierchen ist, um sagen zu können, wie viel Milch zu wie vielen Mahlzeiten gegeben werden muss, wann man mit Zusatznahrung anfängt und was ganz wichtig ist: Nach der Fütterung ist das Toiletting, also das ermöglichen von Ausscheidungen, überlebenswichtig!

Igel dürfen keine Milch bekommen – sie vertragen sie nicht, sondern reagieren mit tödlichen Durchfällen (sie schlecken sie gern, weil sie süßlich ist. Leider wird ihnen von Menschen in guter Absicht noch immer Milch gereicht!). Als Säugetiere brauchen aber Igelbabys bis zu einem gewissen Alter die Muttermilch, bzw. eine der Muttermilch ähnlich gemachte Ersatzmilch.

Unter www.pro-Igel.de gibt es einen Hinweis auf Merkblätter.
Eines davon hat das Thema Aufzucht von Igelsäuglingen. Das gleiche gilt zu den hier besprochenen Themen.

Karin Oehl

Karin Oehl hat ein großes Herz für Igel und betreibt in ihrer Freizeit eine Igelstation.

Kleiner Leitfaden über Igel: Infos zu Umgang, Fütterung, Unterbringung, Pflege und Schutz auf Facebook teilen
Kleiner Leitfaden über Igel: Infos zu Umgang, Fütterung, Unterbringung, Pflege und Schutz auf Twitter teilen
Kleiner Leitfaden über Igel: Infos zu Umgang, Fütterung, Unterbringung, Pflege und Schutz auf Google Plus teilen

Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

2 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Vielen Dank für die nützlichen Informationen. Vor allem der Hinweis, dass man Igel nicht mit Milch füttern soll, ist wichtig.