Neue Artikel per RSS lesen

Neue Artikel per RSS lesen

oder einmal täglich (7 Uhr) als Sammel-E-Mail erhalten:

Die Bewohner des Bernauer Blumenhags wissen ein Liedchen davon zu singen: Der Lärm von der allzu nahen Autobahn macht den Aufenthalt im Freien unmöglich, die Lärmschutzfenster  reichen nicht aus und die vor Jahren installierte Schallschutzwand zur Bundesautobahn 11 entspricht zwar den gesetzlichen Vorgaben, erweist sich aber als fast wirkungslos. Gleiches erleben die Einwohner des Bernauer Ortsteils Schönow bei Ostwind-Wetterlagen, die besonders in den letzten, sehr trockenen Sommern auftraten. Die freien Feldflächen neben der Autobahn sorgen für ungebremste Ausbreitung der Schallwellen. Bürgerinitiativen sind verzweifelt, der Bernauer  Bürgermeister desinteressiert, da ihn die Sache formal nichts angeht.

Einerseits ist fast jeder über  gute Verkehrsanbindungen froh,  sie sind zudem unabdingbar für Gewerbeansiedlungen und damit für Arbeitsplätze. Allerdings ist es eine Binsenweisheit, dass Lärm krank macht. Dass die Bernauer nicht allein unter dem Lärm leiden, ist ein nur geringer Trost. Autobahnen sind somit Fluch und Segen zugleich.

Viele Gemeinden und Städte sind betroffen. Allerdings ist  ihr Einfluss auf lärmmindernde Ideen und Maßnahmen bisher eher begrenzt. Baulastträger für die Autobahnen sind nicht die Kommunen, sondern der Bund und die Länder. Während sich ein großer Teil der  Bürgermeister, Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen  ihrer Ohnmacht ergeben haben, organisierten die Bürgermeister von Rüdersdorf und Ludwigsfelde im vorigen Jahr eine Autobahnkonferenz. Ziel war es,  eine Autobahnanliegergemeinschaft für besseren Lärmschutz zu gründen. Auch der Städte- und Gemeindebund Brandenburgs  hat diese Konferenz im vergangenen Herbst postiv begleitet. An der Konferenz nahmen Vertreter aus Brandenburger Kommunen, aber auch aus Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen und Thürimngen teil. In jedem Fall hat man auf die Probleme aufmerksam und gleichzeitig deutlich gemacht, dass es um einen gesunden Mittelweg zwischen Infrastruktur und Lärmschutz gehen muss.

Und man muss  deutlich sagen, dass vor allem in der Politik “steter Tropfen” doch irgendwann “den Stein höhlt”. Wie die  Medien soeben berichten, will die Bundesregierung  den Lärmschutz an Autobahnen und Bundesstraßen verbessern und dafür langfristig 1,5 Milliarden Euro aufwenden.  «Wir werden zusätzliche Lärmschutzwände und Lärmschutzfenster einbauen», kündigte Bundesverkehrsminister Ramsauer an. 2010 würden dafür 50 Millionen Euro eingesetzt, der Gesamtbedarf liege bundesweit bei 1,5 Milliarden Euro. «Dieser finanzielle Kraftakt lohnt sich, weil wir damit die Nerven der Anwohner schonen und einen überaus wichtigen Beitrag für ihre Gesundheit und eine höhere Wohnqualität leisten», sagte der Minister. Konkret ginge es um  die Absenkung der zulässigen Lärm-Höchstwerte um drei Dezibel. Das entspräche akustisch der Halbierung des vorbeifahrenden Verkehrs.

Hoffnungsvolle Ansätze für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Aber wie immer bei diesem Run auf die Fördertöpfe wird es jetzt für die kommunalen Verwaltungen vor allem darum gehen müssen, den meisten Lärm zu machen. Denn nur derjenige Bürgermeister, der am lautesten schreit, wird auch vielleicht eine Lärmschutzwand abbekommen.. Für die Rüdersdorfer und Ludwigsfelder sehe ich da nicht so schwarz, sie haben rechtzeitig und laut auf  sich aufmerksam gemacht.

Ähnliche Artikel:

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann lesen Sie unser RSS-Feed oder abonnieren Sie neue Artikel bequem per E-Mail. Vielen Dank!

Bei diesem Artikel ist Kommentieren derzeit nicht möglich.

blogoscoop