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Zwischen Komasaufen und Freiheitsrechten – Über den unterschiedlichen Umgang mit Alkoholkonsum im öffentlichen Raum

Es kommt vermutlich nicht allzu oft vor, dass man sich im fernen Rheinland Pfalz für unseren Landkreis interessiert. Gestern schaffte es der Barnim in die News-Kategorie von „Vorbild sein“. Das ist eine Kampagne der Leitstelle “Kriminalprävention” die im Innenministerium des Bundeslandes angesiedelt ist.
Unter Berufung auf die Märkische Oderzeitung wird berichtet, dass „Komasaufen“ auch im ländlichen Gebiet auf dem Vormarsch ist

„In Barnim (…)kommen statistisch gesehen auf 10.0000 Kinder und Jugendliche 28 alkoholbedingte Klinikeinweisung. Das sind sogar sechs mehr als in Brandenburger Durchschnitt.“

Das der exzessive Alkoholkonsum unter jungen Menschen in Brandenburg stark angestiegen ist bestätigte Gesundheitsministerin Anita Tack (Die LINKE) im Februar diesen Jahres. Demnach

„wurden im Jahr 2008 insgesamt 728 Menschen unter 25 Jahren wegen übermäßigen Alkoholkonsums im Krankenhaus behandelt. Im Jahr 2000 waren es knapp 300 Fälle gewesen. (…)Deutlicher fällt der Anstieg nach Angaben der Ministerin aus, wenn die negative demografische Entwicklung mit berücksichtigt wird. Da die Zahl junger Menschen gesunken sei, habe sich der Anteil von Jugendlichen mit exzessiven Alkohol-Erfahrungen zwischen 2000 und 2008 vervierfacht.“


Die Ursachen des Problems sind vielfältig und eine einfache Lösung nicht in Sicht. Auffällig ist allerdings, dass in Reaktion auf diese und vergleichbare Diskussionen schnell die „ordnungspolitische Sau durchs Dorf getrieben wird“.
Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen wurden, grade um „Trinkgelage“ von Jugendlichen zu erschweren, inzwischen in verschiedenen deutschen Kommunen verhängt. Aus der Sicht von Kritikern führt es allerdings lediglich zu einer Verlagerung der Konsumplätze. In der Stadt Freiburg wurde das bestehende Verbot 2 009 nach einjährigem Bestand vom Verwaltungsgericht gekippt. Ein Jurastudent hatte wegen eines Verstosses gegen die Freiheitsrechte geklagt und Recht bekommen.

Ähnliche Argumente wurden kürzlich auch im Eberswalder Sozialausschuss besprochen. Dabei ging es allerdings nicht speziell um Jugendalkoholismus, sondern allgemeine Negativfolgen von Alkoholkonsum im öffentlichen Raum. Der Ausschuss sprach sich schließlich gegen eine Ausweisung „trinkerfreier Zonen“, aber für eine Erweiterung sozialer Angebote aus.

Die Stadt Bernau veröffentlichte Ende 2009 im Amtsblatt eine „Stadtordnung über das Verbot des Alkoholgenusses auf Kinderspielplätzen und in Parks“. Sie untersagt den Konsum bzw. „das sich Niederlassen zum Zwecke des Alkoholgenusses“ an bestimmten Orten. Ausnahmen sind auf Antrag möglich, Ordnungswidrigkeiten können mit einer Geldbuße bis zu 500,-€ geahndet werden.

Der aktuelle Spiegel berichtet, am Bespiel des Kieler Trinkraums „Zum Sofa“ über niedrigschwellige, akzeptierende Angebote. Das vom Verein „HEMPELS“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Kiel initiierte Projekt richtet sich an Frauen und Männer, die sich sonst auf öffentlichen Plätzen bewegen würden.“

„Sie können sich dort werktäglich zwischen 9 und 15 Uhr in geschützten Räumen aufhalten und auch niedrigprozentigen und selbst mitgebrachten Alkohol konsumieren.“

„Ordnungsrechtliche und pädagogische Maßnahmen allein“, argumentieren auch „die HEMPELS“ , lösen das Problem nicht.

„Solche Maßnahmen führten in der Vergangenheit meist lediglich zu einer örtlichen Verlagerung der „Szenetreffs“. Eine nachhaltige Bearbeitung dieses Problemfeldes ist mangels zielgruppengerechter Angebote in räumlicher Nähe zu den Treffpunkten nicht möglich.“

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Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

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