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Arbeitgeber und „Meinungsbilder“ Armee – Darf die Bundeswehr an Schulen werben?

Als ich gestern für auf der Website des Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Stroebele recherchierte stolperte ich, quasi nebenbei, über einen Artikel der mit „ Bundeswehr raus aus den Klassenzimmern!“ überschrieben war. Dabei ging es um den Widerstand gegen die offenbar zunehmende Präsenz sogenannter „Jugendoffiziere“ an Schulen. Die Bundeswehr stellt sie „als Ansprechpartner zu sicherheitspolitischen Fragen und als Referent für politische Bildung zur Verfügung“ .Sie diskutierten die Auslandseinsätze der Bundeswehr  und geben Einblicke in die„moralischen Grundlagen des Soldatentums“.

Kritiker bemängeln, dass eine einseitige Präsenz der Offiziere gegen das Gebot der Kontroversität, als eine Minimalgrundlage für politische Bildung verstößt. Der für den Barnim zuständige Jugendoffizier soll, wenn meine Quelle nicht völlig veraltet ist, übrigens in Strausberg stationiert sein.  Konkrete Berichte über entsprechende Unterrichtsangebote habe ich für unseren Landkreis bisher nicht gefunden. Allerdings ist die Bundeswehr seit Jahren Aussteller bei der „Bernauer Ausbildungs- und Studienbörse“ im Paulus-Praetorius-Gymnasium.

Mich würde sehr interessieren wie ihr die „Bildungsoffensive“ der bundesrepublikanischen Streitkräfte beurteilt. Ist ihr Einsatz an Schulen eine legitime Bereicherung des Lehrplans, darf  sie dort als „ein Arbeitgeber unter Vielen“ um Nachwuchs werben, oder hat die Armee in Klassenräumen (und deren Nebengelassen) prinzipiell nichts zu suchen.

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Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Einerseits ist die Bundeswehr (in der Theorie) eine „Parlamentsarmee“, d.h. laut BVerfG darf sie in Friedenszeiten nur mit Beschluss des Deutschen Bundestages eingesetzt werden. Auch unterliegt die Bundeswehr der Befehlsgewalt des demokratisch gewählten Bundesverteidigungsministers. Sie ist gemäß den Vorstellungen ihrer „Schöpfer“ den Grundsätzen der „inneren Führung“ verpflichtet, verfügt über keine gesonderte Militärgerichtsbarkeit, es gibt ein Beschwerderecht jedes einzelnen Soldaten und einen vom Grundgesetz geschützten unabhängigen und vom Deutschen Bundestag gewählten Wehrbeauftragten, an den sich jedermann und insbesondere alle Soldaten wenden können und der jederzeit ohne Ankündigung Truppenbesuche vornehmen kann. Diese Grundpfeiler sollen zusammen mit der Wehrpflicht dazu dienen, dass nicht ein „Staat im Staate“ entsteht, der sich der Kontrolle des demokratischen Gemeinwesens entziehen kann.
    Mit diesen Grundsätzen ist allerdings nicht gemeint, dass es sich bei der Organisation Bundeswehr eine demokratische Institution mit individuell einklagbaren Rechten eines Staatsbürgers handelt. Aber das kann ja auch redlicherweise von einer Armee nicht erwartet werden. Wenn sich der demokratische Staat also zu seiner Armee bekennt, spricht eigentlich theoretisch nichts gegen den Unterricht in unseren Schulen im Rahmen der politischen Bildung. Dabei muss dann natürlich insbesondere deutlich werden, dass die oben genannten Grundsätze in der Praxis auch ansatzweise funktionieren. Ein gutes Beispiel, dass so etwas funktionieren kann, ist insbesondere deutlich zu machen durch die Existenz der Angehörigen des so genannten „Darmstädter Signals“, in dem sich Angehörige der Bundeswehr seit dem Ende der 70er Jahre bis heute innerhalb der Bundeswehr mit der Sicherheitspolitik und den Grenzen der Zulässigkeit militärischen Engagements Gedanken machen und dies (mit Billigung des Bundesverfassungsgerichts) auch organisiert vertreten dürfen. Wenn es gewährleistet ist, dass die oben beschriebenen Grundsätze und zulässigen Aktivitäten objektiv und ausführlich beschrieben und („beworben“) werden, ja , dann darf auch die Bundeswehr ihre Jugendoffiziere in die Schulen schicken und objektiv als Teil der demokratischen Gesellschaft innerhalb des Faches Politische Bildung auftreten. Es muss dabei aber immer gewährleistet sein, dass auch abweichende Meinungen zum Sinn und Unsinn militärischen Daseins überhaupt im Unterricht diskutiert und problematisiert werden. Die Jugendoffiziere dürfen daher keinesfalls als Werbeträger der Bundeswehr auftreten. Daher sollte sie auch darauf verzichten, an der Ausbildungsplatzbörse am Paulus-Praetorius-Gynmnasium aufzutreten.

    Auf der anderen Seite sollte bei der Entscheidung, ob die Bundeswehr Jugendoffiziere im Fach „Politische Bildung“ in die Schulen schicken darf, Folgendes beachtet werden.
    Dadurch, dass unser Land mittlerweile „von Freunden umzingelt“ ist und ist die äußere Sicherheit unter keinem Gesichtspunkt mehr bedroht ist, entfernt sich die Bundeswehr in der gesellschaftlichen Realität immer mehr von den oben genannten theoretischen Grundsätzen und den früheren Notwendigkeiten, die überhaupt die Existenz einer Armee rechtfertigen bzw. gerechtfertigt haben. Wozu brauchen wir noch eine nach außen wehrfähige und waffenstarrende Bundesrepublik Deutschland? Müssen wir mittlerweile solche Notlügen des früheren (sozialdemokratischen!) Verteidigungsministers Struck hinnehmen, dass die Freiheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt wird? Müssen wir uns zudem Gedanken darüber machen, ob wir es in Afghanistan überhaupt mit Krieg zu tun haben? Sollten wir uns nicht eingestehen, dass die von mir oben dargelegten Grundsätze in Wahrheit unter den heutigen Bedingungen eine bloße Fiktion geworden sind? Was sollen die Jugendoffiziere unseren Schülern denn erzählen? Dass wir die Bundeswehr haben, um die Freiheit des deutschen Volkes und die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland tapfer zu verteidigen (so der Inhalt des von den Wehrpflichtigen noch heute abzulegenden Gelöbnisses)? Das ist doch reine Fiktion und verschleiert den Umstand, dass sich seit dem Ende des Kalten Krieges die Welt grundlegend gewandelt hat. Seien wir doch ehrlich: wir brauchen heute nur noch die Bundeswehr, um zusammen mit unseren Verbündeten (nicht an unseren eigenen Grenzen) die Angriffe auf die Freiheit des Westens in modernen Kriegen abzuwehren.
    Dieser Umstand führt dann aber zu völlig neuen Betrachtungen, ob die Bundeswehr Jugendoffiziere in die Schulen in die politische Bildung schicken darf.
    Wenn die Bundeswehr nur noch ein Instrument zur Durchsetzung weltpolitischer und machtpolitischer Ziele ist, gibt es auch keine Rechtfertigung mehr, dieses „Zwangsmittel“ der Außenpolitik in den Schulen im Rahmen der politischen Bildung darzustellen. Die Armee bedarf keiner besonderen Verwurzelung mehr „im Volk“, d.h. in der Zivilgesellschaft durch die Wehrpflicht..
    Wie die Armee politisch kontrolliert wird und wie der nunmehr entstehenden Tendenz zu begegnen ist, dass erneut ein Staat im Staate heranzuwachsen droht, muss der Verfassungsgesetzgeber beantworten. Eine Darstellung in der politischen Bildung an unseren Schulen bedarf es nicht. Sie ist sogar schädlich für das Entstehen demokratischen Gesinnung in der Schülerschaft, wenn es offenbar ist, dass die Bundeswehr in der Realität und nur auf dem Papier den oben beschriebene hehren Grundsätzen genügt (eine Armee ist naturgemäß kein Hort von Pluralität, freiheitlichen Gedanken und demokratischen Grundsätzen). Die politische Realität in Deutschland und in der Weltpolitik gebietet, dass die Bundeswehr an Schulen nicht auftreten sollte. Es darf in der gesellschaftlichen Wahrnehmung eines demokratisch verfassten Landes nicht der Eindruck entstehen, dass es legitim sei, zur Durchsetzung machtpolitischer Ziele auf der ganzen Welt Armeen einzusetzen und den Tod anderer Menschen einzukalkulieren. Das ist mit den ethischen Grundsätzen unserer Verfassung meines Erachtens nicht vereinbar.
    Daher: Keine Jugendoffiziere in die Schulen und schon gar nicht im Fach „Politische Bildung“!

  2. „Es darf in der gesellschaftlichen Wahrnehmung eines demokratisch verfassten Landes nicht der Eindruck entstehen, dass es legitim sei, zur Durchsetzung machtpolitischer Ziele auf der ganzen Welt Armeen einzusetzen und den Tod anderer Menschen einzukalkulieren. Das ist mit den ethischen Grundsätzen unserer Verfassung meines Erachtens nicht vereinbar….“

    Lieber Klaus, im Grundsatz bin ich zwar mit Dir einer Meinung, aber….
    das wird in der EU aus machtpolitischen Gründen ganz offensichtlich anders gesehen und ist quasi „endentschieden“.
    In den Art. 28a Abs. 3ff. und Art. 28b des Vertrages von Lissabon ist die militärische Option ausdrücklich als Mittel der Außenpolitik sanktioniert und die Verpflichtung der Mitgliedsstaaten der EU festgeschrieben, ihre militärischen Fähigkeiten zu verbessern.

    Die von Dir zu recht aufgeworfene ethische Frage ist durch die eingegangenen internationalen Verpflichtungen beantwortet – es sei denn man möchte den für die EU und gerade für Deutschlands existenziellen Interessen grundlegenden Vertrag von Lissabon in Frage stellen. Diese Lage befriedigt zwar nicht, ist aber nun mal Fakt. Stellt sich folglich die Frage, wie man damit umgeht.

    Aus der Faktenlage heraus stellt sich aus Gründen der Vertragstreue durchaus die Frage der Aufstellung einer reinen Berufsarmee, weil eine Wehrpflichtigenarmee die (auch) auf EU-Ebene international festgeschriebene Aufgabenstellung nicht wird bewältigen können.

    Aus dieser Logik heraus sehe ich aber auch keine Berechtigung mehr für die Aufrechterhaltung der Wehrpflicht. Es ist – anders als in Zeiten des kalten Krieges – kein erkennbarer Zweck mehr sichtbar, der diese Form des Eingriffs in die Lebensplanung junger Menschen rechtfertigen könnte, denn eine Spielwiese für junge Leute zur Nachwuchsgewinnung des Militärs dürfte wohl in einem rechtsstaatlich organisierten Gemeinwesen kaum als Grundlage für freiheitsbeschränkende Eingriffe des Staates ausreichen.

    Eine aufgrund eingegangener Verpflichtungen heraus aufgestellte Berufsarmee lebt aber – wie jede andere Organisation auch – von der Nachwuchsgewinnung.
    Sie steht in harter Konkurrenz mit anderen Berufsperspektiven in einer Zeit geburtenschwacher Jahrgänge.

    Wenn man das Eine (die Verpflichtung) bejaht/ bejahen muß, bleibt das Andere (Ausstattung des Militärs mit Kräften und Material) nicht aus.
    Und von daher läßt sich aus rein pragmatischen Gründen das Bestreben der Bundeswehr durchaus nachvollziehen, mit Schülern in Kontakt zu kommen.
    Stellt sich zwar die grundsätzliche Frage nach möglichen Alternativen.
    Ich sehe da aber keine…

    Mir ist bei einer Abwägung der formal kontrollierte Raum einer Schule an dieser Stelle lieber, als ein weniger regulierter und kontrollierter Raum in Jugendclubs oder anderen Freizeitangeboten etc., weil man im Unterricht das Gehörte aufarbeiten und ggf. schulseitig auch mit Zugangsbeschränkungen arbeiten könnte, wenn inakzeptable Inhalte vermittelt würden.
    Diese Möglichkeit hätte man bei alternativen Zugängen weniger bis gar nicht.

    Folglich halte ich die Frage der Bundeswehr in Schulen für weniger bedeutsam als die grundsätzliche Frage von Erziehung zur Friedfertigkeit. Und das ist Aufgabe von Familie und Lehrern.
    Einen friedfertig und pazifistisch erzogenen Schüler wird der Unterricht eines Jugendsoldaten in der Schule nicht zum Krieger machen.
    Und wer aus freien Stücken den Beruf des Soldaten in Kenntnis aller seiner Risiken wählt, der sollte auch die Freiheit haben, seinen Berufswunsch zu leben.

    Was dann hinterher mit dem Instrument „Bundeswehr“ angestellt wird – welche Einsätze befohlen werden – das ist eine andere politisch zu entscheidende Frage, die von der Frage Bundeswehr in den Schulen unabhängig zu betrachten ist.

  3. Natürlich sollte die Schule – wenigstesn im Unterricht – eine militärfreie Zone sein, das müßte in den neuen Bundesländern auch 20 Jahre nach der Einheit selbstvberständlich sein, denn sicher erinnern sich die ehemaligen Ossis noch an ihren Wehrkundeunterricht und die simple Logik, dass der „Friede bewafffnet“ sein müsse, die ihnen da wenn es sein mußte auch im Wehrsportlager eingebleut wurde.

    In Westberlin war den Leuten der „Kampagne gegen Militär- und Zwangsdienste“, die auch Totalverweigerer betreuten, der Zugang zu den Schulen verwehrt, den Jugendoffizieren der Bundeswehr aber nicht. Geich nach der Einheit wurde die Wehrpflicht auch auf das bislang vom Militär unbehelligte (West)berlin ausgedehnt, fand aber wenig Anklang und die Zahl der Wehrdeinstverweigerer war immens hoch –
    ich ernnere mich kaum an einen Schüler der sich hat ziehen lassen. Die meisten haben verweigert, viele, auch durchaus sportliche Typen,, waren
    plötzlich untauglich.
    Es gab aber auch andere Geschichten, böse Übergriffe bei der ärztlichen Untersuchung bei der Musterung. Da wurden einem Asthmatiker schonmal Histamine gespritzt, so dass er glaubte zu ersticken. Als ich ihm riet, gegen den Musterungsarzt juristisch vorzugehen, sagte er mir nur, dass er das nicht könne, sein Vater sei Polizist. Da war ich sprachlos.
    Das war also das Ergebnis meines emanzipatorischen Sozialkundeunterrichts.

    Vielleicht noch ein Erlebnis: Da kam ein Jugendoffizier in unsere Schule, den die Schülervertertung an einem Nachmittag eingeladen hatte – also kein offizieller Unterricht, eine freiwillige Veranstaltung der SV, die kann das machen.
    Da kam ein Jugendoffizier, der den Dialog mit der Jugend führen sollte, und es stellte sich heraus, der Mann hatte einen Gehörschaden, für den er sich entschuldigte, denn er kam von der Arttillerie.
    Ich war nahe daran zu fragen, ob sein Vorgesetzter vielleicht der brave Soldat Schweyk sei, aber so hoch ist der brave Schweyk ja nicht aufgestiegen, der zu uns sprach war ein Obderst.

  4. Hartmut Lindner:
    „…Es gab aber auch andere Geschichten, böse Übergriffe bei der ärztlichen Untersuchung bei der Musterung. Da wurden einem Asthmatiker schonmal Histamine gespritzt, so dass er glaubte zu ersticken. Als ich ihm riet, gegen den Musterungsarzt juristisch vorzugehen, sagte er mir nur, dass er das nicht könne, sein Vater sei Polizist. Da war ich sprachlos…“

    Ich kann mir so etwas allenfalls dergestalt erklären, daß es sich um einen von der Berliner Polizei übernommenen ehem. Volkspolizisten mit damals tatsächlich ungesicherten laufbahnrechtlichen Status handelte, der sich aus eigenem Antrieb nicht traute, gegen Derartiges vorzugehen.

    Hätte mir einer meiner Mitarbeiter (…auch ich hatte mehrere ehemalige Volkspolizisten in meinem Kommissariat als Mitarbeiter…) von einem deratigen Vorfall erzählt, wäre ein von Amts wegen eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen den Arzt die zwangsläufige Folge gewesen – ohne die befürchteten Folgen für den Polizisten!

  5. Lieber Thomas!
    Nein, nein, der Vater des zu Musternden war ein Westberliner Polizist, ein Mann
    der seinem Staat total vertraute und den Bericht seines Sohnes nie akzeptiert hätte, das ist es ja, was mich so betroffen gemacht hat. Der Sohn hat seinen Vater gefürchtet.
    Ich weiß nicht, ob der Musterungsarzt ein aus der NVA übernommener Mitarbeiter war, es gibt keinen Hinweis dafür. Ich weiß nicht, wie die Bundeswehr ihr Musterungssystem aufgebaut hat, ob sie Leute im Westen mit der „Buschprämie“ angelockt haben oder NVA-Ärzte übernommen haben. Wenn sie NVA-Ärzte übermommen haben , dan aben sie die unter die Aufsicht von Wessis gestellt – Buschprämienleute (vermute ich).
    Ich glaube nicht, dass das ein Ost-West-Konflikt ist. Es ist eine Geschichte
    des Militärs. Und der menschenverachtenden Fleischbeschau, um die es bei der Musterung geht. Manche Musterungsärzte entwickeln vielleicht auch einen Jagdinstinkt, denn es gilt die Simulanten zu enttarnen. Da kann dann schon mal einem Asthmatiker eine Histamininjektion verabreicht werden,
    zulässig ist das nicht, das steht außer Frage. Das würde uns auch unser Herr von und zu Gutenberg konzedieren.
    Aber, wo kein Kläger ist, da ist kein Richter und da war die Haltunhg des Vaters des zu Musternden eindeutig. Das war auch ein Beispiel des Mißbrauchs von elterlicher Gewalt.

  6. Hartmut – wie gesagt – das wundert mich sehr… aber gut, fragwürdige Menschen und Auffassungen gibt es offenbar überall.

    Ich meinte das mit dem übernommen Volkspolizisten im übrigen nicht als Frage eines Ost-West-Konflikts.

    Ich meinte es vielmehr in dem Sinnne, daß es tatsächlich auch nach meinen Erfahrungen nach der Wiedervereinigung unter den übernommenen Volkspolizisten Viele gab, die sich aus Angst entlassen zu werden, unterduckten und sich selbst in groben Fällen und Fehlentscheidungen nicht trauten, den Mund aufzumachen.
    Ich selber habe damals als Kommissariatsleiter die rücksichtslose Schichtdienstversetzung einer Mutter zweier kleiner Kinder, deren Mann bereits im Schichtdienst beim BGS (heute Bundespolizei) tätig war, und die aus Angst keine Gegenwehr gegen die drohenden Härten leistete, rückgängig machen können.

    Ein solcher Fall wäre mir als Hintergrund Deiner Geschichte durchaus plausibel erschienen.

  7. Einladung zur Gründung einer Initiative:

    „Schule muss militärfreier Raum bleiben“

    Bezirkselternausschuss Friedrichshain-Kreuzberg fordert Informationsrecht für Eltern und Garantie der Ausgewogenheit

    Wie die Berliner Presse seit Monaten berichtet, wirbt die Bundeswehr verstärkt unter Berliner Schülern – unseren Kindern. Speziell ausgebildete Offiziere der Bundeswehr haben in den vergangenen drei Jahren fast ein Drittel aller Berliner Oberschulen besucht und im Unterricht Informationsveranstaltungen abgehalten. Der Bezirkselternauschuss Friedrichshain-Kreuzberg fordert, dass Schulen zu Beginn des jeweiligen Schulhalbjahres uns Eltern über geplante Veranstaltungen mit dem Militär informieren. Diese Information steht uns Eltern zu und muss uns garantiert werden.

    Eine Anfrage an die zuständige Schulaufsicht vom 31.01.2010, ob in Friedrichshain-Kreuzberg Bezirk derartige Veranstaltungen in der Vergangenheit durchgeführt wurden, blieb unbeantwortet.

    Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages vom März dieses Jahres kommt zu dem Schluss, dass die Bundeswehr nach geltendem Recht grundsätzlich Informationsveranstaltungen an Schulen anbieten darf. Es wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die jeweilige Schule auf die Ausgewogenheit und Neutralität der Information zu achten hat. Laut Landesschülervertretung kommt es jedoch häufig zu einer Verwischung der Grenzen von Information und Rekrutierung.

    In Zeiten von Jugendarbeitslosigkeit und Führungskräftemangel bei der Bundeswehr stellt sich diese in ihren Werbeschriften als „normaler (Ausbildungs-) Betrieb“ für bewaffnete Entwicklungshelfer dar und wirbt mit der Möglichkeit, bei ihr Freiheit und Abenteuer zu genießen. Wir befürchten, dass die Risiken und oft traumatischen Nebenwirkungen des „Soldatenberufs“ in den Werbeveranstaltungen zu kurz kommen – wenn militärkritische Stimmen fehlen. Weil für unsere Kinder Anwesenheitspflicht besteht, fordern wir eine Garantie, dass zu den Veranstaltungen der Bundeswehr friedenspolitische oder antimilitaristische Organisationen im Sinne der Ausgewogenheit hinzugezogen werden.

    Die neuen Aufgaben des deutschen Militärs als Armee im (weltweiten) Einsatz und die Umdeutung des verfassungsmäßigen Verteidigungsbegriffs sind gesellschaftlich höchst umstritten. Wir verstehen das frühzeitige Werben der Bundeswehr als Werben um Akzeptanz für eine Militarisierung von Politik und Gesellschaft.

    Mittlerweile existieren in fün Bundesländern Kooperationen zwischen Armee und Kultusministerien. Mit kostenlosen Lehrerfortbildungen, dem Erstellen von Unterrichtmaterialien und Videospielen versucht die Bundeswehr, die Einstellung der Jugendlichen zu beeinflussen. Leider mit erschreckendem Erfolg: Das Durchschnittsalter der Soldaten der bundesdeutschen „Armee im Einsatz“ liegt bei 19 Jahren.

    Die Institutionalisierung der Zusammenarbeit von Militär und Schule macht uns Sorgen. Obwohl die geltende Rechtslage Militärveranstaltungen an Schulen zulässt, sprechen auch wir uns – wie der BEA und Bezirksschulbeirat Steglitz-Zehlendorf – für die Schule als militärfreien Raum aus. Um uns auch politisch Gehör zu verschaffen, laden wir zur

    Gründung einer gemeinsamen „Initiative Militärfreie Schule“ von Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen am Dienstag, den 18.05.2010 von 19.00 bis 21.00 Uhr ein

    Ort ist die Mensa der Heinrich Zille Grundschule, Waldemarstr. 118, 10997 Berlin (Anfahrt: Bus 140, Bus 229, U-Bahn Görlitzer Bahnhof – bitte Eingang Manteuffelstr. Benutzen).

  8. @ Bert:
    danke für diese aktuellen Infos „aus der Berliner Nachbarschaft“. Die Gegend um den Görlitzer Bahnhof kenne ich ziemlich gut, habe viele Jahre quasi um die Ecke gearbeitet.
    Was den Text betrifft gehe ich mal davon aus, dass er von dir stammt oder du berechtigt bist ihn zu veröffentlichen. Für ein Zitat wär´s ein bisschen lang.

  9. @Bert Schilden: Die Initiative findet meine volle Unterstützung. So etwas sollte auch in Brandenburg etabliert werden. Weise doch bitte hier im Blog immer wieder auf diese Termine hin. Auch in Brandenburg sollten solche Initiativen entstehen und dafür sorgen, dass militärisches Denken gerade nicht in unseren Schulen salonfähig wird oder bleibt und zum Allgemeingut wird.

  10. @ Klaus:
    Gute Idee, darüber sollten wir uns mal näher unterhalten!