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Organisierte Verantwortungslosigkeit? – MOZ-Leser zur Kritik am Barnimer Jugendamt

Erst ein Jahr alt war der Junge, als er vor ein paar Tagen wegen Unterernährung ins Bernauer Krankenhaus eingeliefert wurde. Vorausgegangen war offensichtlich eine Kette von Pannen im Barnimer Jugendamt. Schon Tage zuvor hatte eine Tagesmutter ihre Sorge um das Kind geäußert, konnte damit aber keine Reaktion auslösen.

Carsten Bockhardt, der amtierende Landrat, hat sich gestern gegenüber der Märkischen Oderzeitung  zu den Vorwürfen geäußert und Fehler innerhalb der Behörde eingeräumt. In der Diagnose des Verwaltunsgchefs handelt es sich um ein Kommunikationsproblem, dass mittels eines „standartisierten Anrufverfahrens“ geheilt werden soll. Eine Art „To-do-Liste“  an die Adresse der Tagemütter und Schulung der Mitarbeiter des Jugendamtes soll das Präventionsverfahren abrunden.

Thomas Dyhr sieht in seinem heute erschienenen Leserbrief  vor Allem die Leitungsebene in Pflicht und Verantwortung. „Unverbindliche Kritikgespräche und Lehrgänge“ seine im Grunde nicht mehr als eine

„Beruhigungspille für eine fassungslose Öffentlichkeit, damit die Vorgänge aus dem öffentlichen Gedächtnis schnellstmöglich geräuschlos versenkt werden.“


Egal von welcher Seite man das Geschehenbetrachtet, argumentiert der Schönower weiter,

„kommt immer eine Person ins Blickfeld. Das ist der/ die Vorgesetzte dieses Amtes, der/ die entweder die Pflichten zur sachgerechten Organisation der Dienststelle und ihrer Arbeitsabläufe vernachlässigte und damit diese Pannen ermöglichte oder aber möglicherweise einen schlicht unterirdischen Führungsstil zu pflegen scheint, der Mitarbeiter von einer Übernahme von Verantwortung abschreckt.“

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25 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Ich möchte in dieser Sache niemanden und keinen in Schutz nehmen. Das sich der politische Mitbewerber (Herr Dyhr) hier in solcher Art und Weise zu Wort meldet ist gelinde gesagt befremdlich.

    Stefan schreibt (oder die MOZ) „…Vorausgegangen war offensichtlich eine Kette von Pannen im Barnimer Jugendamt. …“. Hierzu sein festgestellt, hier scheint es ein Versagen zu aller erst der Eltern des Jungen gegeben zu haben. Der ewige Schrei nach dem Staat ist kaum zu ertragen. Eltern, Verwandte, Nachbarn….. wir sind EINE Gesellschaft. Eine Gesellschaft in der Menschen miteinander leben und nicht nebeneinander. Keiner ist anscheinend eingeschritten. Jetzt wird das Manko bei einer Behörde gesucht, mit populistischen und geifernden Argumenten, die nichts mit der Sache zu tun haben. Wohl auch nur, um irgendwas zu sagen und schnell und billig eine Stimme zu kassieren.

    Die Kolleginnen und Kollegen in der KV können nur auf das reagieren, was ihnen mitgeteilt wird. Die Aussagen von Frau Ulonska klingen eindeutig. Verbesssungen kann es immer geben. Aber nicht in diesem Ton und nicht mit diesen Argumenten. Die sind der Sache nicht zuträglich.

    Schön ist, das sich das Netzwerk für gesunde Kinder der Sache angenommen hat. Dieses gilt es zu unterstützen. Im politischen Raum hat dieses Netzwerk auf alle Fälle meine Unterstützung. Ehrensache.

    Für den Jungen wünsche ich Gesundheit und Gottes Segen und Menschen, die ihm Liebe und Aufmerksamkeit schenken.

  2. Lieber Her Wiegand, vielleicht erläutern Sie uns zunächst einmal, wofür Ihrer Meinung nach das Jugendamt des Kreises da ist? Besser ist aber, Sie lesen erst einmal den Artikel der „Märkischen Oderzeitung“ zu dem Vorfall ? Dann werden Sie nämlich zur Kenntnis nehmen müssen, dass das Jugendamt informiert wurde. Was daraufhin – bis zur „Entschuldigung“ des amtierenden Landrates- folgte ist keine ganz normale Panne, sondern eine Schande! Schönreden und Abwiegeln nutzt hier gar nichts. In der KV müssen endlich personelle Konsequenzen folgen.

  3. Werter Herr Wiegand,
    Sie übersehen bei Ihrer Kritik an meinem Standpunkt und meinem Leserbrief einen ganz entscheidenden Punkt – d e n entscheiden Punkt.

    In diesem Fall hatte die Tagesmutter auf das vorhergehende Versagen der offenbar überforderten Kindesmutter reagiert und wollte – genau wie Sie forderten – einschreiten, indem Sie das Jugendamt einzuschalten versuchte! Die Frau ist im Jugendamt wie ein Wanderpokal weitergereicht worden, weil sich niemand für zuständig erklärte. Anschließend ist die Information über die Meldung mangels Zuständigkeit nicht weiterbearbeitet, aber auch nicht weitergemeldet worden.

    Nun will sich der amtierende Behördenleiter damit herausreden, daß kein Handlungsbedarf erkannt worden sei, weil ein „Kindgefährdungsbogen“, welcher Tagesmüttern nicht einmal vorliegt, geschweige denn bekannt ist, nicht ausgefüllt worden wäre.

    Die größte Härte ist die in der MOZ verlautbarte These des Herrn Bockhardt, daß das Jugendamt wohl reagiert hätte, wenn wohlgemerkt die T a g e s m u t t e r dem Jugendamt berichtet hätte, daß die Kindesmutter als problematischer Fall dem Jugendamt bereits bekannt ist…
    Das kann doch wohl nicht der Ernst von Herrn Bockhardt sein!

    Dieser Vorfall ist nicht zu beschönigen und schon gar nicht mit vorgeschobenen Scheinargumenten kleinzukochen, sondern ist der Ausdruck organisierter und wiederholter Verantwortungslosigkeit einer Behörde, die vor gar nicht langer Zeit in Löhme in einem vergleichbaren Fall versagte.
    Meine Kritik hat nichts zu tun mit „populistischen und geifernden Argumenten der schnellen Stimme wegen“, wie Sie der Leserschaft glauben machen wollen, sondern ist das Aufzeigen der Fragwürdigkeit dessen, was hier als Verwaltungshandeln geboten und als Erklärung verlautbart wird.

    Nach Pannen Arbeitsabläufe zu optimieren ist Aufgabe der Vorgesetzten einer solchen Dienststelle – ja – und welche Konsequenzen wurden nach dem Vorfall von 2008 gezogen?
    Frau Ulonska hatte – so schrieb es Klaus Geisler in einem weiteren Leserbrief in der MOZ – seinerzeit einen Wiederholungsfall ihm gegenüber ausgeschlossen.
    Nun ja – offenbar ist nichts Wirkungsvolles seinerzeit passiert, sonst hätte es ja diesen Fall wohl nicht gegeben.

    Fehler im Jugendamt im Umgang mit Fällen problematischer Familiensituationen können tödlich enden. Tragische Fälle dieser Art gab es in der Vergangenheit bereits zuhauf.
    Und in diesem Problemfeld ist ein kritischer Blick der Öffentlichkeit auf die Abläufe angezeigt – um ein unverbindliches Kleinkochen der Dinge und Wiederholungsfälle zu verhindern.
    Personelle Konsequenzen in welcher Form auch immer – und seien es Stellenneubesetzungen oder Umstrukturierungen – zu prüfen, fordern und durchzusetzen ist Sache des Kreistages und entsprechende Informationen hat der Kreistag jetzt – also wo ist ihr Problem?

  4. @Herr Dyhr
    Dann gehe ich einen Schritt zurück.
    Frage an Sie: Haben Sie mit der Tagesmutter, den sachbearbeitenden MitarbeiterInnen des Jugendamtes, Frau Ulonska oder Herrn Bockhardt persönlich über die Abläufe in diesem Fall gesprochen oder stammt ihr Wissen aus der Zeitung?

  5. Frau Rakitin legt heute in der MOZ noch mal sehr fundiert nach. Die Tagesmutter hat danach insgesamt dreimal im Jugendamt angerufen. Da Frau Rakitin kein Blöd-Zeitungsniveau vertritt, verstehe ich den letzten Beitrag von Herrn Wiegand zunächst einmal als Unterstellung gegen einen seriösen Journalismus und zweitens weiterhin als plumpe Abwiegelei im parteipolitsichen Sinne. Im übrigen wird der Vorfall von Bockhardt nicht mal bestritten. Allerdings befürchte ich, das alle Argumente an Herrn W. abprallen werden, denn ihm geht es genau um das, was er Herrn Dyhr unterstellt: „populistische und geifernde Argumente der schnellen Stimme wegen”. Gottes Segen spenden und dann weiter Wegsehen reicht nicht, Herr Wiegand!

  6. Es schreit doch zum Himmel, wenn hier die Ämter in Schutz genommen werden. Als erstes kann man „nur weil man plötzlich volljährig ist“ die Hilfe, die der jungen Mutter schon vom Jugendamt gewährt wurde, von einem auf den anderen Tag nicht einfach nehmen. Und zu sagen, das der Junge schon immer zart gebaut war, ist wohl auch totaler Blödsinn. Denn man sieht ganz genau, ob ein Kind unterernährt oder ob es wirklich zart gebaut ist. So kann man auch die Schuld versuchen, von sich zu weisen.
    Es gibt Verfahrensweisen, wie man mit Hinweisen, die die Tagesmutter hier desöfteren gegeben hat, umgehen muss. Ob ein Fall schon aktenkundig im Jugendamt ist, das ist auch sehr schnell feststellbar. Schließlich leben wir im Zeitalter der Computertechnik.
    So etwas darf einfach nicht passieren, dass solche Hinweise, wie von der Tagesmutter nicht ernst genug genommen werden. Selbstverständlich hat hier auch das Amt versagt, ob es nun der einzelne Mitarbeiter oder die Vertretung oder sonst wer ist. Aber einen Fehler einzugestehen ist der Verwaltung schon immer fremd gewesen, ein Fehler, welcher einem kleinen Kind das Leben hätte kosten können.

  7. …. ach ja, da haben Sie vollkommen recht Herr Dr. Steiner, das ist wirklich schon bemerkenswert, warum das alles erst nach der Landratswahl offenkundig wird. Solange man die Öffentlichkeit braucht, darf man seine eigene Weste eben auch nicht beschmutzen.

  8. @Luise K.
    Ganz recht.
    Was mir besonders nicht schmeckt, sind diese bruchstückhaften Wahrheiten, die uns die Kreisverwaltung Barnim wieder einmal offeriert. Warum wird jetzt nicht alles klar auf den Tisch gebracht, was in der Sache fehl gelaufen ist?

  9. Werte Luise K.
    Sie haben einen weiteren wichtigen Punkt in dieser Angelegenheit angesprochen, der bei der Revision der Bearbeitungsabläufe in der Kreisverwaltung gleich überprüft und ggf. in Angriff gegeben werden sollte.
    Wenn man volljährig wird ist man trotz allen Bemühens noch nicht erwachsen. Das kann ich schon vor meinem Hintergrund als Vater einer nunmehr 21jährigen Tochter bestätigen.
    Es ist einfach wichtig, den jungen Menschen nach der Entlassung aus der Fürsorge des Jugendamtes – und sei es nur als loses Band – einen Ansprechpartner/ Familienhelfer zuzuteilen, der als Ansprechpartner und Helfer in schwierigen Lebenslagen und bei Überforderungsproblemen zur Verfügung steht.
    Die Schnittstelle zwischen Jugendamt und behördlicher Familienfürsorge sollte überarbeitet werden, um eine nahtlose Übergabe der Klienten zu gewährleisten.
    Wenn es an dieser Stelle zum Abfangen der jungen Menschen nach der Entlassung aus der Fürsorge ungedeckten Bedarf gibt, den die Kreisverwaltung nicht leisten kann, muß man darüber reden, wie der Bedarf gedeckt werden kann und ggf. auch ehrenamtlich mit finanzieller Unterstützung des Kreises oder Ortes was auf die Beine stellen.

  10. In die Sache kommt jetzt endlich in Bewegung rein: Barnims Sozialdezernentin Silvia Ulonska gerät von mehreren Seiten in die Kritik:

    MOZ-Artikel: Jugendamt: Ulonska spielt Vorfall runter
    http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Eberswalde/id/319599

    MOZ-Artikel: Sozialdezernentin redet sich raus
    http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Bernau/id/319608

    Meinen Glückwunsch an die MOZ-Redakteurin Sabine Rakitin, die den Mut hat, dieses heiße Eisen anzufassen und klare Worte zu formulieren!
    Auch unter der Gefahr, sich beim Landkreis „unbeliebt“ zu machen.

  11. Zur Diskussion hier die gemeinsame Presseerklärung der SPD-Fraktion und der CDU-Fraktion im Kreistag Barnim, die wahrscheinlich nicht durch die „mutige“ Frau Rakitin in Gänze veröffentlicht wird:

    Neue Leitung und Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
    Zur Situation im Jugendamt des Landkreises Barnim

    Eberswalde. Die Fraktionen von SPD und CDU begrüßen ausdrücklich, dass die Umstrukturierungen und personellen Veränderungen im Jugendamt abgeschlossen sind.
    Die Fraktionsvorsitzende der SPD- Fraktion im Kreistag Barnim, Petra Bierwirth: „Der jüngst bekannt gewordene Fall war ein Anlass, die Arbeitsabläufe im Jugendamt einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sensibilisiert, die neue Struktur hat sich bewährt. Jetzt ist Vertrauensbildung wichtig. Die zweifelsohne berechtigte öffentliche Aufmerksamkeit darf nicht zu einer ungerechtfertigten Pauschalverurteilung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes fu?hren oder für eine Kampagne gegen einzelne Mitarbeiter missbraucht werden. Im Gegenteil: die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses haben bewiesen, dass mit guten Verbesserungsvorschlägen für eine optimierte Kommunikation sachdienliche und vorwärts bringende Kritik möglich ist.“
    Im Jugendhilfeausschuss des Kreistages Barnim hatte am Mittwoch dieser Woche die Dezernentin für Sozialangelegenheiten, Silvia Ulonska, über den zuletzt bekannt gewordenen Fall eines einjährigen Jungen, der wegen des Verdachtes auf Unterernährung in ein Krankenhaus eingewiesen worden war, berichtet.

    Sicherheit und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stehen zunehmend im öffentlichen Interesse. Die Sensibilität für und die Wahrnehmung von Problemfällen in Nachbarschaft und Lebensumfeld sind in den letzten Jahren angestiegen.

    Eine steigende Anzahl von Fällen wird auch dem Jugendamt Barnim gemeldet, den Hinweisen wird nachgegangen. Bei diesen Hinweisen gibt es auch Grenzfälle. Nicht in jedem Fall liegt eine Kindswohlgefährdung vor. Jeder einzelne dieser Hinweise ist wertvoll, denn er stellt unter Beweis, dass die Barnimerinnen und Barnimer hinsehen statt wegschauen.

    Eine wichtiges Amt – wie es das Jugendamt ohne Zweifel ist – bedarf einer fachlich versierten Führung. „Die vakante Stelle der Jugendamtsleiterin/ des Jugendamtsleiters muss daher umgehend adäquat besetzt werden“ forderte Danko Jur, Fraktionsvorsitzender der CDU- Fraktion im Kreistag Barnim und ist sich dabei der Unterstützung durch die SPD sicher.
    Die Erfolgsaussichten einer erneuten Ausschreibung zu gleichen Bedingungen werden von beiden Parteien jedoch als kritisch angesehen.
    „Wir werden uns im Kreistag Barnim darüber unterhalten müssen, warum es uns bei zwei Besetzungsverfahren nicht gelungen ist, tatsächlich geeignete Kandidaten zu finden“, so Petra Bierwirth.

    Zahlreiche geeignete Bewerberinnen und Bewerber haben mit Blick auf die Bezahlung im öffentlichen Dienst von einer Zusage abgesehen und eine Anstellung bei Trägern der Jugendhilfe vorgezogen. „Auch diesen Aspekt gilt es beim dritten Anlauf der Neubesetzung zu berücksichtigen, denn die müsse schließlich gelingen.“ so Danko Jur abschließend dazu.

    Quelle: spd-barnim.de

  12. Lieber R. Frank,
    ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber das was Sie von der SPD-Barnim a la Bierwirth wiedergeben, erinnert micht sehr an professionelles, beschwichtigendes Politikergewäsch.
    Das Problem ist, dass die SPD keinem (und auch sich selbst nicht) weh tun möchte. Letztendlich muss aber, da die Angelegenheit mittlerweile hoch angehängt ist, lückenlos aufgeklärt und Verantwortliche ausgemacht werden. Da führt kein Weg daran vorbei, auch wenn die Beteiligten aus Verwaltung und Politik derzeit noch zusammenhängen wie Pech und Schwefel.

  13. 1. Diese Art von Presseerklärungen aus Barnimer CDU und SPD erinnern mich jedesmal an Otto Waalkes, als der den SPD-Kanzler Schmidt anläßlich eines Staatsbesuches des chinesischen Ministerpräsidenten parodierte: „Herr Hua Ragout-feng und ich werden demnächst heiraten. “ Spaß beiseite, die Sache mit dem Barnimer Jugendamt ist sehr ernst. Es geht aber hier um grundsätzliche Fragen der Parteienpolitik hier im Barnim. Und nicht zum ersten Mal frage ich mich, warum sich Bierwirth- und Bockhardt-Partei nicht gleich zusammenschließen? Auch die FDP noch mit rein in den Verein ! Würde doch auch Steuergelder (Parteienfinanzierung!) sparen! Und frische Ideen nach 18 Jahren Muff oder gar Mut zu Konsequenzen nach so deutlichen Fehlleistungen haben doch alle drei schon lange nicht mehr, es geht doch seit Jahren nur noch um Machterhalt in diesem plastifizierten Landkreis. Was mich aber am meisten ärgert – weil ich es aus DDR-Zeiten so gut kenne- sind die vielen kleingeistigen Mitläufer, die diese Art von „Politik“ auch noch ständig so wütend verteidigen.
    2. Ich verwahre mich schon seit Jahren gegen die Masche,in jedem Fall den Boten der schlechten Nachricht für die schlechte Nachricht verantwortlich machen zu wollen. Insofern können Sie, Herr oder Frau Frank, auf die Gänsefüßchen beim Eigenschaftswort >> mutig >> gern verzichten, denn Frau Rakitin hat das Chaos im Jugendamt nicht angerichtet. Nie wieder, und das prägen Sie sich bitte ein oder denken Sie wenigstens mal kurz darüber nach, sollten sich mutige Menschen, zu denen ich Frau Rakitin ohne Wenn und Aber zähle, den Mund verbieten lassen. Nie wieder, auch oder gerade nicht aus Gründen der Parteidisziplin. Auch nicht, wenn sich noch soviele drittklassige Provinzbonzen geärgert fühlen…

  14. Es ist ja an sich sehr ehrenwert, dass sich Frau Bierwirth gegen pauschale Verurteilungen von Mitarbeitern des Jugendamtes aussprichte. Das Problem ist nur, das dies keiner tut oder auch nur ansatzweise vorhat.
    In sofern ist es Frau B. selbst , die die Angestellten als Schuldige in Position bringt. Das ist offensichtlicht bequemer als sich mit strukturellen Schwächen und Problemen auf der höheren Leitungsebene zu beschäftigen. Zielführend, im Sinne einer Verbesserung der Arbeitsgrundlage und der Prävention von Fehlern ist es sicher nicht.

    Auch die Äußerung von Herrn Jur geht meines Erachtens in die Richtung einer Phantomdiskussion.Selbst bei einer Verdopplung der Bezüge wird sich ein geeigneter Jugendamtsleiter schwer finden lassen, wenn die Ursachen- bzw. Fehleranalyse der anstellenden Verwaltung sich erkennbar auf Beschwichtigungen und oberflächliche „Symptombehandlungen“ beschränkt.

    Kein versierter1. Offizier der halbwegs bei Trost ist heuert ohne Not auf einem Schiff an, dessen Erbauer Konstruktionsfehler einfach übertünchen und Lecks mit Seife stopfen wollen.

  15. Pingback: Pressespiegel zur Diskussion um das Barnimer Jugendamt – Von Stefan Stahlbaum

  16. Dass sich bei den vielen Erwerbslosen im Land (auch mit fachqualifizierter Berufserfahrung im Jugend- und Sozialbereich!) kein geeignete/r Jugendamtsleiter/in finden wird, halte ich für einen ausgemachten Quatsch.
    Trifftiger wird es allerdings dann, wenn man fragt, ob es sich jemand freiwillg antuen möchte, unter Frau Ulonska tagtäglich zu arbeiten zu müssen…

  17. Natürlich sind nicht die einzelnen Mitarbeiter der Stein des Anstoßes.
    In diesem Fall kann nur die nachhaltige Analyse der Struktur der Jugendverwaltung einen Neuanfang ermöglichen.
    Weshalb Frau Bierwirth meint, die Struktur habe sich bewährt, ist nicht nachvollziehbar und dürfte wohl vor allem politisch motiviert sein?!
    Offensichtlich stimmt ja eben an der Struktur einiges nicht, wenn Anrufe von einer besorgten Tagesmutter nicht richtig wahrgenommen bzw. ernst genommen werden.
    Weshalb traut sich in der Verwaltung (hier Herr Bockardt) niemand, von außen auf die Organisation schauen zu lassen, zu analysieren und dann zu entscheiden, endlich die Leitung des Leiters des Jugendamtes (hoch genug dotiert) neu auszuschreiben und auch über die Neuverteilung der Zuständigkeiten der Dezernenten nachzudenken? Könnten nicht endlich eine Fachfrau/ein Fachmann auf der Stelle des Jugendamtleiters (mit Erfahrungen in der Jugendhilfe, so die gesetzlichen Anforderungen) dafür sorgen, dass die Dezernentin überflüssig wird und dadurch der gewählte und mit öffentlichem Vertrauen ausgestattete Person, weil demokratisch gewählt, (derzeit Herr Bockardt) den Dezernenten“job“ (mit)macht? Die derzeitigen „Nibelungentreueschwüre“ durch Bierwirth und Bockardt, SPD und CDU und der Verweis darauf, alles sei in Ordnung, dürften zur Zeit wohl eher das falsche Signal sein.
    Und : Weshalb denken die Entscheidungsträger auch nicht einmal um die Ecke, wie es Frau Dr. Schlenther in der MOZ vom 20.3.10 gemacht hat? Auf ihren Vorschlag von einzelfallbezogenen „Helferkonferenzen“ sollten die Beteiligten dringend eingehen und prüfen, wie weit dies schon heute möglich sein kann, auch wenn dazu sind u.U. Rechtsänderungen nötig sind, aber das ist doch auch die Aufgabe von Parteien, so etwas zu initiieren. Die Ausgabe von „Kopf in den Sand“ und „alles wird gut“ – Parolen hilft nicht weiter.

  18. Dr. Valentin: „Insofern können Sie, Herr oder Frau Frank, auf die Gänsefüßchen beim Eigenschaftswort >> mutig >> gern verzichten, denn Frau Rakitin hat das Chaos im Jugendamt nicht angerichtet. Nie wieder, und das prägen Sie sich bitte ein oder denken Sie wenigstens mal kurz darüber nach, sollten sich mutige Menschen (…) den Mund verbieten lassen. Nie wieder, auch oder gerade nicht aus Gründen der Parteidisziplin. Auch nicht, wenn sich noch soviele drittklassige Provinzbonzen geärgert fühlen…“

    Herr Doktor Valentin, hier vermischen Sie wieder einmal Ihre allgemeine Parteienkritik mit dem Vorfall im Jugendamt.
    (1) Ich habe die Mitteilung, auf die ich in diesem Zusammenhang gestoßen bin, hier wiedergegeben. Ich spreche weder für CDU noch für die SPD oder fühle mich ihnen persönlich verbunden.
    (2) Die enge, sagen wir Verzahnung, von Funktionären der Partei „DIE LINKE.“ und der Bernauer MOZ-Redakteurin Sabine Rakitin muss selbst Ihnen, als partei-politisch unabhängigen und kritischen Beobachter, aufgefallen sein. Zu „Mut“ gehört, aus meiner Sicht, etwas mehr als in der politischen Berichterstattung nur das Sprechrohr einer bestimmten Denkrichtung zu sein. Aber dafür bietet ja das Blog hier eine gute Möglichkeit, sich auch außerhalb von MOZ und BBP zu informieren.
    (3) Es gibt immer mehrere Wahrheiten. Der Vorfall gibt Anlass zur Kritik und sollte aufgearbeitet werden. Jedoch sagt der Arzt, es gab keine Gefährdung des Kindes.
    Ist das ganze also nicht auch eine Kampagne gegen die Dezernentin Ulonska? War es nicht die Partei „DIE LINKE.“, die Interesse an dem Posten (mit einem konkreten Personalvorschlag) geäußert hat? Auch dafür bedarf es einer „mutige“ Berichterstattung.

  19. In ihrer morgigen Ausgabe hat die MOZ die CDU/SPD-Pressemitteilung (siehe Kommentar von R. Frank) unter dem Titel „Schützenhilfe für Ulonska“ zusammengefasst.
    Ich hab den Link gleich mal in unseren Pressespiegel zum Jugendamt-Thema eingefügt.

  20. Ich finde es sehr bemerkenswert, daß in der laufenden Debatte Schutzinstinkte zugunsten angeschossener Verantwortungsträger Vorrang haben vor einer schonungslosen Fehleranalyse und Fehlerbeseitigung.
    Stefan Stahlbaum hat völlig recht – solange die Absicherung errungener Posten Vorrang hat vor der inhaltlichen Arbeitsfähigkeit der fraglichen Behörde, wird es keine grundlegende Änderungen an den Arbeitsabläufen geben und jeder denkbar Befähigte wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, sich als Kanonenfutter in konservierten und mangelhaft arbeitsfähigen Strukturen verheizen zu lassen.
    Klar auch – jede Änderung der Abläufe wäre ein Eingeständnis, früher etwas grundlegend falsch organisiert zu haben. Und da sind wir wieder bei der von mir in meinem Leserbrief in der MOZ angegriffenen fehlenden Führungsleistung – der offenbar mangelhaft sachgerechten Arbeitsorganisation, die nun einmal Aufgabe der Führungskräfte einer Behörde ist.
    Aus d i e s e m Grund halte ich personelle Konsequenzen für angemessen. Wer im Schützengraben steckt, um sein früheres Handeln gegen Angriffe zu verteidigen, ist für die aktuellen Probleme und deren Lösung nicht mehr offen und lähmt damit die Arbeitsfähigkeit seines Bereichs.

  21. Pingback: Kinderschutz – Landkreis Barnim richtet Notrufnummer ein – Von Stefan Stahlbaum