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„Solarpark Weesow“ – Ein Projekt zwischen Bürgerfragen, Umweltschutz und Energiepolitik

Die Ausmaße wirken, so oder so, durchaus beeindruckend. Auf insgeamt 225 Hektar soll in Werneuchen , zwischen den Ortsteilen Weesow und Wilmersdorf, ein Solarpark entstehen. Im Dezember ebnete die Stadtverordnetenversammlung mit einem entsprechenden Bebauungsplan den Weg.

Nicht nur die unmittelbare Nähe zum Naturschutzgebiet „Weesower Luch“, sondern auch die Zweckentfremdung von Ackerland und der befürchtete Verlust von Naherholungsflächen hat eine steigende Anzahl Werneuchener dazu bewogen sich einer Bürgerinitiative anzuschließen. Vor allem aber gibt es viele offene Fragen, deren Beantwortung die Stadtverordnetenversammlung und der Projektentwickler den Bürgern offensichtlich schuldig sind. Auf der neuen Website der „BI Energiepark-Weesow“ heißt es hierzu:

„Viele fragen sich auch: Was hat Werneuchen eigentlich davon? Entstehen hier z. B. Arbeitsplätze? Gibt es einen wirtschaftlichen Vorteil für die Stadt und seine Einwohner? Was wird aus dem Tourismuskonzept, das sich gerade als zartes Pflänzchen entwickelt ? Und so weiter und so weiter.“


Wie die Märkische Oderzeitung heute berichtet plant die Stadt für den 18. März 2010 eine Informationsveranstaltung.
Die Stadtfraktion CDU/FDP hat bereits vor einigen Tagen in einer Presseerklärung Stellung genommen. Die umweltverträgliche Umsetzung, so der Fraktionsvorsitzende Mathias Wiegand, „war von Anfang an Grundlage unser Entscheidungen“. In den Projektentwickler „PROCON CONSULT“ setzt „Schwarz-Gelb-Werneuchen“ augenscheinlich großes Vertrauen. Es sein zu erkennen, dass „ durch die Firma (…) die Hinweise der Bürgerinnen und Bürger zum bestehenden Naturschutzgebiet „Weesower Luch“ ernst genommen werden.“

„Die Planungen orientieren sich gerade im Bereich Umwelt- und Naturschutz an diesem Aspekt. Aus unserer Sicht wird es dabei erhebliche Aufwertungen im Bereich des NSG „Weesower Luch“ geben, die bisher nicht stattfanden.“

Zur Frage der Tourismus-Verträglichkeit, so Wiegand,

„wurde der Verein Barnimer Feldmark e.V.(…) eingebunden. Auch hier wird dieses Projekt positiv bewertet und die Hinweise zur Einbindung in verschiedene Projekte (Randwanderwege, Naturschutz, EnergiePfad etc.) durch alle Projektbeteiligten positiv aufgenommen.“

Michael Luthardt, Landtagsabgeordneter der LINKEN, lässt in einem Leserbrief an die MOZ u.a wissen, dass für die Erzeugung von Solarenergie „keine landwirtschaftlichen Nutzflächen und Schutzgebiete“ genutzt werden sollten. Es gäbe im Barnim „genug Brachen, sowie belastete Flächen (…)“.

„Allein in den letzten 10 Jahren sind im Barnim jährlich durchschnittlich 250 ha aus der landwirtschaftlichen Produktion herausgenommen worden“.

Vertreter des Kreisverbandes von Bündnis90/Die Grünen wollen, so der stellvertretende Sprecher Thomas Dyhr, vor einer Positionierung in dieser Angelegenheit eine geführte Ortsbesichtigung absolvieren. Nach Möglichkeit wird auch Cornelia Behm, Sprecherin für ländliche Entwicklung und Waldpolitik der Bundestagsfraktion, daran teilnehmen.


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10 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Der Bauer, dem das Land dort gehört, verpachtet sein Land nicht, weil er es muss, sondern weil die Erträge, die der dortige Boden liefert zu gering sind, die Pachtgebühr ist also anscheinend höher, als dort die Landwirtschaft abgeworfen hat.

    Merkwürdig bei der ganzen „Initiative“ ist, dass dieser bloß Werneuchner Bürger angehören, so gut wie keine Weesower Bürger, nun gut, das Solar Feld würde man von Weesow aus gar nicht sehen.

  2. Auch die Löhmer Bürger sind betroffen.
    Hier wurde niemand informiert und befragt….
    Die Anlage geht bis zum ehemaligen Trappenhof . Es müsste wohl heißen
    “ Löhmer Energiepark“. Der Initiative sind Bürger aus allen Orten angeschlossen.
    Alle Bauern wissen, dass hier nicht die Magdeburger Börde ist, die LVB kann das Land ja auch bewirtschaften und jammert nicht nur rum.
    Mit ökologisch genutztem Land können wir den Treibhausgaseffekt sinnvoll senken, zumal hier in Brandenburg eine Versteppung beginnt, dass kann jeder in der Umweltstudie Potsdam nachlesen. Gerade aus diesem Grund sollten alle landwirtschaftlichen Nutzflächen erhalten und ökologisch bewirtschaftet werden. Wie soll es denn in 20 Jahren hier aussehen? Hier wurde nicht bis zum Schluss gedacht, aber wer gibt Fehler schon gerne zu.
    Letzendlich sind auch alle Bürger betroffen die hier ihr zu Hause haben.
    Heißt das Sprichwort jetzt : “ Landwirte zu Energieproduzenten“
    oder war es doch : “ Schuster bleibe bei deinen Leisten“

  3. Mittlerweile ist es einfach bloß peinlich, diese ganze Sache, hier wird sich doch bloß groß aufgespielt und auf „dicke Hose“ gemacht, von Weesow und Werneuchen aus würde man die Anlage gar nicht sehen.

  4. Zu dem geplanten Standort kann ich mich auch erst positionieren, wenn ich ihn gesehen habe. Allerdings habe ich gehört, daß besagte Fläche seit Jahren ungenutzt sein soll. Wenn das stimmt, warum dann die Aufregung?
    Was ich damit aber eigentlich in die Diskussion einwerfen möchte: Alles schreit nach erneuerbaren Energien, die Produktion will jedoch niemand in seiner Nähe haben. Wie entscheidet man nun richtig? Versauen wir die Luft weiter und haben zwanzig Jahre was zu essen oder sichern wir unsere Luft zum atmen und essen etwas anderes? Ist natürlich ein wenig einfach gestrickt, soll ja aber auch nur die Diskussion befördern.

  5. @Frank Müller:
    Was Sie ansprachen ist nicht einfach gestrickt, sondern trifft genau den Kernpunkt des Problems, weshalb sich der Kreisverband Barnim von Bündnis 90/ Die Grünen in der Sache auch noch nicht positioniert hat.
    Mit diesem Projekt werden zwei unserer wichtigen Kernanliegen gegeneinander in Stellung gebracht – der Natur- und Landschaftsschutz auf der einen Seite (zählen wir auch die Landwirtschaft mit dazu) und auf der anderen Seite die Frage der Energieversorgung, insbesondere der schlicht notwendige Ausbau erneuerbarer Energien, wenn man von Kohle und Atomstrom wegkommen will.
    Der Strom kommt eben nicht nur aus der Steckdose, sondern muß produziert werden – und das möglichst, ohne ganze Landschaften zu verwüsten, Dörfer von der Landkarte zu tilgen und über die Köpfe der Menschen hinweg Umsiedlungspläne ohne Rücksicht auf Verluste umzusetzen.
    Einen Königsweg gibt es nicht, sondern nur die Auswahl, welche Kröte am Besten schmeckt?
    Und diese Frage kann nur individuell vor Ort, anhand der Pläne und bei Betrachtung der Solidität des Investors geprüft und bewertet werden.

  6. Ich habe alles mit Interesse gelesen. Interessiert deshalb, weil in Werneuchen und rund um Gegener des Projektes entsprechende Plakate positionieren.
    Wenn die SVV Werneuchen einem solchen Projekt positiv gegenübersteht, ist sie auf dem richtigen Weg.
    Parteiübergreifend sollten sich schnellstens alle treffen, die zum Projekt was zu sagen haben, damit nicht über Köpfe hinweg entschieden wird. Schon die bisherigen
    Beiträge zu dieser Frage zeigen, dass eine achtungsvolles und zivilieiertes Umgehen
    miteinander möglich scheint.
    Schwer wird es wohl in jedem Fall, denn es droht das Szenario:
    „Spring ins Wasser aber mach Dich nicht nass“.

  7. Für den 12.03.2010 haben sich Vertreter von Bündnis 90/ Die Grünen mit Vertretern der Bürgerinitiative zu einer geführten Ortsbesichtigung auch im Beisein der Bundestagsabgeordneten Cornelia Behm verabredet, die – wie bereits geschrieben – mit als Grundlage für eine Meinungsbildung zu dem konkreten Projekt dienen soll.

    Die bei dem Weesower Projekt sichtbar werdende erforderliche grundsätzliche Abwägung zwischen Landschaftsschutz/ landwirtschaftlichen Belangen auf der einen und notwendigen alternativen Energiegewinnung auf der anderen Seite wird – völlig losgelöst von dem konkreten Projekt vor Ort – Gegenstand unseres Grünen Bürgerstammtischs am 26.03.2010 um 19:30 Uhr im Annenhof/ Werneuchen sein.
    Alle interessierten Bürger aus allen politischen Lagern sind herzlich eingeladen, mit uns zu diesem Thema zu diskutieren, wie der Spagat zwischen den widerstreitenden Polen zu lösen ist.
    Insofern – @Hans Buley – kommen Sie!
    Sie sind herzlich willkommen!

  8. Pingback: Alles eitel Sonnenschein? – Grüner Bürgerstammtisch zum geplanten Solarpark Weesow am 26. März 2010 in Werneuchen – Von Stefan Stahlbaum

  9. Pingback: Aus für Energiepark in Weesow? – Von Stefan Stahlbaum