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„Roter Adler“ von Jan W. zeigt den Barnim wie er wirklich ist

Es war einmal ein kleines Reich, das von einem Landrat regiert wurde. Je länger dieser im Amt weilte, umso mehr Menschen scharten sich um ihn. Menschen, die in seinem Lichte glänzen wollten. An dem mittlerweile recht einflussreichen Landrat kam schließlich keiner, der im Reich etwas werden wollte, mehr vorbei. Vor allem gab es keinen mehr, der es wagte, Kritik an seinen Regierungsgeschäften zu üben oder ihm gar frech zu widersprechen. Dies wiederum gab dem Landrat viel Selbstsicherheit und schließlich die Erkenntnis, dass er einfach der Beste und unersetzlich sei. Doch dann kam der Tag, an dem das Volk die Möglichkeit erhielt, seinen Landrat direkt zu wählen. Das missfiel dem alten Landrat sehr. Um weiterhin seine Macht zu sichern, müsste er nun mit viel Geld für sich selbst werben lassen, was er klugerweise dann auch tat.

Alles Erdenkliche musste getan werden, dass der Landrat weiterhin Landrat bleiben und die vielen Pfründe der Günstlinge gesichert werden konnten. Schnell wurden die besten Berater, die das Reich aufzubieten hatte, in den Wundervoll-Palast gerufen. Diese empfahlen, für das Volk ein Papier zu entwerfen, welches die Taten des Landrats überaus ruhmreich erscheinen lassen. Dabei war es den Verfassern des Lobbriefes egal, dass die Darstellungen häufig an der Realität vorbei gingen und die Schatten der Vergangenheit einfach unter den Tisch gekehrt wurden.

Zur gleichen Zeit lebte in einem anderen Teil des kleinen Reiches ein Musiker, der im Gegensatz zu unserem Landrat nicht alles so schick und schön fand und sich ernsthafte Sorgen um die Zukunft seiner Heimat machte. In seinen musikalischen Botschaften stellte er nicht nur die schönen Seiten des kleinen Reiches dar, sondern bemühte sich um mehr Objektivität. Zum Missfallen des Landrats und seinen Gefolgsleuten legte er mutig die Finger in die Wunden, sang und berichtete von einer hohen Arbeitslosigkeit und frustrierten unglücklichen Menschen, zunehmendem Alkoholismus, fehlenden Zukunftschancen und -visionen, Überalterung und Abwanderung, Industriebrachen, Wohnungsleerständen und Abriss, Gewässerverschmutzungen und anderen Umweltzerstörungen, Müll auf den Straßen, Grafitti-Schmierereien als auch von Protestaktionen des Volkes gegen den Bau einer Sondermüllverbrennungsanlage.

Wie die Geschichte ausgegangen und was aus dem alten Landrat und dem Musiker geworden ist, ist nicht bekannt. Es bleibt die Hoffnung, dass sich für das Volk und das kleine Reich letztendlich doch alles zum Guten gewendet hat.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik.
Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB).
Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht.
Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

1 Kommentar » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Lieber Andreas!

    Ja, flieg hoch, Du roter Adler…
    Glückwunsch zur kleinen Nachtmusik…
    Ich hatte aus gegebenem Anlaß im Juli Orgelböhli, folgenden Vorschlag unterbreitet:
    Lieber Ralf…
    Vielleicht komponierst du uns eine
    Hymne auf einen Lebensmitteldiscounter
    für 8 Kreissägen, zwei Caterpillars, einen Schaufelbagger, drei Muldenkipper und drei knallende Sektkorken.
    Als Hintegrundsound das Rattern und Piepsen von 6 Registrierkassen und einer Geldzählmaschine (Hartgeld)