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Überall Zeloten, wo sind die Ireniker?

Eine große Qualität des Bar-Blogs ist es, dass hier viele (unterschiedliche) Meinungen zu Wort kommen und diese wohl auch von vielen Lesern wahrgenommen werden. Ein Hoch auf die freie Meinungsäußerung!

Sicherlich ist es legitim, zu bestimmten Zeiten, wie zum Beispiel aktuell im Landrats-Wahlkampf, die Grenzen des fairen Meinungsdiskurses etwas zu dehnen, zum Beispiel, um seinen eigenen Argumenten mehr Würze zu geben. Das ist Rhetorikschule. Die Polemik war in der Antike ein scharf geführter, aber auf harten (in der Regel wissenschaftlichen) Fakten beruhender Diskurs zwischen Meinungsgegnern, also eine klare Form der Auseinandersetzung. Heute bezeichnet der Begriff oft nur einen verbalen Angriff auf eine Person, eine Institution o.ä.. In vielen Auseinandersetzungen, gerade im politischen Raum, wird Polemik nicht mehr zur Lösung des Problems, sondern nur zur Herabwürdigung des Gegners benutzt. Diese Vorgehensweise scheint heutzutage sehr verbreitet zu sein, auch hier auf dem Bar-Blog findet man guten Beispiele, in Beiträgen und Kommentaren.

Im Synkretistischen Streit der Reformationszeit waren die Zeloten besonders (über)eifrige Verfechter ihrer Meinung (der Zelot war in der Bibel eine nicht sehr positiv besetzte Gestalt), während die Ireniker sich darum bemühten, eine gemeinsame Basis mit ihren Gegnern zu finden.

Auch wenn wir im aktuellen Wahlkampf um das Amt des Barnimer Landrates nicht über den christlichen Glauben verhandeln, scheint mir die Parallele zu diesem berühmten (sehr lange währenden) Streit deutlich: Nehmen die Zeloten überhand, wird es keinen Fortschritt geben, keine Weiterentwicklung.
Gerade jetzt im Wahlkampf haben diese jedoch Hochkonjunktur. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Ausgabe der Barnimer Bürgerpost. Hauptsächlich die Artikel der Herausgeber des Blattes sind Paradebeispiele zelotischer Polemik, die leider unmissverständlich nur eines erreichen sollen: den politischen Gegner und seine Arbeit herabzuwürdigen und zu diffamieren. An anderer Stelle im Bar-Blog hat Herr Markmann in einem ausführlichen Kommentar das Selbstverständnis der Macher der bbp dargestellt.
Der Verweis von Herrn Markmann, dass die Autoren der bbp keine journalistische Ausbildung haben, darf in diesem Fall nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass sie trotzdem dem Pressekodex des deutschen Presserates unterliegen. In der aktuellen Ausgabe der Barnimer Bürgerpost werden in mehreren Beiträgen die Ziffern 1, 2 und 9 des deutschen Pressekodex eklatant verletzt.
Beispiel 1: Beitrag „Erwartungen an eine Landrätin der LINKEN“

Allgemeiner ausgedrückt, steht erstmal die Überwindung der gutsherrlichen, feudalen Strukturen und damit die Fortsetzung der bürgerlich-demokratischen Revolution – die vor 20 Jahren unter dem Namen »Wende« in Gang kam und 1990 unter aktiver Mitwirkung von Bodo Ihrke abgewürgt wurde – auf der Agenda.

Beispiel 2: „Welche Aufgaben hat ein Landrat?“

Diese Funktionen sind nicht zu verwechseln mit der äußerlich durchaus ähnlichen Funktion als Büttel des Obrigkeitsstaats, als welcher uns der Landrat als untere Landesbehörde gegenübertritt.

Hier muß ein Landrat Visionär sein und andere als Mitstreiter begeistern können. Gutsherren hingegen sind da fehl am Platze.

So geht es weiter, es durchzieht weite Teile des Heftes. Mit dem Einstreuen einiger Sachinformationen von Gastautoren wird versucht, das ganze etwas seriöser daherkommen zu lassen. Doch letztendlich ist es, was es ist: Eine Wahlkampfpostille, leider der schlechteren Sorte.

Unabhängig davon, wen ich bei der Wahl favoritisiere, erscheint mir das äußerst unsachlich und auch unprofessionell und ich frage mich: Egal, wie die Wahl ausgeht, wie soll das nach der Wahl weitergehen, wenn man scheinbar keine gemeinsame Basis hat? Oder ist das alles nur heiße Luft?

ich frage mich:

    Wo sind die Barnimer Ireniker?

(Bitte nicht verwechseln mit „Ironiker“, davon gibt es reichlich)

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40 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Gläßer, es ist leider ein weit verbreitetes Phänomen im Barnim und anderswo, dass regelmäßig der Verkünder der schlechten Nachricht geköpft oder auch nur niedergeschrien wird. Notfalls bedient man sich sogar in der Bibel, um Kritik abzuwürgen und die Kritiker zu diffamieren. Ich habe die bbp nicht gelesen, aber die von Ihnen hier angebrachten Zitate kann ich aus eigener Erfahrung und aus den Gesprächen mit den Wählerinnen und Wählern im Barnim sofort unterschreiben. Die herrschende Kaste im Barnim hat die Bodenhaftung verloren. Das kann man nicht Schönreden. Und um auch mal ’nen Klassiker zu zitieren: „Hier stehe ich und ich kann nicht anders!“

  2. @Dr. Valentin
    Lieber Herr Kandidat, abwürgen und diffamieren sind tatsächlich nicht meine Stärke, sonst würde ich versuchen wollen, solche Veröffentlichungen rechtlich zu unterbinden (was ich ausdrücklich nicht möchte) oder ich würde in unlauterer Weise die Tätigkeit des von mir Kritisierten in den Schmutz ziehen. Aber auch das habe ich nicht getan. Ich bitte Sie, da mehr Sachlichkeit an den Tag zu legen. Neben den umfangreichen Fähigkeiten, die Sie als potentieller Landrat ja mitbringen müssen, ist dies wohl eine ganz wichtige.
    Wenn Sie diese Zitate so unterschreiben würden, ist das Ihre Entscheidung und Sie reihen sich damit in die Gruppe der Zeloten ein. Als Anwärter für das Landratsamt sollten Sie aber aus meiner Sicht eher das Gegenteil sein. Kritik anbringen und Kritik unter der Gürtellinie anbringen sind zwei sehr unterschiedliche Wege des Diskurses. Im ersten Fall kann man sich nach Beendigung der Diskussion/des Streites wenigstens noch in die Augen schauen und gemeinsam arbeiten. Wenn man mit seinen Tiraden aber verbrannte Erde hinterläßt, wie im Fall der vorliegenden bbp, wird es schwer, danach weiter effektiv zusammenzuarbeiten. Und egal, wie die Wahl endet: Zusammenarbeiten müssen werden die Kombatanten danach auf jeden Fall wieder.
    Und ich rufe Ihnen entgegen: Ich stehe auch hier und kann doch anders. Auch wenn z.B. Märgitta Mächtig nicht ‚meine‘ Kandidatin ist und sie manchmal Sachen verlautbart, die mir nicht passen, kann ich Ihr eindeutig hohe Sachkompetenz bestätigen, zumindestens nach der Lektüre ihrer diversen Veröffentlichungen. Und das ganz ohne den Schlag unter die Gürtellinie. Aber zum Glück ist da jeder sich selbst verpflichtet. Und das Eingeständnis der eigenen Fehlbarkeit ist sicherlich eines der schwierigsten.

  3. Lieber Andreas Gläßer!

    Wenn ich Gerd Markmann richtig vestehe, dann bezieht sich die von Ihnenen monierte Kritik auf den autoritären Führungsstil und die bürgerferne Arbeitsweise des Landrats. Das sind keinen Schläge unter die Gürtellinie, damit muss jemand, zumal ein Amtsträger, der so auftritt wie Ihrke leben.

    Bürgerferne gehört zum Programm dieses Landrats, der z. B. auf einer Podiumsdiskussion in der FH-Eberswalde im September 2008 die Art und Weise verteidigt hat, wie das Raumordnungsverfahren für die 380-kV-Freileitung hinter dem Rücken der Bürger durchgezogen wurde.
    Selbst als er darauf angesprochen wurde, dass es ein Demokratieproblem gebe, wenn kein Wert auf die Information der Betroffenen gelegt werde, blieb er bei seiner Position, dass sein Amt nicht habe anders handeln können.

    Werfen Sie einen Blick in seine Homepage – die 380-kV-Freileitung, deren Planfeststellungsverfahren unmittelbar bevorsteht spielt hier keine Rolle.
    Der Kreistag hat sich positioniert. Den Landrat interessiert das nicht.
    So ein kontroverses Ding wie diese Freileitung wird besser nicht thematisiert.

    Der Landrat übt die Kommunalaufsicht aus. Wirklich? Wie war es möglich, dass in Eberswalde zwei Bürgermeister wegen Korruption abgewählt werden mußten? Warum ist die Kommunalaufsicht nicht beizeiten eingeschritten um
    korrupte Praktiken zu unterbinden?

    Sollen wir im Blog aufrufen, Beispiele für ein Versagen der Kommunalaufsicht zu dokumentieren?
    Sollen wir die Defizite aus zwei Amtsperioden zusammenstellen?

    Demokratie ist Ausübung von legitimierter Herrschaft auf Zeit. Demokratie lebt vom Wechsel. Zwei Amtsperioden sind genug. Es hätte den Amtsträger geehrt, enn er sich dazu beizeiten bekannt hätte. Dass er es nicht getan hat, wirft eben auch ein bezeichnendes Licht auf seine Selbsteinschätzung und die Einschätzuing der Fähigkeiten seiner Umgebung.
    It`s time for change.

  4. @Hartmut Lindner
    Das, lieber Hartmut Lindner, würde ich einen echten und fairen Diskussionsbeitrag nennen, wenn es um die Frage gehen würde, welche Handlungen vom Kandidaten und Amtsinhaber B. Ihrke einem in seiner Amtszeit nicht gepasst haben.
    In meinem Blogpost ging es aber um Diskussionskultur und um journalistische Kultur. Auch wenn Blog- und Regional-/Bürgerzeitungsmacher gern behaupten, dass sie keinen Regularien unterliegen, bin ich der Meinung, sollte man sich in solchen Medien korrekt verhalten. Es geht eben nicht darum, Seiten zu füllen um jeden Preis. Wer nichts zu sagen hat, darf auch gern mal einen Moment inne halten. Dann findet sich sicherlich wieder etwas, worüber man sich vernünftig austauschen kann.
    In der Sache mag es in den von mir angesprochenen Beiträgen der bbp vielleicht um Kritik gehen, die Form aber hinterlässt, wie gesagt, ordentlich Scherben.
    Zu:
    Demokratie ist Ausübung von legitimierter Herrschaft auf Zeit. Demokratie lebt vom Wechsel.
    Es gibt genügend Politiktheoretiker, die der Meinung sind, dass gerade der Zeitdruck der Legislaturperioden für die heutige Misere in der politischen Landschaft zuständig ist. Darum sind aus meiner Sicht 19 Jahre Amtszeit eben kein Argument gegen einen Kandidaten. (Jetzt werden wieder alle das Kaisermordmesser wetzen, ist mir schon klar ;-) Glauben Sie wirklich, dass es irgendjemanden gäbe, zum Beispiel Frau Mächtig oder Herr Dr. Valentin, der/die eine solche Amtszeit ohne derartige Anfeindungen und Diskrepanzen überstehen würde?

    Da es viele andere in diesem Blog ja wohl schon alles wissen, würde ich mich persönlich sehr freuen, wenn Sie mir mal schildern, was Sie B. Ihrke alles zu Lasten legen. Das können Sie mir gern auch per email senden (a.glaesser(at)amigomedia.tv).

  5. Eines kann ich bestätigen:
    Wie hier bereits mehrfach geschehen, kann ein Herr Valentin, wenn man denn ausnahmsweise mal eine gegenteilige Meinung hat und dann noch darauf beharrt, einen ziemlich übel beschimpfen.
    Bei aller Meinungsfreiheit: Solche Arroganz werde ich nicht wählen.

  6. @Andreas Gläßer: Danke für dieses streitbare Blogposting!

    Nur eine kurze Frage: Welche Blogmacher behaupten gern, dass sie keinen Regularien unterliegen? Das habe ich noch nie gehört.

    Für Blogs gilt wie für jede andere Website das komplette Medienrecht, das wir hier in Deutschland haben. Und natürlich Urheberrechte, Persönlichkeitsrechte, usw.

    Insbesondere gilt für Bloginhalte das Telemediengesetz, das der Bundestag 2007 verabschiedet hat, konkret §7(1) für die Blogpostings („eigene Informatonen“) und §7(2) und §10 für die Blogkommentare („fremde Informationen“).

    Der deutsche Pressecodex dagegen, den du oben in die Diskussion einführst, mit den Sanktionsmöglichkeiten durch den Deutschen Presserat (Rüge, Missbilligung, Hinweis) ist als Instrument der freiwilligen Selbstkontrolle der in BDZV, DJV und VDZ organisierten Journalisten und Verleger zu verstehen und sicherlich nicht bindend für private Websites wie diese hier.

    Bloggende Grüße
    Karl-Heinz

  7. @Karl-Heinz
    Danke für die Konkretisierung zur Rechtslage.
    Zu Deiner Frage: Du hast Recht, ich muß meine Aussage etwas korrigieren:
    „Auch wenn manche Blogkommentatoren und Regional-/Bürgerzeitungsmacher gern behaupten, dass sie solchen Selbstverpflichtungen nicht unterliegen, bin ich der Meinung, sollte man sich in einem Medium korrekt verhalten.“

    Zum Deutschen Pressekodex: Tatsächlich ist es so, dass dieser Kodex von Verlegern und Publizisten anerkannt werden muss, eben mit einer einfachen Selbstverpflichtungserklärung. Allerdings bin ich im Rahmen meiner Arbeit noch auf keinen einzigen dieser Leute gestoßen, der den Pressekodex abgelehnt hätte, auch die nicht, die diese Erklärung gar nicht abgegeben haben. Ich weiß natürlich nicht, ob Herr Markmann von der Barnimer Bürgerpost oder z.B. Frau Hanisch vom Barnimer Blitz sich derart an den Kodex gebunden haben.

    Für rein private Websites gilt der wohl nicht. Allerdings sehe ich den Bar-Blog schon als ein publizistisches Medium an, da verschwimmt eben die Grenze. Es geht im Gegensatz zum Telemediengesetz auch eher um ‚ehrenvolles‘ Verhalten, als um eine Gesetzgebung.

  8. Lieber Andreas Glässer!

    Als langjähriger Leser und gelegentlicher Autor der Barnimer Bürgerpost kenne ich diese “Leserzeitung” sehr gut und kann Ihre Kritik überhaupt nicht nachvollziehen. Ich wüßte auch nicht, inwiefern die bbp gegen den Kodex des Presserats verstoßen haben sollte.
    Das Blatt ist frei von persönlichen Diffamierungen, gezielten Falschdarstellung und unseriösen Darstellungsweisen.
    Im Blatt finden Sie keine Produktwerbung! Das ist wichtig und sichert ihre Unabhängigkeit.
    Die bbp ist parteipolitisch ungebunden, selbst wenn Leser oder Autoren
    parteipolitisch aktiv sind und dies auch in ihren Beiträgen zum Ausdruck bringen.
    Das gilt auch für die aktuelle Januarnummer der bbp.

    Vielleicht fehlt es mir an der Feinnervigkeit, wenn ich meine, dass ein Landrat, die Charakterisierung seines autoritären und bürgerfernen Politikstils als “nach Gutsherrenart” hinnehmen muss. Das ist keine persönliche Beleidigung.

    Geht es wirklich um Zeloten und Ireniker? Wohl kaum.
    Es geht um unterschiedliche Auffassungen von Demokratie und Kritik.
    Sie sind eher der Anhänger einer auf Harmonie abgestellten Demokratiekonzeption, in der gemeinsame Normen (Grundkonsens der Demokraten), Ausgleich der Interessen im Kompromiß die Eckpunkte darstellen. Die Aushandlung von Kompromissen geschieht durch die gewählten Repräsentanten (politische Elite) in Gremien (Parlamenten) – ohne unmittelbare Bürgerbeteiligung. Das ist die prästabilierte Harmonie der Konsensdemokratie, der Elitentheorie oder Integrativen Demokratietheorie, nennen Sie es wie Sie wollen, je nach politischer Schulenbildung.

    Demgegenüber gibt es aber eine andere Auffassung von Demokratie, die auf Partizipation und gewaltfreien Konfliktaustrag setzt, denn nur auf dieser Basis ist überhaupt erst die Aushandlung von tragfähigen Kompromissen möglich. Partizipation der Bürger setzt Information und Transparenz der politischen Entscheidungsprozesse voraus. Öffentliche Kritik spielt hier eine große Rolle, sie ist das Elixier der Demokratie. In dieser Demokratiekonzeption spielen Bürgerinitiativen und eine kritische Öffentlichkeit (inkl. kritischer Medien) eine wichtige Rolle. Nur durch Basisinitiativen können die Verkrustungen der sich ständig bildenden Machtkartelle, die den demokratischen Prozeß gefährden, wenn schon nicht verhindert, so doch in ihrer Wirkung gedämpft oder abgebaut.

    Hier ist mit Verlaub auch die bbp anzusiedeln, ohne deren Eínfluß zu überschätzen. Wenn Sie die alten Nummern durchblättern – sie stehen ja im Netz – werden Sie feststellen, daß die bbp vor allem die Kommunalpolitik kritisch begleitet hat. Sie bietet den Basisinitiativen ein wichtiges Forum.
    Während die etablierten Presseorgane noch den Segen der Agenda 2010 propagierten, beichtete die bbp über die Montagsdemos. Wenn im Barnim eine Allee gefällt werden sollte (oder auch ausgedünnt wurde), in der bbp
    wurden die Appelle von Andreas Steiner und der Baumschützer veröffentlicht. Auch die Bürgerinitiative gegen die von Vattenfall geplante
    380-kV-Freileitung fand in der bbp einen Resonanzboden.
    Deshalb ist die bbp, die Leserzeitung, für den Barnim unverzichtbar.

    Das, was derzeit im Barnim politisch zu beobachten ist, ist ein Exzeß an politischer Harmonie. Die ganz große Koalition aus CDU, FDP, Grünen und SPD erscheint mir als Neuauflage des ”demokratischen Blocks”, diesmal nicht unter der Führung der “Partei der Arbeiterklasse”, sondern unter der Führung einer Person, des amtierenden Landrats, der, wenn er das Rennen machen sollte, am Ende seiner dritten Amtszeit auf eine 25-jährige Ära zurückblicken könnte.
    Das ist doch eher ein Stück Realsatire statt gelebter Demokratie.

  9. @hartumt linder
    mit ihrem kommentar liegen sie absolut richtig. Auf den punkt haben sie es vor allem mit diesen sätzen, herrn gläßer, betreffend, gebracht, die ich hier noch einmal extrahiert wiederhole:

    – Sie sind eher der Anhänger einer auf Harmonie abgestellten Demokratiekonzeption, in der gemeinsame Normen (Grundkonsens der Demokraten), Ausgleich der Interessen im Kompromiß die Eckpunkte darstellen.

    – Demgegenüber gibt es aber eine andere Auffassung von Demokratie, die auf Partizipation und gewaltfreien Konfliktaustrag setzt, denn nur auf dieser Basis ist überhaupt erst die Aushandlung von tragfähigen Kompromissen möglich.

    – In dieser Demokratiekonzeption spielen Bürgerinitiativen und eine kritische Öffentlichkeit (inkl. kritischer Medien) eine wichtige Rolle. Nur durch Basisinitiativen können die Verkrustungen der sich ständig bildenden Machtkartelle, die den demokratischen Prozeß gefährden, wenn schon nicht verhindert, so doch in ihrer Wirkung gedämpft oder abgebaut.

    – Das, was derzeit im Barnim politisch zu beobachten ist, ist ein Exzeß an politischer Harmonie. Die ganz große Koalition aus CDU, FDP, Grünen und SPD erscheint mir als Neuauflage des ”demokratischen Blocks” […].

  10. @Hartmut Lindner
    Ich pflichte Ihnen ganz ernsthaft bei, wenn Sie sagen, dass die bbp eine wichtige Funktion hat als mögliches Sprachrohr abseits der ‚regulären‘ Presse. Aber darüber habe ich, wenn Sie meine Zeilen genau lesen, gar nicht geschrieben. Ich habe auch Bürgerbeteiligung nicht abgelehnt, ganz im Gegenteil.

    Leider muss ich beharrlich bleiben: Ich rede über Streitkultur!
    Versuchen Sie sich eine regelmäßig erscheinende Postille vorzustellen, herausgegeben zum Beispiel von Mitgliedern des Barnimer SPD-Kreisverbandes mit Veröffentlichungsmöglichkeit auch für andere Interessenten. Und in diesem Blatt würden dann kurz vor einer regionalen Wahl mehrere große Artikel der Redaktion und ihr nahestehender Autoren erscheinen, in denen die Wahlgegner möglicherweise als „rotgardistische Banden“, „Altlastendeponien“ oder im Fall der freien Wählergruppen vielleicht als „Sammelbecken für partikularinteressierte Neider und Egomanen“ bezeichnet würden (das ist alles natürlich frei und kreativ erfunden und nicht meine Meinung ;-). Ich frage mich, Herr Lindner, wie die Autoren, wie vielleicht auch Sie dann reagieren würden.
    Wenn Sie mich persönlich kennenlernen würden, und vielleicht passiert das ja mal, würde Ihnen sicherlich schnell klar werden, dass ausgerechnet ich mit Sicherheit keine Dauerharmonie predige. Dann würde ich auf anderen Blogs schreiben. Dass ich mich im vorwiegend Ihrke-gegnerischen BAR-Blog als Ihrke-Unterstützer ‚oute‘ und solche Postings einstelle sollte dafür eigentlich Beweis genug sein.

    Ich würde mich aber freuen, wenn hier im BAR-Blog mal ein Diskurs zum Thema Demokratie-Verständnis gestartet wird, oder gibt es den schon im Archiv, Karl-Heinz? Da würde ich jedenfalss gern meine elitär-kontaminierte Meinung beisteuern.

  11. @Gerd Möller
    Danke für die Wiederholung, jetzt hab ich´s.
    Aber ich lasse mich nicht als Gegner der kritischen Presse hinstellen. Kritische Presse und Bildzeitungsniveau sind zwei sehr unterschiedliche Paar Schuhe. Aus meiner Sicht hätte die bbp das überhaupt nicht nötig gehabt. weniger ist eben manchmal mehr. Ich habe in den letzten Tagen, nach Erscheinen der bbp mit einigen sehr unabhängigen Leuten darüber gesprochen. Und die Reaktion auf diese Veröffentlichungen war in erster Linie Unverständnis für die Form und für viele der Behauptungen.
    Herr Möller, greifen Sie doch bitte mal mein Posting-Thema „Streitkultur“ auf, dazu würde ich gern ihre Meinung, und nicht ein Exzerpt eines anderen Kommentators, lesen.

  12. @Herr Gläser

    Ich stimme sehr mit Ihrer Meinung in Bezug auf die letzte Ausgabe der bbp überein. Die „Macher“ scheinen sich ihrer eigenen Situation nicht bewusst zu sein.

    Das scheint so zu sein wie
    „Mit dem in der DDR vermittelten Wissen im Staatsbürgerkundeunterricht, versuchen viele Menschen die parlamentarische Demokratie in Deutschland anno 2010 zu erklären.“

  13. @Andreas Gläßer
    Es sind Kritiker des derzeitigen „Barnimer Systems“, die ihre Finger in die Wunde legen, aber dennoch durchaus kompromissbereit und zumeist politisch aktiv sind, um Lösungen herbeizusuchen.
    Diese als Zeloten zu betiteln, finde ich schon ziemlich neben der Kappe.

  14. Mir scheint, bei mehreren Diskutanten im Bar-Blog liegen derzeit die Nerven blank. Das wird sich sicherlich nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse etwas entspannen.

    @ Herr Gläßer,
    diese Wahrnehmung bezieht sich ausdrücklich nicht auf Ihre Wortmeldungen, in denen Sie sich m.M. nach um weitgehende Sachlichkeit bemühen.

    Zunächst zum Presserat und zum Pressekodex. Nein, weder der Herausgeberverein noch ich persönlich sind Mitglied einer der vier Trägerorganisationen (BDZV, VDZ, DJV und dju von ver.di) des Presserates. Es gibt also auch keine „Selbstverpflichtung“.
    Insofern dürften Beschwerden an den Presserat, wie von jemand anderem in einer anderen Diskussion hier im BAR-blog beabsichtigt, wegen Unzuständigkeit zurückgewiesen werden.
    Abgesehen davon sehe ich meinerseits nach dem Lesen dieses Kodex‘ keinen Grund, daß ich mich von diesem Kodex distanzieren müßte.

    Sie schreiben, daß in der aktuellen Ausgabe der Barnimer Bürgerpost in mehreren Beiträgen die Ziffern 1, 2 und 9 des deutschen Pressekodex eklatant verletzt würden.
    Ziffer 1 behandelt die „Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde“, Ziffer 2 die „Sorgfalt“ und Ziffer 9 den „Schutz der Ehre“.

    Als Beleg für Ihren Vorwurf führen Sie drei Zitate aus zwei Texten der BBP 1/2010 an.

    Text 1: “Erwartungen an eine Landrätin der LINKEN”, veröffentlicht auf Seite 4.
    „Allgemeiner ausgedrückt, steht erstmal die Überwindung der gutsherrlichen, feudalen Strukturen und damit die Fortsetzung der bürgerlich-demokratischen Revolution – die vor 20 Jahren unter dem Namen »Wende« in Gang kam und 1990 unter aktiver Mitwirkung von Bodo Ihrke abgewürgt wurde – auf der Agenda.“

    Zunächst ergibt sich bereits aus der Überschrift („Erwartungen …“), daß es sich bei diesem Beitrag um eine Meinungsäußerung handelt.
    Ich kann Ihnen versichern, daß es sich tatsächlich und wahrhaftig um meine persönliche Meinung handelt, die in dem Beitrag aufgeschrieben steht.

    Daß die autochthone demokratische Entwicklung, die im Herbst 1989 in der DDR im Laufe des Jahres 1990 abgebrochen und unserer Gesellschaft statt dessen die fertigen bundesdeutschen Strukturen übergestülpt wurden – daran dürfte es eigentlich keinen Zweifel geben.
    Was ist beispielsweise aus dem Verfassungsentwurf des Runden Tisches der DDR geworden? Wurde er in irgendeiner Form berücksichtigt?
    Plötzlich standen Schwangerschaftsabbrüche wieder unter Strafe, für Schwule gab es wieder einen Paragrafen im Strafgesetzbuch, das Nacktbaden wurde wieder streng geregelt – um mal ein paar extreme Beispiele zu nennen.

    Ebenso dürfte als Tatsache feststehen, daß Herr Ihrke als damaliger Landrat des Kreises Eberswalde aktiv mitgewirkt hat. Das bestätigte er unlängst selbst, indem er verkündet: „Ich habe unsere Verwaltung aufgebaut.“ (MOZ, 8.1.2010)
    Im übrigen erinnert diese Formulierung durchaus ein wenig an das „Ich bin der Staat“ von Ludwig XIV. und bestätigt insofern auch den Eindruck von „gutsherrlichen, feudalen Strukturen“.
    Ansonsten beziehen sich die Bezüge auf den amtierenden Landrat, wie im Text erwähnt, auf dessen Auffassungen von den Aufgaben als Landrat, wie sie auf seiner Internetseite (www.bodo-ihrke.de) und wortgleich auf der Seite des Landkreises geschrieben stehen. Da mußte nichts neues erfunden werden.

    Text 2: “Welche Aufgaben hat ein Landrat?”, veröffentlicht auf Seite 3.
    Zitat 1: „Diese Funktionen sind nicht zu verwechseln mit der äußerlich durchaus ähnlichen Funktion als Büttel des Obrigkeitsstaats, als welcher uns der Landrat als untere Landesbehörde gegenübertritt.“
    Zitat 2: „Hier muß ein Landrat Visionär sein und andere als Mitstreiter begeistern können. Gutsherren hingegen sind da fehl am Platze.“

    Diesem Beitrag zu den Aufgaben eines Landrates liegen allein die gesetzlichen Regelungen der Kommunalverfassung zugrunde, die ich versucht habe, allgemeinverständlich zu erläutern. Irgendwelche personellen Bezüge gibt es in diesem Text nicht. Die eingeworfenen Kontrapunkte, wie z.B. die Floskel „Gutsherren sind da fehl am Platze“, dienen einzig und allein der Betonung der positiven Aussagen der Kommunalverfassung.

    Wenn Sie als Leser hier einen Bezug zu Landrat Ihrke herstellen, dann ist das Ihre Interpretation.

    Während ich eine solche Interpretation des Zitats 2 – gerade in Kenntnis der erwähnten Auffassungen von den Landratsaufgaben auf der o.g. Ihrke-Seite – durchaus nachvollziehen kann, fehlt im Zitat 1 nun wirklich jeder Bezug auf den amtierenden Landrat. Hier geht es um die FUNKTION des Organs Landrat als „untere Landesbehörde“. Die Formulierung „Büttel des Obrigkeitsstaats“ mag etwas ungewohnt sein, sollte jedoch nur verdeutlichen, daß der Landrat oder die Landrätin in dieser Funktion ausschließlich Gesetze und Verordnungen umzusetzen hat und an die Weisungen der Landesregierung gebunden ist.
    Selbstverständlich wird auch eine Landrätin der Linken oder ein Landrat der Freien Wähler in der Funktion als „untere Landesbehörde“ als „Büttel des Obrigkeitsstaats“ wirksam werden. Und je besser er/sie sich in dieser Funktion an die gesetzlichen Regeln hält, desto mehr Anerkennung wird diese Funktion als „Büttel“ bei den Bürgerinnen und Bürgern bekommen.

    Wie Sie meinen Ausführungen entnehmen können, kann ich Ihren Vorwurf, die Texte würden den von Ihnen genannten Ziffern des Pressekodex widersprechen, nicht nachvollziehen.
    Falls Sie daran festhalten, bitte ich darum, daß Sie Ihren Vorwurf konkretisieren. Also wo konkret fehlt es an „Wahrhaftigkeit“, wo genau werfen Sie mir fehlende Sorgfalt vor und an welcher Stelle habe ich mit „unangemessenen Darstellungen“ irgendjemanden in seiner Ehre verletzt?

    Vielen Dank für Ihre Mühe.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gerd Markmann

  15. @Dr. Steiner
    Da würde ich schon um etwas genauere Ausführung bezüglich meines Posting-Themas bitten.

  16. @Mathias Wiegand
    Sie schreiben unter Bezugnahme auf die „Barnimer Bürgerpost“:
    Die “Macher” scheinen sich ihrer eigenen Situation nicht bewusst zu sein.

    Offenbar ist das so. Bitte helfen Sie uns und machen Sie uns unsere Situation bewußt.

    Vielen Dank
    Gerd Markmann

  17. @Jochen: Ich kenne Sie nicht. Nennen Sie Ross und Reiter! Ansonsten wirken derartige Kommentare wie der Ihre wie von interessierter Seite bestellt.

  18. @Gerd Markmann
    Vielen Dank für Ihre sachlichen Ausführungen. Das ist, wie Sie selbst bereits feststellten, im Moment wohl etwas schwierig für den einen oder die andere.

    Ich bin der Meinung, dass es durchaus ehrverletzend und auch sachlich falsch ist, zu behaupten, dass die „bürgerlich-demokratische Revolution – die vor 20 Jahren unter dem Namen »Wende« in Gang kam […] 1990 unter aktiver Mitwirkung von Bodo Ihrke abgewürgt wurde…“
    1. haben sich die DDR-Bürger in den ersten freien Volkskammerwahlen eben genau dazu entschieden, nicht den schwierigeren Weg der Selbstbestimmung und des Neuaufbaus zu gehen. Sie haben sich für die wohlige (Schein-)Sicherheit des anderen deutschen Systems entschieden – wohl gemerkt, per Wahl. Das mag für die ehemaligen politischen Eliten als auch für viele damalige Bürgerrechtler bis heute Enttäuschung hervorrufen, aber so war es nun einmal.
    2. gehörte Bodo Ihrke mit zu den ersten, die in der Wendezeit auch bereit waren, in dem sich anbahnenden Systemwechsel politische Verantwortung vor Ort zu übernehmen.
    Im Übrigen finde ich allerdings die Aussage seitens Bodo Ihrke „Ich habe die Verwaltung aufgebaut“ auch unglücklich. Das hat er sicherlich nicht alleine gemacht.

    Zitat 2 & 3 sind tatsächlich auch in Zusammenhang mit Zitat 1 von mir ausgewählt worden. In Zitat 1 schreiben Sie von der „Überwindung der gutsherrlichen, feudalen Strukturen“ in der Verwaltung des Landkreises, und erwähnen dann im Artikel “Welche Aufgaben hat ein Landrat?”, dass „Gutsherren […] fehl am Platze“ sind. Damit beziehen Sie sich aus meiner Sicht auf sich selbst (und auch auf einen Terminus, der hier im Blog sehr oft Verwendung findet).

    Allerdings, und es fällt mir gar nicht schwer, das zu sagen, kann ich schon glauben, dass man diese Texte mit unterschiedlicher Vorjustierung auch unterschiedlich liesst und bewertet. Ich behaupte nicht, das journalistische Gewissen der Region zu sein. Jedoch bin ich ernsthaft der Meinung, dass Sie unter anderem mit Ihren Beiträgen ganz gezielt die Person Ihrke mit unkorrekten Aussagen ins Fadenkreuz genommen haben.

    Es freut mich, dass Sie, wie Sie selbst schreiben, keinen Grund sehen, den Pressekodex abzulehnen. Dann ist es zumindestens möglich, die Barnimer Bürgerpost auch an diesem Maßstab zu messen.

    Ich möchten nochmal betonen, dass ich die Rolle der bbp mit meinem Posting nicht in Frage gestellt habe. Aus meiner Sicht schliessen sich aber kritischer Umgang und ein respektvolles Miteinader nicht aus.

  19. @Andreas Gläßer
    Sie wissen genau, was ich und wie ich es meine.
    Weitere Ausführungen dazu erspare ich mir, für dieses Hin und her ist mir meine Zeit einfach zu schade.

  20. @ Andreas Gläßer

    Vielen Dank für diesen guten Artikel!
    Ich hab mal wieder was gelernt.
    Auch ich schätzte die bbp als ein unabhängiges und kritisches Blatt, quasi ein Stück „Gegenöffentlichkeit“. Auch wenn manche Äußerungen mir als Juso manchmal schwer im Magen liegen. Aber das ist gut.

    Aber was soll das für eine Unabhängigkeit sein, wenn man für die Wunschkandidatin Wahlkampf macht? Wie kritisch will man dann in Zukunft sein, wenn diese dann auch noch ins Amt kommt? Dann ist es wohl vorbei mit Kritik und „Gegenöffentlichkeit“ und die bbp hat sich überflüssig gemacht.

    Hinzu kommt diese widerliche, hämische Diskussionskultur, echte „zelotische“ Polemik eben, an der sich einige frustrierte Zeitgenossen abarbeiten um anscheinend nur ihre Eitelkeiten ausleben. Zielführend und Problemorientiert ist sie jedenfalls nicht.
    Bildzeitung nur andersrum.
    Kostprobe: „Die Aufarbeitung der dunklen, verlorenen Zeit unter den Landrat Ihrke muß jetzt leider warten. Aber vielleicht zeigen uns die stolzen Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei, wie man Geschichte aufarbeitet.“

    Gut es handelt sich hierbei um ein Kommentar, aber ihr habt wohl zu viel Star Wars im Kino gesehen…

  21. @Florian Görner
    „Gegenöffentlichkeit“ ist gut, „Parallelöffentlichkeit“ trifft es vielleicht noch genauer. Das ist für mich zum Beispiel auch ein Grund, Publikationen, wie die bbp, oder auch das BAR-Blog zu lesen.
    Aber, wie Du sagst, wenn man seine Arbeit so offensichtlich einer Amtsbewerberin widmet, ist das an sich zwar absolut in Ordnung, aber unabhängig ist das dann sicherlich nicht.

  22. @Andreas Gläßer
    Ich möchte aber auf eine andere Sache eingehen:
    In Ihrem letzen Kommentar werben Sie für das „respektvolle Miteinander“, an anderer Stelle im Barnim-Blog-Beitrag „Bodo Ihrke, Margitta Mächtig, Dr. Frank Valentin: Online-Wahlkampf im Barnim? in den Kommentaren 15 und 18 werfen Sie diese heere Ansicht über Bord.
    Wie war denn das, als Sie mich abfällig ironisch als „Kämpfer des Guten, sozusagen der Lanzelot der Bürger, strahlend und makellos“ sowie als „Ritter ohne Fehl und Tadel“ bezeichnet haben, obwohl ich überhaupt nicht Sie, sondern den amtierenden Landrat angegriffen habe?
    Ich jedenfalls bin – im Gegensatz zu Ihnen – wenigstens so konsequent ehrlich, nicht von mir zu behaupten, immer respektvoll mit Leuten umgehen zu wollen, die aufgrund ihrer Handlungen meinen Respekt teilweise oder gänzlich nicht mehr verdient haben.

    @Florian Görner
    Lieber verdi-Kollege, ich möchte an dieser Stelle das wiederholen, was ich Mathias Wiegandt geschrieben habe: Die „Gegenöffentlichkeit“ könnt Ihr in der BBP bilden, wenn diese Euch derzeit ideologisch oder politisch zu einseitig erscheint. Denn diese Zeitung ist für alle Bürgerinnen und Bürgern offen. Doch scheinbar möchte dort sich keiner für den armen Bodo ins Zeug legen, stattdessen wird für den amtierenden Landrat teure Wahlwerbung mit riesigen Plakaten an den Straßenecken und in Zeitungen gemacht, die vielleicht sogar von den SPD-Mitgliedsbeiträgen finanziert wird. Solche Werbung hättet Ihr also billiger haben können.

    Im Übrigen musste ich gestern schmunzeln beim Lesen des Aufrufes des Unternehmerverbandes Barnim in der jüngsten Ausgabe des Eberswalder Blitzes, der eine nicht allzu gut versteckten Ihrke-Werbung darstellt und in dem u.a. die „kluge weitsichtig geführte Kreisverwaltung“ gelobt wurde.

  23. @ Dr. Steiner
    Schade, denn ich weiß, wie Sie mir ja in einem früheren Kommentar bestätigten, dass Sie gern und bewusst in die von mir angesprochene Polemik-Kiste greifen.
    Und wenn Sie in meinem Posting genau nachlesen, werden Sie erkennen, dass mir eben Unsachlicheit nicht als das richtige Mittel erscheint, um den Finger in die Wunde zu legen.
    Man darf da ja unterschiedlicher Meinung sein ;-)

  24. Da haben sich jetzt einige Kommentare überschnitten. Mein Kommentar Nr. 24 bezog sich auf Nr. 20.
    Dieser Kommentar bezieht sich jetzt auf Nr. 23:
    @Dr. Steiner
    Das ist eben der unterschied zwischen einm offensichtlichen persönlichen Kommentar in einem Webblog, in dem Sie ja gern dirrekt zurückschiessen können, und der Veröffentlichung in einem als Zeitung getarnten Wahlkampfblatt. Herr Markmann hat selbst geschrieben, dass man dem Artikel ansehen würde, dass das seine ganz persönliche Meinung ist. Die Aufmachung der bbp mit der Einteilung in ‚klassische‘ Zeitungsrubriken lässt aus meiner Sicht diesen Schluss nicht so einfach zu und darum fehlt mir da die Sachlichkeit.

  25. @ Dr. Andreas Steiner
    Du hast volkommen Recht. Ich hab auch schon zwei oder drei kleine Artikel über antifaschistische Arbeit in Eberswalde für die bbp geschrieben die ungekürzt aufgenommen wurden.
    Demokratie lebt vom Mitmachen…
    Ich werde auf das Angebot zurückkommen, erst recht wenn ich nach der Landratswahl zur „Opposition“ gehören sollte.

  26. @Andreas Gläßer
    Schon erstaunlich, wie Sie sich das immer wieder so hinbiegen. Wie Sie mich bezeichnet haben (s.o.), war unsachlich. Klar greife ich in die Polemik-Kiste. Das habe ich auch nie verneint, weil dies ein stilistisches Mittel des politischen Kampfes ist, mit dem aber dosiert umgegangen werden sollte.
    Zur zweiten Sache: In der BBP ist klar erkennbar, was Autorenmeinung ist und was Anzeige. Die Zeitung ist ein Blatt voller persönlicher Artikel. Auch Sie hätten dies nutzen können, fühlen sich jetzt aber offensichtlich ein bisschen „auf den Schlips getreten“, weil Sie es im Vorfeld der Ihrke-Wahl für Ihren Favoriten nicht genutzt haben.

  27. Um die Zukunft der bbp mache ich mir keine Sorgen, egal wer das Rennen macht. Es ist auch nicht zu befürchten, dass die bbp zum neuen Amtsblatt werden könnte.
    Das ist der Vorzug einer Leserzeitung.

    Aber wenn ich die Wahlergebnisse lese, die gerade veröffentlicht werden, dann wird der neue Landrat eh nicht durch die Wähler bestimmt.
    Die Barnimer Kunstübung bleibt eben eine reine Kunstübung im alten Stil. Die Rechnung der Regie scheint aufzugehen.
    Den ob sich zur zweiten Aufführung mehr Pubklikum einfindet, ist äußerst fraglich.

  28. @HLinden
    Es ist ja nett, wie Sie versuchen, hier Ihr „Märchen“ vom Kaiser fortzuschreiben. Aber so langsam kommen Sie ins stolpern, wie ich finde. Von „die Rechnung der Regie scheint aufzugehen“ zu schreiben, demütigt die Wählerinnen und Wähler, denn die hatten heute die Regie.
    Ich freue mich schon auf eine Geschichte zur 380KV-Leitung von Ihnen. Ist damit auch zu rechnen?

  29. @Andreas Gläßer
    Danke für Ihre Konkretisierung.

    Halten wir zunächst fest, worin wir offenbar übereinstimmen:
    1. Es handelte sich bei der „Wende“ um eine bürgerlich-demokratische Revolution.
    2. Diese autochthone Entwicklung in der DDR wurde – wie und unter welchen Umständen auch immer – 1990 abgebrochen.
    3. Selbst dazu, daß Bodo Ihrke an den damaligen Ereignissen aktiv beteiligt war, haben wir offensichtlich keinen Dissenz.

    Dissenz besteht lediglich darin, wie die damalige Beteiligung von Bodo Ihrke zu bewerten ist.

    Diesen Dissenz sollten wir aushalten können. Zumal die Bedeutung von Bodo Ihrke durch die verknappte Formulierung ja durchaus etwas über Gebühr betont wurde. Wenn wir nun noch das Wort „abgewürgt“ durch „abgebrochen“ ersetzen, wirkt es vielleicht auch gar nicht mehr so ehrverletzend. Was es ohnehin nicht gemeint war.

    Sie schreiben:
    „Zitat 2 & 3 sind tatsächlich auch in Zusammenhang mit Zitat 1 von mir ausgewählt worden. In Zitat 1 schreiben Sie von der “Überwindung der gutsherrlichen, feudalen Strukturen” in der Verwaltung des Landkreises, und erwähnen dann im Artikel “Welche Aufgaben hat ein Landrat?”, dass “Gutsherren […] fehl am Platze” sind. Damit beziehen Sie sich aus meiner Sicht auf sich selbst (und auch auf einen Terminus, der hier im Blog sehr oft Verwendung findet).“
    Hierzu kann ich Ihnen sagen, daß die Artikel in der Reihenfolge geschrieben sind, wie sie dann veröffentlicht wurden. Das heißt. Die „Erwartungen an eine Landrätin der Linken“ sind unter dem Einfluß dessen geschrieben worden, was ich aus der Kommunalverfassung als Aufgaben des Landrats herausgelesen hatte. Hinzuzufügen wäre, daß zwischen beiden die Lektüre dessen stand, wie Bodo Ihrke die Aufgaben als Landrat sieht. Das war aus meiner Sicht durchaus selbstentlarvend.
    Der daraus resultierende Artikel fand dann keinen Platz in der aktuellen BBP. Vielleicht war es ein Fehler, ihn wegzulassen. Das hätte manche nur angedeutete Kritik verständlicher gemacht. (Vgl. Kommentar Nr. 10 zum Beitrag „Direktwahl des Landrats in Eberswalde: Die Wünsche der Bürger?“ [leider habe ich vergessen, wie man hier sowas verlinkt. Karl-Heinz hatte das kürzlich hier irgendwo erläutert]).

    Ich verspreche, das in der nächsten BBP (erscheint nach der eventuellen Stichwahl) nachzuholen und da vielleicht auch den Text in der MOZ vom 8.1. etwas näher zu analysieren.

    Was die „gutsherrlichen, feudalen Strukturen“ angeht, ist es wohl durchaus kein Zufall, daß diese Formulierungen, wie Sie schreiben, auch hier im Blog desöfteren Verwendung finden.
    Diese Strukturen gehören übrigens durchaus nicht zu dem, was uns im Zusammenhang mit dem Beitritt „übergestülpt“ wurde. Unter anderem Vorzeichen gab es so ein Gefolgschaftswesen oder Klientelwirtschaft auch und gerade in der DDR. In Wendezeiten war die Hoffnung groß, gerade diese Strukturen durch Demokratie und Transparenz zu ersetzen. Diese Chance haben wir – siehe oben – damals nicht wahrgenommen.

    Beispiele für dieses Gefolgschaftswesen, das damit zusammenhängende Untertanenbewußtsein der Gefolgsleute und daraus folgende Willkür gibt es leider viele.
    Da wurde bspw. einem über 80-jährigen Mann von einem Kreisverwaltungsmitarbeiter wegen einer Forderung von rund 100 Euro, die zudem umstritten war und sich letztlich als nichtig herausstellte, ein Bescheid zugestellt, in welchem dem Mann im Falle der Nichtzahlung Beugehaft angedroht wurde. Auf dem Bescheid stand „Der Landrat“ drauf.
    Der permanente Mißbrauch des Amtes für den aktuellen Wahlkampf – fast täglich gab es in den letzten Wochen Pressemitteilungen der kreislichen Pressestelle mit denen Herr Ihrke um ein Pressefoto buhlte, manchmal auch mehrere pro Tag – ist auch ein Ausdruck für die Selbstverständlichkeit, mit der hier die Kreisverwaltung als persönliches Lehen angesehen wird.


    Nun unterbreche ich erstmal das Schreiben, da die Wahlergebnisse kommen.

    Nun sind die vorläufigen Ergebnisse da.

    1.
    22,6 % Wahlbeteiligung. Meine Einschätzung (oder eher Hoffnung), „Die Menschen wollen die Direktwahl“ (BBP 1/2010), war eine Fehleinschätzung. Nur ein gutes Fünftel der Wahlberechtigten wollte direkt wählen. Manches kann vielleicht auf das Wetter geschoben werden, einiges auch auf den ungünstigen Wahltermin nach Weihnachten. Aber das kann am Ende nicht so viel ausmachen.
    Fazit: Der Mehrheit der Menschen im Barnim ging die Landratswahl am A… vorbei.

    2.
    Amtsinhaber Bodo Ihrke hat mit rund 49 % die meisten der (wenigen) abgegebenen Stimmen errungen und darf sich insofern Wahlsieger nennen.
    Er müßte allerdings auch bei ausreichender Wahlbeteiligung in die Stichwahl.

    3.
    Es wird eine Stichwahl geben, die voraussichtlich auch an zu geringer Wahlbeteiligung scheitern wird.

    Doch weiter im Kommentar:
    Sie schreiben: „Jedoch bin ich ernsthaft der Meinung, dass Sie unter anderem mit Ihren Beiträgen ganz gezielt die Person Ihrke mit unkorrekten Aussagen ins Fadenkreuz genommen haben.“

    Daß es um die Landratwahl ging und damit selbstverständlich auch um Bodo Ihrke (allderdings weniger um die Person an sich, als vielmehr um die Institution Landrat Ihrke), ist unbestritten. Wir haben auch festgestellt, daß wir zu bestimmten Sachverhalten unterschiedliche Meinungen haben. Mag auch das eine oder andere Wort eine falsche Betonung gehabt haben, Ihren Vorwurf unkorrekter Aussagen jedoch – was ja nichts anderes bedeutet, als falsche Tatsachenbehauptung – haben Sie m.E. bisher nicht belegt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Gerd Markmann

  30. @R.Frank

    Freut mich, dass sie die „Barnimer Kunstübung“ gelesen haben –
    die Wähler wollte ich nicht beleidigen, wenn ich feststelle, dass „die Rechnung der Regie aufgeht“, damit soll nur deutlich werden, dass die „Regie“ die Wähler richtig eingeschätzt hat – aber noch ist das Stück nicht abgesetzt, die Wähler haben es noch in der Hand.
    Was die märchenhafte Freileitung angeht, empfehle ich die Lektüre „der Hase und der Igel“ vor ein paar Monaten hier im Blog.
    Viel Vergnügen
    Hartmut

  31. @Gerd Markmann
    Es freut mich, dass Sie sich die Mühe machen, so umfassend auf meine Ausführungen einzugehen.
    Grundsätzlich muss ich Ihnen mit einem Zitat Ihrer Landratskandidatin antworten: „Wir haben da unterschiedliche Maßstäbe.“ Und zwar in Bezug auf die Schmerzgrenze zwischen z.B. Ehrverletzung und kritischer Äußerung. Für Sie sind meine Ausführungen kein Beleg für eine Verletzung z.B. des Pressekodex, für mich schon. Da ich a) nicht der vermeintlich Geschädigte bin und b) auch nicht für ihn spreche, kann ich den Dissenz zwischen unserern Meinungen gut aushalten. Mir persönlich käme z.B. wegen einer solchen Geschichte nicht in den Sinn, jemanden zu verklagen, andere mögen das anders sehen.
    Letztendlich ist ein besonderes Problem der schriftlichen Artikulation in Blogs und auch z.B. in Bürgerzeitungen, dass man demjenigen, über den man schreibt, nicht gegenüber sitzt. Das kann gut sein, oft aber führt es zu einer Härte, die man im direkten Gespräch vielleicht nicht an den Tag legen würde. Vor diesem Phänomen bin ich persönlich im Übrigen auch nicht gefeit, wie man hier lesen kann.

  32. @Dr. A. Steiner
    Soll heißen: Auch ich kann manchmal ein richtiger Zelot sein ;-)

  33. @Andreas Gläßer
    Wenn ich das richtig zurückverfolge, bleibt als „Ehrverletzung“ übrig, daß ich Landrat Bodo Ihrke mit dem Begriff „Gutsherr“ und „feudale Strukturen“ in Verbindung brachte.
    Gut. Da sind Sie anderer Auffassung.
    Ich sehe hingegen solche begriffliche Verbindungen durchaus als begründet an, zumal sie ohnehin nicht im Wortsinne, sondern als Metapher zu verstehen sind. Ich sag ihm das gerne auch im direkten Gespräch ins Gesicht, wenn sich die Gelegenheit ergeben sollte.
    Zugleich traue ich ihm bei aller unterstellten Gutsherrenmentalität (die ohnehin mehr den Strukturen als der Person gilt) doch genügend Souveränität zu, dies „mannhaft“ zu ertragen.

  34. @Gerd Markmann
    Übrig bleibt alles, was ich ursprünglich auch geschrieben habe. Aus meiner Sicht haben Sie da nichts entkräftet. Sie haben einfach gesagt, dass Ihre Meinung eine andere ist.
    Und wenn Ihre Kritik tatsächlich mehr den Strukturen als der Person galt und gilt, wie soll dann Ihre Favoritin das besser machen? Denn an den Strukturen der Kreisverwaltung und der zu Grunde liegenden Kommunalverfassung kann sie doch auch nicht vorbei.

    Zu Ihrem Beispiel aus Kom. 31 zum „Gefolgschaftswesen“ in der Kreisverwaltung. Sie schreiben ja selbst, dass dieses Schreiben von einem Mitarbeiter der Kreisverwaltung gefertigt wurde. „Der Landrat“ muss natürlich drunter stehen, den es handelt sich um ein Amt. Der Landrat müsste vielleicht in letzter Konsequenz dafür Rechenschaft ablegen, vorher jedoch stünden doch noch jedem Bürger Beschwerdemöglichkeiten offen. Denken Sie, unter Margitta Mächtig wäre so etwas real nicht möglich? Das wäre meines Erachtens nach blauäugig. Dazu müsste ein Landrat jedes Schreiben lesen, dass aus dem Haus geht.Wie soll das funktionieren?

  35. Lieber Herr Gläßer,
    Sie schreiben:
    „Übrig bleibt alles, was ich ursprünglich auch geschrieben habe. Aus meiner Sicht haben Sie da nichts entkräftet. Sie haben einfach gesagt, dass Ihre Meinung eine andere ist.“

    Natürlich bleibt „alles übrig“. Was Sie geschrieben haben, haben Sie geschrieben. Und ich – und alle, die hier mitlesen – haben das zur Kenntnis nehmen können.
    Aber das war nicht mein Thema. Ich möchte mir klar darüber werden, was Sie mir konkret vorwerfen. „Ehrverletzung“ ist aus meiner Sicht ein schwerwiegender Vorwurf, den ich nicht einfach unter Polemik abbuchen kann. Mein Interesse ist, hier den konkreten Sachverhalt herauszuschälen. Ihr aktueller Kommentar wirkt da leider eher als Nebelwerfer.
    Also bitte sagen Sie mir konkret, wo und wie ich die Ehre von Herrn Ihrke verletzt habe. Wenn mir das im Eifer des Gefechts tatsächlich unterlaufen sein soll, dann will ich mich gerne dafür bei Herrn Ihrke entschuldigen. Aber zuvor muß ich wissen, wofür.

    Sie schreiben weiter:
    „Und wenn Ihre Kritik tatsächlich mehr den Strukturen als der Person galt und gilt, wie soll dann Ihre Favoritin das besser machen? Denn an den Strukturen der Kreisverwaltung und der zu Grunde liegenden Kommunalverfassung kann sie doch auch nicht vorbei.“

    Die beobachteten „gutsherrlichen und feudalen“ Strukturen sind ganz bestimmt nicht Folge der Kommunalverfassung. Sie sind vielmehr ein eklatanter Verstoß dagegen.

    Daher schrieb ich ja auch in dem Beitrag „Erwartungen an eine Landrätin der Linken“: „… sie muß vieles, was gesetzlich vorgeschrieben, überhaupt erstmal verwirklichen.
    Allgemeiner ausgedrückt, steht erstmal die Überwindung der gutsherrlichen, feudalen Strukturen und damit die Fortsetzung der bürgerlich-demokratischen Revolution … auf der Agenda“.
    Gesetzlichkeit und demokratische Rechtsstaatlichkeit dürfen nicht nur pro forma eingehalten, sondern sie müssen den Kreisverwaltungsmitarbeitern in Fleisch und Blut übergehen.

    Was das angeführte Beispiel angeht. Natürlich kann es immer Verfehlungen von Mitarbeitern geben. In dieser Kreisverwaltung ist das in diesem (sicher extremen) Beispiel angeführte bürokratisch herzlose Verhalten – was formal kaum zu beanstanden war – jedoch weit verbreitet. Und dafür trägt niemand anders Verantwortung als der Landrat.

    Aktuell muß so ein Mitarbeiter nichts befürchten. Er wird von seinen Vorgesetzten gedeckt. Das ist nichts Erfundenes, sondern Erfahrenes (glücklicherweise nicht durch mich persönlich).
    Also da wären bei einem anderen Landrat/einer anderen Landrätin durchaus Änderungen zu erwarten. Ohne daß jedes Verwaltungsschreiben über den Landratstisch geht.

    Es ist ein altes Sprichwort: „Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken“.
    Ich hatte früher (zu DDR-Zeiten) auch die Illusion, es wären bloß „die mittleren leitenden Kader“ an den offensichtlichen Defiziten des gehabten Systems schuld. Die Geschichte hat mich eines Besseren belehrt.

    Das auch für mich Erstaunliche an der ganzen Sache ist, daß die Aufgabe einer linken Landrätin nicht darin besteht, nun endlich mal die „kommunistische Weltrevolution“ einzuleiten. Nein!. Sie muß dieser bürgerlichen Demokratie erstmal zu sich selbst verhelfen.

    Das war eigentlich nach der „Wende“ die historische Aufgabe des SPD-Landrats. Und genau darin hat er versagt. Es ist gewiß nicht nur persönliches Versagen. Die historischen Umstände spielen da eine gewichtige Rolle. Doch nach fast 20 Jahren im Amt hat er jegliche Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion verloren. Was vmtl. jedem bei so langer Amtszeit passieren würde.

  36. @Gerd Markmann
    Was ich unkorrekt und ehrverletzend finde, habe ich deutlich in diesem Blogpost geschrieben. Wenn Sie das als schwerwiegenden Vorwurf empfinden, kann ich Ihnen nur mit einem Zitat von Ihnen antworten: „Ich kann Ihnen versichern, daß es sich tatsächlich und wahrhaftig um meine persönliche Meinung handelt, die in dem Beitrag aufgeschrieben steht.“(Kom. 15) Von mir monierte Textbeispiele sind auch angeführt. Sie sehen das anders – diesen Dissens kann ich aushalten! Da ich aber, und da wiederhole ich mich gern, nicht der Betroffene bin, kann und will ich eben nur meine freie Meinung äußern. Diese wird sich auch nach dem 10. Mal Konkretisieren nicht ändern, denn noch konkreter muß ich aus meiner Sicht nicht werden. Sie versuchen das Gegenteil durch Äußerung Ihrer eigenen Meinung zu belegen. Und da kommen wir dann nicht weiter.

  37. @Andreas Gläßer
    O.K., jetzt hab ich’s endlich auch verstanden. Wir sind in dieser Angelegenheit unterschiedlicher Meinung. Punkt. Damit kann ich sehr gut leben.
    Bitte verzeihen Sie mir mein permanentes Nachgehake. Aber ich nehme solche Vorwürfe nunmal sehr ernst und versuche dann auch bis zum Grund vorzustoßen. Da geht es nicht um irgendeinen „Abwehrreflex“, sondern um mein ganz persönliches Selbstverständnis. Tut mir leid, daß Sie in diesem Fall der Leidtragende meiner „Selbstsuche“ waren.

  38. @Gerd Markmann
    Kein Problem. In jedem Fall ist mir das lieber, als ständiges Ausweichen. Und es zeigt mir auch Ihren Respekt vor anderen Meinungen, wenn Sie diese dementsprechend ernst nehmen.