web analytics

Kloake Finowkanal: Offener Brief an das Landesumweltamt Brandenburg

Schaumkronen auf dem Finowkanal

Schaumkronen auf dem Finowkanal

Seit ein paar Tagen wird die Dezemberausgabe der „Barnimer Bürgerpost“ verkauft. Dominierendes Thema ist natürlich die erstmalige Direktwahl des Landrates am 10. Januar 2010 durch die Barnimer Bürger.

Doch es gibt noch andere aktuelle Themen im Barnim: Dr. Andreas Steiner, Mitglied der Stadtverordentenversammlung Eberswalde, hat die Verschmutzung des Finowkanals in einem offenen Brief an das Landesumweltamt in Potsdam kritisiert. Dieser Brief auf Seite 11 des Dezemberheftes ist lesenswert für jeden Barnimer, den der Dreck vor seiner Haustür nicht unberührt lässt.

Was halten eigentlich die drei Kandidaten Dr. Frank Valentin, Bodo Ihrke und Margitta Mächtig von dieser Barnimer Umweltsauerei?

Offener Brief an das Landesumweltamt
Der Finowkanal zwischen Zerpenschleuse und Niederfinow: Ein herrliches Naherholungsgebiet, ein landschaftliches und touristisches Highlight der Barnimer Region und zugleich wertvoller Lebensraum sowie Rückzugsrefugium zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.

Doch mit Sorge muß eine deutliche Verschlechterung seiner Wasserqualität beobachtet werden. Wahrnehmbare Indizien sind massive Schaumteppiche bis zu zwei Meter Länge und schätzungsweise 60 cm Höhe, die sich hinter den Wehren vom Ortsteil Finow bis Eberswalde-Zentrum bilden. Meines Erachtens handelt es sich hierbei um Phosphat- und Stickstoffverbindungen zum größten Teil aus Abwässern. Um die Wasserqualität des Finowkanals zu verbessern, müßten alle Einleiter kartiert, die Abwässer untersucht und für die Reinigung ein Maßnahmenkatalog verfasst werden. In meiner Funktion als Landessprecher der GRÜNEn LIGA Brandenburg habe ich mich nun in einem Offenen Appell an das Landesumweltamt gewandt und die Behörden aufgefordert, sich dieser Problematik zeitnah und umfassend anzunehmen.

Darauf geantwortet hat bislang nur die Barnimer Kreisverwaltung über die MOZ. Demnach handele es sich bei der Schaumbildung um einen natürlichen Prozeß, der nicht durch Abwässer verursacht werde. Ursache seien vielmehr Fäulnisprozesse, die durch abgestorbene Biomasse im Kanalwasser wie Blätter, Zweige und Laub, herbeigeführt werden. An den Wasserfällen der Wehre werden die Eiweißverbindungen durch Sauerstoff gelöst: Schaum bildet sich. Dieser sei in den Jahren 2001, 2002 und 2007 von einem Fachlabor auf Phosphor-Stickstoff und Tenside (Seifen) untersucht worden. Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) attestiert: „Alles liegt im normalen Bereich“.

Ich halte diese lapidare Begründung für nicht schlüssig und habe daraufhin bei der UNB alle Gutachten des Fachlabors angefordert. Gegen die Theorie, die massive Schaumbildung sei ausschließlich auf natürliche Abbauprozesse zurückzuführen, sprechen gewichtige Argumente. Sowohl die tageszeitlich extremen Schwankungen in der Intensität der Bildung der Schaumteppiche mit Schwerpunkten zum späten Nachmittag; insbesondere zum Freitag Nachmittag, als auch die Dimension dieser Schaumgebilde, die manchmal wie Eisschollen aussehen, deuten vielmehr auf eine stoßweise Einleitung von Abwässern hin.

Zukünftig sollen Binnengewässer besser geschützt werden. Dies gibt die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vor. Demnach darf sich ihr Zustand nicht verschlechtern, sondern soll mittel- und langfristig verbessert werden. Weitere Ziele sind der Schutz von Lebensräumen, die von den Gewässern abhängig sind, eine nachhaltige Wassernutzung sowie die schrittweise Einstellung von Einträgen gefährlicher Stoffe in die Gewässer. Bis 2015 sollen Oberflächengewässer einen »guten ökologischen Zustand « erreichen. Das bedeutet, daß das Vorkommen der gewässertypischen Organismen wie z. B. Fische, Wasserpflanzen, Algen und die Fauna der Gewässersohle nur geringfügig vom natürlichen Zustand abweichen darf. Darüber hinaus müssen alle Qualitätsziele zur Begrenzung der Schadstoffkonzentrationen in den Gewässern, die nach EU- oder nationalem Recht festgelegt sind, eingehalten werden.

Der durch die WRRL vorgegebene Zeitplan ist folgender:

  • bis Ende 2004: Bestandsaufnahme der Gewässersituation.
  • bis Ende 2006: Anwendungsbereite Programme zur Gewässerüberwachung.
  • bis Ende 2009: Erstellen von Maßnahmenprogrammen und Bewirtschaftungsplänen.
  • bis Ende 2012: Umsetzen der Maßnahmenprogramme.

Für den Finowkanal ist noch ein weiter Weg zu gehen, zumal das Fließgewässer derzeit in die Güteklasse III (stark verschmutzt) eingeordnet wird. Baden kann hier zur Gefahr für die Gesundheit werden. Fische aus dem Kanal würde ich jedenfalls auch nicht essen wollen. Vor diesem Hintergrund habe ich dem Landesumweltamt die Frage gestellt, inwieweit das Land Brandenburg und insbesondere die Region Barnim-Uckermark im Rahmen dieses vorgegebenen Zeitplans liegt und wie die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie mit Blick auf den Finowkanal konkret aussieht.

Dr. Andreas Steiner,
StVV-Fraktion B’90/Grüne

Leseprobe Dezember 2009

Leseprobe Dezember 2009

Die Barnimer Bürgerpost ist die unabhängige Leserzeitschrift des Barnim. Sie erscheint monatlich mit 16 spannenden Seiten und kostet 1 Euro. Verkaufstellen der “Barnimer Bürgerpost” in Eberswalde sind „Globus Naturkost & Naturwaren“, Eisenbahnstraße 7, Buchhandlung Mahler, Eisenbahnstraße 2, und der Zeitungskiosk im Einkaufszentrum am kleinen Stern in Finow. Wie gewohnt finden Sie hier auf dem Barnim-Blog eine Leseprobe des aktuellen Heftes. Klicken Sie dazu auf die nebenstehende Grafik. Die Ausgaben der Vormonate finden Sie in unserem Download-Archiv.

Im Dezemberheft der Barnimer Bürgerpost lesen Sie weiter:

  • Wahl des Landrates: Warum die Bürger fragen? – Argumente pro und contra Direktwahl (bbp)
  • „Elfenbeinhandel konsequent verbieten“ (MdB Sabine Stüber)
  • Zur Landratsdirektwahl (Dr. Manfred Pfaff)
  • Beirates für Migration und Integration – »KOMMIT-Barnim I« trägt erste Früchte (Aleksandr Lopyrov)
  • Bahnhöfe bis Ende 2011 behindertengerecht (Dr. Dagmar Enkelmann)
  • Zweifelhafter Grundstücksankauf in Bernau (Bündnis 90/Grüne)
  • Stadtverwaltung mit gewerkschaftsfreier Zone (bbp)
  • Verfehlte Eberswalder Finanzpolitik: »Angestellte sollen zur Kasse gebeten werden« (Albrecht Triller)
  • Turnhallenverkauf mit Anschubfinanzierung – 500.000 Euro Investitionen sind nur noch 1 Euro wert (bbp)
  • Wieder ein neues Wohngebiet – Altenpflegeheim und Einfamilienhäuser in der Eberswalder Schleusenstraße (bbp)
  • Elternnetz BEN (Andrea Bauroth, Jenny Wörpel & Küran Hasselhuhn)
  • Stellungnahme zum Haushaltsentwurf 2010: Verfehlte Strategie wird fortgesetzt (Albrecht Triller, Vorsitzender der Fraktion Die Fraktionslosen)
  • Ausschreibung für Baudezernenten beendet (Pressestelle der Stadtverwaltung Eberswalde)
  • Ein Gespenst geht um – das Gespenst der Direktwahl (Gerd Markmann)
  • Umweltmagazin »Ozon« erhalten (Dr. Dagmar Enkelmann)
  • Müllberg soll Energiepark werden (Pressestelle der Kreisverwaltung Barnim)
  • Solidarisch mit Bildungsstreik – ver.di fordert leistungsfähiges und gerechtes Bildungssystem (ver.di)
  • Verdoppelung der Hartz IV-Klagen droht – Deutscher Sozialgerichtstag warnt vor Auflösung der ARGEn (Wulf Sonnemann)
  • Das letzte »Strike Bike« – Versteigerung zu einem guten Zweck (bbp)
  • Geschichte und Untergang der DDR – Teil 1: Aufbruch (Hannes Hohn, Gruppe Arbeitermacht)
  • Wer regiert das Geld? – „Offene Worte“ mit Dr. Edgar Most (Helmut Braunschweit)
  • Gedanken zur Politik (Dr. Siegfried Adler)
  • Fraktion DIE LINKE in der StVV Eberswalde: »Uckermarkleitung« unter die Erde (Wolfgang Sachse)
  • Netzverkauf (Hartmut Lindner)
  • Bei anderen gelesen: Neues von der Wasser- und Abwasserfront (Dr. Gerd Roth – aus »Klarsicht — Die linke Kleinzeitung für den Landkreis Gotha« 12/2009)
  • Kitaintegrierte Frühförderung im Brandenburgischen Viertel (bbp)
  • Kloake Finowkanal – Offener Appell an das Landesumweltamt (Dr. Andreas Steiner)
  • 13.000 Bäume in der Stadt (Pressestelle der Stadt Eberswalde)
  • Kritische Nachträge zum »Supergedenkjahr« 2009 (Teil 1): Ereignisse und Entwicklungen (Rolf Richter)
  • Die sprechenden Ochsen in der Heiligen Nacht (gesammelte Sagen von Bernd Müller)
  • Für WaldWelten Hilfe zugesagt (Pressestelle der Stadt Eberswalde)
  • Übungssprengung erfolgreich — Schornstein fiel (Stefan Förder, THW Eberswalde)
  • Technisches Hilfswerk (THW): Hilfstrupp fürs Militär (G.M.)
  • Kriegsursachen: Die Gier nach fossiler Energie (Teil 1) – Der Krieg im Kosovo (Ulrich Jochimsen )
  • Verein für Heimatkunde zu Eberswalde e.V.: Neues Eberswalder Jahrbuch (Ingrid Fischer)
  • Modellbahnausstellung – 11.-13.12. im Bonhoeffer-Haus (Ronny Sdunzik)
  • Weihnachten und Wandern (Bernd Müller)
  • Veranstaltungen der Buchhandlung Mahler (Buchhandlung Mahler)
  • Hinweis: „Weihnachten trotz Familie“ mit Gisela Steineckert und Dirk Michaelis (Marcel Bloc)
  • Hinweis: 9. Weihnachtskunstmarkt (Kunstverein Die Mühle e.V.)

Kloake Finowkanal: Offener Brief an das Landesumweltamt Brandenburg auf Facebook teilen
Kloake Finowkanal: Offener Brief an das Landesumweltamt Brandenburg auf Twitter teilen
Kloake Finowkanal: Offener Brief an das Landesumweltamt Brandenburg auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

6 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Da der Landratskandidat Frank Valentin aktiver Paddler ist und wenigstens zweimal pro Saison den Finowkanal befährt, ist er genauso empört und unterstützt die Forderungen von Dr. Steiner. Diese Sauereien sind nicht länger hinnehmbar. Aber was will man verlangen, wenn die Umweltbehörde des Kreises -sage und schreibe- dem Bauamt unterstellt ist. Schon dadurch wird der Rang des Umweltschutzes im Kreis sichtbar. Und wennich dann noch die Schwafeleien von Entwicklung des Tourismus und von Hausbooten auf dem Kanal höre, frage ich mich, ob die Verantwortlichen eigentlich wissen, wovon sie reden.

  2. Lieber Frank, danke für Deine unterstützenden Sätze!
    Ich hatte zum Problem Finowkanal vor etwa drei Wochen einen Gesprächstermin mit Herrn Baaske von der Unteren Wasserbehörde Barnim. Beiderseitige Übereinstimmung gab es darin, dass die Ursache der Gewässerverschmutzung noch nicht geklärt ist und diesbezüglich unbedingt weiter am Ball geblieben werden muss. Doch offensichtlich ist auch diese Behörde „mit ihrem Latein am Ende“.
    Vorgeschlagen hatte ich gegenüber Herrn Baaske, die Fachhochschule Eberswalde einzubinden und Diplomarbeiten anzustreben, die der Gewässerverschmutzung des Finowkanals wissenschaftlich von verschiedenen Seiten auf den Grund gehen könnten. Die Behörde selbst kann dies allein finanziell nicht tragen.
    Hoffnung besteht auch noch darin, dass die Landesbehörden endlich reagieren. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

    Im Grunde fehlt mir eine breite Prozesswelle, angefangen von den Anreinergemeinden über Angler- und Heimatvereine bis hin zu den Naturschutzverbänden, die solch eine Verschmutzung ihrer Region nicht mehr tolerieren.

  3. Hallo, zum offenen Brief Kloake Finow-kanal, heute der 28.12.09, der Lange Trödel Ortslage Zerpenschleuse stinkt und sieht auch so aus wie ein Jauchefass und es ist bereits ein Fischsterben zu verzeichnen.
    Frage wer kann helfen uns zu unterstützen, damit dass aufhört.
    Mit freundlichem Gruss Vorsitzender des Angelvereins Finow-Kanal Zerpenschleuse e.V. Mike Bensemann

  4. @Mike Bensemann
    ganz herzlichen Dank für Ihren Hinweis, der, wenngleich dieser wieder ein erschreckendes Beispiel für die Verschmutzung des Finowkanals darstellt, sehr nützlich ist.
    Ich möchte Ihnen empfehlen, Fotos über das Fischsterben zu machen und sich (mit oder ohne Bilder) an die Untere Wasserbehörde des Landkreises Barnim (Herr Ronny Baaske) zu wenden. Nur wenn mehr Einzelpersonen bzw. Vereine und Verbände oder andere Interessengruppen auf diese Problematik aufmerksam machen, haben wir die Chance, etwas an der Situation verbessern zu können.
    Sie können mich aber auch gern direkt kontaktieren. Hier finden Sie Angaben zu meiner Person: Link

  5. Pingback: Europäischer Flussbadetag 2010: Der symbolische Sprung in den Finowkanal – Eine kritische Betrachtung – Von Dr. Andreas Steiner