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„Mächtig Gewaltig“ – Eine Landratskandidatin zwischen Olsenbande und Einkaufsbüdeln

Während bereits die ersten Takte des „Schwarzen Kanals“ zu einer wahren Massenflucht vor den Bildschirmen der Deutschen Demokratischen Republik führten waren die of und gern gesendeten Abenteuer der dänischen Olsenbande echte Straßenfeger. Superbrain Egon, der leicht vertrottelte Benny, Kjelt, Yvonne, Dynamit-Harry, Herr Brodersen und Herr Gottfredsen… das war stark klaumaukhaltig aber in dieser Richtung auf verdammt hohem Niveau. Viele Sprüche und Redewendungen der kriminellen Symphatieträger haben sich (vermutlich auf ewig) im Volksmund festgesetzt. „Mächtig Gewaltig“ gehört vielleicht zu den bekanntesten Sychronisationsperlen.

Es ist vielleicht nur ein Zufall, dass die Barnimer LINKE ihre aktuelle Landratskandidatin mit einem „Benny-Zitat“ bewirbt. Unter der Überschrift „Mächtig Gewaltig“ schreibt Lothar Gierke im aktuellen „Roten Adler“:

„Mit Margitta Mächtig (…) hat die LINKE ein politisches Schwergewicht als Kandidatin aufgestellt. Margitta Mächtig ist Mitglied des Brandenburger Landtages. Als jahrelange Vorsitzende  der Fraktion der LINKEN im Kreistag kennt sie die Gegebenheiten im Kreis wie ihren Einkaufsbüdel. Sie ist eine Politikerin aus Leidenschaft. Eine starke Verbindung zur Basis, kommunaler Durchblick, landespolitischer Einblick, regionaler Überblick und und vor allem visionärer Weitblick kennzeichnen ihr politisches Handeln“.

Wer sich von diesen Vorzügen überzeugen oder sie hinterfragen möchte hat hierzu am 5. Januar 2010 ab 19:00 Uhr im Ratssaal der Gemeinde Panketal (Schönower Straße 105, 16341 Panketal) die Chance.

Bei dieser Gelegenheit könnte eine weitere Olsenbanden-Phrase vermutlich noch besser ankommen als die bereits genutzte:
„Ich habe einen Plan!“


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72 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Für die Etymologen unter unseren Lesern:

    „Büdel“ ist das plattdeutsche Wort für Beutel. In Zusammenhang mit einem vorangestellten Substantiv kann es z.B. als „Quarkbüdel“ oder „Sabbelbüdel“ auch als Bezeichnung für eine Person dienen.

  2. Dieser Artikel könnte auch überschrieben sein mit „Mächtig(e) Liebe zum sozialistischen Vaterland – zwischen rotem und blauen Halstuch.“ überschrieben werden oder wie verstehen Sie den jüngsten Tagebucheintrag am 13.12. bei Frau Mächtig?

  3. @K-H. W.
    Schade! Aber wir können es auch Wandzeitung… äh, Blog nennen.

  4. @R. Frank

    Stimmt das Datum, welches Sie oben nannten oder ist es ein Versehen?
    Ich wollte nochmal nachlesen und konnte unter dem Datum nichts finden.

  5. @R.Frank: Ich habe unzählbar viele Menschen kennengelernt, die die 60/70 überschritten haben und deren Leben erst 1990 begann. Sie leben sicher nach dem Motto: „Glücklich ist wer vergißt, …“ . Das ist nicht meine Art mit Geschichte und meinem Leben umzugehen. Ich will möglichst meine Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, dass zwingt mich eben auch mein Tun Gestern und Heute zu hinterfragen, abzuwägen und Wirkungen abzuschätzen. Das ist nicht leicht, schon gar nicht wenn ich hinter die Mauer 1989 schaue. Aber das Leben ist ja auch kein Picknick. :-)

  6. Wenn Sie schon so nett sind und auf meine Internetseite verweisen, so bleibt mir die bescheidene Bitte, den Eintrag (und andere) bis zum Ende zu lesen. Vielleicht treffen wir uns dann wieder. – Vielleicht-

  7. Sein Sie mir nicht böse, Frau Mächtig, und verzeihen Sie bitte den nachfolgenden Fäkalausdruck:

    Mit über 40 Jahren Abstand muss ich sagen: Da hat man uns jungen Menschen in der Pionierorganisation aber ganz schön das Gehirn gewaschen (um nicht zu sagen: ins Gehirn geschissen).

    Gruss aus Rüdnitz in die Kirschallee.

  8. @R. Frank:

    Vielen Dank für Ihre Präzisierung. Ich war mir nicht sicher, ob Sie tatsächlich Frau Mächtig`s Homepage meinen, da Sie ja von einem „Eintrag im Tagebuch = Blog“ schrieben.

    Die von Ihnen vorgeschlagene Überschrift hätte, meiner Meinung nach, nicht zum Inhalt des Artikels gepaßt, da sie sich auf die Vergangenheit bezieht und nicht, wie der Artikel, mit der Gegenwart beschäftigt.

    Wenn Sie allerdings damit zu einer realistischen Einschätzung Frau Mächtig`s beitragen wollten, ist das sehr zu begrüßen.

    Ich verstehe Frau Mächtig`s Eintrag so, wie sie sich dazu im Schlußabschnitt erklärt und kann da auch nichts mißverständliches erkennen.

    Toll wäre jetzt, wenn man auch von den anderen Bewerbern einmal derartig ehrliche Stellungnahmen, ob nun zur Vergangenheit oder zu aktuellen, bislang ungeklärten Fragen, entdecken könnte.

  9. @MM
    Wenn Sie ganz ehrlich sind, dann könnten Sie der geneigten Leserschaft hier auch mitteilen, dass Sie das „Ende“ Ihres Tagebuchseintrages vom 13.12. erst zwei oder drei Tage später eingefügt haben. Ihre kritische Reflexion kam also erst zutage als Sie wahrscheinlich diesen Beitrag gelesen haben, auf den ich gestoßen bin. Daher stelle ich das Hinterfragen von gestern bei Ihnen tatsächlich in Frage.

    @K-H W.
    Wie füge ich hier blogkonform Links ein?

  10. Ich arbeite grade an einer Linkübersicht zum Landratswahlkampf. Hier schon mal die weiteren Wahlkampftermine von Frau Mächtig.
    Link

  11. Pingback: Landratswahlen Barnim 2010 – Linkliste zu allen Kandidaten – Von Stefan Stahlbaum

  12. @Karl-Heinz: Bevor der Moment vorbei ist, ganz schnell. Bezüglich Kommentar Nr. 9 kann ich Ihnen nur Recht geben. Der Begriff der Gehirnwäsche kam mir auch sofort in den Sinn. Den es ging doch nur darum, die Jugend auf Linie zu halten. Und da fällt es mir schwer, zwischen guten und schlechten Dingen zu unterscheiden, wenn das Ganze doch der Unterdrückung pluralitischer (Denk)ansätze diente. Und das mit der Wertevermittlung ist für mich auch so ein zweischneidiges Schwert. Einerseits haben wir in der DDR Pazifismus gepredigt und andererseits hatte ich als Pionier eine Uniform an und der Fahnenappel war ja auch nix anderes als ein militärisches Ritual. Von unserer hochgerüsteten, im Stechschritt marschierenden Armee mal ganz zu schweigen.

  13. @Michael Peukert und Karl-Heinz Wenzlaff. Die Frage ist, ist das Ihre Sicht von damals oder von heute? Und können wir akzeptieren, dass es unterschiedliche Sichten auf Vergangenes gibt? Ich ringe darum, dass uns der Blick auf das Gestern nicht den Blick für das Morgen verstellt. Akzeptanz und Toleranz sind da nicht nur Begriffe, sondern Anforderung in erster Linie an sich selbst. Mir ist heute wichtig, was lernen Menschen aus ihren gemachten Erfahrungen? Lassen Sie es mich an einem Beispiel festmachen, ohne es umfassend hier darstellen zu können. Sie schreiben „…hatte ich als Pionier eine Uniform an und der Fahnenappell war ja auch nix anderes als ein militärisches Ritual.“ Warum tragen heute Kinder und JUgendliche Uniformen in Schulen und Elitegymnasien und treffen sich zum Tagesmeeting? Ist es die Form? Ist es der Inhalt? Ist es das Ziel? Und gibt es vielleicht mehr als eine richtige Antwort? Und ob sie richtig war, was man das nicht erst am Ende eines Weges, einer Entwicklung?
    Und sicher ist der angelegte Maßstab für die Bewertung entscheidend und der scheint so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

  14. Natürlich ist es die Sicht von heute. Damals war ich 14, hatte noch nicht den Weitblick, war ein Kind. Und ich gebe zu, dass ich Spass dabei hatte. Aber erst mit reiferem Alter erkennt man, wie grotesk das alles war. Unterschiedliche Sichten auf das vergangene hat man aber auch, weil man sich seine Lebenslüge nicht eingestehen will oder kann oder eben so vom System profitiert hat, dass es einem tatsächlich sehr gut ging. Aber selbst wenn man an den Sozialismus glaubte, kann man mit der Umsetzung doch nicht zufrieden sein. Schon deshalb kann es doch keine positive Rückschau geben.

    Und der Vergleich mit den Uniformen gestern und heute hinkt doch ganz gewaltig. Der Unterschied ist doch, dass man früher keine Wahl (ohne Probleme zu bekommen) hatte und heute Eltern sehr wohl eine freie Wahl der Schule (u.U. natürlich vom finanziellen Aspekt abgesehen) haben. Und die Pionierhemden hatten doch ganz klar Uniformkalender am Militär angelehnt. Einen Pioniergruss ähnlich einem militärischen Gruß. Und beim touristischen Mehrkampf muss ich mit nachgestellten Handgranaten Zielwerfen. Also wenn das keine militaristische Beeinflussung war, dann weiß ich auch nicht und macht den Vergleich mit Eliteschulen noch absurder.

    Und das Tagesmeeting will doch wohl nicht wirklich mit dem Fahnenappell vergleichen? Aber ganz ehrlich mal. Über allem stand doch der staatliche ZWANG.

  15. … Uniformcharakter.. Je mehr ich darüber nachdenke, diese Form der Verniedlichung ist in meinen Augen schon fast gefährlich…

  16. Das Stichwort Zwang muss ich jetzt mal aufnehmen (vielen Dank, Herr Peukert).
    Ein System, dass seine gesellschaftlichen und politischen Ideale nur dadurch erreichen kann, dass es seine eigene Bevölkerung einsperrt, überwacht und drangsaliert, kann grundsätzlich nur als komplett falsch bezeichnet werden. Dann darf man aus meiner Sicht eben nicht anfangen mit dem Argumentationsklassiker für verblichene Diktaturen: „Es war ja nicht alles schlecht, was es gab.“ Doch, es war schlecht! Weil es im Ganzen eben nur mit ZWANG funktioniert hat.
    Natürlich denke ich selbst auch gern an Momente meiner Kindheit und Jugend zurück, die ich nun einmal in der DDR verbracht habe. Aber allzuviele dieser Erinnerungen haben mit meinem heitigen Wissen einen schalen Beigeschmack bekommen. Ich weiß heute, dass ich (und Millionen andere) instrumentalisiert wurde. Und so viele gute Ansätze es in der Sozialismus-Theorie geben mag, in der Realität wurde das nun mal verbrecherisch umgesetzt. Ein überführter Bankräuber, der nett zu Kindern ist, kommt trotzdem in den Knast.
    Diesen Tagebuch-Eintrag auf Frau Mächtig´s Seite zu lesen (mit der nachträglichen ‚Relativierung‘) hat mich regelrecht erschüttert und entsetzt.

    Wenn wir aber von Zwang reden, muss ich gestehen, dass mir der materialistische Zwang der heutigen kapitalistischen Gesellschaft natürlich auch nicht besonders behagt. Hier aber gilt es zu allererst den eigenen inneren Schweinehund niederzuringen und sich zu fragen: Wieviel Konsum brauche ich, worauf kann ich verzichten? Ich bin ein großer Sympathisant der Church of Stop Shopping, aber ich weiß auch, dass ich zuerst an mir selbst arbeiten muss. Und darum ist es schön, dass heutzutage auf dem Wahlzettel nicht nur eine Ja-Option steht (so etwas haben die Gesetze der Pioniere leider nicht erklärt), sondern in unserem aktuellen Barnimer Fall tatsächlich drei Möglichkeiten geboten werden. Das bedeutet für mich immerhin die (eigentlich recht große) Chance der Mitbestimmung. Und diese Wahl hätte ich in einer „Friss oder stirb“-DDR nicht gehabt!

  17. @Andreas und Michael: Vielen Dank für eure Kommentare. Ihr sprecht mir aus der Seele.

    @Margitta Mächtig: Für mich war die DDR auch damals eine Diktatur, die ihre Einwohner einsperrte. Ein Guantanamo für 17 Millionen, von denen sich einige ganz gut mit den Diktatoren arrangiert hatten. Ich habe mich damals in der Tat ohnmächtig und gefangen gefühlt. Hätte ich vor dem 9. November 1989 nur eine einzige Gelegenheit bekommen, die DDR zu verlassen, wäre ich nicht zurückgekehrt.

    Wenn ich mich richtig erinnere, hat Franz Josef Strauß in den siebziger Jahren einmal im Hinblick auf die DDR-Machthaber gesagt: „Mit Gefängniswärtern verhandelt man nicht, geschweige man gibt ihnen die Hand.“ Es war eine meiner größten Enttäuschungen über die innerdeutsche Politik, dass er 1983 den sogenannten „Milliardenkredit“ einfädelte und dazu beitrug, die Existenz der DDR-Diktatur um sechs Jahre zu verlängern.

  18. „…Und gibt es vielleicht mehr als eine richtige Antwort?…“ > Vielleicht viele Aspekte, Einflussgrößen usw. Aber letztlich doch nur EINE einzige Antwort im Sinne eines Fazits. Es war der falsche Weg, der Weg einer Diktatur, eine Lüge… Ohne Wenn und Aber! Und das muss unsere Partei auch klar machen, ohne Abstriche. Aber dann würde man wohl die Wählerstimmen der Altbonzen und derer die in diesem Sinne aggitieren riskieren. Es darf kein um den „Brei herum reden“ geben. …Es war zwar falsch, aber es gab auch gutes… Genau durch dieses verzerrte Bild und diese Bestätigung der Wahrnehmung risikieren wir doch die Zukunft und erhöhen die Chance einer Wiederholung. Darum klare Worte!

  19. @ M. Peuerkt
    Und genau weil es „der falsche Weg“ war und weil es „Täter“ gab, die für den (z.B. Uniform- und Appell-)Zwang zuständig waren, spreche ich denen heute jegliche politische Verantwortung ab.
    Und dabei richte ich den Blick, Frau Mächtig, ganz klar nach vorn!

  20. Genau, meine Herren, Sie haben die Wahl und ich bin sicher Sie nutzen sie.
    Interessant dass Sie die 5 Jahre meine Pionierleitertätigkeit (die am Anfang meines beruflichen Lebensweges standen) stärker bewerten als meine neunjährige Arbeit als Geschäftsführerin und seit sechs Jahren Vorsitzende in einem Verein, der Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern das Handwerkszeug zur Wahrnahme ihrer demokratischen Rechte in den Städte, Gemeinden und Landkreisen, im übrigen Querrbeet aller demokratischen Parteien und Bewegungen, vermittelt.
    Das meinte ich mit „jeder hat seine Maßstäbe“.

  21. @Margitta Mächtig: Also eigentlich hat niemand in dieser Diskussionsrunde hier, soweit ich oben lesen kann, auf die Pionierleitertätigkeit Bezug genommen oder eine Abwäagung mit den aktuellen Tätigkeiten vorgenommen.Ich habe nur bspw. meine Erfahrungen der Pionierzeit in Ansätzen aufgeführt und wie grotesk das alles rückblickend war. Aktuelle Arbeit ist nicht hoch genug zu bewerten, aber nicht im Sinne „dann aber Schwamm über Früheres“. Und was da in den Pioniernachmittagen lief, ist durch nichts zu rechtfertigen. Da helfen auch keine Ablenkmanöver auf das HEUTE.

  22. @M. Mächtig
    Also ich habe mich mit meinem Kommentar im Wesentlichen auf die Tagebuchveröffentlichung auf Ihrer Homepage bezogen. So rückwärtsgewandt bin ich tatsächlich nicht, dass ich mich an der vergleichsweise unspektakulären beruflichen/politischen Vergangenheit eines Menschen aufhänge. Ich glaube auch stark an die Entwicklungsfähigkeit des Individuums. Ihr veröffentlichter Lebenslauf ist da sicherlich beispielhaft für viele Ihrer ehemaligen und auch heutigen Genossen. Aber gerade wegen der auch von Ihnen ins Feld geführten persönlichen Entwicklung muss es sich doch von selbst verbieten, mehrere Tage lang die sogenannten Gesetze der Pioniere unkommentiert auf Ihrer Webseite zu veröffentlichen. Das wirkt auf den unvorbereiteten (und leider auch auf den vorbereiteten) Leser glorifizierend. Wenn man aber davon ausgehen muss, und hier scheiden sich ja bekanntlich die Geister, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, kann man so etwas nicht bringen, zumindestens nicht, wenn man sich für ein Amt bewirbt, in dem man im Fall der Fälle auch Mitverantwortung für die Bildung der jungen Menschen einer Region tragen soll.

    In meiner jugendlichen Sturm- und Drangzeit habe ich meinem Vater, ´26-er Jahrgang, Ex-Pimpf, Ex-HJ- und von ´56 -´89 SED-Mitglied, oft den zugegebener Maßen hinkenden Vergleich der Jugendorganisationen der DDR mit denen des Dritten Reichs an den Kopf geknallt. Das hat ihn regelmäßig in Rage gebracht, oft aber auch zu Eingeständnissen gezwungen. Was beide Systeme aus meiner heutigen Sicht gemeinsam haben, ist der gesellschaftliche und politische Zwang, den diese Gruppierungen sehr suptil aufzubauen verstanden. Und eben das verbietet es doch, so etwas nostalgisch zu betrachten.
    Würde ich auf meiner Homepage den Ehrenkodex der HJ unkommentiert veröffentlichen, weil ich einige der kolportierten Tugenden für wichtig befinde, noch dazu mit einem mehr als wehmütig klingenden Einleitungssatz, wäre ich sehr schnell gesellschaftlich und politisch zu Recht geechtet.
    Wäre ich Zyniker, würde ich sagen: Das Gute der „Diktatur des Volkes“ war, dass die Machthaber ihren Terror gegen das eigene Volk richteten und nicht wieder andere Völker damit behelligten.

    Vielleicht aber verstehen wir Sie nur falsch? Das würde ich für meine Meinungsbildung schon gern genauer wissen.

  23. @MM
    Also, der Verein, für den Sie 9 Jahre als Geschäftsführerin und 6 Jahre als Vorsitzende tätig sind, ist das „kommunalpolitisches forum Land Brandenburg e.V.“, eine PDS/Partei „DIE LINKE.“ nahestehende Organisation, die in erster Linie Kommunalpolitiker(innen) der PDS/Partei „DIE LINKE.“ schult und unterstützt. Insoweit ist das noch keine, wie Sie es versuchen hier deutlich zu machen, kompensierende Leistung für Ihre Tätigkeit als Leiterin der Pionierorganisation.

    Zudem, so verstehen Sie anscheinend die Diskussion hier, geht es nicht um Ihre „Lebensleistung“ als Freundschaftspionierleiterin, sondern vielmehr um Ihre heutige Wahrnehmung, Reflexion und, aus meiner Sicht, mangelnde kritische Auseinandersetzung mit Ihrer eigenen Verantwortung im politischen System der DDR. Warum „spielen“ Sie, z.B. durch Veröffentlichung der Pioniergebote, mit Ostalgie? Ist das Ihre politische Strategie?

  24. Herr Frank, sorry, Sie haben keine Ahnung über die Arbeit dieses Vereins und ehrlich gesagt habe ich keine Lust mich hier permanent Aufklärung betreiben zu sollen. Ihr Vorurteil ist klar und schon meine Großmutter sagte immer zu mir „Mädel merke, ein Urteil kannst Du korrigieren, ein Vorurteil wirst Du nicht brechen.“ Also leben Sie in Ihrer und ich in meiner Welt.
    Meine Wahrnehmung ist, Sie wissen nichts von meiner Arbeit, nichts von dem was ich vor, während und nach 1989 getan habe, aber sie … (das volkstümliche Wort erspare ich mir mir) an den Pioniergeboten auf, die für mich, ob Sie es verstehen oder nicht eine andere Bedeutung hatten und haben. Aber dies wollen oder können Sie nicht verstehen. Im übrigen hat dies nichts aber auch gar nichts mit Ostalgie zu tun, sondern mit der Suche nach neuen Antworten. Aber selbst das können oder wollen Sie nicht verstehen und ich habe keine Lust mehr mich in diesen Diskussionen aufhängen zu lassen. Mich bewegen andere Probleme der Zeit.

  25. @Stefan Stahlbaum: Danke für den Link.(13) Ist sehr interessant, denn am 7. Januar findet in Wandlitz mitnichten ein Streitgespräch nur mit Ihrke und Mächtig statt.Ich bin auch dabei. Ich habe mich bisher zwar für übergewichtig gehalten, aber offensichtlich bin ich noch nicht dick genug ;-) Deshalb übersieht man mich von interessierter Seite gern.

  26. Aber das ist es doch. Die Pioniergebote heraus heben als Ideale und den Rest was daneben lief in der Arbeit der Pionierorganisation und überhaupt einfach ausblenden. Uns so funktioniert es eben nicht. Und diese Diskussion kann man nicht eben einfach beenden…

  27. o.k. Frau Mächtig – das war ein echtes basta. Akzeptiert.

    Aber Sie müssen schon hinnehmen, dass es Menschen im Barnim gibt, die sich mit Politik und ihren Akteuren auseinandersetzen. Und dieses Forum hier bietet die Chance, auch außerhalb von der MOZ und den „Offenen Worten“ über Themen und Personen, z.B. der Partei „DIE LINKE.“, zu schreiben und diskutieren. Frau Rakitin („Der Barnim ist rot“, MOZ 09.10.09) würde sicher nicht Ihre Darstellung zu den Pioniergeboten und deren „andere Bedeutung“ (für Sie) in einem großen Artikel mit Farbfoto hinterleuchten. Insoweit ist das hier eine wichtige Plattform – vor allem vor Wahlen.

    Wenn Ihnen die Diskussion um Ihre Refelexion der Pioniergebote zu viel ist, dann können Sie mir und Ihren Wählern vielleicht erklären, was Sie dazu bewogen hat, auf Ihrer Internetseite unter „Positionen & Standpunkte“ den Artikel „Ratlose Sieger“ einzustellen? Lese ich da tatsächlich am Ende des vierten Absatzes „mediale Abmahnung aus der Hauptverwaltung Geschichte“und am Anfang des 5. Absatzes „hingebungsvolle ideologische Arbeit in der ostdeutschen Zivilgesellschaft“? Diffamieren Sie die Gedenkstätten- und Aufarbeitungsarbeit tatsächlich mit dem Begriff „Hauptabteilung“ aus dem Stasi-Jargon? Finden Sie dass das „ideologische Arbeit“ ist, was Frau Birthler und H. Knabe machen?

    „Die Vorschläge, die nun aus der Hauptverwaltung für Geschichte kommen, das Dilemma zu überwinden, sprechen für sich: Noch mehr Schulklassen nach
    Hohenschönhausen. Mehr Wanderausstellungen über die Stasi. Vielleicht
    helfen auch noch ein paar Filme mit Veronica Ferres. Das Doktrinäre und
    Dumpfe, das geistig Inferiore und kulturell Abstoßende, die allgemeine
    Beleidigung unseres Verstandes, bleibt weiterhin Methode, die hehre
    Motive für sich beansprucht.“ Können Sie mir diesen Absatz erklären?

    Mir fehlt, wie bei den Pioniergeboten, ein erklärender Text am Ende Ihres Artikels.

  28. Der Link zum Artikel „Ratlose Sieger -Streifzüge durch die deutsche Erinnerungskultur“ funktioniert leider nicht, dher hier noch einmal: Link
    Viel Spaß beim Lesen und Verstehen.

  29. @R.Frank: Standpunkte und Positionen der Bundespartei stelle ich informativ ein, wenn Sie Diskussionen dazu wünschen, führen Sie sie bitte mit der Bundespartei.
    Ansonsten widmen Sie sich doch mal den Problemen der Zeit.
    Ich bin für Hinweise dankbar zu solchen Fragen wie:
    Wie gelingt es im gegenwärtigen Stadium eine 380 kv-Freileitung aus Wohngebieten aus den Planungen raus zubekommen?
    Welche Möglichkeiten können wir noch wahrnehmen um die Sondermüllverbrennungsanlage in Eberswalde zu verhindern?
    Welche Regelungen müssen wir noch schaffen, damit das Abholzen von Alleebäumen wirksam unterbunden werden kann?
    Welche Maßnahmen sind erforderlich um eine Resozialisierung von Gefangenen zu ermöglichen?
    Wie können wir bei weniger Finanzmittel im Land trotzdem die Aufgaben des Landes erfüllen?
    Wie können wir den Bearbeitungsstau bei den Sozial- und Verwaltungsgerichten beheben?
    Wie kommen wir aus der Misere der immer schwierigeren Finanzlage der Kommunen und den berechtigten Lohnforderungen der Angestellten der Kommunen raus?
    Ich bin neugierig auf Ihre Vorschläge, frei nach dem Motto: Rückwärts nimmer, vorwärts immer. :-)

  30. @M. Mächtig
    Da war es schon wieder: Erneut versuchen Sie, die Diskussion in diesem Kommentarstrang in eine andere Richtung zu lenken. Das finde ich, ehrlich gesagt, schizophren. Einerseits sagen Sie: „Rückwärts nimmer, vorwärts immer.“ andererseits trauern Sie den Verdummungsregeln diktatorischer Systeme nach. Das passt nicht zusammen, es sei denn, dass Sie sich im Falle Ihrer Wahl zur Landrätin für die Wiedereinführung der Pinonierregeln an den Barnimer Schulen einsetzen wollen.
    Bei dieser Wahl geht es nicht nur um Sachkompetenz in der kommunalen Verwaltungsarbeit, es geht um Integrität und dazu zählt für mich eben auch die Reflexion der Vergangenheit.

  31. Ich wiederhole mich: Alles eine Frage der Maßstäbe- und ja, wir haben unterschiedliche. Das werden wir auch nicht wegschreiben. Deshalb lohnt sich die Fortsetzung nicht.
    Denn es müßte ein Neuwert entstehen. MÜSSTE!

    Dennoch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen unfallfreien Rutsch ins Jahr 2010.

  32. Das ist doch keine Frage der Maßstäbe, also ganz ehrlich ich bin regelrecht schockiert. Welchen Maßstab legt man den an, um eine Diktatur schön zu reden und wie wählbar ist dann jemand, wenn man für die Fragen der Zukunft die richtige sein will. Das kann man nicht auseinanderdivieren.
    Ganz ehrlich, wer das hier liest, dessen Wahlentscheidung müsste das MÄCHTIG beeinflussen.

  33. @M. Mächtig
    Dann wäre das wohl geklärt. Es sind einfach die Maßstäbe, die unterschiedlich sind. Kann ich nachvollziehen. Aber: Welche Maßstäbe würden Sie denn als neue Landrätin z.B. in der Bildungspolitik anlegen?
    Sie müssten in diesem Fall alle Barnimer vertreten. Sollte es soweit kommen, bitte ich Sie, mich und vor allem meine schulpflichtige Tochter nicht mit den Gesetzen der Pioniere zu vertreten. Das wäre für mich ein echter Auswanderungsgrund.
    Immerhin muss ich Ihnen zugestehen, dass Sie Ihre ‚Maßstäbe‘ nicht erst nach der Wahl aus der Kiste holen. Das macht es einfacher.

  34. @Gläßer: Seien Sie bitte nicht albern. Wenn Sie sich wirklich interessieren sollten, was ich, was DIE LINKE zur Bildungspolitik sagt, nutzen Sie das Medium Internet, Sie werden mehr finden als Sie lesen können oder wollen.
    Ansonsten gestatten Sie mir den Verweis auf:
    Die verblödete Republik von Thomas Wieczorek Einleitung
    Als kürzlich japanische Forscher die Welt mit der Meldung erschreckten, »Schimpansen sind am Computer besser als Studenten«, da trösteten sich allein unverantwortliche Optimisten mit dem Einwand, es könne sich dabei nur um angehende Unternehmensberater handeln. Zwar gilt die Überlegenheit unserer Vorfahren bislang nur für die schnelle und exakte Wiedergabe von Zahlenreihen, die kurz auf einem Monitor aufblinken. Dennoch wird angesichts der geistigen Entwicklung hierzulande die Frage immer drängender, ob wir den Primaten nicht seit langem bei ihrer intellektuellen Aufholjagd ein gutes Stück entgegengehen: Drohen die Deutschen ein Volk von Schwachköpfen zu werden?

    Kommt im Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz, im Supermarkt oder in Talkshows das Gespräch auf unseren allgemeinen Geisteszustand, fallen schnell Reizwörter wie Verblödung, Bildungsferne und geistige Verwahrlosung. Natürlich ist sofort die Rede von Pisa, von Denglish stammelnden Abiturienten und von Kassiere- rinnen, die zwei plus zwei nur mit dem Taschenrechner zusammenzählen können, von Lehramtsstudenten, die Rügen neben Sylt vermuten, und von Volkswirtschaftsdozenten, die sich wundern, warum im Kapital von Karl May kein Indianer vorkommt. Willy Brandts Kampfgefährte Egon Bahr erzählte jüngst von einer jungen Journalistin, die bei ihm um einen Termin mit Herbert Wehner nachsuchte. »Der spricht gerade mit Franz Josef Strauß.« – »Dann versuche ich es später noch mal«, meinte die Garantin der Pressefreiheit. Sicher macht sich dieselbe Journalistin darüber lustig, dass 27 Prozent der Zehnt- und Elftklässler Willy Brandt für einen DDR-Politiker halten – falls sie es nicht selbst glaubt.

    »Eine Gehirnwindung weniger, und du gehst auf allen vieren«: Was früher eine flotte Beleidigung war, klingt heute wie eine wissenschaftliche Prognose, vielleicht sogar für große Bevölkerungsgruppen. Wie aber sieht diese Verblödung konkret aus? Wird sie bewusst betrieben und wenn ja: mit welcher Absicht?

    Bei der Darstellung von Unwissen sind meist Häme und Bloßstellung im Spiel. Nehmen wir nur die gnadenlos überstrapazierte Standardsituation: Reporter, fiebrig und hibbelig in der Fußgängerzone. Endlich kommt eine Gruppe Opfer, eine fünfköpfige Abordnung der Jugend von heute. Reporter fragt: »Wie heißt denn die Hauptstadt der Türkei?« Die Jugend von heute wechselt Blicke der vielsagenden Art. Einer sagt: »Antalya.« Reporter wendet das Gesicht in die Kamera und macht eine hochwichtige Na-was-hab-ich-gesagt-Grimasse.

    Nur wusste der Mann vom Fernsehen nicht, dass die fünf subversiv angehaucht waren und ihn bewusst verladen hatten. Aber selbst wenn jemand Ankara für das spanische Wort für Anker hält und auch nicht ahnt, dass eine Allegorie nicht ansteckend ist und ein Hexameter nichts mit Okkultismus zu tun hat: Derlei Unwissen mag ja peinlich und tragisch sein – aber weiß unser Entlarvungsreporter, dass im Jahre 1947 die Verstaatlichung der bundesdeutschen Schlüsselindustrien nicht von der SED, sondern von der CDU Konrad Adenauers gefordert wurde, andererseits aber unsere Kanzlerin bis zur Wendezeit FDJ-Funktionärin für Agitation und Propaganda war, und dass der Spitzensteuersatz unter dem Einheitskanzler Helmut Kohl vor gerade mal zehn Jahren noch 53 Prozent betrug?

    Ist dieses Wissen unwichtiger als die Kenntnis der Namen aller europäischer Hauptstädte und sämtlicher Nebenflüsse des Rheins?

    Wer also den Verdacht der Volksverblödung auf die »Bildungsfernen« und geistig Verwahrlosten beschränkt, betreibt Verblödung in der Verblödungsdiskussion.

    Erklärtes Ziel und Voraussetzung demokratischer Gesellschaf- ten ist der »mündige Bürger«. Dies wäre auch durchaus erreichbar angesichts der Möglichkeiten der Informationsgesellschaft. In Wahrheit allerdings werden einige wenige immer klüger, bedrückend viele aber anscheinend immer dümmer. Dahinter steckt System: Denn buchstäblich zur Existenzfrage wird die Verblödung in parlamentarischen Demokratien, da hier das Volk seine Vertreter frei wählt und damit die Regierung und die Gesellschaftsordnung formal frei bestimmt. Dieser Sachzwang gilt verstärkt angesichts der nationalen und globalen Verschärfung der sozialen Gegensätze: Die Arm-Reich-Schere öffnet sich immer mehr, und bloßer Kapitalbesitz bringt mehr ein als ehrliche Arbeit.

    Man stelle sich nun einmal vor, die Normalbürger wüssten Bescheid über die Fakten und Hintergründe von Armut und Reichtum, Weltwirtschaftsordnung, Konzernpolitik in der Dritten Welt, wirtschaftlichen Verflechtungen und Korruption – ganz zu schweigen von den ökonomischen, politischen und philosophischen Theorien und ihren Folgen.

    Wäre unter diesen Umständen eine mit beeinflussbaren Stümpern durchsetzte politische Klasse überhaupt vorstellbar? Würden informierte, also wirklich mündige Bürger nicht so manchen Politiker sofort als ungeeignet enttarnen und ihr eigenes Urteil über die Gesellschaft sprechen?

    Könnten manche hanebüchenen Projekte überhaupt umgesetzt werden, wenn wirklich entscheidungsfähige Bürger darüber urteilten und – sei es auch nur per Wahlen – mitentschieden?

    Deshalb ist Verblödung unausgesprochenes oberstes Staatsziel, und dies betrifft beileibe nicht nur die intellektuell-kulturelle Kelleretage: Wer kennt zum Beispiel die Unterschiede zwischen Ordo- und Neoliberalismus, zwischen Keynesianismus, Monetarismus oder Marxismus?

    Stattdessen wird plattester Marktradikalismus – allen bisherigen praktischen Erfahrungen zum Trotz – als Heilsbringerreligion etabliert: Der Markt wird zum neuen Gott, zur unbegreiflichen höheren Macht. Selbst der Neoliberalismus-Miterfinder Friedrich August von Hayek sagt unumwunden, sein System funktioniere nur, wenn die Menschen blind an die Marktgesetze glaubten und keine dummen Fragen stellten. Kann aber jemand ohne zumindest oberflächliche Kenntnis dieser Probleme die »richtige« Partei wählen, geschweige denn die Gesellschaft mitgestalten?

    Damit diese Unwissenheit möglichst ewig fortbesteht, wird sie auf allen Ebenen bewusst angestrebt und gefördert:

    1. So halten viele Bürger die Forderungen »Weniger Staat, mehr Privatisierung«, »Lohnnebenkosten runter«, »weniger Staatsschulden« blindgläubig für »alternativlose Sach- zwänge«. Kaum einem ist bewusst, dass es sich um spezielle eigennützige Ziele der Vermögenden handelt, die von der Werbeagentur Scholz&Friends im Auftrag der Arbeitgeberorganisation »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft« (INSM) formuliert wurden und auf vielerlei Wegen in die »unabhängigen Medien« lanciert werden – nicht ohne Wirkung: Selbst sozial und sozialstaatlich eingestellte Bürger »vergessen«, dass

    • der Staat laut Grundgesetz »ihr Staat« ist, der die Kern- bereiche wie innere und äußere Sicherheit, Kommunikation, Energieversorgung, Wohnen, Staatsfinanzen, Ausbildung, menschenwürdiges Aufwachsen und Altern für alle Bürger zu garantieren hat,

    • Steuern also kein »Ausnehmen der Bürger« sind, sondern der Beitrag zur Finanzierung der gesetzlichen Pflichten des Sozialstaates,

    • »Lohnnebenkosten« nichts anderes sind als der sozial- staatliche Beitrag der Arbeitgeber zur sozialen Absicherung der Arbeitnehmer,

    • die Globalisierung kein Naturgesetz, sondern simples Menschenwerk ist,

    • Chancengleichheit ohne Sozialstaat dasselbe bedeutet wie die »faire« Chance von tausend Leuten im Kampf um einen einzigen Job oder die Chance aller Lotteriespieler auf den Jackpot,

    • eine marktradikale Gesellschaft also zwangsläufig immer eine Handvoll Gewinner produziert, wohingegen der Rest mehr oder minder leer ausgeht.

    2. Unter dem Deckmantel der »Eigenverantwortung der Eltern« sieht man der zunehmenden geistigen und sozialen Verwahrlosung seit Jahrzehnten mit geheucheltem Entsetzen tatenlos zu. Frei nach dem Motto:»Es kann ja keiner ahnen, dass Alkoholiker vom Kindergeld Schnaps statt Spielzeug kaufen.« Die Folge sind schulunfähige Sechsjährige. Im Schulsystem setzt sich dies fort: Frühzeitig wird über die Bildung und damit über die spätere Schichtzugehörigkeit entschieden, und auch dies weniger nach Leistung als nach sozialer Herkunft. Bezeichnend ist auch die – im Vergleich etwa zu Frankreich und Skandinavien – beschämend geringe Verbreitung der Ganztagsschule. Pisa ist nur die zwangsläufige Folge: junge Menschen, die oft selbst für eine Lehre untauglich sind und deren Leben in Hartz-IV-Armut vorgezeichnet ist. Die Grenze verläuft hier lediglich dort, wo den Unternehmen die tauglichen Arbeitskräfte fehlen.

    Typisch auch die »Integration«: Klassen mit 80 Prozent Immigrantenkindern fallen nicht vom Himmel, sondern werden anscheinend bewusst gebildet. Dass es auch anders ginge, zeigen die ebenfalls seit Jahrzehnten bekannten Beispiele anderer westlicher Staaten.

    Auch vor der Ausbildung von Führungskräften macht die Verblödung nicht halt. Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel bezeichnet heutige BWL-Absolventen als »Fuzzis und Systemzwerge. Der US-Ökonom Robert Kuttner sieht gar »eine Generation von graduierten Idioten heranwachsen, die über eine Reihe von Techniken verfügen, aber nichts von Ökonomie verstehen« .

    Um die Idealvorstellung vom unpolitischen Fachidioten abzusichern, wird das frühere Vordiplom jetzt Bachelor genannt und so ein kritikloses Schmalspurstudium ermöglicht. Die Geisteswissenschaften werden pauschal als »brotlose Kunst« verspottet, und selbst hier setzen sich im Zuge der »Eigenverantwortung« zusehends »Wissenschaftler« durch, die »Drittmittel einwerben«, also von der Industrie gesponsert sind. © Droemer Knaur Verlag

    Gibt´s auch als Hörbuch. :-)

  35. @M. Mächtig
    Das war
    1. ausführlich,
    2. ausweichend,
    3. nicht von Ihnen.
    Aber es ist in jedem Fall eine interessante Buchempfehlung.
    Ich finde es nicht im mindesten albern, wenn ich Sie auf Ihre Reflexion zur Vergangenheit anspreche. Und dazu weiß ich noch immer nicht mehr. Aus meiner Sicht könnten Sie heute die sozialsten Gesellschaftsvisionen verfolgen; solange ich das Gefühl habe, dass Sie Ihre Wertvorstellungen teilweise aus einem diktatorischen System übernommen haben, kann ich nicht sehen, wie Sie die Interessen der heutigen Barnimer vertreten wollen.
    Um das aber nicht ausufern zu lassen, werden ich versuchen, zu der einen oder anderen geplanten Gesprächsrunde zu kommen.

  36. jooooo, das war ´menge. aber natürlich nix, was den spagat zwischen vergangenheit und zukunft erläutern würde. so langsam hab ich den verdacht, sie wollen diesem thema ausweichen.

    wenn sie also den eltern die eigenverantwortung absprechen, heißt das also wieder pioniernachmittag einführen? also das wäre dann nicht meine vorstellung einer ganztagsschule.

    und als fazit steht, wer keinen sozialimus will, ist einfach zu blöd dazu? Das wird sicher überzeugen. na denn prost mahlzeit.

  37. Mich irritiert die Kandidatur von Frau Mächtig.
    Frau Margitta Mächtig machte im real existierenden Sozialismus eine FDJ-Karriere – siehe ihre Homepage -, nun zieht sie eine neue politische Karriere im Kapitalismus durch.
    „Hüten Sie sich davor, die Flucht nach vorn anzutreten. Denken Sie nicht, dass man mit neuem Geschaffenen Altes zudecken kann. Die Vergangenheit holt uns alle ein. Wenn wir sie nicht aufarbeiten, erdrückt sie uns eines Tages!“ (Prof. A. Richter – Eberswalde / Oberbarnimer Kreisblatt 5. – 11. Mai 1990)
    Wie verfuhr die DDR einst mit den Nazi-Parteigenossen?
    „1946 erbat der SED-Kreisvorstand um Auskunft über die Gewerbegenehmigungen früherer Nazimitglieder. Der Kammervorsitzende der Provinz Brandenburg verlangte zur Genehmigung neuer Gewerbebetriebe eine eidesstattliche Versicherung, dass eine Zugehörigkeit zur NSDAP usw. nicht vorgelegen hat“. *
    So streng war man in der DDR aber nicht immer: „Bernhard Bechler, NSDAP-Mitglied, Major und Bataillonskommandeur kam bei Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft und wurde dann Mitglied der KPD. 1946 in der SBZ Innenminister vom Land Brandenburg und ab 1952 Generalmajor der KVP, dann stellvertretender Chef des Hauptstabes der NVA…“** – eigentlich gab es solche Karrieren laut DDR-Propaganda doch nur unter Adenauer.
    „Nachrichtenblatt 106 vom Kreisschulamt an die Unterbezirke vom 18. Oktober 1948
    1. Betrifft Elternausschüsse
    Durch Nachrichtenblatt haben sie von hier die Mitteilung erhalten, dass die Elternausschüsse nicht mehr neu gewählt werden müssen. Hierzu wird das Rundschreiben des Ministeriums zitiert: … heute hat der Elternausschuss nur eine Aufgabe: Helfen und Fördern in jeder Beziehung. Dazu ist aber die Vereinigung der ‚Freunde der neuen Schule’ viel geeigneter, weil ihr Kreis wirkungsvoller ist. Es wäre zu wünschen, dass überall die fortschrittliche Elternschaft selbst dafür eintritt, dass die Vereinigung ‚Freunde der neuen Schule’ an die Stelle der (frei gewählten) Elternausschüsse tritt. Wahlen erübrigen sich dann also.“***
    Mit der Vergangenheit wäre politische Enthaltsamkeit für meine Begriffe geboten. Wer soll da sonst noch die Welt verstehen? Wind, wo bist du, hier ist mein Mäntelchen.
    Berthold Noeske
    *Kreisarchiv Barnim – Akte: C II 10985, ** Warten auf Antwort – Ein deutsches Schicksal von Margret Bechler – Ullstein-Verlag, 12. Auflage 1990 (Ersterscheinen 1978), *** Landesarchiv Potsdam – Akte: Rep 250 – 1142 ((Weitere Ausführungen und Beispiele finden sich im Buch >Als Opposition noch chancenlos war< – Treibgut-Verlag))

  38. Tja Herr Noeske, so unterschiedlich sind Biographien. Ein General von Schwerin baute die Bundeswehr mit auf, ein Generalfeldmarschall Paulus die NVA. Beide waren zuvor in der selben Armee und haben dennoch unterschiedliche Schlüsse gezogen. Der eine wollte so schnell wie möglich wieder Krieg, der andere hatte die Schnauze voll davon. Solange beide annähernd gleichstark waren, gab es keine Kriege in Europa. Nun sind sie wieder an der Tagesordnung. Hätte man den Schwächeren vielleicht doch mehr stärken sollen?
    Neben Marx fragt auch Udo Lindenberg: Wozu sind Kriege da?“
    Da hatten zwei Frauen jeweils eine FDJ-Karriere. Die eine bewirbt sich gerade als Landrätin, die andere ist Bundeskanzlerin. Beide haben aus der Vergangenheit unterschiedliche Lehren gezogen.
    Während erstere zu ihrer Vergangenheit steht, gemeinsam mit ihrer Partei Fehler benennt und erklärt, diese Fehler nicht wiederholen zu wollen und dies durch ihr politisches und soziales Engagement im Alltag auch beweist, verschweigt oder verniedlicht letztere ihre Vergangenheit und sorgt mit ihrem politischen Engagement für soziale Kälte und fördert Kriege. Komisch. Wem wurde hier wann, warum und auf welche Art und Weise ins Gehirn ge…….. ? (Ich schließe mich der Entschuldigung von Herrn Wenzlaff (richtig?) an.)
    Wenn hier jemand erklärt, er habe sowieso schon immer alles besser gewußt, dann mag er von mir aus ein Genie sein. Scheinbar hat nur leider noch nie jemand auf ihn gehört.
    Wenn aber jemand Vergleiche zwischen der DDR und dem 3.Reich anstellt, dann ist er genau das Gegenteil von einem Genie.
    Die falsche Politik der DDR hat zu Auslandsschulden geführt, wie sie heute der Berliner Bezirk Friedrichshain/ Kreuzberg hat, zu Unzufriedenheit und Mißmut in der Bevölkerung aufgrund fehlender Meinungs- und Reisefreiheit und ganz bestimmt noch zu reichlich anderen Ungerechtigkeiten, einschließlich einer (viel zu großen) Anzahl von Toten. Dies alles hat folgerichtig zum Ende der DDR geführt.
    Aber dies mit dem größten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit zu vergleichen, ist einfach unter aller Kanone.
    Da wird hier geäußert, daß unter Dr. h.c. Adolf Hitler auch nicht alles schlecht war. Da wurden ja Autobahnen gebaut und Arbeitsplätze geschaffen. Aber keiner stellt klar, daß dies dem größten aller Kriege diente. Das Wohnungsbauprogramm der DDR hat jedenfalls keinen Krieg gefördert, aber das war ja selbstverständlich.
    Da wird die Pionierbluse, berechtigterweise, kritisiert und ein Attrappen-Handgranatenwerfen, welches natürlich auch blödsinnig war. Dennoch ist das ein himmelweiter Unterschied zur HJ, die regelrecht auf einen Angriffskrieg gedrillt wurde.
    Was ist auszusetzen an den Geboten der Pioniere, außer die Punkte zur DDR und Sowjetunion, die es ja nicht mehr gibt?
    Während ein Pionier zu Frieden und Freundschaft erzogen wurde, führen Deutsche Soldaten heute wieder Krieg.
    Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die heute wegen Komasaufens oder Drogenmißbrauch in Krankenhäusern landen, weil ihnen die soziale Geborgenheit und Perspektive fehlt, steigt stetig. Die DDR aber war so unmenschlich, daß sie soetwas durch gemeinsame Pioniernachmittage verhindert hat.
    Womit ich zur Gehirnwäsche komme: Natürlich hat die DDR versucht, die Menschen in ihrem Sinne zu erziehen. Und natürlich war einiges falsch oder übertrieben. Nur darf man dabei nicht übersehen, daß sich zwei gegensätzliche Gesellschaftssysteme gegenüberstanden und auch das andere System seine Gehirnwäsche betrieb und heute noch betreibt, nur auf andere Art und Weise.
    Über diese Art und Weise ist unter #37 ausreichend zitiert worden und jedem ehrlich Interessierten kann ich Informationen über die INSM, die Atlantik-Brücke oder die Bilderberger Konferenzen nur empfehlen.
    Zur ehrlichen Suche nach Wahrheit gehört immer auch Differenzierung. Schwarz-weiss-Malerei führt lediglich zur Verhärtung von Gegensätzen.
    Genau das trifft auch auf die Vergangenheit der DDR zu.
    Und genauso unredlich ist es, jemandem seine Redlichkeit mit steinalten Artikeln aus einer Zeit, in der dieser noch gar nicht geboren war, absprechen zu wollen.
    Menschen machen Fehler, sonst wären sie keine Menschen. Aber ein Mensch, der sich der Diskussion dazu stellt, ist für mich weitaus würdiger für eine Leitungsfunktion, als einer, der sich gar nicht äußert oder einer, der nur ausweicht.
    Eine umfassende Aufarbeitung kann man in diesem Blog nicht erwarten. Sie ist einem ganzen Staat nach zwanzig Jahren nicht gelungen und solange sie einseitig, ohne eigene Vergangenheit (des zweiten deutschen Staates) betrieben wird, kann es zu keinem Ergebnis kommen.
    Und Herr Noeske, das Mäntelchen nach dem Wind hängen die Leute, die damals gerne scheinheilig alle Vorzüge zur Förderung ihrer eigenen Karriere in Anspruch nahmen und diese heute dazu nutzen, die in den Dreck zu ziehen, die ihnen diese Chancen ermöglichten.
    Daraus ergibt sich: Eine Karriere im Sozialismus bedeutet nicht gleichsam FÜR den Sozialismus genausowenig wie eine im Kapitalismus FÜR den Kapitalismus.
    Insofern ist bei Frau Mächtig nirgends eine Luftveränderung erkennbar, da wehte und weht der Wind eindeutig immer von links. Und sowas nenne ich ehrlich und glaubwürdig.

  39. @Frank Müller
    Sie sind der Thematik wenigstens nicht ausgewichen. Und das zeigt ganz klar, dass Sie, wie Frau Mächtig es nannte, andere Maßstäbe setzen. Für Sie ist es legitim, zu sagen, dass bis auf wenige Passagen die Pioniergesetze doch in Ordnung waren. Ich kenne Sie und Ihren Lebenslauf nicht, aber das, was ich als Pionierarbeit erlebt habe, war Gruppenzwang, Ausgrenzung von Andersdenkenden und permanente Aggitation. Damals habe ich das auf Grund meines staatskonformen Elternhauses gar nicht verstanden. Aber letztlich ging es darum, Werkzeuge für die Gesellschaft zu erziehen. Bitte verharmlosen Sie das nicht, Herr Müller!
    Es geht nicht um einen Vergleich (ich wusste vorher schon, dass sich jemand daran aufhängen wird) zwischen 3. Reich und DDR. Es geht nicht um das Übungs-Handgranatenwerfen, den Militärischen Mehrkamf, den Wehrkundeunterricht oder ähnliches. Es geht darum, dass ein wensentliches Merkmal von Diktaturen die zwangsweise Deindividualisierung der Gesellschaft ist. Und eben jener Zwang ist bereits von frühester Kindheit in den DDR-Jugendorganisationen, genauso, wie im 3. reich, aus rein ideologischen Gründen ausgeübt worden. Das können und dürfen Sie nicht leugnen oder relativieren.

    Ich glaube, es gibt viele Menschen in unserem Land, die ihr politisches Wertesystem links einordnen (ich kenne jedenfalls viele). Ich gehöre dazu. Aber ich kann mich nicht mit Akteuren solidarisieren, die mit Hilfe von viel Rethorik Zwangssysteme verharmlosen.

  40. Ergänzung:
    Und für die Erziehung der Kinder sind auch heute, wie damals, die Eltern verantwortlich, nicht der Staat. Wenn heute so viele Probleme mit den Kindern und Jugendlichen existieren, muss man doch eher bei den Eltern ansetzen. Aber mir ist klar, dass die noch schwieriger umzukrempeln sind.

  41. @ Andreas Gläser
    Danke für ihre letzten beiden Einträge.

    Die Einträge und Sichtweisen kann ich nicht nur nachvollziehen, sondern sehe es genau so! Und darum ist die Debatte wichtig.

    Matthias Platzek sagte in einem Interview am heutigen Tage in der Märkischen Allgemeinen „…Es gibt offenbar viele Menschen, die sich mit ihrem gelebten Leben, mit ihrer Leistung und ihrem Behaupten in der DDR nicht hinreichend akzeptiert und respektiert fühlenn. Darauf reagieren viele Westdeutsche verständnislos…“

    Ich halte diesen Ausspruch für gefährlich und zeigt meines Erachtens ein falsches Verständnis für Fragen der Aufarbeitung.

    1. Von wem wollen denn „viele Menschen…. akzeptiert und respektiert“ werden? Ich respektiere und akzeptiere die meißten Menschen mit ihrer Geschichte. Kritisch stehe ich aber dem „…gelebten Leben, (der)… Leistung und ihrem Behaupten in der DDR….“ von TÄTERN oder Menschen gegenüber, die an dem verbrecherischen Tun von „Staatsorganen der DDR“ nichts auszusetzen haben, nein, die es heute tatsächlich fertigbringen, die Handlungen zu rechtfertigen, verniedlichen und in einen kuscheligen Kontext stellen.

    2. Der Satz „Darauf reagieren viele Westdeutsche verständnislos“… macht mich wütend. Die Westdeutschen interessieren mich dabei überhaupt nicht. Ich bin auch kein Westdeutscher, und ich reagiere, wie im übrigen viele meiner Generation (1970 Geburtsjahr), verständnislos. Wo ist die offene Diskussion, die ja hier im Forum schon stattfindet und am 29. Januar sicherlich „live“ durchgeführt wird, in der Gesellschaft der „Ostdeutschen“, wo fragen wir offen, wer war SED Chef in der Stadt, wer im Betrieb oder den Schulen, welcher Lehrer/in lehrte „Staatsbürgerkunde“ und meinte, der „Schwarze Kanal “ sei eine tolle Wissenssendung? Wer verführte unsere Generation und machte uns zum „Helfers-Helfer durch Unterlassung“.

    Nicht vor den Westdeutschen gilt es sich zu behaupten, sondern unter uns gilt es, Flagge zu zeigen und endlich zu dem zu stehen, was in der „DDR“ angerichtet worden ist. Ohne wenn und aber. Ohne Weichspüler und ohne Verstecken.

  42. Zum Beitrag von Herrn Müller
    Im Museum in der Adler-Apotheke Eberswalde gibt es im neuen Jahr einige interessante Veranstaltung – leider erst nach der Landratswahl -.
    29. Jan. / 18:00 Uhr Podiumsgespräch mit Zeitzeugen bei der Besetzung der MfS-Kreisstelle Eberswalde
    12. Febr. / 18:00 Uhr Inhaftierung und Isolierungslager in der DDR
    5. März / 18:00 Uhr Lesung aus dem Buch Waldleben (das Buch versucht die alten Seilschaften nach 1990 aufzuzeigen)
    Und noch eine kleine Randbemerkung. Als mein Vater 1955 den Wiener-Appell nicht unterzeichnete, weil er auch gegen die Aufrüstung im Ost sei, wurde ihm anschließend das Gewerbe entzogen. Eine Verhaftung misslang, weil er auf Geschäftsreise war. Und so zog es die Familie vor, in den Westen zu fliehen. Ich konnte den Militärdienst verweigern, in Bonn gegen die Pershingstationierung und Rüstungsproduktionsfirmen in Freiburg demonstrieren, was zu keinen Verhören mit dem Verfassungsschutz führte. – – – Aber ich weiß: in der DDR war ja das Militär der reinste Friedensdienst…, deshalb gab es keinen Grund für Kritik und keine NVA-Verweigerer. Die Zeugen Jehovas (als Totalverweigerer) sperrte man weg, in Eberswalde 1954 beispielsweise einen ganzen „Hauskreis“ zu zwischen zwei und sieben Jahren Haft.

  43. @Andreas Gläßer:

    Wenn Sie meine obigen Äußerungen: „Die falsche Politik der DDR hat zu Auslandsschulden geführt, wie sie heute der Berliner Bezirk Friedrichshain/ Kreuzberg hat, zu Unzufriedenheit und Mißmut in der Bevölkerung aufgrund fehlender Meinungs- und Reisefreiheit und ganz bestimmt noch zu reichlich anderen Ungerechtigkeiten, einschließlich einer (viel zu großen) Anzahl von Toten. Dies alles hat folgerichtig zum Ende der DDR geführt.“ als Verharmlosen, Leugnen oder Relativieren bezeichnen, haben Sie entweder nicht gelesen oder wollen nicht verstehen.
    Ich schrieb auch: „Zur ehrlichen Suche nach Wahrheit gehört immer auch Differenzierung. Schwarz-weiss-Malerei führt lediglich zur Verhärtung von Gegensätzen.“ Dieses Verhärten von Gegensätzen wird durch die gegenwärtig herrschende Politik äußerst intensiv betrieben, um weitere Uneinigkeit in der Bevölkerung zu befördern und so die eigene Macht zu sichern. Dabei bedient sie sich eben dieser Todschlagworte, wie Sie sie mir vorwerfen. Insofern scheinen die von mir o.g. Organisationen relativ erfolgreich zu arbeiten.

  44. @Berthold Noeske:

    Da Sie immer interessante Geschichtsbeispiele beisteuern, möchte mich anschließen. Ist Ihnen Heinrich Hannover als Zeitzeuge ein Begriff?
    Auch von ihm gibt es spannende Lektüre.

  45. @Frank Müller: Das manche ein Problem mit der Vergangenheitsbewältigung haben zeigte doch, dass jede Stellungnahme dazu auch eine „Aber-Heute“-Bemerkung enthält. Damit schaffen doch Sie die Gegensätze. Wenn aber jemand die Diktatur von früher beschreibt ist er ein Schwarz-Weiß-Maler. Die Gegensätze in der gesellschaftlichen Wahrnehmung werden aber meiner Meinung nach von denen geschaffen, die die DDR schön reden und nicht klar das Unrecht benennen. Jede Kritik von denen enthält Passage i.S. „aber es gab auch gutes“ und „Aber heute“. Wie glaubhaltig und nachhaltig kann den so eine Einschätzung einer Dikatatur sein??
    @all: Keine Ahnung, wer das gesagt hat aber ich fands gut: „Lieber eine Demokratie mit Fehlern als eine perfekte Diktatur“. Darüber und die Vorteile sollte mancher mal nachdenken.
    @all: Abschließend Frohe Weihnachten an alle! :-)

  46. @Kommentar Nr. 41
    Sehr geehrter Herr Noeske,
    Sie und Ihre Familie haben Unrecht erlitten. Ihre Eltern wollten unpolitische Geschäftsleute sein und wurden gerade deshalb politisch. Zuletzt sahen in der Flucht aus der DDR die einzige Chance.
    So haben Sie es erlebt. So haben es Ihnen Ihre Eltern erzählt. So bestätigten es Ihnen die historischen Unterlagen, die Sie fanden.
    Seien Sie sicher, Sie haben mein aufrichtiges Mitgefühl. Ich habe Verständnis für Ihre Haßgefühle, die sich aus dem Erlebten und Erzählten ergeben.

    Aber Haß ist ein schlechter Ratgeber und ungeeignet für eine unvoreingenommene Aufarbeitung der Geschichte. Aber diese Aufgabe haben Sie sich mit Ihrem Buch ja wahrscheinlich auch gar nicht gestellt. Memoiren sind immer subjektiv und gerade wegen ihrer Subjektivität eine wichtige Quelle für das Verständnis der Geschichte.

    Haß – genauso wie Schönfärberei – kann aber auch blind machen. Von solcher Blindheit scheint mir Ihr hiesiger Kommentar (Nr. 41) bestimmt zu sein, der inhaltlich weitgehend identisch ist mit Ihrem Kommentar (Nr. 4) zu „Bodo Ihrke, Margitta Mächtig, Dr. Frank Valentin: Online-Wahlkampf im Barnim?“ und Leserbriefen in der MOZ. Die Wiederholung deutet darauf hin, daß Ihnen diese Ausführungen sehr wichtig sind. Bitte erlauben Sie mir daher ein paar Anmerkungen.

    Sie schreiben:
    So streng war man in der DDR aber nicht immer: „Bernhard Bechler, NSDAP-Mitglied, Major und Bataillonskommandeur kam bei Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft und wurde dann Mitglied der KPD. 1946 in der SBZ Innenminister vom Land Brandenburg und ab 1952 Generalmajor der KVP, dann stellvertretender Chef des Hauptstabes der NVA…“ – eigentlich gab es solche Karrieren laut DDR-Propaganda doch nur unter Adenauer.

    Lieber Herr Noeske, wann bitteschön gab es unter Adenauer für Mitglieder der KPD »solche Karrieren«?
    Halten Sie es wirklich für so unwahrscheinlich, daß es bei Menschen, welche die Hölle von Stalingrad überlebt hatten, ein ehrliches Umdenken gegeben haben könnte?
    Ähnliche Reaktionen auf Ihren Leserbrief gab es auch schon in der MOZ. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie die Möglichkeit hier für eine Antwort nutzen würden.

    Sie schreiben außerdem:
    Wie verfuhr die DDR einst mit den Nazi-Parteigenossen?
    „1946 erbat der SED-Kreisvorstand um Auskunft über die Gewerbegenehmigungen früherer Nazimitglieder. Der Kammervorsitzende der Provinz Brandenburg verlangte zur Genehmigung neuer Gewerbebetriebe eine eidesstattliche Versicherung, dass eine Zugehörigkeit zur NSDAP usw. nicht vorgelegen hat“.

    Mal davon abgesehen, daß es die DDR 1946 noch nicht gab und aus Ihrer Formulierung nur hervorgeht, daß der SED-Kreisvorstand »Auskunft … erbat«, während die Genehmigung neuer Gewerbebetriebe offenbar einem »Kammervorsitzenden der Provinz Brandenburg« oblag, bitte ich Sie in diesem Zusammenhang um die Beantwortung folgernder Frage:
    Halten Sie es für falsch, daß 1946 »zur Genehmigung neuer Gewerbebetriebe eine eidesstattliche Versicherung« verlangt wurde, »daß eine Zugehörigkeit zur NSDAP usw. nicht vorgelegen hat«?
    Entsprach dies nicht vielmehr den Forderungen der Alliierten – und breiter Bevölkerungskreise – nach Entnazifizierung?

    Mich beschäftigt eine weitere Frage. Auf Ihrer Webseite gibt es an einer Stelle den Hinweis, daß Ihre Eltern das Geschäft in Eberswalde im Jahr 1938 von einem Franz Wolff erworben haben. Wissen Sie dazu Näheres? Haben Ihnen Ihre Eltern darüber Einzelheiten berichtet?

    In der Hoffnung auf Ihre Antworten verbleibe ich
    mit freundlichen Grüßen
    Gerd Markmann

  47. @ Bertold Noeske (Kommentar Nr. 46)
    Kein Zweifel. Die Auswahl der Themen der von Ihnen empfohlenen Veranstaltungen spricht für eine unvoreingenommene und ausgewogene, vor allem aber keinesfalls einseitige Betrachtung der DDR-Geschichte. Eben richtige objektive Aufarbeitung der Geschichte. Wird zweifellos sehr erfolgreich sein.

    Zum dritten Termin: 5. März / 18:00 Uhr Lesung aus dem Buch Waldleben (das Buch versucht die alten Seilschaften nach 1990 aufzuzeigen)

    Die in Klammern gesetzte Erklärung stammt ganz sicher weder vom Autor Sighard Neckel noch vom Verlag. Die hier dokumentierte Aufgabenstellung findet sich zumindest weder im Vorwort noch im Umschlagtext des Buches und wird auch nicht dem gerecht, was in dem Buch drin steht. Darin enthalten ist vielmehr eine ziemlich gute Sozialstudie über die gesellschaftlichen Verhältnisse und Veränderungen in Eberswalde nach der Wende.

    Vielleicht war ja diese Erklärung notwendig, damit für die Lesung Fördermittel locker gemacht werden können. Es gibt ja schließlich einen »politischen Bildungsauftrag«. Es wär ja dumm, das dafür zur Verfügung gestellte Geld nicht abzurufen.

    Ungeachtet dessen (oder vielleicht gerade deswegen), daß, auf die Lesung dieses Buchs bezogen, die Gelder wohl etwas am politischen Bildungsauftrag vorbei aquiriert werden, dürfte es ein sehr interessanter Abend werden.

    Im übrigen wünsche ich allen ein gesundes neues Jahr!

  48. @ Michael Peukert (Kommentar Nr. 15)
    Hallo Micha, Du schriebst: »… haben wir in der DDR Pazifismus gepredigt …«
    Da irrst Du (mächtig) gewaltig. Wenn wir was in der DDR gepredigt haben, dann war das FRIEDEN.

    So war auch eines der Gebote der Jungpioniere, wie dem Tagebucheintrag bei Margitta Mächitg zu entnehmen ist:
    »Wir Jungpioniere lieben den Frieden.«
    In den Gesetzen der Thälmann-Pioniere hieß es dann schon ausführlicher:
    »Wir Thälmannpioniere lieben und schützen den Frieden und hassen die Kriegstreiber.
    Durch fleißiges Lernen und durch gute Taten stärken wir den Sozialismus und helfen den Friedenskräften der ganzen Welt. Wir treten immer und überall gegen die Hetze und die Lügen der Imperialisten auf.«

    Die Liebe zum Frieden war immer verbunden mit der Forderung, diesen auch zu schützen. »Der Friede muß bewaffnet sein«, war eine der Grunderfahrungen der Nachkriegsgeneration und auch noch der Nach-Nachkriegsgeneration. Als unsere »Brüder und Schwestern« Anfang der 80er Jahre in ihrem Land die Pershing-II-Atomraketen aufstellen ließen, die auf ostdeutsche Städte zielten, war das nicht gerade das, was man unter vertrauensbildender Maßnahme verstehen konnte.

    Sogar bei RENFT (1975 in der DDR verboten) hieß es: »Wer die Rose ehrt, der ehrt heutzutage auch den Dorn. Der zur Rose noch dazu gehört, noch solang man sie bedroht.« Aber auch die Hoffnung: »Einmal wirft sie ihn ab, … wenn alle sie lieben«.

    Historische Realität indes ist, daß die DDR 1989/90 »den Dorn abwarf«. Die BRD dachte hingegen nicht im entferntesten daran, es gleich zu tun. Im Gegenteil. Die Bundeswehr führt heute weltweit Kriege.

    Jetzt oute ich mich wohl als DDR-Nostalgiker, wenn ich, wie mir einst als Thälmannpionier »indoktriniert«, auch heute noch sage: Ich liebe den Frieden und hasse die Kriegstreiber – derer es mehr als genug gibt in diesem Land.

  49. @Michael Peukert:

    Nicht ich schaffe die Gegensätze, sie sind objektiv vorhanden. Ich versuche lediglich sie zu benennen.
    Wenn man eine Vergangenheit kritisiert, geschieht das aus welchem Grund? Ist man nach der Kritik befriedigt und beendet sein Leben, oder was folgt dann? Muß man jeden Tag das selbe kritisieren und wie lange?
    Ich versuche jedenfalls aus der Vergangenheit Schlußfolgerungen für mein heutiges Leben zu ziehen und lande, was Wunder, wieder in der Gegenwart und nehme so automatisch die o.g. Gegensätze war.
    Was erwarten Sie denn? Man kann doch nicht nur ständig in der Vergangenheit herumhängen und dabei Gegenwart und Zukunft vergessen. Was nützt es, über eine grottenschlechte Vergangenheit alles zu wissen, wenn man vielleicht demnächst nichts mehr zu essen hat?
    Folglich entsteht automatisch die „Aber-Heute“-Bemerkung.
    Daß diese Bemerkung eine Verharmlosung sein soll, wird uns zwar ständig von den einschlägigen Medien um die Ohren geblasen. Das ganze Gegenteil ist jedoch der Fall. Während zum größten Teil die damaligen Ungerechtigkeiten erkannt wurden und entsprechende Verantwortung dafür übernommen wurde, wird mit der „Verharmlosungs-Phrase“ von den heutigen Problemen abgelenkt. Und das Leben spielt nun mal im diesseits.
    Über die Vorteile einer echten Demokratie nachzudenken, lohnt sich bestimmt. Vielleicht können wir dann mal irgendwann eine solche erreichen. Anfangen könnte man mit der Frage, wer überhaupt das „Volk“ ist, welches dann über wen auch immer herrscht. Meinungsfreiheit und Freie Wahlen, in denen Menschen Parteien auswählen, aus denen sich dann eine Regierung zusammensetzt, die noch nicht mal über die Mehrheit der Stimmen des „Volkes“ verfügt, können da höchstens ein Anfang sein.
    Womit ich doch tatsächlich in der Zukunft gelandet bin.

    In diesem Sinne wünsche ich ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Neues Jahr in sozialer Geborgenheit mit viel Liebe und vor allem Frieden.

  50. Betr.: Kommentar Nr. 51

    Guten Tag Herr Markmann,
    (Frau Mächtig möglichst z.K.)
    vielen Dank für Ihren Kommentar, er führt wieder zum Thema zurück, nachdem viele Blog-Beiträge in Nebenschauplätze abrutschen.
    Was war mein Anliegen?
    Ich wollte meine Meinung, warum jemand mit einer FDJ/SED-Kariere oder ähnlichem (Stasi, IM zu DDR-Zeiten oder NSDAP, SS zu Nazi-Zeiten) nicht mehr ein politisches Amt bekleiden sollte, darlegen. Ich versuchte und versuche, dies auch mit historischen Fakten (für die Blog-Diskussion stark komprimiert und verkürzt) angereichert, zu begründen.
    (Ich habe mich in BaWü beispielsweise an Demos gegen Filbinger beteiligt, Filbinger – der ähnlich wie DDR-Juristen heute – sagte: was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein – – – In der DDR gegen den stellvertretenden Chef des Hauptstabes der NVA Bernhard Bechler ((siehe Kapitel 2 in meinem von Ihnen genannten Buch)) oder den Rektor der Humboldt-Universität Berlin, Prof. Hartke, der einst NS-Führungsoffizier im Reichssicherheitshauptamt, der Behörde, zu der auch die Gestapo als Unterabteilung gehörte ((siehe Kapitel 15)). zu demonstrieren, wäre einem sicher recht schlecht bekommen.)
    Solche Gegenüberstellungen oder Faktenaufzählungen von mir sind nicht von Hass getrieben, sondern von dem Vorsatz, Informationen öffentlich zu machen und Kandidaten mit aktiver SED-Vergangenheit damit zu konfrontieren, die früher in der SBZ / DDR der allgemeinen Öffentlichkeit i.d.R. nicht zugänglich waren.
    Nach meinem Eindruck hatte die DDR zwei sehr unterschiedliche Phasen. Die eine vor und die zweite nach dem Mauerbau.
    Vor dem Mauerbau hatten Systemkritiker, Unternehmer, die nicht HO usw. werden (s. Kap. 2, 7 und 14), Bauern, die nicht der LPG beitreten (s. Kap. 39), Menschen die nicht aus der Kirche austreten (s. Kap. 6) oder nicht in eine Massenorganisation eintreten (s. Kap. 2 und 7) wollten, noch die Möglichkeit über Berlin in den Westen zu gelangen, wenn sie nicht vorher verhaftet wurden. Mit Unterschriftenlisten für oder gegen etwas und bei den Wahlen ohne Wahlmöglichkeit mit den Kandidatenlisten der Nationalen Front, konnte der Parteikader Kritiker herausfiltern um ihnen mindestens die Agitatoren auf den Hals zu jagen (s. Kap. 2, 3 und 7).
    Frau Mächtig ist eigentlich alt genug, sie müsste von all den Machenschaften etwas mitbekommen haben.
    Nach dem Mauerbau blieb dem großen Rest, der nicht sein Leben bei einer Flucht riskieren wollte, nichts anderes übrig, als sich zu arrangieren. Während der Vorbereitung zu meinem Buch, es ist eine Art Dokumentation der ersten Phase, also von vor dem Mauerbau, hatte ich in den letzten fünf Jahren viele Kontakte mit Menschen, die die zweite DDR-Phase zu meistern versuchten. Hier wurde für mich immer wieder deutlich, dass sie auch aus wirtschaftlichen Gründen ständig Kompromisse eingingen. Sei es der Beitritt in die Betriebskampfgruppe (das erleichterte den Karierefortschritt), die Teilnahme an den (1.Mai usw.) Aufmärschen (eine Nichtteilnahme hätte z.B. die übertarifliche Zulage gekostet), die Mitgliedschaft in der Partei oder in div. Massenorganisationen konnte Hilfreich bzw. mindestens aber Probleme mindern helfen, wenn die Kinder auf die Oberschule wollten/sollten. Die Mitgliedschaften hier und da waren auf der anderen Seite auch hilfreich angesichts der Mangelwirtschaft, so konnte der eine dies bieten und der andere jenes abzweigen. Das bewirkte einerseits Gemeinschaft, gleichzeitig aber auch Abhängigkeit, die heute manchen schweigen lässt: „Ne, ne, da sag ick nüscht, der hält mir gleich vor, det ick doch damals och den Mörtel jerne jenommen hab. Denn heßt et und jetzt willst über mich herziehn?“ …
    Diese zweite DDR-Phase habe ich in meinem Buch nicht aufgegriffen, da bin ich auf viel zu viel Schweigen gestoßen, dass müssen andere machen. Der Turm von Uwe Tellkamp leistet hier z. T. eine gute Aufklärung, allerdings zeigt er nur die Strukturen in einem recht elitären Beziehungsgeflecht auf. Eine offene Darstellung des Arbeiter- und Angestelltenalltags, von Menschen in dieser Staatsstruktur oder auch beispielsweise jenen, die nichts mit der Partei und den Staatsorganisationen zu tun haben wollten, ist mir bisher nicht bekannt. (Gelegentlich kleinere Biographien.) Da Frau Mächtig auch leitend in diesen DDR Staatsorganisationen tätig und somit teil des Bevormundungsapparates war, stünde Ihr, so meine Meinung, Abstand bzw. ein Verzicht auf öffentliche politische Ämter gut an.
    Den Vorhalt, ich hätte Hassgefühle, kann ich nicht nachvollziehen. Dass manche Menschen, deren Schicksale ich im Buch vorstelle, Hassgefühle haben, kann ich mir vorstellen. Von mir, so wie ich mich bei all den Gesprächen und Recherchen wahrgenommen habe, kann ich nur sagen, dass ich immer wieder erschüttert, bis zu Tränen betroffen war und bin, wozu Menschen in der Lage waren und sind. Mit SIND meine ich auch jene Stasimitarbeiter, die beispielsweise die Verhöre in Hohenschönhausen durchführten und bis heute keinerlei Reue für ihr Tun aufbringen, sondern ähnlich wie Filbinger argumentieren – s.o.
    Es grüßt
    Berthold Noeske

  51. Betr.: Kommentar zu 52
    Guten Tag Herr Markmann,
    ob das Museum für die Veranstaltungsreihe (Im Labyrinth der Erinnerungen) Fördermittel erhalten hat oder erhält, weiß ich nicht. Ich habe für meine Lesung am 4. Dez. 09 jedenfalls keinen Cent und auch keine Reisekosten- oder Auslagenerstattung erhalten. Ich habe alle Kosten selbst getragen – bis auf das Glas Sprudelwasser, welches mir gestellt wurde.
    Gruß
    Berthold Noeske

  52. Kommentar Nr. 53
    Guten Tag Herr Markmann,
    (Frau Mächtig möglichst z.K.),

    Sie schrieben am Schluss zusammengefasst: „Jetzt oute ich mich wohl als DDR-Nostalgiker, wenn ich, wie mir einst als Thälmannpionier »indoktriniert«, auch heute noch sage: Ich liebe den Frieden und hasse die Kriegstreiber – derer es mehr als genug gibt in diesem Land.“

    Ich wundere mich über die Ausführungen der einstigen Benutzung des Wortes „Frieden“ in der DDR.
    Ich denke da an die Niederschlagung der Demonstrationen in der DDR um den17. Juni 1953.
    Im Bundesarchiv, Außenstelle Freiburg, konnte ich die Auswertung der Einsatzleitung der KVP einsehen und lesen. In solchen einst vertraulichen Unterlagen wird dann schon deutlich, dass sie von keinem vom Westen aus gesteuerten organisierten Widerstand ausgingen. Wohl aber dankbar waren über den militärischen Einsatz ihres sowjetischen Brudervolkes.

    Ich denke da an die Niederschlagung der Proteste 1956 in Ungarn. Die DDR-Führung hatte nichts gegen eine militärische Niederschlagung.
    Und weil in Storkow im Kreis Beeskow eine Abitursklasse 5 Gedenkminuten für die Ungarischen Opfer einlegten, kam es dort zu erheblichen Sanktionen. Und wenn hier einer mit Hass tätig war, dann war das der damalige cholerische Volksbildungsminister Fritz Lange. Mit aller Gewalt wollte dieser einen Rädelsführer ermittelt habe. Doch die Klasse hielt zusammen und so wurde die ganze Klasse ein halbes Jahr vor ihrem Abitur von der Schule verwiesen. – Ausführlich aufbereitet hat diesen Vorgang der einstige Schüler Dietrich Garstka in dem Buch „Das schweigende Klassenzimmer“ dies nach der „Wende“ 2006.

    Ich denke an die Niederschlagung des Prager Frühlings in der Tschechoslowakei. Am Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August 1968 in die Tschechoslowakei zur Niederschlagung beteiligte sie sich die DDR zwar nicht direkt, unterstützte den Einmarsch aber propagandistisch und hatte schon vor der Invasion eine Offiziersdelegation in die Tschechoslowakei entsandt (als Lehrgang getarnt) und zog an der Grenze zur Tschechoslowakei NVA-Einheiten zusammen. Die DDR-Führung war bereit hier mitzumischen – nur Moskau wollte es nicht.

    So entpuppt sich die Aussage »Wir Jungpioniere lieben den Frieden.« als Parolengeschwätz.
    (Ich gehe davon aus, dass 99% der Menschen den Frieden lieben!)
    Mich würde schon interessieren wie Frau Mächtig die oben genannten Niederschlagungen damals vor ihren FDJ-Zöglingen bewertet hatte und was sie heute dazu sagt.

    Soweit meine Bewertung zur DDR-Friedenspolitik.
    Und damit Sie nicht glauben, ich (zusammen mit meiner Frau) würden die Augen vor der Gegenwart verschließen, hier noch ein Auszug unseres Jahresrundbriefs an unsere Verwandten und Freunde:
    „Die neue CDU / FDP Koalition fördert, nach Berths Einschätzung, neben vielen unsinnigen Beschlüssen und Vorhaben zusätzlich Rüstungsproduktion und –export. Rüstungsexporte sollen laut neuem Koalitionsvertrag wieder mit Hermesbürgschaften, die vor einigen Jahren abgeschafft wurden, abgesichert werden, was eine zusätzliche Steigerung hervorrufen dürfte. Der Militäreinsatz in Afganistan führt zu dokumentierbaren Toten, über die Folgen unserer Rüstungsexporte erfahren wir selten etwas. Rüstung tötet täglich! Das „C“ im Parteinamen empfinden wir angesichts einer solchen Politik als Gotteslästerung.
    Und was die FDP angeht wird deutlich – was Berth schon befürchtet hatte: mit der Macht nimmt sie sich die Freiheit, sich und ihre Besserverdiener zu bedienen.
    Für uns ist es aber wichtig uns dafür einzusetzen, dass Vergangenheit aufgearbeitet und Zukunft umwelt- und dabei schöpfungsgerecht gestaltet wird.“

    Mit weiterhin optimistischen Grüßen
    Berthold Noeske

  53. Herr Noeske schrieb: „Da Frau Mächtig auch leitend in diesen DDR Staatsorganisationen tätig und somit teil des Bevormundungsapparates war, stünde Ihr, so meine Meinung, Abstand bzw. ein Verzicht auf öffentliche politische Ämter gut an.“

    Was mich enttäuscht ist, dass hier jemand meint, über mein Leben urteilen zu können, ohne es wirklich zu kennen.

    Was ich weiß ist, dass Menschen, mit denen ich über mein Leben in der DDR sprach, es schwer ertrugen, dass ich zu den Millionen Menschen gehörte, die nicht wirkliches Leid in der DDR erlitten, wenn gleich ich die Ecken und Kanten für die blauen Flecke im Leben nicht ausgelassen habe.

    Was mich nachdenklich macht ist, dass auch für Herrn Noeske in seiner Bewertung offensichtlich die vergangenen 20 Jahre nicht zählen, Entwicklung ausgeschlossen wird und das Urteil steht und zwar lebenslänglich. Nein nicht wie bei Kriminellen, Dieben, Mördern, Totschlägern Fristen gelten, sondern da lautet das Urteil wenn es nach Herrn Noeske geht:
    Engagiert in der DDR heißt lebenslängliches Verbot des passiven Wahlrechts, also Aberkennung einen grundlegenden bürgerlichen Rechts. Und weil man das als „Demokrat“ ja nicht laut sagen will, muss man solange Druck ausüben, bis die Gemeinten von sich aus auf das passive Wahlrecht verzichten.

    Im übrigen überlegen Sie doch mal einen Augenblick, was in ostdeutschen Bundesländern nach 1990 passiert wäre, wenn sich alle so verhalten hätten. Aber das wäre wohl eine neue Diskussion.

    Ich schrieb es schon mal: Alles eine Frage der Maßstäbe.

  54. @Berthold Noeske (Kommentar Nr. 55)
    Sie schreiben:
    „Was war mein Anliegen? Ich wollte meine Meinung, warum jemand mit einer FDJ/SED-Kariere oder ähnlichem (Stasi, IM zu DDR-Zeiten oder NSDAP, SS zu Nazi-Zeiten) nicht mehr ein politisches Amt bekleiden sollte, darlegen.“
    Die Gegenüberstellungen Filbinger – Bechler etc. seien nicht von Haß getrieben, „sondern von dem Vorsatz, Informationen öffentlich zu machen und Kandidaten mit aktiver SED-Vergangenheit damit zu konfrontieren“.

    Tut mir leid, wenn ich Ihnen da weiterhin eine gewisse Blindheit bescheinigen muß.
    Bechler hat sich nach Stalingrad vom Faschismus abgewandt, hat Lehren gezogen. Um es immer und überall die richtigen waren, darüber kann man womöglich streiten.
    Filbinger hingegen zeichnete für Todesurteile gegen Fahnenflüchtige verantwortlich, hat im März 1945 sogar selber die Erschießung eines Verurteilten vorangetrieben und schließlich selber befehligt und schließlich sogar noch nach der Kapitulation Urteile gegen Soldaten, wegen deren antifaschistischer Gesinnung ausgesprochen. Und er hat dies alles noch Ende der 70er Jahre beschönigt und gerechtfertigt.

    Diese Gegenüberstellung beweist eher das Gegenteil von dem, was Sie suggerieren.

    Meiner Frage, ob Sie es wirklich für so unwahrscheinlich halten, daß es bei Menschen, welche die Hölle von Stalingrad überlebt hatten, ein ehrliches Umdenken gegeben haben könnte, weichen Sie leider aus. Auch auf meine anderen Fragen sind Sie nicht eingegangen.

    Statt dessen wiederholen Sie Ihre Gleichsetzung einer Pionierleiterin mit einem Nazirichter.
    Können Sie wirklich nicht verstehen, daß so eine Gleichsetzung – bei aller Rücksichtnahme auf das Unrecht, das Sie und Ihre Familie in der DDR erlitten haben – nur als bösartige Beleidigung empfunden werden kann?

    Auch wenn Sie hier diese Motivation abstreiten, kann ich mir solche Blindheit nur durch Haßgefühle erklären, die letztlich Resultat unverarbeiteter Geschichte sind. Mit Ihrem Buch haben Sie eine solche Aufarbeitung versucht. Vielleicht ist da vieles wieder hochgekommen, was Sie jetzt an einer ex-Pionierleiterin, die Sie als Person überhaupt nicht kennen und die zum Zeitpunkt Ihrer Flucht noch nicht geboren war, auslassen.

    Ihre DDR-Sicht, die Sie hier darlegen, scheint mir arg verkürzt. Sie machen den „großen Rest“ der DDR-Bevölkerung, einfach mal so unter der Hand zu verhinderten Flüchtlingen. Damit projizieren Sie eigene Erfahrungen auf andere – was im übrigen die heute übliche Schwarz-Weiß-Propaganda bedient.

    Sie schreiben, daß Sie mit vielen Menschen gesprochen haben. Mit Frau Mächtig offenbar nicht.

    Gruß Gerd Markmann

  55. @Berthold Noeske (Kommentar Nr. 57):
    Sie schreiben: „Ich wundere mich über die Ausführungen der einstigen Benutzung des Wortes ‚Frieden‘ in der DDR.“

    Bitte erinnern Sie sich an den Anlaß meines Kommentars, mit dem ich auf die falsche Darstellung reagierte, in der DDR sei „Pazifismus gepredigt“ worden.
    Ich erwiderte darauf, daß in der DDR statt „Pazifismus“ vielmehr „Frieden gepredigt“ worden sei und das immer mit dem Verweis darauf, daß der Frieden auch verteidigt sein müsse. Zum Beweis führte ich Belege angeführt, wie z.B. – da gerade aktuell in der Diskussion – die Gesetze der Thälmannpioniere.
    Und ich schrieb davon, wie die „Friedenspredigten“ oder das „Parolengeschwätz“, wie Sie es bezeichnen, auf mich persönlich wirkten.

    Sie haben andere Erfahrungen gemacht. Das gestehe ich Ihnen zu. Bitte gestehen Sie mir zu, daß ich meine eigenen Erfahrungen machte, die eben ein wenig von den Ihren abweichen und daher auch zu anderen Schlußfolgerungen und Bewertungen führen.
    Das schließt übrigens ein, daß meine heutige Sichten auf bestimmte geschichtliche Ereignisse andere sind, als noch vor 20 Jahren (schon weil vieles gar nicht bekannt war). Und diese sich dennoch vom heute üblichen Mainstream unterscheiden.

    Die DDR-Friedenspolitik nur im Zusammenhang mit dem 17. Juni 1953 etc. zu sehen, wie Sie es hier tun, wird einer umfassenden Bewertung ebensowenig gerecht, wie eine ausschließliche Berufung auf die Pioniergesetze.

    „Friedenspredigten“ hin und „Parolengeschwätz“ her – eine der historischen Realitäten ist, daß die NVA, daß die DDR, in ihrer 40jährigen Geschichte nie Krieg geführt hat. Was von der Bundeswehr und der BRD seit 1999 nicht mehr behauptet werden kann.

    Ich freue mich, daß wir in der Bewertung aktueller Geschehnisse offenbar gar nicht soweit auseinander liegen. Auch Ihrer Aussage, daß es wichtig ist, die Vergangenheit aufzuarbeiten, stimme ich völlig zu. Allerdings führt da ein einseitiger Blick unweigerlich in die Irre. Und dann ist der Weg nicht mehr weit, daß eine solche Vergangenheitsaufarbeitung zum Lieferanten billiger Argumentationsmuster in aktuellen politischen Auseinandersetzungen verkommt.

    Gruß Gerd Markmann

  56. Hallo Gerd, ich finde es gut, wie Du Dich mit den Argumenten auseinandersetzt. Ich habe in den Diskussionen, in denen ich mich damals, gleich nach 1990 und auch in den vergangenen Jahren zu den Zielen und Fehlern der DDR stellte, sehr häufig erlebt, dass ich für alle Fehler seit 1945 stellvertretend für andere verantwortlich gemacht wurde, dass man nicht fragte, wie hast Du gearbeitet, sondern man sagte „Du warst Pionierleiterin (übrigens 3 Jahre) also bist Du schuldig…“ wofür auch immer. Diese Art der Auseinandersetzung hilft anderen nicht und mir auch nicht. Auch bei den „Täter-Opfer-Gesprächen“ die ich damals zwischen Mitarbeitern des MfS und Beobachteten und Bespitzelten iniziierte und moderierte, merkte ich oft, dass die unmittelbar Betroffenen nach Antworten suchten und ehrlich zu verstehen suchten. Dabei spürten wir Verzweiflung, Schmerz und es gab viele Tränen und Hilflosigkeit, mit der wir umzugehen lernten. Ich erlebte aber auch ungebremsten Hass, nur half der keinem bei diesen Gesprächen und er hielt heute nicht. Vergeben können ist wirklich unendlich schwer und erfordert ziemlich viel Kraft, dass dürfen wir halt nicht vergessen.

  57. Oh Gott, da war zu schnell ENTER gedrückt: soll natürlich heißen: „… und er hilft heute nicht…“

  58. Hallo Frau Mächtig:
    Ihr Unterstützer und Ex-Kombinatsleiter Dr. Helmut Koch beklagt in Ihren „Offenen Worten“ und in der BBP den Abriß des SZME im Jahre 1991 und die Vernichtung vn 900 Arbeitsplätzen durch den Landrat. Sie sind heute eine der Politikgrößen bei der Verhinderung der Ansiedlung einer Schweinemast in Ziethen. Sie sind auch gegen die Energetische-Verwertungsanlage von Theo Steil.
    Die Bürger in Lichterfelde, Britz und Eberswalde wären geleichermaßen betroffen, egal ob ihnen eine Schweinemast mit Ammoniak-Gasen erhalten geblieben wäre oder eine Sondermüllverbrennungsanlage vor die Nase gesetzt wird.
    Können Sie uns das erklären?

  59. Hallo Herr Frank, ich verstehe Ihre Frage nicht. Würden Sie sie bitte präzisieren. Vielen Dank
    MM

  60. Guten Tag Frau Mächtig.

    Im Kommentar Nr. 57 hatte ich gefragt: „Mich würde schon interessieren wie Frau Mächtig die oben genannten Niederschlagungen damals vor ihren FDJ… bewertet hatte und was sie heute dazu sagt. (Aufgezählt hatte ich den 17. Juni 1963, Niederschlagung des Ungarnaufstand 1956 und in Prag 1968)
    In einer indirekten Antwort im Kommentar Nr. 62 schrieben Sie an „Hallo Gerd … Ich habe in den Diskussionen, in denen ich mich damals, gleich nach 1990 und auch in den vergangenen Jahren zu den Zielen und Fehlern der DDR stellte, sehr häufig erlebt, dass ich für alle Fehler seit 1945 stellvertretend für andere verantwortlich gemacht wurde. …“

    Solche Antworten am Thema vorbei kennen wir alle genügend aus Talkshows oder Podiumsdiskussionen mit Politikern.

    Einen neuen Politikstil kann ich somit nicht erkennen.

  61. @ Noeske:
    1. Was Sie von meiner Bereitschaft halten, als Landrätin zu arbeiten, haben Sie geschrieben.
    2. Das Ihre Bewertung und Ihre Vorurteile stehen, haben Sie hier in verschiedenen Beiträgen unter Beweis gestellt.
    Ich halte mich da sehr an die Erkenntnis: „Ein Urteil kannst Du beeinflussen, ein Vorurteil nicht brechen.“
    Warum sollte ich dann Kraft und Zeit darauf verwenden?
    3. Das ein solcher Block zur umfangreichen Geschichtsaufarbeitung nicht geeignet ist, werden Sie möglichweise nachvollziehen. Aber es wird in diesem Jahr mehrere Gesprächsrunden verschiedener Akteure zur Geschichtsaufarbeitung geben. Dort, wo ich gebeten wurde bzw. werde, habe bzw. werde ich mich an der Vorbereitung und Diskussion beteiligen.
    Die neue Diktaturbeauftragte des Landes Brandenburg und ehemalige Justizministerin Frau Blechinger (CDU) haben für eine Gesprächsrunde in der Schorfheide bereits zugesagt. Den Termin werde ich hier einstellen, sobald er mir bekannt ist. Vielleicht können Sie Ihre Teilnahme ermöglichen.
    MM
    PS: Wir wissen beide, dass ich gar keine Chance hatte, Sie von irgend einen Politikstil zu überzeugen, weil, dies geht nicht im Chat, sondern im Leben und da arbeite ich seit 1993 aktiv im Landkreis und Land Brandenburg. Wenn Sie das nicht überzeugte, hier wird´s nicht funktionieren.
    Auch Ihnen alles Gute für dieses Jahr und darüber hinaus.

  62. Nachdem ich jetzt mal den Lebenslauf von Frau Mächtig gelesen habe, verstärkt sich irgendwie der Eindruck, dass unsere lokalen und regionalen Abgeordneten zum großen Teil noch keinen handfesten Job im Leben hatten.
    Ich kann ja nicht für die Wähler dieser Personen sprechen, aber sollen diese Abgeordneten wirklich über unser Wohl entscheiden?

  63. zu Nr. 65/MM:
    Ganz einfach – Ihr Unterstützer Helmut Koch wirbt für Sie und gegen Bodo Ihrke, da er (BI) höchst persönlich die SZME (Schweinemast in Lichterfelde) abgerissen und 900 Arbeitsplätze vernichtet hat, zugleich setzen Sie sich aber gegen die Schweinemast in Ziethen und gegen die Energetische-Verwertungsanlage von Theo Steil ein.
    Wie passt das für Sie zusammen? Haben Sie auch ein Problem mit dem TGE in Eberswalde und beweinen Sie den Abriss der Schweinemast in Eberswalde? Das ist für mich doppeldeutig.

  64. @R.Frank: Offensichtlich kennen Sie Herrn Koch besser als ich. Reduziert auf den sachlichen Gehalt Ihres Beitrages folgendes:
    1. Zu meinem Engagement im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Gebrüder Dobbe aus Holland in Klein Ziethen eine Schweinemastanlage zu errichten, steh ich auch heute. Die Gründe, ohne es hier in aller Ausführlichkeit darstellen zu können sind hauptsächlich folgende:
    1. Zu einen der größten Erfolge von Prof. Succow gehört es, die Schorfheide noch 1990 als Biosphärenreservat unter Schutz zu stellen. Die Schutzauflagen sind eindeutig. Eine Schweinegroßmastanlage mit all ihren Begleitanlagen steht diesen Schutzinterressen entgegen.
    2. Hier ging und geht es nicht um eine „Produktionsanlage“ sondern um ein „Zwischenlage“ zur Mast, die mit starken Zusatzverkehren in und zu diesem Ort einhergehen würde. Also gilt es zu erklären, wer die Straßen, die diesen Belastungen nicht gewachsen sind saniert, die Bürger mit ihren Ausbaubeiträgen (die neben den Kosten dann auch die Belastungen haben) oder der Investor. Und zum 3. hatten sich die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Ziethern mehrheitlich gegen diese Anlage ausgesprochen, weil sie der Entwicklung zu einem Wohnstandort entgegenstand. Im übringen war von 15- max. 20 Arbeitskräften die Rede. Jedoch gab es keinerlei Gespräche der Investoren diese durch Barnimerinnen und Barnimer zu stellen.
    Was die Energetische Verwertungsanlage oder auch Sondermüllverbrennungsanlage angeht, so sind Ihre Informationen falsch. Hier habe ich mich öffentlich gegen die von der Firma Steil vorgestellte Variante der Verbrennung ausgesprochen, weil sie zwar die Mindestanforderungen der Luft- und Lärmschutznormen einhielt, aber nicht den höchstmöglichen Lärm- und Schmutzschutz sichert, da bspw. auf das vier Kammerabluftsystem aus Kostengründen verzichtet werden sollte. Wirklich moderne Technologien würden den energiepolitischen Ansatz , den wir im Kreistag beschlossen haben sogar unterstützen. Darauf habe ich in allen öffentlichen Diskussionen hingewiesen. Im übrigen gilt auch hier, dass die unmittelbare Nähe zur Biosphäre diese Investition tatsächlich infrage stellt. Ich darf Sie noch daran erinnern, dass es hier um klassische Mülltransporte aus den Altbundesländern (geplante 3/4 der Gesamtkapazität) ging, die abgelehnt werden.
    Mit dem TGE habe ich natürlich kein Problem. Ich stehe aber zur Verantwortung von Kommunalpolitikern (in diesem Falle sind es die Eberswalder Stadtverordneten, die zuständig sind) verantwortungsbewusst zu entscheiden, ob geplante Investtionen mit den Gesamtzielen des Landkreises „Gesundheitsregion Barnim“ und „Waldstadt Eberswalde“ zusammenpassen.
    Zu der von Ihnen genanntebn Schweinemastanlage in Eberswalde kann ich mich nicht äußern, weil ich diese weder kannte noch Probleme in diesem Zusammenhang kenne. Da fehlen mir wohl die Eberswalder Wurzeln.

  65. @Claudia
    Wenn Sie Pionierleiterin/Lehrerin, Abteilungsleiterin eines Organisationsbetriebes, Gastronomin und Geschäftsführerin eines Bildungsvereins als Berufe nicht akzeptieren, mag das so sein.
    Schon Lenin meinte, dass eine Köchin den Stadt regieren können sollte. Übringens mit meiner Gaststätte, die 54 Plätze hatte und die ich über ein Jahr allein betrieb war ich da nahe dran.:-)

  66. Sehr geehrte Frau Mächtig ,

    ich finde es nicht richtig, dass Sie sich in Ihrem Beitrag Nr. 71 auf einen Mörder wie Lenin beziehen.

    Achim