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„Plus“ und „Penny“: Fehlentwicklungen in Eberswalde

Barnimer Bürgerpost August 2009 berichtet ausführlich
Viel Platz räumt die Barnimer Bürgerpost in ihrer August-Ausgabe der infrastrukturellen Fehlentwicklung in Eberswalde ein. Karen Oehler, Franktionsvorsitzende der Eberswalder Grünen, schreibt:

Fehlentwicklung wird fortgesetzt
Die Einflußnahme der Stadt auf Standortentscheidungen des großflächigen Einzelhandels ist offensichtlich sehr gering. In den letzten Jahren entstanden neue Märkte an stark frequentierten Bundesstraßen. Im Gegenzug wurden Standorte in Wohngebietsnähe aufgegeben.
Ein aktuelles Beispiel für diesen Trend ist der Bereich Eisenspalterei. Die ersten Märkte entstanden dort vor circa 10 Jahren. Nun beabsichtigt ein Lebensmitteldiscounter von der Südseite der B167 auf die Nordseite umzuziehen. Das entsprechende Baugrundstück befand sich bis vor kurzem im Eigentum des städtischen Wohnungsunternehmens. Es wäre also durchaus möglich gewesen, diese Entwicklung zu verhindern. Doch trotz Widerspruchs im Bauausschuß wurde das Grundstück ohne Einbeziehung der Stadtverordnetenversammlung verkauft. Der Baubeginn ist in Kürze zu erwarten. Per Ausnahmegenehmigung wurden durch die Untere Naturschutzbehörde umfangreiche Baumfällungen während der Vegetationszeit erlaubt. Die vorgesehene Nutzung widerspricht den ursprünglichen Intentionen zur Erlebbarmachung von Industriedenkmalen in diesem Bereich. Der nahe gelegene Finowkanal und der Familiengarten werden weiter ins Abseits gestellt.
Die Akteure der Stadt Eberswalde sollten sich endlich der Bedeutung des Finowkanals als entscheidendes Alleinstellungsmerkmal für die Stadtentwicklung bewußt werden und in der Stadtentwicklung weitsichtiger agieren.

Gerd Markmann kommentiert den Vorgang auch aus naturschutzrechtlicher Sicht:

In der aktuellen Krise ist es sicherlich positiv zu werten, wenn ein Discounter wie »Plus« in Eberswalde in einen neuen Standort investiert. Angesichts des Mitbewerbers »Penny«, welcher an der Spechthausener Kreuzung an dominanter gut sichtbarer Stelle gebaut hat, ist auch verständlich, daß »Plus« vom bisherigen Standort in der zweiten Reihe die 80 Meter in die erste Reihe wechseln will. Daß die Behörden – gerade jetzt in der Krise – nicht als Wirtschaftsverhinderer dastehen wollen, kann man durchaus auch noch nachvollziehen.
Allerdings hört man immer wieder, daß es sich bei der Bundesrepublik Deutschland um einen Rechtsstaat handeln soll. In einem Rechtsstaat gelten – wenn ich das richtig verstanden haben sollte – Gesetze und darauf beruhende Verordnungen anstelle von Willkür.
In Brandenburg verbietet die Baumschutzverordnung das Fällen von Bäumen in der Vegetationsperiode zwischen 15. März und 15. September. Diese Verordnung ist nicht aus Jux und Tollerei erlassen worden – nehme ich mal an. Hintergrund dürfte der Naturschutz sein, insbesondere der Schutz der Singvögel, die in Bäumen nisten und derzeit ihren Nachwuchs betreuen oder auch schon mit einer zweiten Brut beschäftigt sind.
Mit der Fällung der 54 Bäume sind sicher eine Vielzahl solcher Niststätten samt Gelege vernichtet worden. Es kann Gründe geben, warum so etwas in Kauf genommen werden muß. Die Gesetze und Verordnungen sehen Ausnahmen vor. Der vorliegenden Fall ist offenbar so eine Ausnahmeregelung. Erlassen durch die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Barnim, einer Unterabteilung der Baubehörde. Solche Ausnahmen sind möglich, wenn der Naturhaushalt oder das Landschaftsbild durch die durchgeführten Maßnahmen nur geringfügig beeinträchtigt werden, oder wenn die Maßnahmen aus »Gründen des Allgemeinwohls« notwendig sind. Dabei schreibt das Brandenburger Naturschutzgesetz eine Mitwirkungsmöglichkeit der Naturschutzverbände vor. Das Landschaftsbild wird durch den Kahlschlag erheblich beeinträchtigt. Gründe des Allgemeinwohls, die eine Fällung der Bäume in der Vegetationszeit erfordern, sind nicht erkennbar.
Schließlich scheint es, daß die Naturschutzverbände von den Fällungen erst aus der Zeitung erfuhren – mit Beteiligung im Sinne des Gesetzes dürfte das wenig zu tun haben.
Hier liegt der Verdacht nahe, daß ziemlich rabiat und willkürlich gegen bestehende Gesetze und Verordnungen verstoßen wurde. Allerdings nicht durch den Bauherrn und nicht durch die ausführenden Baubetriebe – sondern durch die Behörde, die eigentlich dafür zu sorgen hat, daß die Gesetze und Verordnungen eingehalten werden. Die betreffende Behörde selbst wird das natürlich anders sehen…

Leseprobe August 2009

Leseprobe August 2009

Die Barnimer Bürgerpost ist die unabhängige Leserzeitschrift des Barnim. Sie erscheint monatlich mit 16 spannenden Seiten und kostet 1 Euro. Verkaufstellen der “Barnimer Bürgerpost” in Eberswalde sind „Globus Naturkost & Naturwaren“, Eisenbahnstraße 7, Buchhandlung Mahler, Eisenbahnstraße 2, und der Zeitungskiosk im Einkaufszentrum am kleinen Stern in Finow. Wie gewohnt finden Sie auf dem Barnim-Blog eine Leseprobe des aktuellen Heftes. Klicken Sie dazu auf die nebenstehende Grafik. Die Ausgaben der Vormonate finden Sie in unserem Download-Archiv.

Im Augustheft der Barnimer Bügerpost lesen Sie weiterhin:

  • Brandenburgisches Viertel: »Wir schlittern in eine soziale Katastrophe« (bbp)
  • War ich dafür 1989 auf der Straße? (Hartwin Schulz)
  • Die Krise (Matthias Tavernier)
  • »Kriegsverräter« endlich rehabilitiert (Jan Korte)
  • Gentechnikfreiheit im Barnim – gemeinsamer Antrag von Linken und Grüne/Bündnis für ein demokratisches Eberswalde abgelehnt (Karl-Dietrich Laffin)
  • Doppelte Abstimmungsniederlage – Linke contra Öffentlichkeit (Gerd Markmann)
  • Fortsetzung von Seite 1: »Wir schlittern in eine soziale Katastrophe (bbp)
  • Sofortprogramm für das Brandenburgische Viertel (Jenny Wörpel & Hartwin Schulz)
  • Freie Oberschule Finow – erfolgreiche Bauabnahme (bbp)
  • Im zweiten Anlauf hat es geklappt – Planungsleistungen für den Eichwerderring vergeben (bbp)
  • Bündnis 90/Grüne: Eichwerderring taugt nicht als erster Schritt (Karl-Dietrich Laffin)
  • Was Schulen ausmacht – Linke fordert kleinere Klassen im Brandenburgischen Viertel und in Finow (Hans Pieper)
  • Grüner Pfeil entsorgt? (bbp)
  • Familienfest – Braun-Weiße Piraten e.V. eröffnen ihre Räume im Vereinshaus Havellandstr. (ehem. Kita »Spatzennest«) (Carsten Zinn)
  • Zwischen Pest und Cholera – Dr. Andreas Steiner zur Kirchhangbebauung (bbp)
  • Verzögerung durch Altlasten – Mikadobrücke noch immer nicht offen (bbp)
  • Podiumsdiskussion der FDP mit Cornelia Pieper am 21.7. (Sergej Matis)
  • Spende für Restaurierung der Schilertreppe (bbp)
  • Solarflugplatz – Photovoltaik auf dem Flugplatz Finow (bbp)
  • Künftig mehr Informationen – Transparenz kommunaler Gesellschaften (bbp)
  • Hinweis auf Beratung für Kriegsdienstverweigerer
  • Entgegen beschlossener Konzepte – Discounter baut an Spechthaussener Kreuzung (bbp)
  • Fehlentwicklung wird fortgesetzt (Karen Oehler)
  • Behördenwillkür – Untere Naturschutzbehörde hebelt Naturschutz aus (Gerd Markmann)
  • Bürgerinitiative schreibt an die schwedische Regierung – Vattenfalls Image verbessern (Thomas Pfeiffer, BI »Biosphäre unter Strom – keine Freileitungen durchs Reservat« )
  • Offene Briefe an MP Platzeck und die schwedische Regierung (bbp)
  • Kein Nazizentrum in Biesenthal (bbp)
  • Buchtip: Erwerbslose in Aktion (verdi)
  • Stadtverwaltung: Haustarifvertrag soll 2012 niccht verlängert werden (bbp)
  • DVU und 50Plus/Brandenburgische Vereinigte Bürgerbewegungen – Richtigstellung (bbp)
  • 200 Menschen gegen das DVU-Sommerfest (inforiot)
  • Freie Wähler Eberswalde mit neuer Satzung (bbp)
  • »Keine Bewegung!« – zum Umgang mit Asylbewerbern (exil)
  • Karl Marx im 21. Jahrhundert (Teil 11): Arbeit und Freizeit (Dr. Rainer Thiel)
  • Nadie es una Isla – Solidarität mit Kuba (bbp)
  • Hagen-Denkmal wird reastauriert (bbp)
  • 64. Jahrestagung des Deutschen Forstvereins (bbp)
  • Baumpflege und -bewässerung gefragt (Pressestelle der Stadt Eberswalde)
  • Botanikertagung in Eberswalde (Pressestelle der Stadt Eberswalde)
  • Fotoausstellung: »Insektenwelt« (Pressestelle der Stadt Eberswalde)
  • Ameisentagung in Eberswalde (bbp)
  • Die Bundeswehr am Hindukusch : Kein Krieg – aber sehr reale Tote (Rolf Richter, Bündnis für den Frieden Ebersswalde)
  • »20 Jahre Wende« – Museum sucht Ausstellungsstücke (Birgit Klitzke)
  • Ist der Bernauer Stadtkern gelungen? – Podiumsdiskussion mit dem Architekten Wilfried Stallknecht (Margot Ziemann)
  • Den Teufelskreis durchbrechen – Kandidatenvorstellung der FDP (Sergej Matis)
  • Mühle e.V.: 10 Jahre Montagsmaler (Dr. Eckhard Groll)
  • Von Zwergen und Menschen (Dr. Steffen Peltsch)
  • Mangeldes Selbstvertrauen der Betreiber des neuen »Café Wildau«? (Gerd Markmann)
  • Bands United in der Sommerpause (Bands United)
  • tigerradtour 2009 (bbp)
  • Chorinfest 2009 (Hanns-Peter Giering)
  • Altenhofer Kulturkreis: Sommerfest am 21.-23.8. (Ankündigung)
  • Stillmark-Ausstellung in Eberswalde (Hanns-Peter Giering)
  • Jazz in Oderberg (Bernd Müller)
  • Piratentreffen am 22.7.: Bundestagskandidat Arne Hildebrandt stellt sich und die Piratenpartei vor (bbp)
  • Die Heide ist frei (Christian Rehmer)


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8 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Die Genehmigung auf sofortige Baufeldräumung wurde bei der UNB mit der Eilbedürftigkeit begründet, dass der Bauträger PLUS seine Bauarbeiten am 1. Juli beginnen möchte. Eilbedürftigkeit? Heute ist der 8. August, und noch ist dort gar nichts passiert.
    Wie so oft haben die Genehmigungsbehörden sich offensichtlich wieder einmal linken lassen und dabei keine sonderlich gute Figur gemacht.
    Wenn bis zum Ende der Vegetationsperiode an Bauarbeiten dort nichts passieren sollte, so verspreche ich, dann gibt es Zoff. Dann hätte es nämlich keine Notwendigkeit gegeben, bereits innerhalb der Vegetationsperiode solch einen Schaden zu verursachen..

  2. Der Discounter Plus ist sicherlich nicht der Bauträger. Träger wird Edeka sein, zu der ja Plus seit diesem Jahr gehört. Den Discounter Plus gibt es ja zudem faktisch ja gar nicht mehr. Er wurde ja mit dem Discounter Netto-Marken-Discount (nicht mit den Nettos in dieser Region verwechseln!) zusammengeführt und alle Filialen sollen nach und nach umgewandelt werden und als Netto-Marken-Discount fortbestehen.
    Gründe für den Neubau wurden ja schon ein paar genannt.

    Neben der schlechten Sichtbarkeit der alten Plus-Filiale benötigt das Konzept des Netto-Marken-Discounts mehr Fläche. Zu fast jeder Filiale gehören ein Bäcker und eine Wursttheke mit Bedienung. Das ist im alten Gebäude nicht umsetzbar.
    So wird in nächster Zeit also die neue Filiale auf der anderen Straßenseite entstehen, in die kein Plus, sonder eine Netto-Marken-Discount einziehen wird.
    Ein weiterer Punkt für den Neubau dürfte Marketing sein. Der Discounter ist hier noch wenig bekannt und wird sicher schnell mit dem ansässigen Netto-Supermarkt verwechselt werden. Durch die neue sichtbare Positionierung an einer Bundesstraße wird die Filiale sicher schnell in das Bewusstsein der Eberswalder rücken.
    Es gibt also durchaus nachvollziehbare Gründe für den Neubau.

  3. Nun gehören längst nicht alle ehemaligen Plus-Filialen zum Netto-Marken-Dicount, und auch an dieser Gesellschaft hat die „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler“ nur einen Anteil von 70%. Vermutlich ist der Bauherr also nicht am Hamburger Überseering bei EDEKA zu suchen, sondern immer noch in Mühlheim an der Ruhr.

    Egal, wieviele „nachvollziehbare“ Gründe es für den Bau dieser meist stockhäßlichen Baracken geben mag (ich erinnere an die Schönower, Panketaler und Wandlitzer Bausünden), so hat doch keiner dieser Discounter das Recht, mitten in der Vegetationsperiode 54 große Bäume zu fällen. Das ist einfach ein kriminelles Delikt, und mir ist nicht klar, wie sich eine „Naturschutzbehörde“ zum Handlanger von so viel Profitgier machen kann.

  4. Plus gehört nicht mehr Tengelmann, sondern der EDEKA, wurde damit übernommen und eröffnet sicher keine neue Filialen mehr, nachdem bekannt wurde, dass die meisten Filialen in Netto-Marken-Discount umgeflaggt werden sollen. Etwa 400 Filialen gingen Anfang des Jahres aus kartellrechtlichen Gründen an REWE, die daraus Penny’s machten. Das ist aber bereits abgeschlossen und der hier besprochene Plus-Markt zählt nicht dazu.

    Da nun EDEKA keine neuen Plus-Filialen eröffnen wird, wo man doch versucht, so schnell wie möglich das Gros umzuflaggen, wird an entsprechender Stelle höchstwahrscheinlich ein Netto-Marken-Discount entstehen, was die EDEKA zum Bauherrn macht.
    Plus-Filalen wird es schon bald nicht mehr in der bisherigen Form geben. Nur relativ wenige, die innerstädtisch liegen, bleiben mit einem neuen Konzept erhalten. Würde es z.B. eine Filiale am Alexanderplatz geben, so würde EDEKA versuchen, daraus ein Filiale mit einem großen Frischeangebot und To-Go-Waren zu kreieren.

  5. Netto-Marken-Discount ist zu 70% EDEKA und zu 30% Tengelmann, oder etwa nicht? Egal, wie dem auch sei: Es gibt ihnen nicht das Recht, so mit der Natur umzugehen.

  6. Tengelmann wurde in das neue Gemeinschaftsunternehmen mit 30% mit einbezogen, hat aber faktisch keine Entscheidungs- und Planungsgewalt. Diese obliegt EDEKA.

    Natürlich gibt es ihnen dadurch lange nicht das Recht, so mit der Natur umzugehen. Leider steht der Konzern enorm unter Druck. Die alte Plusfiliale kann aus logistischen Gründen in der bisherigen Form nicht lange weitergeführt werden. Die Expansion und Umflaggung der Plusfilialen schreitet mit etwa 30 Filialen pro Woche stetig weiter vorwärts. Schon bald wird die gesmt Umgebung um Eberswalde und nördlich das miterleben. Die kleine Plusfiliale an der Eberswalder Straße kann so nicht mehr kostendeckend beliefert werden und eine vorrübergehende Umflaggung wäre zu teuer. Ein Neubau ist daher dringend erforderlich. Die Gründe, warum es so schleppend voran geht, sind mir auch unklar. Man müsste eigentlich schon mitten im Bau sein, um rechtzeitig fertig zu werden um den neuen Markt zeitgleich mit der Umflaggung des zweiten Plus in Eberswalde auf der Breiten Straße eröffnen zu können. Wenn die Probleme abzusehen gewesen wären, so hätte man wirklich erst im Spätherbst mit dem Fällen beginnen können. Äußerst dumm gelaufen die Sache.