web analytics

Weshalb man nur noch von ehem. Bürgerrechtlern spricht

Wir alle kennen die Bilder von 89, die Bilder von den wilden Gesellen, die langhaarig und langbärtig die Bürger mobilisiert und dem DDR-Regime die Wende abgetrotzt haben. Nach dem Beitritt wurden sie in der BRD rasiert, und seitdem gibt es nur noch ehemalige Bürgerrechtler in der BRD. Nicht zu wenige, denn die Talk-Shows sind an den Jahrestagen voll davon. Ich habe mich immmer gefragt, wenn wieder einer als ehem. Bürgerrechtler vorgestellt wurde, ob diese Qualifizierung angemessen sei.

Neulich beim Hoffest in Brodowin (6.6.) kam MdB Markus Meckel am Info-Stand der BI Biosphäre unter Strom – keine Freileitung durchs Reservat vorbei. Nicht über unsere Köpfe! Keine Freileitung durchs Reservat und Wohngebiete!,  stand auf unserem Transparent. Nichts lag näher, als den MdB zu bitten, den Protestaufruf gegen die 380-kV-Freileitung zu unterzeichnen. Aber da war ich an den Falschen geraten. Mit Unterschriften kämpfe er schon lange nicht mehr,  er habe andere Mittel.
Na klar, denke ich, der Abgeordnete kann ja abstimmen im Bundestag – über die wichtigsten Gesetze. Zum Beispiel jüngst am 7.Mai über das EnLaG, das Energieleitungsausbaugesetz, in das eben die „Uckermarkleitung“, die nicht nur durch die Uckermark, sondern auch durch den Barnim und Teile von Märkisch Oderland führt, nicht als Pilotprojekt zur Erdverkabelung aufgenommen worden ist.

„Wie haben Sie da abgestimmt?“ 
„Ich war dafür.“
„AberPetra Bierwirth hat dagegen gestimmt, weshalb haben Sie zugestimmt?“   
„Petra Bierwirth hat nicht dagegen gestimmt, sie hat sich enthalten.“ (Hier gibt es Unstimmigkeiten in der Berichterstattung über die Bundestagessitzung, H.L.)  
„Ich habe zugestimmt, weil es in diesem Gesetz nicht nur um die „Uckermarkleitung“ ging, sondern um eine Vielzahl von wichtigen Dingen, die geregelt werden mußten.“
„Z.B. die Beschneidung des Rechtswegs von Klägern gegen die Trassen!“
„Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“   

Da oute ich mich als Wessi: „Das hat man bei uns der „DDR“ immer vorgeworfen, dass es dort keine Verwaltungsgerichtsbarkeit gab. Dann kam die Wende und die Verwaltungsgerichtsbarkeit wurde mit allen Schikanen und dreistufig eingeführt, wie es sich für ein demokratisches Gemeinwesen gehört. Und jetzt, im EnLaG wird diese dreistufige Verwaltungsgerichtsbarkeit abgeschafft und das Bundesverwaltungsgericht entscheidet als erste und letzte Instanz!“
„Damit haben wir in anderen Bereichen gute Erfahrungen gemacht! Lesen Sie meine Home-Page, ich muß weiter!“

So spricht der ehem. Bürgerrechtler Markus Meckel, der diese Bezeichnung zu recht trägt.

Weshalb man nur noch von ehem. Bürgerrechtlern spricht auf Facebook teilen
Weshalb man nur noch von ehem. Bürgerrechtlern spricht auf Twitter teilen
Weshalb man nur noch von ehem. Bürgerrechtlern spricht auf Google Plus teilen

Ähnliche Artikel:

Veröffentlicht von

Hartmut Lindner lebt als (Un)Ruheständler in Berlin und Senftenhütte. Bis 2006 arbeitete er als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politische Weltkunde in Berlin. 1993 kam er als Wochenendler nach Senftenhütte, einem idyllischen Ort auf dem Endmoränenbogen. Er engagiert sich in der Bürgerinitiative Biosphäre unter Strom - keine Freileitung durchs Reservat und lokalen Initiativen, vor allem dem Keramikhütte e.V. in Senftenhütte und ist seit Jahren begeisterter Leser der Barnimer Bürgerpost.

Kommentare sind geschlossen.