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Wie steht es um die Baumschutzverordnungen im Barnim?

Während meines Urlaub vor ein paar Tagen konnte ich auf Korfu beobachten, wie sich Einheimische mit Stihl-Motorsägen bewaffnet an schätzungsweise 300 Jahre alten Ölbäumen zu schaffen machten. Was britische, französische, türkische und russische Besatzer in der langen Geschichte Korfus nicht schafften, schaffen jetzt deutsche Motorsägen: Ölbäume aus der venezianischen Epoche Korfus bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln.

letzte-chanceWas hat das mit dem Barnim zu tun? Ich las am Abend im Internetcafé den Artikel „Die letzte Chance für den Baumschutz – großer Wurf oder großer Fall?“ von Yvonne drüben auf dem MOL-Blog, in dem es um die neue Baumschutzverordnung in Frankfurt/Oder geht. Ende 2009 läuft ja bekanntlich die Baumschutzverordnung des Landes Brandenburg aus. Und ich befürchte, dass in einigen kommunalen Verordnungen wirtschaftliche und private Interessen höher gewichtet werden, als die Interessen des Naturschutzes. Oder liege ich mit meiner Befürchtung völlig daneben? Wie ist der Stand der Dinge in den Barnimer Kommunen? Werden Stihl-Sägen im Barnim bald knapp?

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9 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Eine Motorsägenknappheit wird es in einer Forststadt wie Eberswalde nicht geben ;).

    Wirtschaftlich und private Interessen müssen definitiv Beachtung finden. Man muss bei einer solche Regelung die sowohl als auch Methode verfolgen. Wir dürfen auf keinen Fall in eine vom Leihen nicht zu verstehende Überregulierung Vornehmen – definitiv muss es klare Regeln für den Baumschutz geben die von jedem zu verstehen sind und deren Einhaltung dann auch konsequent Durchgesetzt wird. (Was nützen den Spielregeln ohne Schiedsrichter und gelbe Karten)

  2. @Marc Büttner –
    die Forderung nach Durchsetzung der Spielregeln ist in Grundsatz richtig, aber leider in der Praxis nun einmal kaum durchsetzbar. Man kann nicht neben jedem Baum einen Polizisten stellen.
    Das Know How irreparablen Beschädigens von Bäumen, so daß sie letztlich doch legal gefällt werden können, steht seitenlang im Internet und die von Ihnen zitierten wirtschaftlichen Interessen werden grundsätzlich vorrangig wahrgenommen.
    Bei illegalen Fällungen ist die Täterschaft und Schuldhaftigkeit des Handelns nachzuweisen. Und sobald man das behördlicherweits nicht kann (…es fehlen ja die Polizisten neben den Bäumen…) haben die wirtschaftlichen Interessen gesiegt.
    Jede Regel nützt dem, der sich nicht daran hält. Weil sie ihm Wettbewerbsvorteile gegenüber den Rechtstreuen verschafft…

    Eine Lösung dieses Problems sehe ich nur in der Festlegung einer Ersatzpflanzungs-/ Schadensersatzpflicht für jeden nachgewiesenen gefallenen Baum auf einem Grundstück – unabhängig von der Frage der Schuldhaftigkeit und des Grundes des Abhandenkommens.

    Für jeden gefällten (…“abhanden gekommenen“…) Baum ist ein Neuer zu pflanzen nebst Festlegung einer namhaften Abschlagszahlung zum Ausgleich der verloren gegangenen Wuchsjahre des Alten und zu leisten durch den Grundstückseigentümer.
    Dadurch würde der wirtschaftliche Anreiz zur Beseitigung von Bäumen
    deutlich reduziert und einen Nachweis der Schuldhaftigkeit des Abhandenkommens entbehrlich machen.
    Das Pflegen vorhandener Bäume sparte dann echtes Geld.

    Der Nachweis des Vorhandenseins schützenswerter Bäume könnte in den Katalog der ohnehin zu tätigenden Grundstücksvermessungen aufgenommen werden.

    Ich habe nur Zweifel, daß diese Wunschträume Wirklichkeit werden, weil hierzulande Wirtschaftsinteressen eindeutig Vorrang vor Naturschutzinteressen und Nachhaltigkeit haben.
    Schade drum!

  3. @Thomas Dyhr
    Auch ich bin ein Naturfreund. Ihr Vorschlag missachtet nur jegliche Rechtsgrundsätze in unserem Deutschland.

    Auch ich bin ein Naturfreund. In unserem Dorf wurden in diesem Frühjehr wieder neue Linden angepflanzt. Experten werden jetzt sagen, bitte keine Linden, oder, nicht im Frühjahr oder….. naja, sicherlich haben einige mehr „Ahnung“. Ich halte es so, Schützenswertes ist zu schützen.

    Wirtschaftliche Interessen als „falsch“ hinzustellen wäre töricht. Auch Fahrradhersteller, Photovolteikanlagenerrichter u.a. haben „wirtschaftliche“ Interessen. Es ist sicherlich notwendiger Ausgleich von Interessen zu schaffen. Die Möglichkeit der Ersatzpflanzungen ist aus dem Baurecht bekannt. Sie muss nur entsprechend angewendet werden. Da sind örtliche Verantwortungsträger gefragt.

    Interessenausgleich heißt aber auch aufeinander zugehen.

    Ihre Aussage „…weil hierzulande Wirtschaftsinteressen eindeutig Vorrang vor Naturschutzinteressen und Nachhaltigkeit haben.“ mag ja für sie zutreffen, mit dieser Argumentation werden sie auf der „Gegenseite“ keinen Blumentopf gewinnen. Die Gegenseite ja auch nicht. Also MÜSSEN beide Kompromisse schließen, ohne den anderen zu „verteufeln“.

    Wie sollte eine „Kommunale Baumschutzverordnung“ denn aussehen. Ich wäre da, mangels „Baum-Fach-Kenntnissen“, für Entwürfe dankbar.

  4. Das finde ich generell einen guten Ansatz das mit dem Aufschlag für die Wuchsjahre noch schwierig den die Gegner des Baumschutzes (nicht völlig zu unrecht) sagen ja das unter Umständen weniger neue Bäume gepflanzt werden weil die Angst da ist das dieser dann immer und ewig da unveränderbar stehen wird und der Grundstückseigentümer /Nutzer seine „Landschafsgestalterischen“ Träume in der Zukunft unter Umständen nicht realisieren kann.

    Wie währe es je dach Wuchsjahren mehrere neuanpflanzugen vorzuschreiben.? So ab 20 Jahren 2 neue ab 30 3 usw.

    Dann würde es langfristig grüner werden. Oder?

  5. @Matthias Wiegand
    Wirtschaftliche Interessen sind nicht falsch… habe ich auch nicht behauptet. Es ist aber falsch, wirtschaftliche Interessen so zu gewichten, daß der Naturschutz unter die Räder kommt. Sonst hätten wir über diese Schiene auch die innere Rechtfertigung für Vattenfall, die ganze Lausitz tiefgründig auszubaggern.
    Nein – mein Ansatz ist ein Anderer. Jeder Grundstückseigner/ Besitzer haftet für den Zustand seines Grundstücks. Und sind da geschützte Bäume drauf, haftet er auch für die. Sind die weg – aus welchem Grund auch immer – dann hat er den alten Zustand wieder herzustellen. Ein Baum zu pflanzen.
    Ihre Behauptung einer Missachtung jeglicher Rechtsgrundsätze hierzulande durch mich ist auch falsch. Genau das ist die Rechtslage, mit der ich anno 1988 in Berlin-Lichterfelde konfrontiert war, als ich einen Nussbaum zu fällen hatte, der mit seiner Krone das dach des Nachbarn zu beschädigen drohte.
    Ich bekam zwar eine Fällgenehmigung, hatte aber eine Abschlagszahlung zu leisten und einen neuen Baum zu pflanzen. An anderer Stelle zwar, daß er keinen Schaden anrichten kann – meinen eigenen Garten kontne ich also durchaus nach Gutdünken gestalten. Den Baumschutzinteressen war aber Genüge getan.
    Wo ist da das Problem?
    An der Stelle Kompromisse zu schließen, wie Sie vorschlagen, führt automatisch zu einer Salamitaktik, mit der der Naturschutz Stück für Stück zurück gedrängt wird.
    Und das entspricht keineswegs meinen Vorstellungen!

  6. @Thomas Dyhr: So wie Sie es für das Jahr 1988 in Berlin schildern, war es ja in Brandenburg auch mal. Bis Umwelt(zerstörungs)minister Woidke ein neues Gesetz durchsetzte. Seitdem haben viele Kommunen ihr unverwechselbares Bild verloren und ein Ende der Massaker ist nicht in Sicht. ich bin schion immer froh, wenn die Kettensägen in den Gärten nicht auch im Sommer kreischen.

  7. Habe gerade zufällig diese Seite entdeckt. Als Förster und Anwohner im Barnim bin ich auch für den Erhalt der Bäume, wenn sie standsicher sind.
    Ist irgend jemandem aufgefallen, wie viele Holzlaster jetzt durch die Region fahren? Z.B. weil Ende Juli/Anfang August der Wald um den Prendener ehem. Honneckerbunkervöllig ausgeplündert wurde? Er wurde im Juni vom Staat an einen Privatmann verkauft. Um einen ganzen Wald zu zerstören braucht man bei uns nur eine eigene Forstfachfrau einzustellen und sich auf ordnungsgemäße Forstwirtschaft berufen. Schon kann man im Hochsommer mit der heutigen Technik alle geldbringenden Bäume fällen und lässt den „Schrott“ als Alibi stehen. Wers nicht glaubt: Ützdorfer Str 10 im Ortsteil Prenden von Wandlitz.
    Vor meinem Urlaub gab es dort noch echten Wald. Vorbei…

  8. Sehr geehrter Herr Müller,
    vielen Dank für die Kommentierung im Barnim-Blog und Ihre informative E-Mail, deren Inhalte sich mit früheren Ereignissen decken (s. Biotopholz-Gemetzel in der Kernzohne der Zentralen Schorfheide, aufgenommen als abschreckendes Beispiel im bundesweiten BUND-Schwarzbuch oder der bevorstehende Kahlschlag in Niederfinow. Über beide Themen berichtete das Barnimblog).
    Die sagenhafte Untätigkeit der windelweichen Landesbehörden
    in vielen Bereichen ihrer Zuständigkeiten ist schon lange nicht mehr
    tolerabel. Sei es bezüglich angewandter, nicht nachhaltiger
    Forstwirtschaft oder bei der Seenprivatisierung- oder ganz schlicht und einfach ihre Haltung gegenüber einem sehr mächtigen Konzern, Vattenfall Europe genannt.
    Die Kette der Versäumnisse ist lang. Dies zeigt, dass ein Politik- und damit ein politischer Paradigmenwechsel im arg verfilzten Brandenburg dringend notwendig wird!
    Den MOZ-Artikel über den Kahlschlag in Prenden finde ich auch nicht schlecht, doch dass dieser 50 Hektar (100 Fußballfelder) umfasst, wäre als plakative Info für die Öffentlichkeit schon wichtig gewesen.

    Hätten Sie vielleicht Interesse, als Gastautor darüber einen eigenständigen Artikel im Barnim-Blog zu schreiben? Ich jedenfalls würde mich sehr darüber freuen. Vielleicht könnte in diesem Rahmen noch einiges mehr rüberkommen, so dass ggf. auch Ross und Reiter sowie interessante Hintergründe genannt werden.
    Zudem würde ich mir den Schaden gern mal anschauen. Vielleicht passt es Ihnen demnächst mal an einem Wochenende?

  9. … im Übrigen, Kernzone natürlich ohne „h“. ;-)

    Zur Baumschutzverordnung: Die landesweite Baumschutzverordnung, die mit Ende dieses Jahres ausläuft, wird definitiv nicht mehr verlängert!
    Damit sind alle hoch und heilig versprochen Beteuerungen „seriöser“ Landespolitiker und -behörden auf Verlängerung dieser Verordnung null und nichtig!
    Man sollte eben erst glauben, wenn man es schriftlich hat. Den kirchlichen Gottesdienst möchte ich hiervon ausnehmen. :-)