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MOZ-Redakteur Mathias Hausding macht Stimmung gegen Brandenburger Alleenschützer

Ahornallee im Barnim zwischen Rüdnitz und Danewitz, 11. Oktober 2008

Ahornallee im Barnim zwischen Rüdnitz und Danewitz, 11. Oktober 2008

In der Wochenend-Ausgabe der MOZ erschien ein Kommentar des Redakteurs Mathias Hausding. Er greift darin die Politik der Brandenburger Alleenschützer an. Deutlich wird: Hausding ist kein Alleenfreund. Dabei ist es durchaus legitim, Brandenburger und kein Alleenfreund zu sein. Und Übertreibungen wie diese, dass für die Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen „jeder abgeholzte Baum ein Beitrag zum Untergang des Abendlandes ist“ gehört zu den stilistischen Mitteln eines Kommentators. Damit kann ich leben.
Einen schlechten Beigeschmack erhält ein Kommentar aber dann, wenn der Journalist (aufgrund mangelhafter Recherche) die Sachlage nicht richtig einordnet und dadurch die Qualität des zu Papier Gebrachten leidet.

So ist die Aussage von Hausding unwahr, dass das Land Brandenburg bislang seinen Aufgaben beim Alleenschutz ausreichend nachgekommen ist. Es mag sein, dass sich gerade im Bezugsjahr 2008 Abholzungen und Neupflanzungen in etwa die Waage hielten. Dennoch wurden für die letzten Jahre regelmäßig Defizite verzeichnet.

Und warum soll die Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen nicht Abstriche in der Zukunft kritisieren? Es gibt gesicherte Studien, die prognostizieren, wie viele Alleenbäume aufgrund Überalterung in den nächsten 40 Jahren ausfallen werden und wie viele dann nachgepflanzt werden müssten, um den derzeitigen Alleenbestand im Land annähernd zu halten. Die offiziellen Zahlen belegen auch, dass Brandenburg einen solchen Ausgleich nicht zeitnah leisten wird. Ganz nebenbei: Überalterung ist das eine. Wahrscheinlich aber werden wesentlich mehr Bäume verschwinden als angenommen. Jedenfalls ist dies eine Milchmädchenrechnung, die Journalist Hausding scheinbar nicht verstanden hat.

Zum Schluss sei noch angemerkt, dass Mathias Hausding offensichtlich auch (fiskal)politisch seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Er sollte sich mal den Bericht des Landesrechnungshofes durchlesen, welch vernichtende Urteile in den letzten Jahren über Brandenburgs Haushaltspolitik gesprochen wurden. Erinnern möchte ich auch an die gescheiterten großkotzigen Schauprojekte der Vergangenheit (Cargo-Lifter, Chip-Fabrik, Lausitz-Ring, überdimensionierte Verkehrsinfrastruktur). Mit preußischer Sparsamkeit gemäß dem Alten Fritz hat dies nichts mehr zu tun. Ist Brandenburg also wirklich so ein armes Land, wenn es sich solch schwerwiegende haushaltspolitische Fehler leisten kann? Oder ich frage mal anders: Zählt Brandenburg vielleicht gerade wegen seiner begangenen Fehler zu den Schlusslichtern?

Am Ende seines Kommentars spielt Mathias Hausding dann die Themen Bildung gegen Umweltschutz aus. Dies ist nicht nur unredlich, sondern in erster Linie plumpe populistische Stimmungsmache.

Hausding hätte es sich einfacher machen können, wenn er geschrieben hätte: Ich mag keine Alleen, die sind dem Straßenverkehr im Weg, daran fahren sich nur Leute tot, holzt sie besser ab.
Mit dieser Art von Argumentation wäre er zumindest ehrlicher rübergekommen.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik.
Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB).
Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht.
Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

3 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. hallo andreas:
    Bin gerade in Indonesien und habe mittlerweile einige hundert Km durch herrliche Teakholz-Alleen zurück gelegt. Sämtlicher Privatwald wurde hier kurzerhand verstaatlicht und steht unter strengstem Schutz. Wie sich das ganze auf 13000 Inseln kontrollieren läßt steht zwar auf einem anderen Blatt…aber zumindest wird der Baumschutz hier weder von politischer noch sonstiger öffentlicher Seite angezweiffelt.
    Wenn ich bei uns in den Baumarkt gehe und die vielen FSC Zertifikate an den Holzgartenmöbeln sehe kommt mir die langjährig geführte Tropenholzdebatte wie eine Phantomdiskussion vor…oder hat in unseren heimischen Holzkraftwerken schon mal jemand nachgefragt ob der angelieferte Brennstoff nachhaltig erwirtschaftet wurde?
    Ich glaube, die Verantwotung für den Erhalt der Flora und die damit verbundenen Anstrengungen gegen den Klimawandel werden hier mal wieder weit weg deligiert…es lebe die Bequemlichkeit

  2. @Matthias Kuhnt
    Deine Eindrücke aus Indonesien sind interessant. In Deutschland möchte man sich ja immer gern an die Spitze der Umweltschutzentwicklung stellen. Doch die Realität sieht häufig ernüchternd aus. In den letzten Tagen bin ich im Biosphärenreservat Schofheide-Chorin wieder mal an großen Holzpoltern (=Fachausdruck für Holzstapel) vorbeigegangen, die allesamt an das Holzkraftwerk Eberswalde gehen und dort durch den Ofen gejagt werden.
    Holzverbrennung ist mittelalterlich und die ehrliche CO2-Bilanz sieht erschreckend aus. Mit Nachhaltigkeit hat dies nichts mehr zu tun, wenn man Kohlendioxid-Freisetzung und -Festlegung rechnerisch zeitlich abkoppelt.
    Dem Gast „Erwin das Eichhörnchen“, der kürzlich meinen Artikel „Zerstörung à la Amazonien vor der Haustür – Holzkraftwerk Eberswalde profitiert“ kommentiert hat, kann ich da inhaltlich nur beipflichten.

    Ganz davon abgesehen, dass mit dem Abtransport sämtlichen verwertbaren Holzes aus Brandenburger Wäldern auch wertvolle Nährstoffe aus dem Ökosystem Wald heraustransportiert werden, die nach der Verbrennung im HoKaWe Eberswalde auf der Halde landen.
    Solch eine Intensivbewirtschaftung der Wälder geschah schon zu mittelalterlichen Zeiten; das Resultat war die Verarmung der Waldböden. Es hat 150 Jahre gedauert, bis sich wieder einigermaßene Humusvorräte bilden konnten.

  3. Gelöscht wegen unzutreffender E-Mail-Adresse (s. Blog-Regeln).