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Es brodelt in Sachen Baumschutz

In Sachen Baumschutz brodelt es in Brandenburg derzeit mächtig, denn allerorts zeigt sich das gleiche Elend: Sägewütige Straßenmeistereien, die keinen Respekt vor dem Wert alter Bäume haben und willfährige Naturschutzbehörden, die alles absegnen – aber dann auch mal wieder beherzte Bürger. In diesem Fall der Ortsvorsteher von Schulzendorf (Landkreis MOL), Gerd Lilienkamp, der in seinem Umfeld diesem Wahn entgegentritt.
Herzlichen Dank für Ihren Mut und Ihr Engagement, Herr Lilienkamp! Von Ihrer Sorte müsste es mehr kommunale Mandatsträger geben.

Und noch einem sei an dieser Stelle Ehre zuteil: Bernd Müller, Vorsitzender der NaturFreunde Oderland-Oberbarnim, der sich von den Behörden auch nichts mehr gefallen lässt. Er erstattete Anzeige gegen die Stadt Bad Freienwalde wegen erfolgten Baumschnitten innerhalb der Vegetationsperiode.

Auch ich habe bei der Unteren Naturschutzbehörde die Beseitigung einer ortsbildprägenden, etwa 100 Jahre alten Kastanie in der Erich-Steinfurth-Straße in Finow zur Anzeige gebracht, weil die Fällung gestern, und damit innerhalb der Vegetationsperiode, erfolgt ist.
In der Kastanie hat ein Starenpärchen das Brutgeschäft verrichtet. Der Zustand des Baumes (teilweise hohl) war lange bekannt und eine Fällung hätte aus Verkehrssicherungsgründen, wenn erforderlich, bereits im letzten Herbst oder Winter erfolgen können und müssen. Es gab also seitens der UNB keinen Grund für die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zugunsten der Antragstellerin Stadt Eberswalde Die Anzeige erfolgte gemäß § 41 BNatSchGes.

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Veröffentlicht von

Dr. Andreas Steiner, Diplom-Geograph und Waldökologe, lebt seit 1999 im Barnim. Als Fachgutachter ist er bei einem Projektträger des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie in Berlin beschäftigt, der innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte von klein- und mittelständischen Unternehmen im Bereich Technologie betreut. Seit mehr als 10 Jahren engagiert sich der Querdenker und -tuer ehrenamtlich in der Umwelt- und Sozialpolitik. Im Rahmen der Brandenburger Kommunalwahlen 2008 wurde er als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen in die Eberswalder Stadtverordnetenversammlung gewählt. Ende 2011 musste er aufgrund eines Wohnsitzwechsels dieses Mandat niederlegen. Derzeit gehört er der Gemeindevertretung Schorfheide an und ist Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgergemeinschaft Kommunalabgaben (BKB). Steiner hat Mitgliedschaften der GRÜNEn LIGA Brandenburg und der NaturFreunde Oberbarnim-Oderland. Seine Hobbys sind Wandern, Radfahren, Schwimmen, Saunieren, Kochen – und natürlich der ehrenamtliche Journalismus, insbesondere wenn es um die Behandlung kritischer und brisanter Themen geht. Folgenden Leitspruch eines großen deutschen Gewerkschafters hat er sich zum Lebensmotto gemacht: „Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit“ (Otto Brenner, 1968).

5 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Herr Dr. Steiner,

    wieder einmal „tolle“ Leistung. Ihr Beitrag erweckt in mir den Eindruck, das es hier nicht um Objektivität geht, sondern um einen Profilierungsversuch Ihrerseits.

    Woher wissen Sie, das das angebliche Starenpärchen gebrütet hat und nicht erst mit dem Nestbau beschäftigt war? Haben Sie das Nest vorher/nachher kontrolliert und ein Gelege gefunden?
    Wem war lange bekannt, das der Baum hohl war? Ihnen oder den Verantwortlichen in der Stadt oder der UNB?

    Ihre Anzeige bringt für die Umwelt rein garnichts. Für die Bearbeiter bei UNB/Stadt wieder einmal zusätzliche Arbeit. Wer den §41 BNatSchG liest, kann diesen auch im Sinne der Baufäller auslegen. Verkehrssicherungpflicht ist ein vernünftiger Grund oder muss erst jemand zu Schaden kommen?

  2. Ich habe auch den Eindruck, dass oftmals abgeholzt wird, ohne dass dadurch wirklich die Verkehrssicherheit profitieren würde. In meinem Blog habe ich das auch für das Beispiel der Mahlsdorfer Straße im Ortsteil Hönow in Hoppegarten geschrieben.

    Auch hier ist es so, dass im Laufe der Zeit eine alte Allee mit gesunden Bäumen ausgedünnt oder radikal zurückgeschnitten wurde – und das innerorts. Insofern finde ich den Umgang mit Alleen sehr bedenklich! Sie gehören in Brandenburg dazu und prägen Orte und Landschaften. Sie sollten meines Erachtens nachhaltig geschützt werden.

    Und mal ehrlich – Alleen gerade innerorts als Verkehrsgefährdung zu betrachten, finde ich schon sehr bedenklich. Wenn man sich an die 50 km/h hält, passiert ja in der Regel nichts, sondern meist sind ja überhöhte Geschwindigkeit oder Alkohol im Spiel. Insofern finde ich es bedenklich, den Bäumen die „Schuld“ für Unfälle zuzuschreiben.

  3. @Michael Reckzeh
    Erst einmal schöne Grüße ans Wasserschiffahrtsamt Eberswalde!
    Als ver.dianer müssten wir uns eigentlich duzen, wie bisher. Aber sei es drum, bleiben wir erst einmal beim „Sie“, wenn „Sie“ dies so wünschen.

    Mir scheint es, Sie lesen nur das aus meinem Beitrag heraus, was Ihnen passt.
    Eigentlich spielt es keine Rolle, ob das Starenpärchen noch mit dem Nestbau beschäftigt war oder schon eine Gelege hatte. In jedem Fall handelt es sich mit der Fällung der Kastanie um diese Jahreszeit um eine Störung des Brutgeschäftes gemäß § 41 BNatSchGes. Doch mal im Detail: Ich hatte bei der Kastanie vor zwei Wochen beobachtet, dass Stare Nistmaterial in den Baum einbringen. Da ich einen Elternteil immer noch in die Höhlung reinfliegen gesehen habe, ist davon auszugehen, dass der andere nun am Bebrüten des Geleges ist. Die Verantwortlichen in den Behörden habe ich meine Befürchtung mitgeteilt, dass die Kastanie eine Dauerniststätte für Stare tragen könnte.
    Nochmal zum Mitschreiben: Der Stadt und der UNB war der Zustand des Baumes seit Jahren bekannt. Das konnte ich im Nachhinein erfahren. Deshalb zieht hier das Argument Verkehrssicherungspflicht nicht, denn diese hätte dann schon vor Beginn der Vegetationsperiode wahrgenommen werden müssen. Steht doch alles in meinem Artikel drin. Unklar ist mir aber noch, ob die UNB wirklich eine Ausnahmegenehmigung erteilt hat oder die Stadt Eberswalde eigenmächtig gehandelt hat. Deshalb zielt mein Angriff derzeit auch (noch) nicht in Richtung UNB.

  4. @Andreas

    Mist, doch wieder erkannt. ;o)

    Mit den ausführlicheren Erläuterungen in deiner Antwort kann man schon etwas mehr anfangen. Aus dem ersten Beitrag konnte man als Außenstehender ohne Vorkenntnisse den bisherigen Ablauf so nicht erkennen.
    Auch wenn der Zustand des Baumes jahrelang bekannt war, heißt es nicht, das er bisher als „gefährlich“ eingestuft wurde. Ich kenn den besagten Baum nicht. Ich weiß auch nicht, ob schon Pflegemaßnahmen stattgefunden haben etc. Vielleicht hat sich sein Zustand seit der letzten Baumschau auch dramatisch verschlechtert, das jetzt dringend gehandelt werden musste?
    All das ist nicht bekannt und ich würde es begrüßen, wenn du den weiteren Verlauf des Verfahrens bzw. neue Erkenntnisse hier sachlich einstellst.

    Schönes Wochenende

  5. Lieber Michael,
    ein Blog ist, u.a., ein Informationsmedium, wo man Themen nur relativ kurz anreißen sollte. Für wissenschaftliche Abhandlungen ist da kein Platz. Würde auch die meisten Besucher langweilen.
    Jedes Jahr finden an Barnimer Straßen zwei Mal Baumschauen statt. Im belaubten und im unbelaubten Zustand. Die Kastanie war gemäß ihrer Vitalität keine Unbekannte.
    Eine dramatische Verschlechterung des Baumzustandes passiert nicht innerhalb weniger Wochen, weil diese Kastanie schon seit vielen vielen Jahren von innen ausfault. Das ist ein längerer Absterbeprozess. Dies konnte ich an den abgesägten Stammteilen erkennen. Verkehrssicherungspflicht, sicherlich allzu oft auch als Totschlagargument missbraucht, um Bäume zur Fällung auszuweisen, muss aber dennoch höchste Priorität haben. Keiner kann daran interessiert sein, dass Menschen als auch Sachgegenstände durch abgebrochene Äste oder gar umgestürzte Bäume zu Schaden kommen.
    Kurzum: Es gibt klare Anweisungen, solche „Wackelkandidaten“, die Schaden verursachen können, außerhalb (!) der Vegetationsperiode (Spätherbst, Winter) zu entfernen. Das hätte die Stadt Eberswalde in diesem Zeitraum veranlassen müssen. Hat sie aber nicht, und das ist ihr Versäumnis. Nun hinzugehen und zu erwarten, von der Unteren Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung in der Vegetationszeit erteilt zu bekommen, halte ich schon für eine ganz schöne Dreistigkeit. Ich weiß immer noch nicht, ob die UNB diese erteilt hat oder die Stadt bezüglich der Fällung eigenmächtig gehandelt hat. Ich hätte als Entscheidungsträger der Naturschutzbehörde keine Genehmigung erteilt, weil es das zeitliche Versäumnis der Stadt war. Es ist auch nicht zu rechtfertigen, einen Baum wie diese Kastanie im anfänglich belaubenden Zustand zu fällen und Tiere, die ihr Brutgeschäft im Baum betreiben, zu stören. Das steht, wie gesagt, gegen das Gesetz.

    Ich möchte betonen und dies auch für die Zukunft: Meine Forderungen und Erwartungen an die zuständigen Behörden sind nicht aus der Luft gegriffen und schon gar nicht radikal. Ich fordere nur das ein, was die Gesetze uns vorgeben!

    Ist Dir die Sachlage jetzt etwas klarer geworden? :-)

    Dir und Deiner Familie wünsche ich auch ein schönes Wochenende.