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Herr der Plattenbauten – Ausstellung zum Wirken des Architekten Wilfried Stallknecht demnächst in Bernau

platte1Als Teile der Bernauer Altstadt in den 70ern „sozialistisch, musterhaft“ umgestaltet wurden war ich noch ziemlich klein. Ich fand es allerdings schon damals schade das die interessanten, wenn auch zum Teil reichlich angegammelten Häuschen, einem grauen  Einerlei wichen. Das hätte ich mit meinem Baukasten (sagen sie mal was gegen die Logik eines Kindes) wahrscheinlich besser hingekriegt. Der Geist hinter dem Umbau gehört zu Wilfried Stallknecht, Architekt und Stadtplaner.
In einer aktuellen Pressemitteilung der BTU Cottbus heißt es:

Dr. Wilfried Stallknecht – 1928 in Sachsen geboren und als Innenarchitekt, Architekt und Stadtplaner tätig – gehört zu den interessantesten Akteuren der Planungs- und Architektur-geschichte der DDR. (..)Obwohl Stallknecht der Sohn eines Fabrikanten war und zudem den Beitritt zur SED konsequent abgelehnt hatte, gelang ihm eine steile Karriere innerhalb der ostdeutschen Architektenschaft. Zu seinen wichtigsten und interessantesten Projekten zählen die Entwicklung der Plattenbauserien P2 und WBS 70, die Wohnbauten am ehemaligen Leninplatz in Berlin, Versuche zu einem Beton-Wohnhaus, das nach seiner Betonierung gekippt wurde, aber auch die umstrittene Neugestaltung der historischen Innenstadt von Bernau als „sozialistische Musterstadt“. Sein innenarchitektonisches Hauptinteresse, das variablen Wohnungsgrundrissen und flexiblem Mobiliar galt, beschäftigt Stallknecht bis heute. (…).


Unter dem Titel „“Entwerfen im System – der Architekt Wilfried Stallknecht“ wird nun an den „Herrn der Betonfertigteile“ erinnert. Start der Ausstellung ist am 15. April 2009 in Cottbus. Im Anschluss sind Ortswechsel nach Bernau und Berlin geplant.
An der Vernissage wird Dr. Stallknecht, Jahrgang 1928, übrigens persönlich teilnehmen.

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Veröffentlicht von

Stefan ist von Beruf Sozialarbeiter und arbeitet mit chronisch kranken Menschen. Der 2-fache Familienvater ist Autor verschiedener Websites und gelegentlich auch noch als Sänger aktiv. Als leidenschaftlicher Naturschützer wurde er unlängst in die Panketaler Gemeindevertretung gewählt. Weitere politische Schwerpunkte sind die Ortsentwicklung, sowie soziale Themen.

5 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Die grossflächige Zerstörung historischer Bausubstanz in Bernau ist sicher auch heute noch differenziert zu sehen. Einserseits hätten bei den damaligen wirtschaftlichen Umständen viele der Häuser das Ende der DDR ohnehin nicht unbeschadet erlebt, andererseits trifft man in Bernau immer wieder Einwohner, die gern in der kleinteiligen spezifischen Bernauer Disneyland-Platte wohnen. Ob man den Architekten dafür ehren muss, bezweifle ich zumindest.

    Die Serie „P2“ ist auf Grund Ihrer 11 Geschosse den Bernauern ja erspart geblieben, im Unterschied zum 6×6-Raster der WBS70-Platte. In Berlin kann man P2 noch zahlreich bewundern. Das sind die Häuser, bei denen der Fahrstuhl nur im Erdgeschoss, in der vierten, siebenten und zehnten Etage hält. Vermutlich aus Materialmangel baute man jeweils nur einen Fahrstuhl für zwei Treppenhäuser. Dafür gibt es auf diesen Etagen dann lange und jeweils 5 bis 6 Meter breite Verbindungsgänge zwischen Treppenhaus, Fahrstuhl und dem anderen Treppenhaus. Diese Flure nehmen knapp die Hälfte der Wohnfläche dieser Etagen ein. Kinder können dort im Winter Radfahren lernen. Manche Hausgemeinschaft haben auch Tischtennisplatten in den Fluren aufgestellt. Besucher muss man immer von unten abholen, weil sie sich sonst garantiert verlaufen. Viel Spass, den Dr. Stallknecht da den Beweohnern gemacht hat. Allein dafür ist ihm ein Platz in der Architekturgeschichte sicher.

    Unseren historischen Innenstädten drohen heute leider Gefahren anderer Art: Der Einzelhandel, neben den Mietern der wichtigste ökonomische Faktor zum Erhalt der historischen Altstädte Brandenburgs, wird doch durch immer mehr Supermärkte und Center auf der grünen Wiese systematisch zerstört. Hier versagen unsere Kommunalpolitiker allerorten in Brandenburg, das ist leider nicht auf den Barnim beschränkt.

  2. Wir sollten nicht immer mit den Erfahrungen von heute über das Leben von Gestern urteilen. Wer sich -vor allem im Westen- so hämisch über die „Platte“ ausläßt, hatte anscheinend nie Wohnungssorgen. Mit einem Kind „wohnten“ wir bei meinen Eltern in einer 60 m² Altbauwohnung, erst als meine Frau zum zweiten Mal schwanger war, haben wir einfach eine leerstehende Altbauwohnung bezogen- mit stillschweigender Duldung der Wohngebiets-Sozialkommission. Wir hätten jedenfalls mit meinen beiden Kindern gern eine Neubauwohnung (so hieß das in der DDR, nicht „Platte“ ) mit Fernheizung und „Warmwasser aus Wand“ bezogen. Die kriegten allerdings in Berlin fast nur die zugezogenen Sachsen. So unterschiedlich sind eben die Erfahrungen. Frohe Ostern.

  3. @Karl-Heinz:
    Mit der Einzelhandelsproblematik hast Du wirklich recht. Unsere Panketaler Grünen-Fraktion hat für die nächste GV-Sitzung einen Antrag mit dem Titel „„Einzelhandelskonzeption Gemeinde Panketal -zur planungsrechtlichen Steuerung des Einzelhandels, zur
    Flächensicherung und Stabilisierung der Ortszentren“ eingereicht.
    Ich verlinke zum Inhalt sobald die Vorlage online steht.

  4. @Dr. Valentin: Ich bin auch erst kurz vor dem zweiten Kind von einer 1 1/2-Zimmer-Altbauwohnung in eine menschenwürdige Wohnung gezogen. Das war in der besagten P2-Platte (des Herrn Stallknecht, wie ich jetzt weiss). Habe sie aber auch damals schon liebevoll „Platte“ genannt, so wie die meisten meiner Nachbarn oder Bekannten auch. „Platte“ war und ist Berliner Volksmund, „Neubauwohnung“ eher Wohnungstauschanzeigen-Deutsch. Wohnungstauschanzeigen? Kennen die jungen Leute vermutlich schon nicht mehr. „Tausche Zweiraum- und Einraumwohnung gegen Dreiraumwohnung“ (bei Hochzeit) – und andersrum bei Scheidung.

    Aber um auf den Artikel zurück zu kommen: Es gab auch in der DDR bemerkenswerte Architektur. Die Plattenserien P2 und WBS 70 zählen meines Erachtens nicht dazu. Und kommende Generationen werden da weiter dran schreddern, wie schon in Schwedt, Hoyerswerda usw. begonnen.

  5. @Karl-Heinz:
    So gesehen ist Herr Stallknecht einer der ganz wenigen Architekten und Planer der viele seiner Bauwerke bereits überlebt hat.Noch etwas, das diesen Mann besonders macht.