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Breites Bündnis für eine Gentechnikfreie Region im Barnim

Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Gartenbau, Imkerei, dem Lebensmittelverarbeitenden Gewerbe, sowie aus Politik, Kirche und Naturschutz trafen sich anlässlich des im Rahmen des Filmfestivals überMacht gezeigten Films „Monsanto mit Gift und Genen“ im Kulturbahnhof Biesenthal, um über Grüne Gentechnik in der Region zu diskutieren. Der Vorschlag der Lokalen Agenda 21 Biesenthal zur Schaffung einer großräumigen Gentechnikfreien Region im südlichen Barnim, die sich an die Region Uckermark-Barnim anschließt, fand bei den eingeladenen Gästen und Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmern eine breite Zustimmung. Bis zum Herbst sollen Landwirte und Kommunen dazu gezielt angesprochen werden.

Mehr als achtzig Menschen lockte das Thema Grüne Gentechnik am vergangenem Sonntag in den Kulturbahnhof Biesenthal. Auf Einladung der Lokalen Agenda 21 Biesenthal sahen sie sich dort den Dokumentarfilm „Monsanto, mit Gift und Genen“ an – eine brillante Recherche über den Biotechnologie-Konzern Monsanto. Im Film wird deutlich, wie »wissenschaftliche Beweise« für die Behauptung, Gentechnik sei sicher zu Stande kommen. Die Einflussnahme des Konzerns auf Politik und Kontrollbehörden wird enthüllt und nachgewiesen, wie rücksichtslos der Konzern eine Verunreinigung von gentechnikfreiem mit seinem eigenen genverändertem Saatgut in Ländern wie Paraguay zulässt. Dort hatten Gesetzesbrecher jahrelang Gen-Soja-Saat illegal eingeführt und ausgesät und damit Fakten geschaffen, so dass der Staat am Ende nur noch den Status Quo abnicken konnte. So kommt der Konzern sogar dort, wo er eine legale Aussaat von Gen-Mais nicht erreichen kann, durch absichtlich-zufällige Kontamination doch noch zu seinem Ziel, sein Saatgut zu verkaufen.

Olaf Willert, biologisch wirtschaftender Schäfer und Obstbauer aus Rüdnitz (Biohof Eichhorn) und weiteres Publikum im Kultur Bahnhif Biesenthal

Olaf Willert, biologisch wirtschaftender Schäfer und Obstbauer aus Rüdnitz (Biohof Eichhorn) und weiteres Publikum im Kultur Bahnhof Biesenthal

„Diese Konzerne sind übermächtig. Wie soll man sich dagegen wehren? So fragte erschüttert einer der Zuschauer nach dem Film und sprach damit aus, was viele dachten. „Wir haben mehr Macht, als wir denken“, so der Landwirt Heiner Petersen von der Gentechnikfreien Region Uckermark-Barnim, der als Referent eingeladen war. „Als Landwirte können wir uns zum Beispiel öffentlich dazu bekennen, dass wir auf unseren Flächen den offiziell zugelassenen Genmais Mon810 nicht anbauen werden. Sinnvoll ist die Einrichtung möglichst großräumiger Gentechnikfreier Regionen.“ In der Region Uckermark-Barnim hat er seit dem Jahr 2004 gemeinsam mit anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, insgesamt sind es 46 konventionell und biologisch wirtschaftende Landwirte mit einer Anbaufläche von 16.000 ha vom gentechnikfreien Anbau überzeugen können. „Nicht nur Bauern haben einen Nutzen von Gentechnikfreien Regionen, sondern auch die Verpächter landwirtschaftlicher Flächen. Denn der Wert des Bodens kann vermindert werden, wenn dort verbleibende Gentech-Samen eine Umstellung auf gentechnikfreie Produktion über Jahre unmöglich machen“, so Petersen weiter. Auch die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg hat für ihre Flächen ein Verbot des Anbaus von Gentech-Pflanzen festgelegt, berichtete Frank Städler, Pfarrer aus Beiersdorf, der trotz seines ausgebuchten Sonntags noch zur Diskussion angereist war.

auf dem Podium sitzen von links nach rechts: Thomas Janoschka (Aktionsbündnis gegen Gentechnik Barnim), Heiner Petersen (Gentechnikfreie Region Uckermark Barnim), Josephine Löwenstein (Lokale Agenda 21 Biesenthal, Moderation) und Volker Keuchel (Naturpark Barnim)

auf dem Podium sitzen von links nach rechts: Thomas Janoschka (Aktionsbündnis gegen Gentechnik Barnim), Heiner Petersen (Gentechnikfreie Region Uckermark Barnim), Josephine Löwenstein (Lokale Agenda 21 Biesenthal, Moderation) und Volker Keuchel (Naturpark Barnim)

Thomas Janoschka vom Aktionsbündnis gegen Gentechnik Barnim ergänzte: „Auch als Verbraucher hat man Einfluss. So können sich seit 2008 Konsumenten an der Ladentheke gezielt nach dem Label „ohne Gentechnik“ erkundigen – oder gleich Lebensmittel aus biologischem Anbau einkaufen, der die Verwendung von Gentechnik strikt verbietet.“ Die weit überwiegende Mehrheit der deutschen und europäischen VerbraucherInnen sieht ohnehin in den Gentech-Pflanzen keinen Nutzen, der es rechtfertigt, die menschliche Gesundheit und die Vielfalt in der Natur den Risiken der Agro-Gentechnik auszusetzen, so Janoschka. „Eine gute Möglichkeit ist es auch, seine Ablehnung von Gentechnik per Protestmail z. B. über www.greenpeace.de an die Politik zu senden. Täglich gingen derzeit Mails besorgter Bürgerinnen und Bürger bei der Landwirtschaftsministerin Aigner ein, die bereits erwägt die Zulassung für Genmais in Deutschland zu verbieten. Janoschka ergänzte: „Auch Kommunen können Einfluss ausüben. So könne sich die Naturparkstadt Biesenthal als Gentechnikfreie Stadt erklären und damit zum Ausdruck bringen, dass sie gentechnikfreien Anbau im Gemeindegebiet unterstützt – so wie es bereits die Städte Eberswalde und Bernau getan haben.“ „Dies würde dem Ansehen unserer Region sehr zugute kommen“, so eine Stimme aus dem Publikum. „Schließlich kommen viele Menschen genau deshalb hierher, weil sie die Natur hier schätzen, als Touristen oder wie ich selbst als Zugezogener. Es wäre doch ein Skandal, wenn wir in Brandenburg durch Gentechnikanbau den Ruf, das „Tafelsilber der deutschen Einheit“ zu besitzen verspielen würden und damit die Chance auf ein Wachstum des Sanften Tourismus als Einnahmequelle in einer strukturschwachen Region“.

Interessant war nun der Beitrag des dritten Referenten, Volker Keuchel vom Naturpark Barnim. Wie er berichtete, gibt es im Bereich des Naturpark Barnim etliche Landwirte, die sich bereits zu gentechnikfreiem Anbau verpflichtet haben. Derzeit liegen im Naturpark Barnim Selbstverpflichtungserklärungen von über 12.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche vor.“

Sehr unterstützt wurde dieses Bemühen von den zahlreich anwesenden Imkern. Insbesondere Herr Jesse von der Imkerunion Brandenburg teilte mit, dass gentechnikfreier Anbau für die Imker überlebenswichtig sei. Seiner Meinung nach „verpassen die Landwirte, die meinen noch auf Gentechnik setzen zu wollen, derzeit den Anschluss an den Markt. Sie stehen doch ökonomisch auf der viel sichereren Seite, wenn sie gentechnikfrei produzieren. Die Konsumenten fragen das nach und große Milchverarbeiter stellen sich darauf ein.“ Als Beispiel wurde die allseits bekannte Milchmarke „Landliebe“ genannt. Tausende Verbraucher hatten im vergangenen Jahr mit Protestpostkarten die Forderung von greenpeace nach einem Verzicht auf Gen-Pflanzen unterstützt. Mit Erfolg: Landliebe lenkte ein und schließt seither Gen-Soja und Gen-Mais im Futter aus. Dass gentechnikfreie Landwirtschaft auch für den zukünftigen Arbeitgeber in Biesenthal, der neuen Lobetaler Bio-Molkerei, überlebenswichtig ist, dem stimmte auch deren Leiter Michael Kuper zu.

Vertreten waren natürlich auch die Ökobauern der Region. Olaf Willert, Schäfer und Obstbauer aus Rüdnitz bemerkte, er könne sich sehr gut vorstellen, an seinem Hof ein Schild aufzuhängen „Mitglied der Gentechnikfreien Region Barnim“ (oder wie immer die Region dann genannt werden sollte). Damit könne er zum Ausdruck bringen, dass er mitarbeite in einer großen Gemeinschaft von Erzeugern, die sich mit diesem Qualitätsmerkmal auszeichneten. Dass auch einige der konventionell wirtschaftenden Betriebe – wenn auch bislang nicht alle – an einem solchen positiv besetztem Aushängeschild Interesse haben könnten, bestätigte dann auch Holger Lampe, Vorstand des Kreisbauernverbands Barnim. Der Bauernbund Brandenburg, der ebenfalls konventionelle Landwirte vertritt, steht ohnehin seit Jahren auf dem Standpunkt, Gentechnik sei nicht nur überflüssig, sondern schädlich. “Wer vernünftig wirtschaftet, braucht das Zeug nicht.”, so ihr Vorsitzender Bringfried Wolter in einer Veröffentlichung. Gentechnik ermögliche Monokulturen, die die Böden auslaugen, und Monopole, die den Saatgutmarkt beherrschen. Beides sei nicht im Interesse des Berufsstandes.

Josephine Löwenstein von der Lokalen Agenda 21 Biesenthal fasste das Ergebnis der Diskussion zusammen. Es bestehe in der Region des Naturparks Barnim demnach ein starkes Interesse daran, sich mittels Selbstverpflichtungserklärung der Landeigner und Flächennutzer zu einer Gentechnikfreien Region zusammenschließen, die sich möglichst an die bestehende Region Uckermark-Barnim anschließen soll. Die Kommunen seien aufgerufen, durch eigene Erklärungen eine solche Initiative zu unterstützen.

So endete die Veranstaltung mit Gesprächen in kleinen Gruppen aktionswilliger Menschen. Sie vereinbarten, die positive Aufbruchstimmung nicht tatenlos vergehen zu lassen. Am 23.3.09 um 19 Uhr soll bei dem nächsten Treffen der Bürgerinitiative gentechnikfreies Barnim in der Kirchgemeinde Börnicke (Thälmannstr. 21) die Aufgabenverteilung besprochen werden. Weitere Interessenten und MitstreiterInnen sind dazu herzlich willkommen. Die Gründung der Gentechnikfreien Region ist dann für den Herbst 2009 geplant, wenn die Jahreszeit den Landwirten wieder mehr Verschnaufpause für solche Tätigkeiten lässt. Der Naturpark Barnim sammelt bis zu diesem Zeitpunkt alle Namen und Flächenangaben von Landwirten, die bereit sind, sich zu gentechnikfreiem Anbau zu verpflichten. Meldungen bitte unter: 03338/ 75176-0 oder –15.

Wer sich weiter mit dem Für und Wider der Gentechnik befassen möchte, dem sei noch die Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative für einen gentechnikfreien Barnim am 27.3.09 um 19 Uhr in Werneuchen (Annenhof, Freienwalder Str. 46) empfohlen. Hier wird auch ein Vertreter von Syngenta sprechen, des Schweizer Biotech-Konzerns, der den Freisetzungsversuch in Weesow geplant hatte (und weitere Flächen beantragt hat).

Weitere Infos unter www.gentechnikfreie-regionen.de und www.greenpeace.de/themen

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13 Kommentare » Schreiben Sie einen Kommentar

  1. Kürzlich wurde in der SüddeutschenZeitung berichtet, dass in Mexiko genmanipulierter Mais gefunden wurde, obwohl es in Mexico ein Anbauverbot für genmanipulierten Mais gibt.
    Es handelt sich auch hier um illegale Aussaaten.
    Fragt sich nur, wer dafür verantwortlich ist und wie er zur Rechenschaft gezogen werden könnte.

  2. Diese Frage kann ich leider nicht beantworten, da ich die Aktion an der Allee Rüdnitz-Danewitz nur nebenbei und am Rande verfolg habe. Doch sicher weiß jemand anderes hier bestimmt genaueres. Oder einfach direkt den Olaf Willert fragen. Der ist über http://www.eichenhorn-hof.de zu finden.

  3. @Hartmut Lindner
    das ist genau das Problem, für illegale oder „zufällige“ Aussaten oder Auskreuzungen zeichnet sich niemand verantwortlich und schon gar nicht die Unternehmen, welche diese GVO’s produzieren.

  4. @Karl-Heinz
    Wenn sie keine vernünftigen Beiträge als Autorin bringt, sondern nur diese Art geistiger Ergüsse, freue ich mich weniger darüber. Das muss an dieser Stelle auch mal deutlich gesagt werden.
    Wahrscheinlich kommt sie immer noch nicht drüber hinweg, dass ich eine andere Einstellung zum Flugplatz Finow habe, die ich auch partout nicht ändern werde, auch wenn ich nun für die Grünen Eberswalder Stadtpolitik mache…

  5. @Andreas: Ich hab keine Ahnung, welche Meinung Lena zum Flughafen hat. Hat sie hier noch nie geäußert.

    Allerdings kannst du ja auch nicht jeden Rüdnitzer kennen. Und ich als Rüdnitzer muss sagen, dass mir Olaf Willert bei unserem Kampf um die Ahornallee weder positiv noch negativ aufgefallen ist.

  6. Am 21.04. um 18:00 Uhr beschäftigt sich Kreis „Umweltausschuß“ mit dem Antrag eines GVO-freien Barnims. Also, uff!

  7. Hallo,

    mein Name ist Andrea Künnemann und ich unterstütze derzeit die Initiative „Gentechnikanbaufreie Region südlicher Barnim“ in Organisation und Koordinierung.
    Ich finde es schön, dass Sie über die erste Veranstaltung berichtet haben aber seither ist viel passiert.
    Es hat sich ein Bündnis gegründet mit bisher 29 beteiligten Landwirten, Imkern, Gärtnern etc. Über 6000 ha wurden bisher in das Bündnis eingespeißt, die garantiert gentechnikfrei bewirtschaftet werden.
    Für alle, die an der Initiative interessiert ist, schauen Sie rein unter http://www.gfr-barnim.de
    Wir freuen uns über Unterstützung und weitere Mitstreiter!